Monat: August 2015

Media Monday #218

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Montag: Medien, Menschen, Momente. Wie immer vorbereitet durch den Medienjournal.

1. „Wilde Schafsjagd“ wusste mich vom ersten Moment an zu packen, schlicht weil Haruki Murakami einer meiner liebsten Autoren ist, und mit seinem sprachlichen Können auch eine Packungsbeilage fesselnd schreiben könnte. Jedes seiner Bücher ist wie ein Wachtraum, voller skuriller Momente und wunderbaren Metaphern. So lese ich gerne mal schnell fast 100 Seiten auf dem Arbeitsweg.

2. Die Zeit für meinen ersten Besuch an der Streetparade in Zürich hätte ich mir echt schenken können, schließlich war mir der Anlass zu gross, zu kommerziell und das Wetter zu heiss. Hier steht mehr dazu. Obwohl, wenn ich nicht mitgemacht hätte, dann wäre die tollen Aufklebetattoos von der Migros dieses Jahr wohl nicht mehr verwendet worden. Wäre ja auch schade.

3. Scarlett Johansson war auch schon mal zielsicherer in ihrer Rollenauswahl, denn was sie zuletzt mit „Lucy“ verbrochen hat kann ich ihr nicht verzeihen. „Under The Skin“ habe ich nicht kapiert, somit konnte ich auch da den Reiz der Rolle nicht nachvollziehen. Immerhin funktioniert ihre Verkörperung von „Black Widow“, macht aber über lange Zeit auch nicht satt.

4. Die Buchreihe „The Strain“ von Guillermo del Toro und Chuck Hogan konnte mich nach zwei von drei Teilen immer noch nicht überzeugen. Die Horror-Trilogie über den Vampirvirus und die totale Ausbreitung auf der Welt langweilt vor allem mit bekannten Handlungselementen und Klischees. Was dank Ausflügen in die Vergangenheit und in die eigene Mythologie viel Potential offenbart, zerstört sich aber dann mit Redundanzen wie zu viele sinnlose Charaktere selber.

5. Mulder und Scully ist ja eines der coolsten Ermittler-Teams, denn ihre Dualität und Chemie sucht ihresgleichen. Da ich momentan wieder einmal versuche, die komplette Serie „The X-Files“ durchzuschauen, bin ich wieder voll im Fieber. Und welche zwei Charaktere des FBIs haben dies sonst noch Jahrzehnte später geschafft? Eben.

6. Dank Netflix konnte ich endlich auch der Serie „Fargo“ eine Chance geben, denn ich hatte vor dieser Neuauflage immer etwas Angst. Der Film der Coen-Brüder ist grossartig, wieso sollte man dies neu verfilmen? Weil es genau so toll werden kann, den Film nicht 1:1 kopiert und eine wunderbare Eigenständigkeit offenbart. Ich bin jedenfalls sehr auf die zweite Staffel gespannt. Und dank Netflix werde ich noch sehr vielen Serien endlich eine Chance geben können. Meine Liste ist zu lang.

7. Zuletzt habe ich die erste Folge von „Suits“ angeschaut und das war sehr unterhaltsam und absurd, weil schon alleine die Ausgangslage so weltfremd ist, dass sie fast passieren könnte. Niemals, egal. Scheint eine Serie zu sein, die nicht viel Köpfchen braucht aber im Winter doch zu Stunden auf dem Sofa einlädt.
Und mein liebstes Wort in der Englischen Sprache kam auch relativ häufig vor:

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Streetparade 2015, Zürich, 15-08-29

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Streetparade
„Magic Moments“
Samstag 29.08.2015

Gewisse Anlässe sind zwar seit Jahrzehnten etabliert, doch ich habe es nie dahin geschafft. Die Technoparade in Zürich ist so ein Ding. Eigentlich war ich schon lange interessiert, diese grosse Party zu besuchen, dank dem Heitere Open Air war dies aber immer unmöglich. Beide Veranstaltungen finden immer am selben Augustwochenende statt, dieses Jahr wurde die Parade aber verschoben. Warum also nicht beides und Ende August auf den Strassen zu tanzen?

Obwohl tanzen schwierig war, die Sonne brannte unerbittlich vom Himmel und heizt die riesige Menschenmenge noch stärker auf. Passend natürlich, dass sich die meisten Teilnehmer in einem Hauch von Nichts kleiden. Oft habe ich mich aber gefragt, ob die Parade nicht für manche nur eine Ausrede ist, sich endlich mal daneben zu benehmen und die Fasnacht in den Sommer zu verlagern. Echte Raver sieht man praktisch keine mehr, diese Szene hat sich in den letzten Jahren aber auch stark verändert. Und auch die Musik: Viele Wagen die auf der Parade mitfahren lassen vor allem Bässe und Keyboards der aktuellen Mainstream-Electro Musik erklingen, DJs wie Mr. Da-Nos erhalten grossen Zuspruch. Aber danke mehreren Bühnen und unzähligen Acts findet jeder Geschmack sein Moment.

Problem nur: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort einfinden und die Hitze aushalten. Tanzen war schwierig am Nachmittag, Bier wurde schneller warm als man es trinken konnte. Somit entschieden wir uns dafür, ein wenig im Anlassgelände hin und her zu spatzieren und die Atmosphäre einzunehmen. Und dann regelmässig an einem Schattenplatz die Zeit vertreiben zu lassen. Somit muss ehrlich gesagt zugeben, nicht wahnsinnig viel von der Musik mitgekriegt zu haben – eher von all den betrunkenen Massen, kindischen Poser und schrecklichen Kostüme. Und da sich mehr als eine Million Menschen in Zürich einfanden, wurden diese Eindrücke extrem vervielfacht. Der Anlass war mir somit zu gross und unpersönlich, in Zukunft werde ich wohl wieder am Heitere Open Air vorbeischauen und Zürich an ruhigeren Tagen geniessen.

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we are from pluto – ep (2013)

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we are from pluto – ep
Label: Eigenveröffentlichung, 2013
Format: Rotes Vinyl mit Download
Links: Discogs, Bandcamp
Genre: Post-Punk, New Wave, Pop

Was ein Besuch von lieben Menschen aus Bielefeld so alles auslösen kann. Da man sich ja primär durch die Musik kennen gelernt hat, ist es nur normal, dass man sich auch die lokalen Bands und Künstler gegenseitig näher bringen will. Darum habe ich nun die Ehre, mehrere Platten und CDs mit Musik aus dem Umfeld Bielefeld zu analysieren und mich weiterzubilden. Den Anfang machen hierbei die bereits nicht mehr existenten we are from pluto mit ihrer ersten und einzigen Veröffentlichung auf Vinyl.

Die wunderbar knallrote „ep“ bietet fünf Lieder aus dem Spektrum Post-Punk bis Wavepop. Die Bielefelder liessen sich damals lange Zeit für eine richtige Veröffentlichung, konnten damit aber umso mehr begeistern. Dank der Medium-bedingten Aufteilung in zwei Seiten erhält die Musik eine Dualität und verschiedene Betrachtungsweisen. Auf der ersten Seite findet man vier Lieder mit wunderbaren Namen wie „Quotensong“. Die Band spielt sich bei diesen kurzen und frischen Songs die Musik locker aus der Hüfte und hält sich gar nicht lange mit unnötigen Schnörkeln auf. Dank der eher minimalistischen Produktion wirkt alles etwas schmuddelig und gleichgültig, ergänzt wird es mit dem tollen Gesang. Allgemein, die Wortwahl und Präsentation erinnert gerne mal an bekannte und grosse Bands aus Deutschland wie Element Of Crime oder Blumfeld. Oft beschränken sich we are from pluto auf wenige Zeilen, wiederholen diese dafür umso öfter. Auch die Instrumentation bleibt gerne auf einer Ebene, in denen die Steigerung mehr zählt als das filigrane Spiel. So klingt es beim eröffnenden „Wave Song“ fast wie Post-Rock, dann wieder erinnert es an Indie-Pop wie bei „Quotensong“. Dieses Spiel mit den Stilen gelingt wunderbar erfrischend und zeugt vom Können der Musiker. Der wahre Höhepunkt erfolgt aber dann auf der zweiten Seite, das fast neun Minuten lange „Einkaufen Mit Kurt Weill“ ergiesst sich wie eine Neugeburt von Neu! oder Can über die Stereoanlage und nimmt mit seiner schier endlosen Repetition gefangen. Und hört man hier sogar den Blues vorbei schauen?

Die EP von we are from pluto ist ein wunderbares und viel zu kurzes Stück Musikgeschichte aus Bielefeld. Die Band hat sich leider inzwischen aufgelöst, eine weitere Präsentation des Talentes wird also nicht passieren. Dies ist sehr schade, denn schon alleine mit den fünf vorliegenden Songs haben die Jungs gezeigt, wie locker und frech sie diverse Musikgenres und Einflüsse der Geschichte verarbeiten und zusammenfügen können. Eine echte Empfehlung, und auf Bandcamp lässt sich das Vinyl immer noch kaufen.

Anspieltipps:
Wave Song, So Dahin, Einkaufen Mit Kurt Weill

Knifeworld – The Unravelling (2014)

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Knifeworld – The Unravelling
Label: Inside Out Music, 2014
Format: Vinyl mit CD
Links: Discogs, Band
Genre: Psychedelic Rock, Progressive Rock

Musik kann in der Stilrichtung Psychedelic ja so weit ausgelotet werden, dass der Konsum von Drogen Sinn macht. Nein, ich meine natürlich, dass die Musik selber wie eine Droge auf den Hörer wirkt. Bewusstseinserweiternde Klänge werden seit den Sechzigern praktiziert und sind auch heute eine gern gesehene Methode, den Rock unterhaltsam zu gestalten. Knifeworld aus England treiben dies auf ihrem zweiten Album auf die Spitze, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

„The Unravelling“ ist die erste Platte auf einem grossen Label und zeigt die Band extrem vielfältig. Gleich zu Beginn spielen die Musiker gefühlte drei Lieder auf einmal und lassen Melodien und Klangspiele quer ineinander laufen, erzeugen disharmonische Momente und werden dann von der klassischen Rockbesetzung verdrängt. Ohne Zügel oder Einschränkungen spielt die Gitarre sich durch die Tasten der Keyboards, werden die Gesangsspuren um den Bass gewickelt, um dann alles gemeinsam in die Grube stürzen zu lassen. Der Refrain rettet sich mit einer Stimmungswirkung wie bei den Flower Kings, Retro-Prog ist näher als vermutet. Allem haftet dem Geschmack des Ungezähmten an, die Aufnahmen sind ein wenig dumpf, aber gefallen. Es tut der Musik gut, nicht immer auf dem ersten Blick klar vor einem zu liegen. Die Lieder wollen erkämpft und erarbeitet werden, wie im Dschungel bahnt man sich den Weg durch das Dickicht. Oft weiss man gar nicht wo hinhören, so viele Ideen hat die Gruppe in ihr Album gesteckt. Nicht nur die Lieder selber schwanken, auch die Band scheint gerne zwischen und über den Grenzen zu oszillieren. Ein Moment der Ruhe kehrt selten ein, Aufmerksamkeit und ein wachsames Ohr werden gefordert. Wer diese Einladung annimmt, den erwartet dafür ein reiches Büffet und eine lang anhaltende Sättigung. Psychedelic hat diese Angewohnheit und wird auch hier dank der vielfältigen Instrumentierung nicht zu einem Fast Food. Bläser, Flöten, Orgel oder Fagott, die normale Besetzung wird zu einem Orchester ausgebaut und kann die komplexen Strukturen somit gerecht wiedergeben. Somit entsteht eine wunderbare Wechselwirkung zwischen orchestralem Sound und härteren Bandpassagen.

Mit ihrem zweiten Album haben Knifeworld ein Album wie ein Spielplatz für lebensmutige Erwachsene geschaffen. Voller Melodien, Akkorde, wechselnden Strukturen und überbordenden Ideen. Ihr Psychedelic wird mit viel Prog gemischt, klingt teilweise wie aus den Siebzigern und macht immer Spass. Das Album benötigt zwar seine Zeit, gefällt aber immer stärker. Sobald man aber den Schlüssel zum Inneren gefunden hat, steht „The Unravelling“ als grossartiges Werk an der Spitze eines hohen Vinylturmes.

Anspieltipps:
I Can Teach You How To Lose A FightDon’t Land On Me, I’m Hiding Behind My Eyes

Leftfield – Alternative Light Source (2015)

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Leftfield – Alternative Light Source
Label: Infectious Music, 2015
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Techno, House, Leftfield

Wie schon vor wenigen Tagen bei The Chemical Brothers angesprochen: Die Grössen der elektronischen Musik der Neunziger sind wieder zurück. Leftfield gingen damals einen sehr eigenen Weg, schliesslich wurde dank ihrer neuen Art Techno zu spielen sogar das Genre nach ihnen benannt. Nach etwas mehr als zehn Jahren war der Spass dann aber vorbei, die Gruppe löste sich auf. Nun, 16 Jahre nach dem letzten Album, erscheint ihre dritte Platte. Das Album schliesst dabei gelungen an die alten Zeiten an, ohne sich anzubiedern.

Gleich zu Beginn rührt Neil Barnes mit der grossen Kelle an und lässt die Bässe tief und laut dröhnen. Darüber pochen die Beats, Synthspuren fräsen sich ins Geschehen und Babatunde Adebimpe (unter anderem TV On The Radio) lässt seine Stimme durch den Effektwolf drehen. Die Grundstimmung wirkt fast bedrohlich, als würde man in einem Stahlwerk voller lauter Maschinen Verstecken spielen. Doch bereits mit dem zweiten Track lockert sich dieser Eindruck, der Beat wird tanzbarer, die Keyboards bereiten den Weg auf die Tanzfläche vor. Der Techno wird reiner, behält aber seine dunklen Kleider und den Lidschatten. Auch hier wird die Musik von einer Gastsängerin geschmückt, ein Thema, das sich durch das gesamte Album zieht. Somit erinnert die Musik oft an Underworld, welche schon früh gemerkt haben, dass eine Stimme die elektronische Musik tiefer gestalten kann. Diesen Trick wenden Leftfield seit „Leftism“ an, hier besonders ohrwurmgefährdet bei „Bilocation“ und „Head And Shoulders“. Bei diesen Stücken hört man auch gut, an wie vielen Orten sich Barnes die Inspiration holt. House, Dub, Breakbeat oder Trip-Hop, alles darf vorbei schauen und seine Finger in die Melodienfindung hineinhalten. Das Album wird dabei aber nie zu einem Gemischtwarenladen, sondern erhielt einen eigenen Klang und eine durchgehende Wirkung. „Alternative Light Source“ ist dabei auch nie altbacken oder langatmig, immer wieder zerstören tolle Ideen auch nur kleinste Andeutungen von Repetition oder Langeweile. Wie auch das Covermotiv ist die Musik eine dunkle Sache, zerschnitten und durchstochen von Lichtfäden und -blitzen – genau so mag man es schliesslich auch im Club.

Eine Rückkehr alter Grössen kann misslingen, oder wie in diesem Fall zu einem Siegeszug werden. Die neue Scheibe von Leftfield weiss geschickt alte Markenzeichen mit neuen Einflüssen zu verbinden. Zwar weiss man immer, mit wem man es zu tun hat, wird aber doch überrascht und zum Bewegen verführt. Eine wunderbare Techno-Platte mit unzähligen Genrevorzeichen. Der Club gehört uns!

Anspieltipps:
Universal Everything, Bilocation,

Engineers – In Praise Of More (2010)

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Engineers – In Praise Of More
Label: Kscope, 2010
Format: Doppel-CD
Links: Discogs, Facebook
Genre: Synth-Pop, Art-Pop

Shoegaze erkämpfte sich in den letzten Jahren langsam wieder seinen Weg zurück aus der Versenkung. Das verträumte Genre hat weiterhin viele Freunde und darf sich auch in aktueller Musik wie dem New-Art-Rock breit machen. Die Engineers aus England sind sehr talentiert, ihre Lieder werden von Melodie und Wohlklang getragen, ohne in den Kitsch abzudriften. Auch das dritte Werk  „In Praise Of More“ macht da keine Ausnahme.

Bereits mit „What It’s Worth“ wird klar gemacht, was den Hörer hier erwartet. Viele Synths und Keyboards legen die Böden aus, stellen die Möbel darauf und lassen Gitarren Platz nehmen. Der Gesang von Simon Phipps und Mark Peters schwebt dabei über diesen Konstruktionen und hört sich mehr geflüstert an als gesungen. Eine solche Darbietung stört auch im Schlafzimmer nicht, auch wenn es Sonntagmorgen ist. Mit der Zeit wagen sich dann auch Bass und Schlagzeug in diese Gebilde, verstärken die Gerüste und schenken der Musik die benötigte Fundation. Die Stücke, welche sich immer um die vier Minuten herum bewegen und somit knackig und interessant bleiben, brechen aber auch mit dieser Addition nicht aus und vertragen sogar geschrammte Gitarrenakkorde. Die Atmosphäre bleibt durchweg dumpf, aber im positiven Sinn. Das Album fühlt sich an wie eine Zugfahrt durch eine wunderbare Landschaft, die von der Morgensonne durchflutet wird. Man selber sitzt müde aber glücklich im Abteil, geniesst den Ausblick und den noch leicht nebligen Kopf von der letzten Partynacht. Man ist mit sich im Reinen und kann abschalten. Gerne taucht man in einem solchen Moment in umschliessende Klangwelten und geniesst die Wirkung von Schallwellen im Gehör. Diese Wirkung erzeugen Engineers meisterlich, schichten sie ihre Musik gerne stark auf, verlieren sich aber nicht in den Möglichkeiten. Alles hat seine Richtigkeit und ergänzt sich gegenseitig zu einem meisterlichen Stück Musik. Der Popanspruch ist immer gleich hinter der nächsten Ecke, glatt poliert wurden die Songs aber gottlob nicht. Es darf auch mal etwas kratzen oder stark rauschen, Imperfektion ist sexy.

Für alle die gerne Mal abschalten, ohne gross nachzudenken in ihren Traumbildern versinken und dazu Musik hören: „In Praise Of More“ ist euer Freund. Engineers haben ein durchweg schönes und wunderbares Album erschaffen, das sich immer wieder gut anhören lässt. Dank der beiliegenden zweiten CD kann man alle Lieder auch als Instrumentalversion geniessen und dabei erkennen, wie grossartig das Songwriting ist. Aber auch mit Gesang überzeugt die Band in jedem Moment.

Anspieltipps:
Subtober, Press Rewind, Twenty Paces,

Riverside – Memories In My Head (2011)

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Riverside – Memories In My Head
Label: GlassVille Records, 2011
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock

Die Pause zwischen zwei Alben kann nicht nur für Fans von Bands unerträglich lang werden. Manchmal müssen auch die Musiker selber ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Einfälle, die so nicht ins nächste Konzept passen, auf eine andere Weise veröffentlichen. Die EP ist das perfekte Gefäss, um Wartezeiten kürzer zu gestalten und Phasen abzuschliessen. 2011 haben Riverside dieses Medium genutzt, um ihrer ausufernden Progseite den Raum zu geben, der auf den Alben oft nicht vorhanden ist.

„Memories In My Head“ bietet Freunden der gepflegten Musik drei lange und durchdachte Kompositionen zwischen neun und elf Minuten. Die Gruppe zeigt sich dabei von ihrer besten Seite und lebt all ihre Markenzeichen aus. Die Lieder schweben meist zu Beginn auf ihren Teppichen aus Synth-Flächen und lang gezogenen Gitarrenklängen. Ohne Hast lassen die Musiker die Melodien kreisen und bauen die Stücke immer weiter aus. Schlagzeug und Bass gesellen sich dazu, der Gesang von Mariusz Duda vollendet den Aufbau. Der Start in die EP mit „Goodbye Sweet Innocence“ bleibt in allen Minuten ruhig und zärtlich, hier steht die Band mit allen Beinen im Art-Rock und vergnügt sich mit Flächen und deren Wirkungen. Seit jeher werden sie in solchen Momenten vom Geist alter Bands wie Pink Floyd begleitet und zeigen eine glückliche Hand bei der Produktion und Ausarbeitung ihrer Werke. Näher ans Feld des New-Prog geraten die Männer mit den zwei folgenden Liedern, darf es hier auch gerne mal Laut und hoch emotional werden. Besonders der Abschluss mit „Forgotten Land“ ist genial gelungen, steigern sich Riverside hier fast in einen Rauschzustand, der mit dem Gesang Dudas explodiert. Er singt hier nicht nur, er rastet aus und schreit uns die Zeilen voller Schmerz an den Kopf. Hier versteht man die Bedeutung des Liedes sofort, ohne auch nur ein Wort verstehen zu müssen. Allgemein gilt auf dieser EP das gleiche wie bei den normalen Alben der polnischen Band, Gefühle werden an die erste Stelle gesetzt. Es braucht keine technischen Beweise und virtuos gespielten Lieder, um ihre Musik gross werden zu lassen. Der gekonnte Umgang mit Klang und Wirkung ist um ein Vielfaches stärker als jede Notenschlacht.

Riverside sind Meister ihres Faches und beweisen dies auch auf der EP mit einer knappen halben Stunde Laufzeit. Dank dem Umstand, dass die Lieder keine Grenzen erhielten und zehn Minuten lang dauern dürfen, hat die Band Gelegenheit, in instrumental gespielten Teilen und Gesangspassagen den perfekten Mix zu finden. Somit ist die CD ein Muss für Liebhaber der Bands, und auch für Freunde des emotional gespielten New-Prog kein Fehlgriff. Selten klang die Band so sicher.

Anspieltipps:
Goodbye Sweet Innocence, Forgotten Land

Media Monday #217

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Erneut der Fragebogen vom Medienjournal.

1. „Between“ auf Netflix musste ich abbrechen, denn die Serie weiss der alten Geschichte „mysteriöse Todesfälle in Kleinstadt, Regierung beschliesst Quarantäne, Bewohner auf sich alleine gestellt“ nichts neues hinzuzufügen. Schlimmer noch: Die Handlung besteht nur aus Klischees, unlogischen Entwicklungen und nervigen Charakteren. Gespielt wird das ganze noch schlechter und obwohl die Staffel nur sechs Folgen hat, musste ich nach zwei aufgeben.

Die Figuren sehen auf diesem Promobild schon belämmert aus.

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2. Wenn ich doch nur bedeutend mehr Zeit hätte, dann würde ich meine komplette Plattensammlung mal nach alphabetischer Reihenfolge durchhören. Und wenn es noch ein paar zusätzliche Jahre gäbe, dann würde ich meine Watch-List auf Netflix abarbeiten (nur ca. 150 Filme und Serien drauf), all die Bücher lesen die im Regal verstauben und endlich die Weltreise antreten.

3. Die Synchronstimme von praktisch allen Sprechern finde ich unerträglich, da ich mir Filme und TV-Serien nur in den Originalsprachen anschaue. Eine Synchronisation verfälscht für mich das Produkt und Endresultat, genau wie es eine Photokopie eines Gemäldes tut. Zu viel Information über den Schauspieler geht verloren, zu viel Wirkung und Stimmung.

4. Fragt man mich nach meiner/meinem derzeitigen LieblingsdarstellerIn würde ich gerne mit Philip Seymour Hoffman antworten, doch dieser geniale und wunderbare Schauspieler hat unsere Welt viel zu früh verlassen. Trotzdem, sein Schaffen wird für immer strahlen und so manche Darstellung der Zukunft übertreffen.

Bei den Frauen haben es mir zurzeit unter anderem Jennifer Lawrence angetan, die sich aber leider oft in etwas dürftigen Filmen verliert. „The Hunger Games“ beispielsweise wird durch ihre Präsenz klar aufgewertet, ihre Interpretation von Mystique in den neuen X-Men Filmen ist wunderbar vielschichtig. Aber gerade in den kleineren Filmen wie „Winter’s Bone“ oder „Silver Lining Playbook“ brilliert sie. Und sie sieht umwerfend aus!

5. Die Vorlage zu „x“ hat mir mal überhaupt nicht gefallen, obwohl x
Da fällt mir im Moment nicht viel dazu ein. Gilt die Romanversion von „The Drop – Bargeld“ von Dennis Lehane? Eigentlich hat er das Buch nach dem Drehbuch geschrieben, also die Textversion theoretisch erweitert. Doch dies ist ziemlich misslungen, spürt man im gesamten Roman doch die Herkunft der Zeilen und ihre unpassende Form für ein Buch. Schade, denn der Autor ist sonst wunderbar.

6. Wenn das deutsche Fernsehen versucht, amerikanische TV-Formate zu adaptieren, geht das selten gut. Bestes Beispiel kann ich leider keines nennen, da ich weder ein TV-Empfang besitze, noch deutsche Adaptionen anschaue. Wohl besser so anstatt leider?

7. Zuletzt habe ich „Brooklyn Nine-Nine“ gestartet und das war eigentlich ganz unterhaltsam, weil die Figuren hier wahrlich überspitzt und wahnsinnig dargestellt werden. Nach einer Folge kann ich noch nicht viel dazu sagen, aber das Ensemble scheint sich wunderbar zu ergänzen. Witzig, dass in der ersten Folge die klassische Weise gewählt wurde um alle Charaktere vorzustellen: Die Truppe erhält einen neuen Boss, diesem müssen natürlich alle Personen erklärt werden. Irgendwie sehr Neunziger oder?

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Live: 40. Winterthurer Musikfestwochen, Steinberggasse, 15-08-22

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40. Winterthurer Musikfestwochen
Samstag 22.08.2015
Steinberggasse, Winterthur

Die Musikfestwochen in Winterthur sind Jahr für Jahr ein Garant für hohe Qualität der Musik und Konzerte, gerne bewege ich mich für einen Abend in die Schöne Altstadt. Die 40. Auflage des Festivals bot am letzten Samstagabend ein wunderbar gemischtes Programm und lockte mit genau so vielen Stilrichtungen, wie Musiker auf der Bühne. Da spielte es auch keine Rolle, dass ich zwei von drei Bands nicht wirklich kannte.

Den Start gelang wunderbar altmodisch mit dem Geschwisterntrio Kitty, Daisy & Lewis. Drei junge Menschen aus London, die sich der vergangenen Musik verschrieben haben. Egal ob Rockabilly, R’n’B oder Blues, man fühlte sich Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück versetzt. Dass die zwei Schwestern in hautengen Catsuits auf die Bühne kamen lenkte kurz fast von ihren Fähigkeiten an den Instrumenten ab, doch dank regem Wechsel und sprunghaftem Umgang mit Genres triumphierte der Klang über die Optik. Faszinierend wie die Musikerinnen zwischen Schlagzeug, Keyboard, Gitarre oder Mundharmonika pendelten und sich mit dem Gesang abwechselten. Der Sound wurde dank zwei zusätzlichen Musikern auf der Bühne noch grösser als ab Platte und bescherte dem Publikum ein tolles Erlebnis.

Seasick Steve setzte diesen Zauber auf eigene Weise fort. Der 74-jährige Mann aus Kalifornien hat ein bewegtes Leben hinter sich, und ist über viele Umwege nun im fortgeschrittenen Alter als Musiker vor grossen Massen angelangt. Hinter dem langen und grauen Bart versteckt sich ein humorvoller, lebensfreudiger Mann, der aus seinen Konzerten mit wenigen Mittel eine Party gestaltet. Der erdige und dreckige Blues lässt er mit seinem selbstgebauten Instrumenten entstehen und stampft dazu wie ein Kobold auf der Bühne rum. Unterstütz von nur einem Schlagzeuger sind die Lieder oft episch und variantenreich, enden gerne Mal im Krawall. Dazwischen gab es Anekdoten aus seinem Leben, grosse Schlücke aus der Bierflasche und für eine junge Dame die ehre, von Steve auf der Bühne bezirzt zu werden. Lustigerweise war es dieselbe, die schon am Paléo Festival von ihm auf die Bühne geboten wurde. Eine John Deer Mütze hilft wohl für die Auswahl. Am Schluss des Konzertes schlug Steve mit seiner Gitarre auf das Schlagzeug ein und verliess die Bühne wie ein Gewinner eines Boxkampfes. Die Steinberggasse war verzaubert und jubelte furios.

Da war es gar nicht so schlecht, musste man auf den Headliner Calexico noch fast 45 Minuten warten. Als die Amerikaner dann auf die Bühne kamen und zwischen Umengen an Instrumenten Platz nahmen, waren die Zuhörer aber schnell in ihrem Bann. Die sieben Männer tischten uns eine wunderbare Mahlzeit voller Americana, Cumbia, Folk und Rock auf. Wurde das Set vor allem vom neusten Album „Edge Of The Sun“ bestimmt, konnte man sich völlig den mexikanischen Einflüssen hingeben. Dank zwei hervorragenden Bläsern spürte man förmlich die Wüstenluft und bewegte die Füsse wie von alleine. Und genau so vielfältig wie ihre Alben, präsentierte sich die Truppe auch in Winterthur. Musikalisch von höchster Qualität und abwechselnd zwischen leisen und lauten Liedern. Egal ob Gitarrenwände, Keyboardmelodien oder Xylophon, alles fügte sich zu einem wunderschönem Bild zusammen. Verständlich, dass die Band nicht aufhören wollte, genau so wie das Publikum unermüdlich applaudierte. So liessen sich die Leute aus Tuscon zu zwei Zugabenblöcke hinreissen und wagten sich an „The One I Love“ von R.E.M. Hammermässig und ein wunderbarer Abschluss für diese tolle Konzertnacht, an der sich die halbe Welt auf einer Bühne zusammenfand.

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Rangleklods – The Interview

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After two albums, uncountable amounts of concerts and astonished fans all over the world: Rangleklods are getting bigger and bigger. The duo from Denmark fuses electronic music with influences from different styles and older times like the 80ies. With „Straitjacket“, released in May 2015, they continued their victory all over Europe and pleased the masses. Now with even more influence from many genres and a different way of collaborating, Esben Nørskov Andersen and Pernille Smith-Sivertsen have given their sound a fantastic vibe and mixed heavy beats with dancing melodies. The combined voices of the two artists give the music an unique feeling and edge. I had the pleasure of asking Esben and Pernille a few questions about their music and the live as Rangleklods.

For further reading: Review of Straitjacket, review of the concert in Zurich. (Both in German).


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17408sound: After seeing you live a few times it is clear that you love performing. What do you like most about concerts?
Rangleklods: We really forget ourselves and the surrounding world when we play live, just like the audience hopefully does. It’s a cleansing experience and we feel very fortunate to have this playground to express something and share something with the audience. It’s a very sacred situation to us and we never enter a stage with a “just-another-day-at-the-office-feeling” – we tend to make people move and to get moved. 

You tour a lot in Europe. Have you had some memorable moments in the last years?
Oh, so many. To mention some highlights, we’ve played some of the most amazing festivals like South By Southwest, Roskilde, Sziget, Fusion and many more. We’ve witnessed a fist fight in front of the stage at a show in Iceland at Lunga Festival, been pulled out of the mud by a tractor in Luxembourg at a festival called Food For Your Senses and then we had the most epic tour in Romania and Hungary where the audiences were wild as fuck and amazing.

You’ve played a few times in Switzerland. How did you experience the audience? Cliché is, that Swiss concertgoers are more introverted than others.
This is not our impression at all. Our shows have all been really good and people dance and let loose perfectly fine. We’ve been so good taken care of in Switzerland, and it’s one of the countries were on from the very beginning, and we can still se it growing with more fans joining. It feels very much like home to us.   

Who should support you on your tour, or which band would you like to support?
We just had Danish LISS support us for our DK Tour and they were the perfect match with their smooth and extremely well written 80’s funk pop. We’d be absolutely stoked to support an act like Caribou. 

Straitjacket – your second album – is out now. Was it easier to write and produce than the debut?
Yes. Much easier. At leat when we broke the code and just started having fun making songs. It was a long build-up but it actually only took us about 6 months to make which makes it a lot more immediate and spontaneous than Beekeeper. Esben definitely has become an even better producer which of course makes the process both faster and easier. 

How does the writing process take place? Someone comes up with an idea and you work it out together, or completely different?  Is it easy to find the final form of the songs, or is it hard to let go oft e „children“?
Our working process is very diffuse and we like it that way. It’s an intertwined process where composing, producing, mixing and writing lyrics happen simultaneously. But it’s very clear to us when we’ve found the right shape of a song and when it’s done. It’s a gut feeling, we guess. 

After writing two albums, what dream do you have as a group?
Example: Collaborate with other artists / write music to a movie / else.
Our main goal is to tour the world and make a third album. But it would be very exiting to start working on other projects as well. Especially collaborations with other artist could be cool. 

What was your first band „crush“?
Esben: Sigur Ros
Pernille: Nirvana

Do you listen to a lot of electronic music, or is your taste as versatile as your own sound?
We listen to electronic music but also to everything else. Our taste is very broad and rooted in so many different genres. As little as we consider ourselves a genre band as little are we genre listeners. 

Do you read magazines / blogs about your and other music?
We read the things like Drowned in Sound, Line of Best Fit, Soundvenue and NBHAP

What do you like about your home country Denmark?
It’s welfare system allowing people from all parts of society to get education and  medical care for free. It’s on of the most equal societies in the world.  

Last but not least, what does Rangleklods stand for?
A playful yet thoughtful approach to making music.

Thank your for your time.


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