Monat: Mai 2016

Blackstage – Fotografie von Roman Gaigg

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Blackstage
Verlag: Eigenveröffentlichung
Seiten: 200, Softcover
Link: Roman Gaigg

Bildbände über Musiker und Konzerte gibt es viele, doch „Blackstage“ von Roman Gaigg hebt sich auf mehrere Arten von dieser Flut ab. Es handelt sich um ein Projekt voller Herz und zeigt das Kulturlokal KiFF in Aarau aus einer neuen Perspektive. Veröffentlicht via Crowdfunding zum 25. Jubiläum und am grossen Fest offiziell eingeweiht, besticht der Fotoband durch seine wunderbare Verarbeitung und Präsentation. Gerne nimmt man das Buch in die Hände und lässt sich nach Aarau transportieren – in eine Welt voller Leidenschaft und Energie.

„Blackstage“ gönnt sich zwei Teile und konzentriert sich zuerst auf die Nebensächlichkeiten – nämlich was rund um ein Konzert hinter den Türen des KiFF passiert. Durch Gaiggs Linse dürfen wir die Backstageräume betreten und wie ein geheimer Gast herumschleichen. Mit verschobenem Fokus und einer heimlich wirkenden Betrachtungsweise weicht man dem wilden Treiben auf den Bühnen aus. Man will nicht entdeckt werden, dem Schaffen aber doch beiwohnen. Interessant, wie atmosphärisch anders die Bilder wirken. Keine Spur von der rohen Energie der Konzerte, mehr Ernsthaftigkeit und Konzentration – und trotzdem fesselnd und voller Geheimnisse.

Wer seinen Spaziergang durch das KiFF beendet, der landet im zweiten Teil von „Blackstage“ und darf nun die Musiker ganz aus der Nähe betrachten. Roman Gaigg hat viele Künstler vor ihren Auftritten im Portrait festgehalten und in schwarz-weissen Bildern eine tolle Rückschau erschaffen. Die Gedanken und Anspannungen der Musiker werden fast greifbar, die Vorfreude tröpfelt vom Papier. Erstaunlich ist nur, wie wenig Frauen sich auf den Seiten tummeln – die Musikszene wird leider immer noch stark von männlichen Künstlern bestimmt. Umso mehr Spass macht es aber, die Bilder durchzuschauen und daraus ein Quiz zu machen. Wie viele Leute erkennt man, welche Gruppen hat man selber im KiFF erlebt?

Mit kurzer Einleitung, einem Index und dem hübsch schwarzen Einband ist „Blackstage“ ein formvollendetes und hübsches Buch für den Platz neben dem Plattenregal. Ein Aarauer Produkt für die ganze Schweiz, eine wunderbare Ergänzung der Festaktivitäten und ein Zeugnis von Gaiggs Talent. Mit diesem Fotobuch macht kein Liebhaber der Musikszene etwas falsch.

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Live: Grande Finale, Royal Baden, 16-05-28

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Grande Finale
Mit: Verena Von Horsten, Reverend Beat Man, Dwarfish, Pink Spider, Francisco Nogal, Black Smoke Medicine Show
Samstag 28. Mai 2016
Royal, Baden

Das Royal in Baden war immer kultureller Sammelplatz einer Zwischenwelt. Im Gegensatz zu anderen Lokalitäten im Aargau fand hier Ausgefallenes, Absurdes und wunderschön Verrücktes seinen verdienten Platz. Doch nicht immer war dies selbstverständlich oder einfach, denn der Kulturverein kämpfte gegen Umbauprojekte und für sein Bestehen. Nach mehreren erfolgreichen Jahren sagte das Team nun Adieu und das Royal wurde für zwei Tage zu einem grossen Festplatz. Grande Finale – für alle Gestalten und Figuren.

Unter der lachenden Sonne fand man nicht nur Musiker und Notenverdreher unter dem Festzelt, sondern auch Artisten und Künstler. Das Hochseil wurde im Casinopark aufgespannt, die Kinder durch die Gruppe Lampenfieber unterhalten, man konnte sich im Kino die Zukunft zeigen lassen und die Fassaden wurden von Pixelpunx bestrahlt. Zusammengehalten wurde das bunte und wilde Programm von der Black Smoke Medicine Show, bei denen man nicht nur sich selber mit vielen interessanten Getränken verbessern konnte. Wohin man auch schaute, alles war voller glücklicher Menschen und liebevoll gestalteten Ständen. Und immer wieder vernahm man abenteuerliche Klänge von der Bühne – das musikalische Programm zeigte die Vielfalt des Royals noch einmal in komprimierter Form.

Argentinien schickte Francisco Nogal mit seinen schönen Singer-Songwriter-Stücken, Pink Spider erwischte den perfekten Moment im Regen und sang sich durch ergreifende Lieder mit vielen Emotionen. Extra für diesen Anlass haben sich die psychedelischen Rocker Dwarfish nach 18 Jahren wieder zusammengetan und alles im Nebel versinken lassen, Reverend Beat Man spielte seinen furiosen Blues Trash in dunkler Kutte und erfand gleich alle Songs neu. Spät in der Nacht liess Verena Von Horsten den ehemaligen Kinosaal mit ihrem Synth-Rock erbeben und draussen wurden mit Blutmond neue Realitäten in einer Glaskugel erschaffen. Umwerfend und wie in einem Märchenbuch, zwischen süssen Waffeln und würzigen Würsten wurde das Fest zu einem Triumphzug und Abschied, der jede Träne in Lebensmut verwandelte.

Das Royal ist tot, lange lebe das Royal! Denn im September geht der Spass weiter, unter neuer Führung und mit neuen Ideen. Baden lohnt sich also weiterhin für kulturell interessierte Tanzbären und Ideenschrauber.

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25 Jahre KiFF Fest mit Leech, KiFF Aarau, 16-05-27

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KiFF Fest
Mit: Leech, Agent Fresco, Al Pride, Palko!Muski, Stranded Heroes
Freitag 27. Mai 2016
KiFF, Aarau
Bilder Konzert: Kathrin Hirzel

Wisst ihr noch was ihr vor 25 Jahren gemacht, oder wann ihr zum ersten Mal dem KiFF einen Besuch abgestattet habt? Wohl weniger, dafür wird allen das grosse Fest zum 25. Jahr Kulturbetrieb in der Futterfabrik noch lange im Kopf bleiben. Das Konzert- und Partylokal in Aarau hat sich mit seinen Nachbarn herausgeputzt und bot während zwei Tagen ein Fest der Sonderklasse. Nicht nur mit Bier und Bratwurst, sondern mit vielen Attraktionen, Konzerten, Ausstellungen und einem denkwürdigen Auftritt einer Regionalband.

Doch bevor sich die Massen in den aufgewärmten Saal bewegten, genoss man draussen und in diversen Räumlichkeiten die Gelegenheit, neue Freunde und alte Unbekannte zu treffen. Wer sich nicht wegzaubern liess oder zu viele Umrundungen mit dem Karussell machte, der fand Spass und Hirnfutter an der Buchvernissage zu „Blackstage“, den Kunst- und Fotoausstellungen oder bei einer Partie Ping-Pong. Zwischen Sonnenstrahlen und Schattenmustern begaben sich die Gäste auf Reisen zu alten Veranstaltungen und kommenden Anlässen. Denn ein solches Fest wird schliesslich auch immer gerne dazu genutzt, sich gegenseitig mit Anekdoten zu übetrumpfen.

Viel zu erzählen werden auch Agent Fresco zu Hause in Island haben. Die sympathische Gruppe musste sich mit den sommerlichen Temperaturen auseinandersetzen, wurde dafür umso wärmer von allen Gästen empfangen. Kein Wunder, faszinierte die Band mit ihrer treibenden Mischung aus Mathcore, Metal, Post-Rock und sogar Pop. Ihre Lieder wechselten die Ausrichtung genau so schnell wie sich die Leute im Saal einfanden, die harten Instrumentalpassagen wurden herzoffen von dem melodiösen Gesang bemustert. Erstaunlich, wie druckvoll und vielfältig die nur vier Musiker ihre Stücke klingen liessen. Ein echter Geheimtipp und perfekter Kandidat, um den Rock-Teil des KiFF Fest zu starten.

Mit Leech folgten dann ein sicherer, wenn auch selten gehörter Wert. Die fantastischen Post-Rock-Veränderer aus der Umgebung von Zofingen spielen viel zu selten Konzerte und somit war die Show im KiFF ein echtes Highlight. Auch weil die Gruppe die Gelegenheit nutzte, den Geburtstag mit ihrem eigenen Jubiläum des Debüt-Albums zu verbinden. Das freute nicht nur die Band, denn Leech spielten endlich wieder viele Lieder von „Instarmental“. Wilde Angriffe, unendlich hohe Türme aus Gitarren und Orgel, Pausen, um alle Fäuste in die Luft zu strecken und mitreissende Melodien. Erstaunlich, dass es eine kleine Band aus der Schweiz braucht, um den Post-Rock endlich spannend und neu zu gestalten. Wieso schafft dies sonst keine Band? Wir dürfen also hoffen, dass Leech die Schweiz und das Umland bald wieder mit neuem Material und vielen weiteren orgiastischen Abenden beehren.

Wer dem KiFF zwar gratulieren wollte, aber den Rock eher anzieht als hört, fand in der Nacht bei Electro und Techno viele Möglichkeiten, die gezeigten Beine in Bewegung zu versetzen. Oder bei Palko!Muski als Zigeuner zu tanzen, mit den Badener Al Pride eine Kiste voller Pop zu durchwühlen oder einfach da zu sein. 25 Jahre Kulturbetrieb sind eine grossartige und wunderschöne Leistung und mit dem Fest hat sich das KiFF perfekt gefeiert und präsentiert. Es war eine dieser Nächte, die nie enden sollten. Danke allen Helfern, Mitwirkenden, Freiwilligen und dir. War schön dich zu sehen.

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Palko!Muski – Land Of Ego (2016)

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Palko!Muski – Land Of Ego
Label: Irascible, 2016
Format: CD im Digipak, Poster
Links: Band, Facebook
Genre: Gypsy-Punk, Folk-Rock

Nein, viel erinnert hier nicht mehr an die Glas-Stahl-Fassaden, den blitzblank polierten Marmor und das Quietschen der Trams. Viel mehr fühlt man sich mit „Pupazzo“ gleich in Waldnähe versetzt, tanzt in bunten Kleidern über Holztische und verschüttet dabei laut singend seinen Wein. Obwohl Palko!Muski aus Zürich stammen, ist die Band eine barttragende Truppe nahe dem Lagerfeuer der Zigeuner. Ob Folk-Punk, Gypsy-Rock oder Handorgel mit elektronischer Gitarre: Hier zwirbelt sich der Schnauz!

Und auch wenn man bei solchen Bands immer von Live-Urgewalten spricht, Palko!Muski nahmen diese zappelnde Energie und übertragen sie mit einem Schmunzeln auf ihr neustes Album „Land Of Ego“. Und wie es sich für eine solche Band gehört, wechseln die Instrumente genau so schnell wie die Einflüsse und Stilrichtungen. Ob man nun auf einem alten Kahn über die Meere schippert – mit viel Rum natürlich – oder einer internationalen Rockband lauscht, gute Stimmung ist garantiert. Natürlich wagen sich die Musiker auch an etwas überlegtere Dichtungen der Probleme, das Tanzbein muss aber nie lange der Sehnsucht Platz machen. Und besonders jetzt, in den Monaten, in denen die Hälfte aller Menschen ihren Esstisch in den Garten stellt, ist solche Musik perfekt. Man balanciert die Teller und Gläser zwischen verrückten Rhythmen und Synths hindurch, landet im Stroh und singt im Chor mit.

„Land Of Ego“ ist kein typischer Vertreter der Schweizer Musik. Polka!Muski haben hier 13 Lieder auf die Welt gebracht, die nicht nur Länder und Gesinnungen mischen, sondern auch nicht zimperlich mit Genres umgehen. Wenn plötzlich in „Violence“ der Funk vorbeischaut wirkt es nie erzwungen, die Platte bleibt organisch. Dabei lauern hinter den Songs immer etwas Narrenfreiheit und schelmische Absichten – alleine lässt einen die Band aber nie. Ohne Bedenken darf man mitfeiern und die Kreativität geniessen.

Anspieltipps:
Land Of Ego, Girl, The Door

Roland Bühlmann – Aineo (2014)

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Roland Bühlmann – Aineo
Label: Eigenveröffentlichung, 2014
Format: CD
Links: Bandcamp, Künstler
Genre: Instrumental, Prog

Künstler, die ihre Musik nicht nur komplett selber schreiben, sondern auch alles eigenhändig und unabhängig aufnehmen und vertreiben, erhalten von mir immer eine grosse Portion Bewunderung. Der Aufwand und das Können sind nicht nur viel grösser als bei einer Band mit etwa fünf Mitgliedern, auch braucht man eine starke Vision und viel Geduld. Roland Bühlmann preist somit mit seinem Werk nicht nur höhere Mächte, sondern auch den individuellen Gedanken in der Musik – „Aineo“ schmückt sich nie mit falschen Erwartungen.

Musiker Bühlmann bleibt bei seinen Stücken instrumental und tobt sich in den komplexen Tälern zwischen Prog, Post-Rock und Fusion aus. Bestimmend findet man Gitarrenskulpturen, die filigran zwischen Piano und Schlagzeug im Park stehen. Nicht ohne Grund erinnern die Lieder auch mal an gleichgeschaltete Musiker wie Mike Oldfield – auch dieser weltbekannte Mann hat seine ausufernden Kompositionen alleine bestritten. Bei Roland Bühlmann gehören aber nicht nur die Melodien und Klangideen zum Grund für „Aineo“, sondern auch das Verweben der einzelnen Instrumente. Die Stücke bleiben zwar meist ruhig – oder brechen zumindest nicht wütend durch den Holzzaun – finden aber in wenigen Takten eine tolle Stärke. Man muss schon bereit sein, sich Musik auch erarbeiten zu wollen. Doch wer sich in oben erwähnten Stilrichtungen auskennt, wird hier bestimmt nicht verzweifeln.

Musiker in der Schweiz haben es nicht einfach, der Markt ist zu klein und die Hörer oft zu eingeschränkt in ihrer Wahrnehmung. Dass Roland Bühlmann mit „Aineo“ sich aber gegen all diese Bedenken stellt und sein Ding professionell durchzieht, ist bemerkenswert. Die instrumentalen Stücke erzählen eine tolle Geschichte und zeugen auch von grossem Potential. Sicherlich hat der Musiker hiermit noch nicht sein alles bestimmendes Meisterwerk vorgelegt, überzeugt aber atmosphärisch.

Anspieltipps:
Breakthrough, Unexpressed, Kenosis

Manhigh – Diver (2016)

Manhigh - Diver

Manhigh – Diver
Label: Eigenveröffentlichung, 2016
Format: Download
Links: Band, Facebook
Genre: Rock

Lässt sich in Zürich eine Rebellion anzetteln, brennt die Stadt wieder einmal? Oder gehört der Ort heutzutage doch den Leuten, die im edlen Anzug mit Fantasiezahlen ganze Landstriche erobern? Wie auch immer, Manhigh geben nicht klein bei und beweisen mit „Diver“, dass man auch 2016 noch knallenden und traditionellen Rock auf die Beine stellen kann, der so manchem noch Feuer unter dem Arsch macht. Die Band beugt sich dabei niemandem und legt ihre neuste Scheibe als eigene Veröffentlichung der Welt vor. Handgemachte Musik hat auch nichts anderes verdient.

Manhigh gehen ihre Lieder mit viel Gewichtung der Gitarre an, diese trägt die Lieder nicht nur, sondern gibt oft auch die Richtung vor. Songdienliche Soli sind erlaubt, minutenlanges Herumgezupfe wird aber niemandem zugemutet. Dies ist gut so, denn Rock ist vor allem eine druckvolle Teamarbeit, die in knackigen Songs am meisten Wucht verbreitet. Auch wenn sich Bass und Schlagzeug auf „Diver“ eher zurückhalten, muss das Rampenlicht nicht besucht werden, um die kräftigen Fundamente der Stücke aufzubauen. Aus allem herausstechen kann aber der raue und kräftige Gesang von Michi. Manchmal wie durch eine Knoblauchpresse rausgedrückt, präsentiert er seine Text hochenergisch und passt damit perfekt zum wilden Auftreten der Band. Bei Rock bedeuten diese Elemente immer eines: Stimmung! Und so verhält es sich auch bei Manhigh – ihre neuste Platte macht viel Spass und bietet über die gesamte Laufzeit wunderbare Momente für Lederjackenträger und Biertrinker. Man darf sich gerne mal die Arme um die Schulter legen und bei Songs wie „Falling Apart“ herumschunkeln, die Luftgitarren werden aber nie für lange an die Garderobe gehängt.

Auch ohne Revolte in der Schweiz holen sich Manhigh ihre Inspiration von weit her: Stoner, Sludge und Metal dürfen die Stücke prisenweise würzen, „Diver“ wird somit abwechslungsreich und man hört es gerne in der heimischen Stube – bitte Stiefel vorher ausziehen – oder feiert in seiner Lieblingsbar. Die Musiker verstehen ihr Handwerk und lockern die klassische Stilrichtung mit viel Eigeninitiative auf und katapultieren sich damit zwischen Sex und Alkohol.

Anspieltipps:
Falling Apart, We Once Were Strangers, What You Got

Live: David Duchovny, X-Tra Zürich, 16-05-17

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

David Duchovny
Support: Pat McCusker
Dienstag 17. Mai 2016
X-Tra, Zürich
Setlist

Dieser Abend machte es mir nicht einfach. Wenn eine kreative und bekannte Persönlichkeit neue Wege in der Karriere beschreitet, dann möchte man dies gerne losgelöst vom bisherigen Schaffen betrachten. Doch gerade bei Schauspielern, die nun plötzlich als Musiker unterwegs sind, wird man schier von Klischees überschwemmt. Dass David Duchovny – bekannt aus TV und Kino – nun als Sänger einer Pop-Rock Band unterwegs ist und sich dabei leider nicht von seinen Charakteren trennen konnte, zerstört meine Absicht.

Wobei dies fast fair ist, war das Konzert im X-Tra doch eine mittlere Katastrophe. Scheinbar hat niemandem den guten David gesagt, dass er nicht wirklich singen kann. Fürs Studio kann dies ja ausreichen, dort lassen sich auch viele Fehler mit der Technik ausbügeln. Live auf der Bühne muss man aber die Töne schon treffen, oder zumindest andeuten. So bestand Duchovnys Aufgabe in Zürich vor allem darin, auf der Bühne herumzuhampeln und in das Mikrofon zu sprechen. Mit seinen ungelenken Bewegungen verdeutlichte er, dass ein solcher Auftritt für ihn fremd ist – und er riss die Grenzen zu seinen Serien-Schöpfungen gleich selbst nieder. War dies nun seine echte Persönlichkeit, oder doch eher ein betrunkener Hank Moody in einer Karaokebar? Warum singt er dann aber nur extrem platte Texte?

Viele dieser Punkte konnte nicht einmal die sechsköpfige Band überspielen, eher war ihr Auftreten mechanisch und abgespult. Schade, denn die instrumentalen Teile der Songs hätten Potential, um ausgebaut zu werden. Sicherlich, es handelte sich um ungefährliche und oft inspirationsarme Stücke aus dem amerikanischen Kosmos des Pop-Rock mit Country-Anleihen. Wenn aber schon drei Gitarren auf der Bühne stehen, dann könnte man auch etwas wagen. Pat McCusker durfte als einziger glänzen und spielte sogar alleine als Support. Seine sanften Singer-Songwriter-Stücke waren angenehm und lebten von den stimmlichen Emotionen. Besonders spannend wurde es bei den schnellen Passagen, der Gitarrist lebte da förmlich auf. Oder beim Cover von „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel.

Dieser Kniff wurde dann auch von David Duchovny gewagt, doch leider vergriff er sich an „Stay“ von David Bowie. Musikalisch passte das Lied gut in die Präsentation von „Hell Or Highwater“, doch Duchovny verwechselte wohl Bowies tiefen Sprechgesang in „Stay“ mit einem Ausweg für seine eigenen Limitationen – Tom Petty passte besser. Da half nur noch der Sprung in die Menge und das Bad in den freudig jubelnden Frauen. Warum singen und im Licht stehen, wenn man durch den gesamten Saal joggen kann und seine Berühmtheit gleich körperlich spielen lässt. Denn eigentlich wäre David ja ein toller und cooler Typ, jemand der sich selber nicht zu ernst nimmt und seine Macken zu Stärken machte. Gemütliche Rock-Konzerte zu spielen ist aber ganz klar der falsche Ansatz, besonders wenn man sich auf der Bühne nicht zu helfen weiss und sogar sein Publikum beleidigt. Schade, ich bin sehr enttäuscht.

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

The Drops – Adios (2015)

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The Drops – Adios
Label: Eigenvertrieb, 2015
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Pop, Indie

Die Tropfen vermengen sich gerne zu etwas grösserem, in den Ferien liebt man vor allem ihre Gruppenform als Welle. Ob man hineinspringt, darauf reitet oder einfach nur dem Bruch lauscht, es befreit und macht glücklich. Diese Stimmung versucht nun auch die Schweizer Band The Drops zu erschaffen und beschwört mit ihrer zweiten CD „Adios“ den Abschied in tropische Gefilde. Während den drei Jahren Pause seit ihrer letzten Veröffentlichung hat sich die Band vor allem von der Sonne inspirieren lassen.

Der Pop von The Drops wird von leichten Gitarrenfiguren getragen, sommerlichen Lieder und einer Stimmung, der man auch unter Palmen begegnet. Sehnsucht und Fernweh lassen sich herausspüren, bringen einen aber dazu, die Sorgen zu vergessen. Nur selten drückt die Melancholie durch das Wasser und dringt an die Oberfläche. So ist auch die Instrumentierung luftig und dem klassischen Band-Pop angelehnt. Auf zu viele elektronische Mittel wird verzichtet, die Gitarre bleibt Hauptverantwortliche der Melodien. Bass und Schlagzeug geben sich brav mit dem Gerüstbau zufrieden, das Keyboard hält sich zart im Hintergrund. Auch der Gesang bleibt bei gängigen Melodien die nicht überraschen, wie auch die Songformate allgemein. Oft ertappt man sich dabei, dass man aufgezeigte Melodien mit einem Lala-Gesang untermalen möchte, was nicht gänzlich verkehrt ist. Denn irgendwie fehlen die Abenteuerlust und der Wagemut, die Stücke ähneln sich beim Schema, beginnen mal mit einer Gitarre, dann wieder mit einem Takt voller Rhythmik. Schnell kommen immer Refrain und Strophe um die Ecke. Dass man dem Gesang den Akzent anhört stört hingegen nicht, irgendwie passt dies zur Stilrichtung des nicht all zu ernsten Popspiels.

Somit ist „Adios“ zwar ein nettes Popalbum, doch besteht den Test nicht, wenn man es oft in kurzer Zeit hört. Schnell wird man gewisser Elemente überdrüssig, man hat alles sofort erfasst und entdeckt. Da helfen leider auch die Anleihen an die karibischen und tropischen Klänge nicht immer weiter. Wobei ich auch ein Mensch bin, dem es nach zwei Tagen am Strand langweilig wird.

Anspieltipps:
Koto High, Ko Samui, We Can’t Hide

Media Monday #256

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Der Sommer ist wieder da, Zeit sich vor dem TV zu verstecken und die Fragen des Medienjournal füllen.

1. Abgesehen vielleicht von der Fantasy in Basel und einem hypotetischen Besuch der Comic Con San Diego interessieren mich Conventions/Messen eigentlich nicht wirklich. Was genau ich dort machen soll, habe ich noch nicht herausgefunden. Das Nerd-Level ist wohl zu hoch für mich.

2. HD, 3D, UHD… Mir persönlich reich ja das „einfache“ HD. Wobei die Abkürzungen früher irgendwie auch schon mal besser waren. Oder?

3. „Push“ war ja mal ein richtig mieser Streifen, aber vor allem halt einfach leer und belanglos. Die Geschichte ist absolut an den Haaren herbeigezogen, voller Logiklöcher und doofen Figuren. Immerhin sind die Schauspieler toll und Dakota Fanning cool. Etwas traurig ist es aber schon, dass vor allem die Action-Szenen in einem Action-Film langweilig sind.

4. Wenn es rein danach geht, wie viele Filme ich mit einer/einem DarstellerIn gesehen habe, müsste(n) wohl vermutlich Stanley Tucci an der Spitze liegen, schließlich ist der Mann nicht nur grossartig und absolut wandelbar, sondern auch in jedem gefühlten zweiten Film im Kino vertreten. Gut so.

5. „Supernatural“ ist eine dieser Serien, die schon viel zu lange läuft, denn ich komme mit dem Gucken einfach nicht mehr nach. Irgendwo in Staffel 4 bin ich hängen geblieben und die sprechen bereits von Season 12? Mein Gott, wie lange kann man die Welt denn von Dämonen und Monstern retten?

6. Müsste ich jemandem, der mir nicht näher bekannt ist, ein Buch schenken, dann wäre das wohl ein Roman der mir viel bedeutet, denn das Teilen von Erlebnissen und Gefühlen bringt die Menschen schliesslich näher zusammen. Wie wäre es also mit „Wie wird Beton zu Gras“ von Otto F. Walter, oder „Haben oder Sein“ von Erich Fromm, etwas von Dennis Lehane oder vielleicht ein Klassiker von Max Frisch?

7. Zuletzt habe ich „X-Men Apocalypse“ gesehen und das war eine tolle Fortsetzung der Reihe, weil die Schauspieler wunderbar zusammen spielen und der Film echt gut gemacht ist. Die Geschichte wirkte nie forciert und viele Handlungsstränge der letzten Filme werden wieder aufgegriffen. Endlich ein Ensemblefilm, der seine vielen Charaktere passend jongliert. Und Sophie Turner ist nun mit dabei. *.*

Live: Oxil-Saisonschluss, Oxil Zofingen, 16-05-21

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Oxil Saisonschluss
On The Bus, The Music Monkeys, Traktorkestar
Samstag 21. Mai 2016
Oxil, Zofingen

So schnell ist sie nun also durch, die erste Saison des neuen Kulturlokals Oxil in Zofingen. Und so ein Ereignis will auch gefeiert werden – am besten mit Kultur, Essen und allen Freunden. Das Oxil steht schliesslich nicht nur dafür, Bands und Musikern eine Bühne zu bieten, sondern Zofingen zu beleben und vor allem der Jugend eine Plattform bereitzustellen. Ein grosser Gedanke, der sich leider im Verlauf des letzten Jahres nicht immer durchsetzen konnte. Bei manchen Veranstaltungen blieben die grossen Besucherzahlen fern, doch immer waren es wunderbare Anlässe. Dass der Samstag nun umso mehr Leute anlocken konnte, war also eine echte Wohltat.

Bereits am Nachmittag durfte man in der warmen Sonne hinter dem Haus die Gastfreundschaft geniessen und kurzen, akustisch gespielten Sets der Bands lauschen. On The Bus zeigten sich reduziert zu zweit, Traktorkestar freuten sich über die Platzverhältnisse für ihre grosse Gruppe und The Music Monkeys fuhren gleich mit einem kleinen Wägelchen vor. Es lohnte sich also, immer wieder mal von der Festbank aufzustehen und umherzuwandern. Mit Theater und Zauberei erhielt man eine Begleitung für das wunderbare Essen – welches wie an einem Street Food Festival in der Gasse aufgestellt wurde. Ob Pizza, Nudeln wie in Tibet oder leckere Teigtaschen, so viel Nahrung gab es im Oxil noch selten.

Um dem Kulturauftrag gerecht zu werden, fanden im Saal noch Tanzaufführungen statt, das Noseland stellte sich vor und die Jugendarbeit versuchte, alle Kinder im Zaum zu halten. Mit den länger werdenden Schatten verlagerte sich die Party in den Konzertsaal, jetzt durften die drei Bands noch einmal zeigen, wie man das Oxil durchmischt. Von der Lautstärke her waren natürlich Traktorkestar die Gewinner – ihr krachender Balkan-Brass brachte Betonsäulen und Beine gleich stark zum tanzen. Und nach dem Affentheater waren auch die Music Monkeys am besten, das Lokal zu einem wilden Zoo zu machen. Weltmusik mit Feuer und Lebensglück, egal ob Spanisch oder Englisch besungen. Und mit On The Bus zog der verspielte und freche Blues-Rock ein, Gitarrenspiel für flinke Finger und Texte für clevere Köpfe.

Auch wenn sich mit der Zeit gewisse Gedanken nicht mehr so klar fassen liessen, der Abend war für alle unvergesslich und ein perfekter Abschluss für das Kulturlokal. Endlich ist der Vorsatz aufgegangen und das Oxil konnte sich in aller Vielfalt zeigen. Wenn das zweite Jahr nun mit dieser Energie durchstarten kann, dann steht Zofingen endlich während dem gesamten Jahr wieder für Spass und Unterhaltung. Danke allen Leuten, die dem Oxil ihre Zeit, Geduld, Kraft und Neugier geschenkt haben. Es war immer eine Freude. Und jetzt gute Erholung in der Sommerpause.

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