Monat: Mai 2015

Faith No More – Sol Invictus (2015)

Faith No More-Sol Invictus

Faith No More – Sol Invictus
Label: Reclamation! Recordings, 2015
Format: Vinyl im Gatefold, Download
Links: Discogs, Band
Genre: Crossover, Rock

Unglaublich lange 18 Jahre ist es her, seit die Amerikaner ihre letzte Platte veröffentlicht haben. „Album Of The Year“ erschien 1997 und zähmte ein letztes Mal das wilde Treiben der Band Faith No More, bis diese dann kurz danach komplett auseinander brachen. Aber nun bitte kollektiv aufatmen: Die Herren und Herrscher des Crossover sind zurück, und natürlich bleibt alles so wie es nie war. Doch ganz einfach macht es uns die Platte nicht.

Gleich vorneweg: „Sol Invictus“ ist ein grossartiges Album, eine Qualitätsarbeit, die man von diesen Herren erwartet hat. Auch nach fast zwei Dekaden spielen sich die Typen um Billy Gould quer durch alle härteren Musikstile, mischen es zu einem Orkan und klingen dabei nie nach einer Kopie. Dass Mike Patton dazu seine Stimme auf Berg- und Talfahrten schickt, freut sehr. Sein wandelbares Organ verleiht den Songs eine höhere Qualität und begeistert, egal ob er grummelt, schreit oder singt. Patton bleibt ein Ausnahmetalent, das mit Faith No More weiterhin eine Plattform am Leben lässt, die man sich ohne Doktortitel anhören kann. Sicherlich sind die Lieder nicht billig konzipiert, sondern verwirren, haben sieben Leben und prügeln Genres zu einem Golem zusammen. „Sol Invictus“ startet dabei mit Hits, die als Single vorzüglich funktionieren. „Superhero“, „Sunny Side Up“ oder der Titeltrack locken mit grossartig eingängigen Melodien, genial kombinierten Passagen aus harten Gitarren und sanftem Klavier. Ob nun Metal, Hardcore, Rock, Funk oder Jazz angetönt werden, die Band verknotet einzelne Fäden und Stränge zu einem Wunderwerk. Je länger die Platte läuft, desto schwieriger werden die Verbindungen, desto extremer die Gegensätze. „Cone Of Shame“ setzt allem die Krone auf, mit einer absurd grossen Leise-Laut Wechselwirkung. Aber egal wie hart und wild die Lieder sind, sie gehen schnell in den Kopf und machen Spass. Man will und kann keine Highlights feststellen, alle Stücke sind grossartig und auf eigene Art der Höhepunkt. Jedes Mal wenn man „Sol Invictus“ auflegt, verliebt man sich von neuem in einen bestimmten Moment. Immer gewaltig bleibt aber das überlange „Matador“ und pflügt tiefe Furchen in das Land.

Faith No More sind zurück und beweisen, dass eine Reunion auch bei Legenden klappen kann. Ihr neues Material ist aufrichtig, voller Selbstreferenzen und frischen Ideen. Zu keiner Sekunde wirkt die Platte wie ein bemühter Reanimationsversuch, sondern ist ein logisches Kapitel in der Bandgeschichte. Lasst euch verzaubern und mit toller Musik überschütten, die Hoffnung lebt weiter.

Anspieltipps:
Superhero, Cone Of Shame, Matador

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Rangleklods – Straitjacket (2015)

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Rangleklods – Straitjacket
Label: Tambourhinoceros, 2015
Format: Vinyl mit Download
Links: Discogs, Band
Genre: Techno, Indie, Synth-Pop

Wir haben uns nie komplett verloren, aber eine grosse Entfernung lastete auf der Beziehung. Obwohl wir uns mehr oder weniger regelmässig sahen, hätte ich immer gerne Neues erfahren. Doch es blieb beim Alten, wenn auch die Qualität da schon stark war. Glücklicherweise ist es nun aber endlich so weit, ihr seid wieder da und habt einen Beutel voller neuer Geschichten mitgebracht. Und da wir uns nun schon seit längerer Zeit kennen, wolltet ihr auch komplexere Themen und Situationen. Danke.

Rangleklods erspielten sich mit nur wenigen Konzerten und einem Album einen Stammplatz in meinem Herzen. Die Musik von Esben Nørskov Andersen mischte auf komplett neuartige Weise den düsteren Sexappeal von Techno mit dem Tanzbein und der Einstellung des Indie. „Beekeeper“ war 2012 ein Triumphzug und eine Platte voller Perlen. Unendlich lange Jahre später steht nun endlich der Nachfolger „Straitjacket“ in den Regalen. Esben hat sich seine Begleitung Pernille Smith-Sivertsen an den Tisch gebeten, Rangleklods schreiben und musizieren nun als Duo. Das bringt der Musik eine unglaublich grosse Bereicherung in allen Ebenen. Dank dem wechselnden Gesang lauscht man nicht nur der beeindruckend, hübschtiefen Stimme Esbens, sondern lässt Pernille bezirzend in die Ohren tanzen. Die Musik greift nun wie ein schwarzes Loch mit seinen Fangarmen in alle Richtungen, und saugt Melodien, Themen und Klangarten von unzähligen Genres auf. In der typisch abgehackten und reduziert arrangierten Art von Rangleklods erhascht man Momente des Techno, D’n’B, Dubstep, Break-Beat, The XX, alles aus den 80ern und Bläser. Die Tatsache, dass Beats, Melodien und Muster dabei oft etwas verloren agieren und nicht immer gleich logisch miteinander kommunizieren, kann „Straitjacket“ zuerst etwas verzettelt wirken lassen. Nimmt man sich aber Zeit und gibt den Liedern die verdiente Aufmerksamkeit und Energie, dann merkt man: Die beiden Musiker aus Dänemark schreiben und produzieren mit unglaublich viel Gefühl und Gespür. So viel Talent hört man selten in der elektronischen Musik, mit jedem Hördurchgang erhalten die Songs mehr Tiefe und schmiegen sich an deine Seite.

„Straitjacket“ will viel, macht viel und erreicht viel. Das Album besteht aus einem überlaufenden Fass an Ideen, Melodien und Klangspielereien. Oft scheint es zu viel für die einzelnen Tracks, passt dann aber doch perfekt zwischen alle Stühle. Das Warten auf dieses zweite Werk hat sich mehr als gelohnt, die Erweiterung zum Duo ist geglückt. Erwachsener, vielschichtiger, voller Überraschungen und mehr geliebten Klang aus der bunten Welt von Rangleklods. Ich krieg nicht genug!

Anspieltipps:
Lost U, Schoolgirls, Degeneration, Happy In The Gutter

Steve Hackett – Wolflight (2015)

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Steve Hackett – Wolflight
Label: Inside Out, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit CD
Links: DiscogsKünstler
Genre: Progressive Rock, Folk Rock

Gitarre spielen viele Musiker, und noch mehr, die diesen Beruf erlernen wollen. Doch wirkliche Meister lassen sich an wenigen Fingern abzählen, Steve Hackett gehört auf jeden Fall dazu. Seit seinem Mitspiel bei den Prog-Urgesteinen Genesis ist er eine Legende und ein unglaublich facettenreicher Saitenzauberer. Nach diversen Aufarbeitungen von altem Material, kehrt er nun mit brandneuer Musik ins Rampenlicht zurück. Da heulen nicht nur die Wölfe, vor Freude natürlich.

Hackett gilt zu Recht als Meister, der seit Jahrzehnten alle Bereiche der Gitarre erforscht, Grenzen auslotet und sogar vor klassischen Gebieten nicht zurückschreckt. Auch mit „Wolflight“ lässt er sich stilistisch nicht so einfach festnageln, wobei das Album klar dem Progressive Rock zuzuordnen ist. Dieser Musikrichtung hat sich Hackett nie komplett abgewandt, mischt die typischen Zutaten aber mit viel Eigeninitiative. So findet man als Hörer in jedem Song Zitate und Hinweise auf ferne Kulturen, Traditionals oder andere Stile. Ob orientalisch gerockt, oder gezupft wie in der Renaissance, die Musik umfasst geschickt Jahrhunderte. Da passt es auch, dass mit „Love Song To A Vampire“ die textliche Ebene auf dieses Niveau befördert wird. Verspricht der Titel zuerst vor allem Klischees, weiss es Hackett mit seiner Band aber geschickt Platitüden zu umgehen und das Lied zu einem wuchtig schwelgenden Epos umzudichten. Eine Eigenschaft, die für das gesamte Album gilt. „Wolflight“ umgeht Stolperfallen und Tiefen, erlaubt sich zwar Zitate älterer Platten des Musikers, bleibt aber immer eigenständig. Die Fingerfertigkeiten des Künstlers sind unglaublich, jede Spielart scheint er zu beherrschen und verinnerlicht zu haben. Dass es aber nie zu einer Muskelschau ausartet, kann man dem großartigen Songwriting verdanken. Die Stücke bleiben im Bandsound, zähe Solis muss man nicht ertragen.

Mit „Wolflight“ wird der beachtlichen Diskografie von Steve Hackett ein weiteres, sehr grosses Album hinzugefügt. Gerne versinkt man in den vielfältigen Songs, die oft von abwechslungsreichen Gitarren beherrscht und geführt werden. Romantik und Nostalgie, gleichzeitig aber auch viel Wissensdurst und ein progressiver Geist, so ist’s recht.

Anspieltipps:
Love Song To A Vampire, Corycian Fire, Black Thunder

The Pride – Boxing Clever (2015)

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The Pride – Boxing Clever
Label: Eigenveröffentlichung, 2015
Format: 3 x 10inch Vinyl, 2 CDs, Download, Poster, Bilder, Booklet
Links: Band, Shop
Genre: Rock, Alternative, Independent

Die Schweizer Musikszene ist im Vergleich mit anderen Ländern sehr überschaubar. Nur wenige Gruppen erreichen landesweite Bekanntschaft und können von ihrer Musik leben, man denke zum Beispiel an Züri West oder Patent Ochsner. The Pride aus Schaffhausen haben diesen Schritt knapp nicht geschafft, obwohl die Vorzeichen in den 90er Jahren sehr gut standen. Ihre ganze Geschichte ist nun mit dem Boxset „Boxing Clever“ nachzuhören.

The Pride stellten sich von Beginn an mit breiten Schultern in den Alternative Rock hinein, liessen die Finger aber auch über Blues oder Country gleiten. Im Gegensatz zu ihren Mitstreitern verzichteten sie auf Mundartgesang und setzten auf Englisch – der Akzent liess sich dabei nicht ganz verstecken, stört aber nicht. Ihr Klang erinnert gerade beim zweiten Album oft an amerikanische Bands wie R.E.M., ohne diese zu kopieren. Mit geschickter Hand arrangierten die Männer kurze Lieder, die wie perfekt in das Programm der alternativen Radiostationen passten. Viele Leute entdeckten The Pride so über die UK-Wellen, oder wissen bis heute nicht, dass sie von der Band Songs kennen. Und wie es der Verlauf der Geschichte wollte, half alles nichts. Die Gruppe musste nach drei Alben kapitulieren, wobei auch gesagt werden muss, nicht auf ihrem Höhepunkt. Wie man dank der neuen Zusammenstellung nun heraushören kann, zeichneten sich bei den dritten Platte kleine Ermüdungserscheinungen ab. Hatten die Musiker bereits alles erzählt? Es fehlt eindeutig der Schmiss der älteren Stücke, ein Absturz in die Bedeutungslosigkeit schien zu drohen.

Trotzdem, diese Sammlung macht Spass. Sie zeigt eine talentierte Band aus der Schweiz, die über mehrere Jahre interessante und lockere Lieder schrieb, und diese immer voller Schwung spielte. Nebst Studioaufnahmen finden sich auf den zwei CDs noch Livedarbietungen und sogar neue Songs, extra für diese Kiste aufgenommen. Auch auf Vinyl und als Download darf man die Musik geniessen. Fürs Auge gibt es Bilder, Postkarten, ein Büchlein mit Texten und ein nettes Poster, mit alten Zeitungsberichten auf der Rückseite. „Boxing Clever“ ist eine liebevoll gemachte Rück- und Werkschau einer zu unrecht oft übersehenen Band in der Schweizer Szene. Reinhören und in Erinnerungen schwelgen lohnt sich, The Pride leben so stolz weiter.

Anspieltipps:
A Good Day To Die, At X-Mas I Feel Blue, Boxing Clever, Pet Sematary, Walk On A Wire (Live), When I’m Old

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell (2015)

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Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
Label: Asthmatic Kitty, 2015
Format: Vinyl mit Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Folk, Singer-Songwriter

Bei gewissen Musikern wartet man gerne und lange auf neue Lieder, und fiebert jeder Veröffentlichung entgegen. Sufjan Stevens lernte ich kennen und lieben mit seinem Folk-Meisterwerk „Illinoise“, seither folge ich dem Künstler blind. Interessanterweise wurde seine Musik mit jeder neuen Platte wilder, elektronischer und lauter. Weg vom sanften Lied, hin zum kakophonischen Klangspiel. Doch dies hat nun alles ein Ende, „Carrie & Lowell“ rotiert auf dem Plattenspieler.

Stevens war immer dann am besten, wenn er seine oft tieftraurigen Geschichten mit hoffnungsvollen Melodien intonierte, und dabei unzählige Instrumente zu einem Orchester der Vielfalt anschwellen liess. Mit seiner neusten Platte kehrt er nun zu dieser Art der Erzählweise zurück, um aber nur noch leiser zu werden. Der Albumtitel zeigt die Intimität gleich direkt, sind Carrie und Lowell doch seine Mutter und Stiefvater. Die Lieder handeln von Sufjans Kindheit, seinem Heranwachsen und dem Leben der Mitmenschen. Auf unvergleichliche Weise reimt er Alltagsprobleme und Überlegungen zu wunderbaren Kurzgeschichten. Mit angenehmer Stimme auf Band gebracht, freut man sich und leidet zum Teil auch mit. Immer ist Stevens ehrlich und nie wird übertrieben. Wären alle Gedankengänge auf der Welt so überlegt, der Menschheit ginge es besser. Begleitet werden diese Erzählungen und Anekdoten meist mit wenigen Tönen. Reduziert auf einzelne Instrumente, hat Stevens seine Musik komplett heruntergebrochen und auf das Nötigste beschränkt. Wo früher Streicher, Gitarren und Banjos um die Aufmerksamkeit stritten, gleiten nun einzelne Melodien sanft dahin. Ob Saiten oder Tasten, es reichen wenige und pointiert gespielte Momente, um den Liedern Leben und Seele einzuhauchen. Selten war der Musiker so fokussiert und präzise wie auf dieser Platte. Es reichen schon kleine Flächen der Synths aus, um eine wuchtvolle Wirkung zu erreichen. Mit eingängigen und interessanten Melodien, sowie wunderschönen Harmonien beweist der Komponist, dass er weiterhin zu leisen Meisterleistungen fähig ist.

„Carrie & Lowell“ ist ein unerwartet unaufgeregtes Album, voller Songperlen wie von Sufjan Stevens bekannt und erhofft. Das persönliche und tief gehende Album ist eine Wohltat und schon jetzt eines der Highlights von 2015.

Anspieltipps:
Should Have Known Better, Forth Of July, John My Beloved

Cobain – Montage Of Heck

Zuerst gleich eine etwas peinliche Beichte: In meiner Sammlung steht keine einzige Scheibe von Nirvana, nichts. Die Band kenne ich seit vielen Jahren, habe immer wieder Lieder von ihnen gehört, oder im Freundeskreis darüber diskutiert. Doch ein Album kaufen? Nein danke. Es hat mich nie genügend gepackt, etwas fehlte mir immer. Und dies trotz der Faszination, die von der Gruppe ausging. Den Dokumentarfilm „Cobain – Montage Of Heck“ hab ich mir aber gerne zu Gemüte geführt, auch wenn meine Meinung zum Künstler nun noch etwas tiefer ist.

Der Film ist die erste Doku über das Leben und die Leiden des jungen K., in der alte Filmaufnahmen und Tagebücher verwendet werden, die im Besitz der Familie sind. Anhand dieser Dokumente, zusätzlich zu vielen Zeichnungen, Interviews und TV-Ausschnitten, wird das Leben von Kurt nachgebildet. Man erfährt viel über seine familiären Verhältnisse, die schwierigen Umstände in seiner Kindheit und seine Probleme mit seinem Umfeld. Schon bald ist klar, diese Person wird es im weiteren Leben nie leicht haben und ist für immer geschädigt. Seine frühen Skizzen und Texte zeigen dies sehr gut, oft handelt es sich um gewalttätige Ausbrüche. Dank der Musik findet Kurt ein Medium, seine Emotionen und Gedanken in künstlerischer Form festzuhalten, und mit Freunden auszuleben. Nirvana sind geboren. Doch auch jetzt wird es nicht einfacher, denn mit der Musik kommt der Ruhm und das Geld. Cobain versteckt sich hinter seiner Fassade und driftet in den Drogensumpf. Durch neue Bekanntschaften und die Beziehung zu Courtney Love verliert er sich immer mehr im Wahn. Auch die Geburt von seiner Tochter Frances hilft dem jungen Mann nicht mehr, er bringt sich mit 27 Jahren um.

So unerträglich traurig die Geschichte um Kurt ist, so hart und unverfälscht wird sie im Film gezeigt. Man sieht schlimme Homevideos von der Junkiefamilie Cobain, ziellose Interviews und Ausbrüche an Konzerten. Obwohl der Film mit dem Auftreten von Courtney etwas zu Lasten ihres Egos abdriftet, das tieftraurige Ende gerät erstaunlich still und sanft. Keine sensationsgeilen Aufnahmen und Zitate. Diese bietet die schrecklich geliftete Frau Love vorher selber, der Film könnte teilweise in „Love – Montage Of Titts“ umbenannt werden. Wer aber über diesen Egotrip hinweg sieht, findet genügend gute Momente in der Dokumentation. Schade, dass Dave Grohl nie zu Wort kommen darf und dass die Musik oft etwas in den Hintergrund gerät.

Was bleibt, ist ein düsteres Portrait über einen jungen Menschen aus den USA, der nie Fuss in dieser Welt fassen konnte. Dass er durch diese Leiden zu einem Sprachrohr einer Generation wurde ist eher erschreckend und in meinen Augen nicht immer nachvollziehbar. Denn ein Familienvater, der sich tagelang mit Heroin vollpumpt, seine Band im Stich lässt und ein Kleinkind ohne Vater aufwachsen lässt, ist kein Vorbild. Auch wenn die technische Seite des Filmes von allerhöchster Qualität ist, und der kometenhafte Aufstieg von Nirvana noch immer fasziniert, kann mein ‎Fazit aber nur lauten: F**k dich Kurt.

Live: The French, Garasche Aarau, 15-05-16

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The French
Support: Jacqui Chocolat
Samstag 16.05.2016
Garasche, Aarau

Konzerte im kleineren Rahmen versprühen meist mehr Reiz, als grosse Shows in gewaltigen Stadien. Man ist den Künstlern näher und die Intimität stärker. Ab und zu ergibt sich dann auch der Fall, dass die Darbietung fast zu einem Familientreffen wird. Der Auftritt von The French in Aarau war so ein Moment, bot die Lokalität Garasche nur beschränkt Platz, und die Musiker sind eher unbekannt. Die Besucher waren darum nicht Fremde, sondern kannten mindestens einen Spielenden.

Als Supporting Act nahm Jacqui Chocolat hinter dem Keyboard Platz und spielte eine handvoll kleiner Songs. Mit sanfter Stimme und hübschen Melodien erzählte sie Momente aus dem Alltag. Ihr Sohn Finn wollte im Anschluss auch noch ein Lied zum Besten geben, bevor es dann in die Pause ging. Gemeinsam mit den weiteren Gästen genoss man Bier und das gute Wetter um kurz darauf zwei Herren zuzuhören, die gemütlich auf ihren speziellen Stühlen im Schaufenster Platz genommen hatten. Nur mit Gesang und einer akustischen Gitarre bewaffnet, spielten sie humorvolle und knackige Songs und unterhielten die Besucher prächtig. Dass beide keine Franzosen sind, sondern aus Deutschland und England stammen, macht beim Bandnamen „The French“ und der Konstellation dann doch Sinn. Wer kommt drauf?

Ich kannte die Musik von The French bisher nur von wenigen Clips auf Youtube, ihre selbstironische und lockere Präsentation überzeugten mich auch als reduziertes Konzert ohne Bandsound. Mit tollem Gesang und freudigen Melodien vergingen die Minuten wie im Flug. Als Merchandise gab es dann ein Livekonzert der Herren als USB-Stick zu kaufen, ein Novum in meiner Sammlung und der Abschluss eines gelungenen Abends.

Alle Photos stammen von Mischa Castiglioni

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Taylor Swift – Bad Blood

Für einmal zeigt euch mein Blog aktuelle Bilder der glänzenden Mainstream-Popwelt. Taylor Swift wird wohl den meisten von euch ein bekannter Name sein, konnte sie doch vor allem in den letzten Jahren mit ihrer Musik viel Geld einsacken und widmete die meisten Lieder ihren Exfreunden, die sehr zahlreich sind. Ihr Sammlerverhalten hat sie nun auf Frauen umgepolt, vergeht doch keine Woche ohne eine Meldung, Frau Swift sei nun die beste Freundin von diesem Model oder dieser Sängerin. Glücklicherweise weiss sie solche Vorteile zu nutzen, und bot gleich ein Heer an gutaussehenden und bekannten Mädels für ihr neues Musikvideo auf.

„Bad Blood“ ist scheinbar eine Abrechnung mit Katy Perry, ein normaler Popsong, ein elektronisch gebasteltes Lied mit Rapper. Kendrick Lamar darf als einziger Typ die Männerwelt vertreten, um ihn herum bewegen und kämpfen Girls. Und was für welche: Ellie Goulding, Selena Gomez, Jessica Alba, Cara Delevigne, Karlie Kloss, Hayley Williams, Cindy Crawford und so weiter. Eine mehr als beachtliche Besetzung, die im Video ein genau so verrücktes Mashup aus wichtigen Filmen der Popkultur bewandern. Die Geschichte um zwei Gangs, die sich in einer futuristischen Welt bekämpfen, bietet Zitate aus Matrix, The Fifth Element, Sin City, Tarantinos Filmen, Tron und Bitch Slap. Da die Bilder tausend mal mehr überzeugen als die Musik, empfehle ich hier den Clip mehrmals anzuschauen, die Musik aber gegen ein tolles Lied, dass auch in Grindhouse-Movies benutzt werden könnte, auszutauschen.

Der Clip wurde nicht nur seit Wochen mit vielen Bildern und Postern angekündigt, die ganze Popwelt fieberte auf die Premiere zu. Nach der Sichtung der knappen fünf Minuten muss ich aber leider sagen, dass hier mehr herausgeholt werden könnte. Wieso wurde nicht eine längere Version geschnitten, in der die Musik teilweise aufhört, die Geschichte aber nicht am Höhepunkt endet? Lady Gaga hat dies mit „Telephone“ wunderbar vorgemacht. Oder plant Taylor Swift etwa noch eine Version als Kurzfilm? Mir wäre es recht, denn Spass macht dieser verrückte Mix aus allen erdenklichen Stilen. Und solchen Frauen schaut man gerne zu.

Hach..

Hach..

Live: Friska Viljor, Bogen F Zürich, 15-05-12

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Friska Viljor
Support: Lena Fennell
Dienstag 12.05.2015
Bogen F, Zürich

Da stehen wir nun, verschwitzt, glücklich und mit lauter Stimme jubelnd. Die zwei Männer auf der Bühne strahlen, bedanken sich und spritzen alle mit Wasser voll – eine willkommene Dusche nach kurz- und weiligen 80 Minuten voller Musik und Witz. Schweden und Schweiz wurden tatsächlich für einen kurzen Moment eins, Friska Viljor beschallten den Bogen F in Zürich.

Auch wenn ich vor dem Konzert die Band nicht wirklich kannte, oder verfolgt habe, aber jetzt sind sie in meinem Herzen. Das Duo zeigte sich nicht nur spielfreudig, sondern sehr menschlich und offen. Zwischen den Liedern wurde viel mit dem Publikum geplaudert, gewitzelt und Instrumente gestimmt. Dass dabei die Musik für ein paar Minuten in den Hintergrund trat, konnte ich verschmerzen, denn diese Jungs kann man nur mögen. Als Akkustik-Tour mit reduziertem Aufgebot und leisen Songs präsentierten sich Friska Viljor zuerst etwas zaghaft. Viele gespielten Stücke stammten vom – noch nicht veröffentlichten – neuen Album und zündeten in ihrer reduzierten Art nicht immer. Umso wilder und belebter wurde es dann aber, als sie die alten Bekannten auspackten und die Zuschauer wild mit dme tanzen begannen. Heiss wurde es, Bier verdunstete und Musiker wie Zuhörer steigerten sich gemeinsam zum Höhepunkt. Dass dieser auch mit nur Gitarre, Drum, Mandolie und zweistimmigen Gesang so wild ausfallen kann, spricht für die Herren. Somit war das Konzert dann auch blitzschnell durch, die Zugaben sehnlichst erklatscht und Joakim im Zuschauerraum begrüßt. Herrlich!

Lena Fennell konnte zuvor zwar keine solche Begeisterungsstürme auslösen, gefiel aber mit ihren sanften und hübschen Lieder, gespielt nur mit einer Gitarre. Die Baslerin verzauberte mit ihrer Stimme, der Melancholie und hübschen Pop. Gerne hätte ich noch ihre neue EP genauer betrachtet, doch da kamen schon zwei behaarte Typen auf die Bühne. Man kann nicht immer alles haben, und Lena werd ich hoffentlich wieder mal belauschen dürfen.‎

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