Metal

Deathwhite – For A Black Tomorrow (2018)

“The Grace Of God” ist schon fast so frech bei den Vorbildern von Deathwhite geklaut, dass man etwas auf die falsche Fährte gelockt wird. Denn ja, dieses Lied klingt wie eine Mischung aus dem destruktiven Metal von Katatonia und dem sehnsüchtigen Art-Rock von Anathema, aber die Gruppe aus Amerika kann mehr als nur kopieren. “For A Black Tomorrow” färbt nicht nur unsere Stimmung dunkel ein, es ist auch ein Metal-Album voller depressiven Melodien und harten Riffs – aber manchmal mit etwas zu wenig Zugkraft.

Deathwhite existieren seit 2012 und bis heute weiss man nicht, wer eigentlich hinter den Instrumenten steht. Das spielt aber auch keine Rolle, zählt schliesslich das Resultat. Und das kann sich auf diesem ersten Album hören lassen, greifen Lieder wie “Death And The Master” oder “Eden” tief in die Trickkiste von melancholischem Dark-Metal. Mehrschichtige Gitarren, immerzu treibendes Schlagzeug, emotionaler und mitreissender Gesang – was Paradise Lost oder oben erwähnte Bands können, das gelingt auch hier.

Über die gesamte Spielzeit aber fehlt mir etwas die Abwechslung. Nicht alle Songs wirken so hypnotisch und fesselnd, wie sie von Deathwhite angedacht wurden. Handwerklich kann man den Musikern nichts vorwerfen, hier sitzen alle Rhythmen und Töne, inklusive dem satten Gesamtbild – doch zu oft denkt man an die Grosswerke der Genre-Legenden und vermisst hier etwas den Wagemut und die Innovation. Schwarz ist das Morgen trotzdem.

Anspieltipps:
The Grace Of The Dark, Eden, Death And The Master

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Live: Tales From A Sonic Darkness, Parterre One Basel, 18-01-25

 

Tales From A Sonic Darkness
Bands: Scott Kelly & John Rudkins / Sarah-Maria Bürgin / Louis Jucker / The Leaving / Marlon McNeill / Anna Erhard
Donnerstag 25. Januar 2018
Parterre One, Basel

Die Bösen trifft man nicht nur im Sägemehl an, auch auf den Bühnen der Welt begegnet man immer wieder lauten und wilden Künstlern. Doch für eine Nacht gab es nun die Möglichkeit, Musikerinnen und Musiker intim und zurückhaltend zu geniessen. Das Basler Label Czar Of Crickets lud zu Stunden voller Tales From A Sonic Darkness – zu Reisen in introvertierte Momente und dunkle Melodien. Im hübschen Parterre One nahm man auf den Stühlen Platz und genoss das Dargebotene mit einem passenden Bier. Schon bald wurde aus dem normalen Donnerstagabend eine neue Erfahrung voller Intensität.

Bereits mit Anna Erhard gab es eine andere Form von Auftritt zu erleben, spielt die Musiker doch sonst mit der Gruppe Serafyn hübsche Songs – nun zeigte sich die Schweizerin alleine mit akustischer Gitarre und sanftem Singer-Songwriter. Ein angenehm langsamer und in sich gekehrter Start, der mit Komponist und Labelführer Marlon McNeill zwar etwas verschrobener wurde, aber immer noch auf einzelnen Gitarrentönen und sanften Aussprachen beruhte. Hier sogar als Huldigung für den kürzlich verstorbenen Mark E. Smith, mit parallel abgespielter Schallplatte.

Meditativ und langsam, so wollte sich der Chef des Abends nicht immer geben. Als The Leaving betrat er die Bühne mit einer elektrischen Gitarre und untermalte seinen feinen Gesang mit lauten und kratzenden Gitarrenriffs. Stärker hätte der Kontrast zwischen Mensch und Instrument nicht sein können, als Resultat funktionierte dies aber perfekt und leicht psychedelisch. Und die sieben Saiten verliehen dem Zar die nötige Gravitas – etwas, mit dem sich Louis Jucker (Coilguns, Autisti) nicht lange abgibt. Von seinem Architekturstudium ist die Liebe zum Entwurf übrig geblieben, den Rest bestimmt nun aber Punk und Noise. Mit eigens gebautem Verstärker wurden die rohen Stücke noch gewaltiger, Geschrei und wildes Klopfen auf den Saiten taten den Rest.

Wie eine Sirene der Nacht sorgte Sarah-Maria Bürgin von Scratches im Anschluss dafür, dass nicht nur das Testosteron wieder von der Bühne gefegt wurde, sondern dass nun endlich auch ein Keyboard die Rhythmik übernahm. Mit wundervoller Stimme, Melodien wie Samtkleider und einer grossen Ausstrahlung verzauberte sie die Anwesenden innert kürzester Zeit. Schade, durften hier alle nur kurz spielen, hier hätte ich gerne weitergeträumt. Als Abschluss kam aber ein richtiger Weltstar: Scott Kelly, mit grossem Bart und akustischer Klampfe, begleitet von John Rudkins an der Slide-Guitar.

Die Amerikaner zückten hier nicht das zerstörerische Schwert von Neurosis, sondern erzählten zerbrechliche Geschichten voller Emotion und Nachdenklichkeit. Passend zum Schluss, zusammenfassend und für den Abend stehend – Tales From A Sonic Darkness war ein wunderschöner Blick in die Seelen und Herzen von Künstlerinnen und Künstler, ein Eintauchen in verwunschene Klangwelten und ein mitreissender Ausgleich zu den sonst lauten und wilden Konzerten. So etwas dürfte es gerne öfters geben.

 

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Of Mice And Men – Defy (2018)

Ist es die Schuld von Howard Benson und Chris Lord Alge, dass „Defy“ so geschliffen und leicht klingt? Der Produzent und Mischer waren nämlich auch schon mit Bands wie My Chemical Romance oder Green Day tätig – da bleibt vom harten Getue nicht mehr so viel übrig, oder? Auf jeden Fall findet man auf dem fünften Album von Of Mice & Men eine klassische, wenn auch etwas sanftere Version des modernen Metalcore und neu auch nur noch Aaron Pauley am Mikrofon. Seit 2016 ist Austin Carlile nämlich nicht mehr Teil der kalifornischen Gruppe und versucht nun anderswo sein Glück.

Wer nach diesem ersten Abschnitt nun die Single „Warzone“ anhört und denkt: Was schreibt der denn? Ja, dieses Stück ist zu Beginn eines der wirklich brachialen und wunderbar wilden Höhepunkte auf der Platte. Of Mice & Men lassen sich hier zu Power-Riffing und wildem Geballer hinreissen, nicht ohne den melodischen und harmonischen Refrain zu vergessen. Meist aber bleibt die Gruppe im harten Metal und sauberen Gesang. Stücke wie „Vertigo“ oder „Sunflower“ machen aber trotzdem viel Spass und laden Fans aller Geschlechter und Altersgruppen vor die Bühne. Gesamtheitlich stimmt für mich die Balance zwischen Brutalität und Sanftheit aber nicht wirklich.

Dazu kommt leider auch ein eher mittelmässiges Cover von Pink Floyds „Money“ – das würde auf „Defy“ ganz klar nicht fehlen. Denn Of Mice & Men sind genügend Sattelfest im Songwriting und spielen geschickt mit der Eingängigkeit. Ihr neustes Werk ist somit eine klare Aussage, dass sie auch zu viert weiterhin Energie und Kraft besitzen, wenn auch nun eher etwas vom wuchtigen Metalcore entfernt auftreten (siehe „If We Where Ghosts“). Für Liebhaber der Band und der Stilrichtung sollte der Kauf dieser Platte aber bestimmt keine schlechte Entscheidung sein.

Anspieltipps:
Vertigo, On The Inside, Warzone

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Bruce Dickinson – What Does This Button Do? (2018)

Was für ein Tausendsassa der werte Herr Bruce Dickinson doch ist! Er hat als ausdrucksstarker Sänger nicht nur die Heavy-Metal-Band Iron Maiden zu einem Luxusdampfer der harten Rockmusik gemacht und mehrere Soloalben veröffentlicht, nein er ist auch Pilot, Autor, Moderator und ehemaliger Weltklassefechter. Ein Leben, das für ein Buch wie gemacht ist und oft sogar ein wenig erfunden klingt. In „What Does This Button Do?“ nimmt sich der Engländer der Aufgabe des Erzählens auch gleich selbst an und präsentiert seine Autobiografie, die weit über das gewohnte Schema eines Buches über Musiker hinausgeht.

Das zeigt sich nämlich nicht nur um flotten und kumpelhaften Umgangston und der lockeren Schreibform, sondern auch beim Fokus des Inhalts. Das repetitive Leben zwischen Albumproduktion, Konzertreise und kurzen Erholungspausen wird meist in kurzen Sätzen und wenigen Abschnitten zusammengefasst. Sicher, auch Bruce Dickinson hat einige abstruse und leicht skandalöse Geschichten auf Lager und schämt sich auch nicht, diese hier Schwarz auf Weiss zu offenbaren. Schön dabei ist aber, dass diesen Eskapaden weder viel Gewicht gegeben, noch seine eigene Naivität und Dummheit ausgespart wird. Dieses Buch dient niemals dazu, andere Leute schlecht zu machen und alte Fehden wieder aufleben zu lassen.

Viel spannender wird „What Does This Button Do?“ immer dann, wenn sich die Erzählung weg vom typischen Metal-Alltag hin zu Dickinsons anderen Leidenschaften wendet. Sei es sein jahrelanger Versuch, einen Film über Aleister Crowley auf die Beine zu stellen, seine nicht ganz ernst gemeinten Übungen Romane zu schreiben oder die haarsträubenden Vorfälle in seiner Pilotenkarriere – alles wird leicht verständlich und mit genügend Selbstironie angegangen. Diese Autobiografie ist immerzu unterhaltsam und positiv, sogar die schwere Zeit der Krebserkrankung löscht den Optimismus nicht aus dem Mann und dem Buch. Nur sein persönliches Privatleben bleibt für grosse Teile im Dunkeln – was so ganz gut passt.

„What Does This Button Do?“ ist nämlich keine Glorifizierung und Erklärung der Person Bruce Dickinson, sondern seiner Taten und Errungenschaften. Man muss sich mit dem Autor nicht über Politik streiten, keine seitenlange Sinnierungen über einzelne Tonlagen und Gitarrenriffs ertragen, man wird alleine zum Staunen eingeladen. Und dies passt eigentlich perfekt zu der Bühnenfigur Dickinson, die man seit vielen Jahren zwischen riesigem Eddie und gewaltigen Songs kennt. Ein Buch, das also nicht nur Iron Maiden Fans unterhalten wird.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Ghost – Ceremony And Devotion (2018)

Die ganze Welt sucht immer den neusten Superstar, das neuste Talent – dabei ist es doch schon lange klar: Der Popestar ist hier und bringt Erlösung für uns alle. Und im Gegensatz zu all diesen Möchtegern-Erlösern erhalten wir hier Gitarrenriffs erster Klasse, Ausdruck voller Inbrunst und Heavy Rock, der sich auch in den offensichtlichsten Klischees noch profilieren kann. Bühne frei für Ghost, die schwedische Hard-Rock-Band, die seit einigen Jahren mit ihrer Musik und dem Auftreten für viel Furore sorgt. Nun also auch mit einem Live-Album.

„Ceremony And Devotion“ ist in seiner Form beste Medizin für alle bereits Süchtigen, aber zugleich auch die perfekte Einstiegsdroge für alle Ungläubigen. Denn was Papa Emeritus 0 und seine musikalischen Elemente hier abliefern, ist die perfekte Portion schwerer Riffs und selbstironischer Inszenierung. Kein Wunder, dreht bei dieser Aufzeichnung die Stadt von San Francisco mehrmals komplett durch. Wer die geschickt getarnten Mannen selbst an einem Auftritt erlebt hat, der weiss, diese Band findet in allem die perfekte Mittelwege.

Wobei, Ghost einfach mal live zu hören ohne ihr Gebaren zu erleben, das hat auch seinen Reiz. Plötzlich werden überzeichnete Songs wie „From The Pinnacle To The Pit“ oder „Ghuleh / Zombie Queen“ zu Werken, die wahrlich alte Geister des Heavy Metal und proggy verspielten Rock aufleben lassen und offenbaren eine herrliche Tiefe, die sogar schlecht zitiertes Latein nicht vermindern. Orgel, Rituale und extrem melodischer Gesang – auf „Ceremony And Devotion“ findet man nicht nur Hit an Hit, sondern eine Band, die wahrlich grossen Spass in ihrer Arbeit findet. Teuflisch oder?

Anspieltipps:
From The Pinnacle To The Pit, Cirice, Ritual

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Aemera – Arcturius (2017)

Nicht immer muss es Jahre dauern, bis eine Band ihr erstes Album auf die Beine gestellt hat. Aemera haben sich zu Beginn des Jahres 2017 gegründet und legen nun, wenige Monate später, bereits ihre erste Scheibe vor. Wenn es passt, dann funktioniert es halt. Wobei auf „Arcturius“ keinesfalls Neulinge zugange gehen – besteht die Truppe doch aus Musikern, die zuvor bei Buried Undead aus Mulhouse und Reding Street aus Basel spielten. Und mit geballter Kraft wird hier nun der Djent neu akzentuiert.

Vom ersten Takt an legen Aemera mit Wucht und kanalisierter Energie los, pendeln zwischen hartem Shredding, brutalen Riffs und elegischen Flächen. „Nova“ zeigt dies instrumental und mit vielen Breakdowns, „Lvthn“ holt sich Rap dazu und „Waves“ zelebriert den melodiösen Gesang vor wilden Gitarrenwellen. Es ist wunderbar anzuhören, wie vielseitig und abwechslungsreich die Band hier aufspielt und sich somit vor Grössen wie Tesseract nicht verstecken muss.

Spannend finde ich an „Arcturius“ vor allem, dass die hochkomplexe Technik schlussendlich gar nicht die Hauptrolle tragen muss. Aemera gönnen sich eingängige Passagen, Farbtupfer wie die Sitar („Foresight“) und harte Blasts und Wechsel, die eher beim Metalcore als Progressive Rock gängig sind. Das Album ist somit eine freudige Angelegenheit für viele Freunde der härteren Gangart und bevorzugt weder Mathematiker noch extreme Querdenker – auch dank der wunderbar gelungenen Produktion.

Anspieltipps:
Nostromo, Waves, Foresight

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Sounds From The Heart Festival, Werk21 Zürich, 17-12-16

Sounds From The Heart Festival
Bands: Hanté, Salvation AMP, Sons Of Sounds, Patricia Scheurer
Samstag 16. Dezember 2017
Werk21, Zürich

Gegensätze, Abwechslung, Erbe – das erste Sounds From The Heart Festival bot für eine Nacht im Werk21 in Zürich einen interessanten Querschnitt durch die dunkle Szene. Mit direkt gegenübergestellten Vergleichen und einem intensiven Verbund aus Vergangenheit und Moderne wurde der kalte Samstag im Dezember zu einem eleganten Treffen für Freunde und Neugierige. Und dieses Spiel mit den Zeiten war bereits in der Dekoration sichtbar, wurde der Kellerraum des Dynamos doch von elektrischen Kerzen erhellt und Fledermäusen bewohnt, denen nicht nur Ozzy den Kopf abbeisst – waren sie schliesslich leckere Kekse.

Patricia Scheurer, Autorin aus Zürich und seit langem ein bekanntes Gesicht in der Szene, spannte mit der Lesung aus ihrem Roman „Schwarzes Erbe“ den Bogen dann auch gleich vom heutigen Zürich in das tiefe Mittelalter. Ihr Buch handelt von Sinnsuche, Themen des Gothik-Stils, Musik und viel Romantik. Eine Kombination, die für mich selber eher schwierig ist, in der heutigen Zeit aber gut funktioniert und unter den anwesenden Besuchern viel Anklang fand.

Umso interessanter war es, dass als erste Band dann Sons Of Sound aus Karlsruhe das Banner des Heavy Metal hochhielten und auf diese Burg-Fantasien pfiffen. Die drei Brüder liessen sich von der ungewöhnlich tiefen, weil gesundheitlich angeschlagenen Stimme des Bassisten und Sängers Roman Beselt nicht beirren und lotsten ihre Musik geschickt durch harte Instrumentalpassagen und melodische Refrains. Für diesen Abend näher bei Type O Negative als üblich, dafür weiterhin eine packende Mischung aus Achtziger-Anleihen, Art-Rock und komplexen Rhythmuswechseln. Schade, wollte das Publikum die Energie des Trios nicht ganz willentlich aufnehmen.

Salvation AMP aus Detmold hatten mit ihrem Gothic Rock etwas mehr Glück, forderten ihre Wave-Gitarren, tiefen Gesänge und schweren Takte doch förmlich zum Ausdruckstanz auf. Seit 2010 wiedererstarkt, war dieses, in der Szene schon seit den Neunzigern bekannte Trio eine kraftvolle Aussprache für die Vielfältigkeit an solchen Anlässen. Gerne elegisch, immerzu mysteriös und doch durchdringend liess ihre Musik das Publikum zu einem geschlossenen Ganzen werden. Da störte es auch nicht, dass die Scheinwerfer frech bunte Lichtschwaden über die dunklen Klänge ergossen.

Hélène de Thoury umging diese Beleuchtung zum Teil, liess sie ihre Lieder schliesslich von passenden Projektionen begleiten. Die französische Künstlerin nutzte des Festival für ihren ersten Auftritt in der Deutschschweiz unter dem Namen Hanté und beendete diesen Konzertreigen mit ihren pochenden Beats und synthetischen Tanzbefehlen des Cold Wave. Alleine vor einer schieren Armada aus Geräten und Knöpfen behauptete sie sich mit ihrer Stimme gegen eine Armee aus dröhnenden Tönen, tiefen Bässen und düster gefärbten Emotionen.

Wem das Sounds From The Heart Festival bisher zu analog war, der kam hier endgültig auf seine Snythie-Kosten und liess Kleid und Haar durch die Luft gleiten. Und auch mit der After-Party setzten die Verantwortlichen dieses kleinen Fests ein weiteres Ausrufezeichen hinter die Vielfältigkeit und Offenheit der Geister. Ob Gothic, Wave, Metal oder einfach nur romantisch verklärt, das schwarze Vermächtnis hat viele Formen und Körper – der Verbund machte diese Vielseitigkeit noch schöner.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Doom Side Of The Moon – Doom Side Of The Moon (2017)

Wie oft kann man ein Album anhören, sich neu erarbeiten oder gar neu aufnehmen? Beim weltweiten Klassiker „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd geht dies scheinbar unendlich und für alle Ewigkeit. So dachten sich die Musiker von The Sword einmal etwas angeheitert, dass Lieder wie „Time“ in schwerem Stoner-Rock zu spielen vielleicht ganz unterhaltsam wäre. Schneller gemacht als studiert, hier ist „Doom Side Of The Moon“ – gespielt von The Sword mit Sänger Alex Marrero, Saxophonist Jason Fray und Keyboarder Joe Cornetti. Und erstaunlicherweise sind die Musiker in ihrer Bearbeitung nie brachial.

Doom Side Of The Moon wissen um die wichtigen Merkmale dieser Platte bescheid und kastrieren weder das berühmte Riff von „Money“, noch lassen sie die wichtigen Orgelflächen weg. Klar, bei „The Great Gig In The Sky“ wird nicht gesungen sondern mit dem Saxophon betört und instrumentale Experimente wie „On The Run“ sind hier eher tief brummelnde Zwischenteile. Als Gesamtes ist diese Huldigung zum 50 jährigen Jubiläum der Platte aber vor allem eine Verneigung von Fans – mit teilweise wild tobenden Schlagzeugen und ausufernden Gitarrenstellen.

Was Doom Side Of The Moon hier beweisen ist der Umstand, dass das Vermächtnis von Pink Floyd zu Recht riesengross ist. Kompositionen wie „Us And Them“ oder „Eclipse“ sind tatsächlich auch 2017 nach dem 1000. Mal immer noch frisch und mitreissend anzuhören, die neu hinzugefügten Kilos machen das Album weder schwerfällig noch kollabiert ein Stück. Man spürt immer die Freude an dieser Ummünzung und wird somit schnell von der Lust der Musik mitgerissen. Und wem Pink Floyd bisher immer etwas zu schwach auf der Brust war, der erfährt hier sein Verzerrungswunder.

Anspieltipps:
Breathe (In The Air), Time, Us And Them

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Dagoba – Black Nova (2017)

Wenn es an etwas nicht mangelt, dann ist es die Bereitschaft von Dagoba, konstant zu Prügeln und Ballern. Ihre Musik ist eine stete Orgie an Beats, Blasts und Riffs – im Hintergrund der Songs zieht sich ein konstantes Doublebass-Gepolter durch, Keyboard und Gitarren legen Lärmteppiche. Trotzdem vergassen sie in all dieser Wildheit nicht, ihre Lieder mit Dynamik zu versehen und zeigen auch mit „Black Nova“ erneut, dass Frankreich für den groovenden Death Metal immer noch wichtig ist. Besonders in Verbund mit den hier verwendeten, sehr modernen Elementen.

Denn Dagoba, welche hier bereits ihr siebtes Werk vorlegen, scheuen sich nicht vor digitaler Verstärkung ihrer Musik. Industrial Metal als würzende Prise über dem Sturm der Gewalt, bereits „Inner Sun“ kokettiert sich damit und gewinnt. Stücke wie „Lost Gravity“ gehen gar soweit, dass wichtige Melodienanteile davon zehren und sich die Band auch mal in die fast balladesken Gebiete wagt – meist erhalten die leisen Stellen auf „Black Nova“ wenig Chance. Lieber wird laut geschrien, ganze Planeten mit Riffs geschreddert und massive Soundwände aufgezogen.

Wenn sich Dagoba dann mit „Phoenix & Corvus“ gleich noch an einem fast sieben Minuten langen Epos laben, dann ist klar: „Black Nova“ ist ein Album, das sowohl für Hörer wie auch die Musiker selber eine Wohltat ist. Voller Kraft und Energie spielt sich die Band von grossen Gesten zu vernichtenden Attacken und formt aus dem entstandenen Staub neue Kreationen und Geschichten. Ihr Metal ist immer aktuell, nie altbacken und die Musiker auch 20 Jahre nach ihrer Zusammenkunft bereit dazu, sich gegenseitig an die Grenzen zu treiben.

Anspieltipps:
Inner Sun, Stone Ocean, Phoenix & Corvus

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.