X-Tra

Besichtigung X-Tra Zürich

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Interessanterweise war es anhand der Bilder, welche vorab der Presse zugestellt wurden, schwierig, grosse Veränderungen festzustellen. Allerdings waren die meisten Kontakte mit dem Gebäude an der Limmatstrasse in Zürich auch eher nächtlich und mit eingeschränkten Lichtverhältnissen. Für einmal aber besuchte ich das Kulturlokal X-Tra auf direkte Einladung der Betreiber, es wurde zur Besichtigung der Räumlichkeiten nach dem Umbau geladen. Und bereits vor dem Eintreten in das Foyer fiel auf, wie hell und aufgeräumt das Gebäude nun wirkt.

Architekt Urs Baumann wurde beauftragt, das 1931 von Karl Egender erbaute Limmathaus neu glänzen zu lassen – ohne die Vielfältigkeit der Events zu beeinträchtigen. Die Auffrischung beschränkt sich zwar nur auf das Innenleben, doch mit einigen geschickten Anpassungen wurde hier vieles erreicht. Verschwunden sind die bunt angestrichenen Wände, die Plattenböden und die massigen Deckenkonstruktionen – neu herrscht im X-Tra wieder der Geist des Bauhaus-Stils. Graue und schwarze Wände wechseln sich mit Holzverkleidungen und weissen Flächen, Wände und Brüstungen können auf unterschiedliche Arten beleuchtet und angestrahlt werden.

Somit ist es weiterhin möglich, in dem Gebäude eine Plattform für dunkle Konzerte, heitere Discos und förmliche Tagungen zu bieten. Auch sind dank sechs Räumen mit unterschiedlichen Kapazitäten alle Möglichkeiten einer Veranstaltungsgrösse möglich – ob Meeting mit 80 Teilnehmern oder ein Auftritt eines Musikers mit 700 Fans, hier passt alles rein. Und dank dieser Ausgangslage tat die architektonische Auffrischung Wunder, auch wenn man gewisse Details oder Bauteile im alten Zustand liess. Doch wer will schon einen Gothic-Event besuchen, wenn alles blitzt und neu aussieht?

Genau dieser Umstand, verbunden mit den guten Einfällen von Urs Baumann, lässt mich abschliessend sagen, dass die Renovation wahrlich geglückt ist. Das X-Tra zeigt sich nun wieder seinem Entstehungsjahr angemessen und in passender Kleidung. Der Besuch lohnt sich somit nicht nur für Musikliebhaber, sondern auch Hochbauzeichner und Konsorten.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Foyer & Garderobe

Live: The Beauty Of Gemina, X-Tra Zürich, 16-11-19

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The Beauty Of Gemina
Support: Spencer
Samstag 19. November 2016
X-Tra, Zürich

„This is the lonesome death of a goth dj“ – vielleicht auf eine gewisse Weise, aber die Rückkehr der Gothic-Rock-Band The Beauty Of Gemina in die Schweiz zu erleben, war in keinster Weise einsam und tot. Endlich schaffte es die Grösse, auf ihrer „Minor Sun“-Tour auch in Zürich einen Halt einzulegen. Nach gefeierten Shows im Ausland war es an der Zeit, dass die Gruppe auch hierzulande das neuste Werk vorstellt. Und warum die Gelegenheit nicht gleich dazu nutzen, eine Live-DVD zu produzieren? Doch der Abend war auch ohne diese zusätzlichen Gedanken und Taten ein voller Erfolg.

Dies begann schon bei der Wahl des Supporting Acts. Spencer aus Baden (AG) zeigten mit ihren Songs, dass man Rock und New Wave auch so dunkel spielen kann, dass es sich perfekt in diese Anlässe einfügt. Sicherlich beschränkte die Gruppe ihr kurzes Set auf die eher düsteren Lieder – Spass hatten die Musiker an ihrem Auftritt aber zu Genüge. Diese Euphorie schwappte auch auf das Publikum über, und Stücke wie „Firework“ erschallten lautstark. Schön, dass gegen Ende des Sets auch die Beats und schwarzen Synths eine Plattform erhielten. Und die wunderbar tiefe Stimme von Frontmann Leo Niessner in Kombination mit seinem Charme tat ihr übriges.

Michael Sele setzte diese Wirkung mit seinem Stimmorgan perfekt fort – weiss der Herrscher von The Beauty Of Gemina schliesslich seit Jahren die Leute mit den unteren Oktaven zu bezirzen. Und so stürzte sich die Band von Beginn an in einen Auftritt, der nicht nur das zehnjährige Bestehen der Goth-Meister feierte, sondern auch ihren gesamten Katalog wunderbar abbildete. Von „Haddon Hall“ über „Hunters“ zu „Crossroads“ –  immer zwischen Gitarrenkaskaden, geisterbeschwörenden Bässen und bezaubernden Cello-Akkorden pendelnd. Gleich wenige Minuten nach dem Ende des Videointros und dem Fall der Leinwand zeigte die Band, dass sie zu Recht eine Institution im Bereich des Goth-Rock darstellen.

In absoluter Perfektion und mit viel Talent steuerte Sele seine Mannen von einem Höhepunkt zum anderen. Endlich durfte man sich wieder ausdrucksstark zu „Suicide Landscape“ bewegen oder den „Dark Rain“ spüren. Dank personeller Verstärkung mit dem neuen Tourgitarristen Simon Ambühl und dem Cellisten Raphael Zweifel wurde der Sound des Trios fantastisch erweitert und man versank mit gesamten Geist und Körper in der Darbietung. Die wirkungsvolle Lichtshow und vereinnehmenden Gesten von Sele taten ihr Übriges – und auch nach der dritten Zugabe wollten die Besucher mehr.

The Beauty Of Gemina brannten ein wahres Feuerwerk an melancholischer Musik ab und machten somit die Aussage des Stempels obsolet. „Lach mal“ steht auch heute noch auf meinem Handgelenk – und wenn ich an diesen fulminanten Abend zurückdenke, kann ich gar nicht anders.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Live: David Duchovny, X-Tra Zürich, 16-05-17

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

David Duchovny
Support: Pat McCusker
Dienstag 17. Mai 2016
X-Tra, Zürich
Setlist

Dieser Abend machte es mir nicht einfach. Wenn eine kreative und bekannte Persönlichkeit neue Wege in der Karriere beschreitet, dann möchte man dies gerne losgelöst vom bisherigen Schaffen betrachten. Doch gerade bei Schauspielern, die nun plötzlich als Musiker unterwegs sind, wird man schier von Klischees überschwemmt. Dass David Duchovny – bekannt aus TV und Kino – nun als Sänger einer Pop-Rock Band unterwegs ist und sich dabei leider nicht von seinen Charakteren trennen konnte, zerstört meine Absicht.

Wobei dies fast fair ist, war das Konzert im X-Tra doch eine mittlere Katastrophe. Scheinbar hat niemandem den guten David gesagt, dass er nicht wirklich singen kann. Fürs Studio kann dies ja ausreichen, dort lassen sich auch viele Fehler mit der Technik ausbügeln. Live auf der Bühne muss man aber die Töne schon treffen, oder zumindest andeuten. So bestand Duchovnys Aufgabe in Zürich vor allem darin, auf der Bühne herumzuhampeln und in das Mikrofon zu sprechen. Mit seinen ungelenken Bewegungen verdeutlichte er, dass ein solcher Auftritt für ihn fremd ist – und er riss die Grenzen zu seinen Serien-Schöpfungen gleich selbst nieder. War dies nun seine echte Persönlichkeit, oder doch eher ein betrunkener Hank Moody in einer Karaokebar? Warum singt er dann aber nur extrem platte Texte?

Viele dieser Punkte konnte nicht einmal die sechsköpfige Band überspielen, eher war ihr Auftreten mechanisch und abgespult. Schade, denn die instrumentalen Teile der Songs hätten Potential, um ausgebaut zu werden. Sicherlich, es handelte sich um ungefährliche und oft inspirationsarme Stücke aus dem amerikanischen Kosmos des Pop-Rock mit Country-Anleihen. Wenn aber schon drei Gitarren auf der Bühne stehen, dann könnte man auch etwas wagen. Pat McCusker durfte als einziger glänzen und spielte sogar alleine als Support. Seine sanften Singer-Songwriter-Stücke waren angenehm und lebten von den stimmlichen Emotionen. Besonders spannend wurde es bei den schnellen Passagen, der Gitarrist lebte da förmlich auf. Oder beim Cover von „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel.

Dieser Kniff wurde dann auch von David Duchovny gewagt, doch leider vergriff er sich an „Stay“ von David Bowie. Musikalisch passte das Lied gut in die Präsentation von „Hell Or Highwater“, doch Duchovny verwechselte wohl Bowies tiefen Sprechgesang in „Stay“ mit einem Ausweg für seine eigenen Limitationen – Tom Petty passte besser. Da half nur noch der Sprung in die Menge und das Bad in den freudig jubelnden Frauen. Warum singen und im Licht stehen, wenn man durch den gesamten Saal joggen kann und seine Berühmtheit gleich körperlich spielen lässt. Denn eigentlich wäre David ja ein toller und cooler Typ, jemand der sich selber nicht zu ernst nimmt und seine Macken zu Stärken machte. Gemütliche Rock-Konzerte zu spielen ist aber ganz klar der falsche Ansatz, besonders wenn man sich auf der Bühne nicht zu helfen weiss und sogar sein Publikum beleidigt. Schade, ich bin sehr enttäuscht.

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

Bild von Anna Wirz / http://avwfoto.ch/

Live: Moderat, X-Tra Zürich, 16-04-27

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Moderat
Support: Shed
Mittwoch 27. April 2016
X-Tra, Zürich
Bilder: Carla Stöckli

Es tut sehr weh, wenn man merkt, dass man sich langsam von einer bestimmten Band entfernt – einmal war es der schönste Moment diesen Musikern zuzuhören, doch irgendwo auf dem Weg gingen diese Gefühle verloren. Das ist nicht unbedingt die Schuld der Band, sondern wohl eher eine Beziehung, die sich verändert hat und neu verstanden werden muss. Somit war das das Konzert von Moderat im X-Tra in Zürich nicht mehr ein Rausch für mich, sondern eher ein leeres Schlucken und Schulterzucken.

Wobei der Abend wunderbar düster und komplex begann. Shed brachte ein Stück der düsteren Techno-Szene aus Berlin nach Zürich und faszinierte mit einem kurzen, aber wunderbar aufgebauten Set. Seine Tracks setzten auf Atmosphäre und langsame Steigerung, ohne je in langwierige Wiederholung zu verfallen. Die Bässe dröhnten dunkel und tief, die Synthmelodien krallten sich in den Betonmauern fest. Nicht immer war gleich klar, in welche Richtung sich ein Stück entwickeln wird, doch genau diese Unberechenbarkeit fasziniert mich bei der elektronischen Musik. Und genau dies ist Moderat leider in der Zwischenzeit etwas abhanden gekommen.

Sicherlich, das Trio versteht es wunderbar, live eine gute Show zu bieten. Nach drei Alben verfügt die Gruppe über viele Hits und Knaller, die Setlist mischte somit die Welten von „III“ mit bekannten und vermissten Stücken. „Rusty Nails“ überstrahlte wieder einmal alles und die Beats von „Versions“ gingen durch das Knochenmark. Doch immer genau in solchen Momenten wurden die neuen Lieder etwas ins schlechte Licht gerückt. Denn Moderat haben mit ihrer neusten Platten nicht einfach das Erfolgsrezept wiederholt, sondern sich auch in etwas sicherere (oder sogar seichtere?) Gefilde bewegt. Wenn dann live jeder Song genau gleich präsentiert wird und man nach einem Break den herrschenden Beat erneut viel lauter erklingen lässt, dann ist das eher eine müde Einfallslosigkeit als intelligente Gestaltung. Nein, Moderat sind noch nicht im Gebiet der Prolobeats abgekommen, verfügen aber leider langsam über deren Anzeichen. Dabei könnten sie es doch so viel besser, so viel spannender und verschachtelter.

Aus diesen Gründen konnte mich das Konzert leider nicht komplett mitreissen, wobei auch das Publikum manchmal etwas unbeteiligt zuhörte. Jedenfalls dann, wenn nicht gerade die Bässe durch den Saal pumpten. Wundervoll wiederum hingegen die visuelle Begleitung der Musik. Auch wenn Moderat hier aufgestockt haben und neu auch Laser und viele Scheinwerfer neben der Leinwand stehen haben, wussten die Farb- und Lichtkonstruktionen sehr zu gefallen. Auch die Filme und graphischen Zeichnungen passten perfekt in die Welt von „Reminder“ und Gleichgesinnten. Auf keinen Fall ein schlechter Abend also, aber irgendwie nicht mehr die geliebte Form. Man wird halt älter und wählt vielleicht einen Weg, der nicht mehr gemeinsam durch das Leben führt. Schade, aber es kann vorkommen.

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Live: Roisin Murphy, X-Tra Zürich, 15-11-10

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Róisín Murphy
Support: Len Sander
Dienstag 10.11.2015
X-Tra, Zürich
Setlist

„A chemical reason / If reason’s your game / A chemical needing / Is there in the brain“. Farben, Licht, Bilder, Kleider, Lärm, Eruption. Der erste Abend einer neuen Tour ist oftmals eher verhalten und noch unfertig. Was Róisín Murphy diese Woche aber im X-Tra in Zürich auf die unschuldigen Besucher einprasseln liess, war eine Lawine aus Eindrücken. Ihre Kreativität schien überzuschäumen und das Medium Konzert wurde zu einer astralen Erfahrung. Selten hat mich eine Darbietung in diesem Jahr so überrascht und beeindruckt wie der Auftakt zur „Hairless Toys“ Tour.

Musikalisch überzeugt ihr neustes Album auf Platte mit der geschickten Kombination aus Pop, Electronica und Kunst. Lieder wehren sich gegen Normen, Melodien und Instrumentierung wandeln auf abwegigen Pfaden. Live werden diese Sonderheiten auf das Heftigste ausgereizt. Schon der Beginn des Abends mit einer sehr langen und trockenen Version von „Let Me Know“ war wunderbar verrückt. Die Sängerin liess sich auf ihrem Weg von der Garderobe zur Bühne filmen und auf die grossen Leinwände bringen. Vor den Leuten angekommen, zeigte sie nicht nur gesanglich eine starke Leistung, sondern bewegte sich je nach Lied passend schräg oder lasziv. Unterstützt wurden diese Verwandlungen durch die unzähligen Kostümwechsel. Mindestens einmal pro Lied (!) warf sie sich einen Mantel über, zückte eine Sonnenbrille aus dem Stapel oder setzte merkwürdige Hüte auf den Kopf. Was früher Peter Gabriel mit seinen Figuren erschaffen konnte, macht Róisín Murphy mit Mode. Ausgefallen, konzeptionell und verwunderlich.

Musikalisch wechselte die Begleitband zwischen minimalistischen Strukturen und gewaltigen Noise-Attacken, in welchen Synths, Gitarren und Schlagzeug überlaut brodelten. Minutenlang wurden die Besucher mit Klang und Lichtfluten erstickt und zum Tanzen genötigt. In diesen Momenten zeigte sich besonders stark, dass die Künstlerin in ihrer Musik mehr als nur Unterhaltung sieht, und mit ihren Auftritten fordern und zwingen will. So fanden zwar einige Stücke von ihrer ehemaligen Band Moloko den Weg in das Set, wurden aber verstümmelt, verfremdet oder in eigene Songs eingeflochten. Besonders genial war der „Sing It Back“ Snippet in „Exploitation“. Warum sollte man vor seiner eigenen Vergangenheit auch ehrfürchtig sein, wenn man nun solch wertvolle Kunst erschafft?

Da hatte die Vorgruppe Len Sander aus Zürich nicht viel Chance. Ihr sanfter und elektronischer Indie war zwar nett anzuhören, liess aber die Innovationen missen. Auch wenn sich die Musiker gegenüber der Sängerin versuchten aufzubegehren, die Lieder schleppten sich zu ihren Höhepunkten und versanken dann wieder im Dunkeln. Wobei eine knappe halbe Stunde wohl nicht ausreicht, die Band genügend kennen zu lernen. Aber nach Róisín Murphy war im Kopf sowieso kein Platz mehr für etwas anderes. Wow.

Wie wahnsinnig und reizüberflutend der Abend war, lässt sich hier ein klein wenig an dem Auftrittsausschnitt aus Belgien nachvollziehen:

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Bild: Mischa Castiglioni

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Bild: Mischa Castiglioni

Live: Archive, X-Tra Zürich, 15-03-09

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Archive
Montag 09.03.2015
X-Tra, Zürich
Setlist

Jahr 1 n.A.: Die Glocke wirft immer noch ihren riesigen Schatten über das Kollektiv aus England. Um dieses Meisterwerk aus Bild und Ton gerecht zu werden, präsentieren Archive auf der aktuellen Tour den kompletten Axiom Film vor ihren Konzerten auf einer Leinwand. Dies sorgt nicht nur für eine passende Einstimmung, sondern streckt die „Spielzeit“ des Konzertes auf drei Stunden. Klar, die Musik zum Film kommt ab Band, aber immerhin darf man das Werk so mal auf einer grossen Konzertanlage erleben.

Nach einer kurzen Pause erscheint die Gruppe dann auf der Bühne und eröffnet mit „Feel It“ vom neusten Album Restriction. Dabei stellen die Mannen gleich mal einiges klar: Ihre Musik wird Zürich an diesem Abend im Sturm erobern, ihre Lieder werden zu noch längeren Epen ausgebaut, und die Licht- und Videoshow wurde perfektioniert. Alle Musiker legen sich ins Zeug und übertragen die Lieder perfekt auf die Bühne. Scheinwerfer, Gitarren, Bilder und Gesang, alles in perfekter Harmonie und grossartig dargeboten. Wenn dann im Beatmonster „Kid Corner“ Holly Martin noch auf die Bühne kommt und zusammen mit Dave Pen die erotische Speerspitze von Archive bildet, gibt es zum ersten Mal kein Halten mehr. Man tanzt, jubelt und lässt sich von den Klangwänden mitreissen. Die Band beweist, dass sie zu den besten gehören und mit ihrer Musik einen unverkennbaren Klang erschaffen haben. Dank der perfekt ausbalancierten Setliste werden sowohl wilde Lärmausbrüche, wie auch sanfte Gesangsstücke gleichberechtigt auf die Leute los gelassen. Erstaunlich, wie viele Alben von der Band berücksichtigt werden. Klar, Restriction ist mit acht Stücken der Gewinner, aber nebst Klassikern von „You All Look The Same To Me“ oder „Controlling Crowds“ wurde sogar der Soundtrack zu „Michelle Vaillant“ und das Debüt „Londinium“ bedacht.

Highlights lassen sich fast nicht rauspicken, für mich war die gesamte Show ein absorbierender Rausch. Obwohl ich Archive schon mehrere Male live erleben durfte (und dabei nie enttäuscht wurde), war dieses Konzert doch besser als viele zuvor. Die Liederwahl, die Inszenierung und der krönende Abschluss mit „Lights“, was will man mehr? Diese Gedanken teilten sich glücklicherweise alle im Publikum und die Stimmung war durchweg grossartig. Der tosende Applaus am Ende des Abends liess die Band mit Entzückung von der Bühne verschwinden und hinterliess eine wunderbare Stimmung im gesamten Körper. Sicherlich, „Pills“, „Again“ oder „Kings Of Speed“ wären noch super gewesen, aber eine Band wie Archive könnte fünf Stunden spielen und hätte immer noch Höhepunkte weggelassen. Das ist eindeutig ein Pluspunkt, kommt bald wieder.

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