Musik allgemein

Interview mit Nathan Gray – Gefühle und Totenköpfe

Seine Musik und sein Album warfen grosse Schatten vor sich – und auch nach der Veröffentlichung von “Until The Darkness Takes Us” gibt es noch einiges zu bereden. Wir nutzten die Gelegenheit um vor dem Konzert in der Hafenkneipe Zürich mit Nathan Gray und Daniel E. Smith vom Nathan Gray Collective zu sprechen. Und dabei packten wir nicht nur den Teufel bei den Hörnern, sondern auch im Buch geblättert und in unser Inneres geschaut.

Michael: Wie ihr sehen könnt, sind wir hier in einer ziemlich kleinen Lokalität – besonders für dich, Nathan. Wie fühlt sich diese Tour an, nachdem ihr vorher grosse Festivalbühnen und Lokale bespielt habt?

Nathan: Es fühlt sich grossartig an. Klar, das sind natürlich nicht boysetsfire. Wir beginnen hier, eine komplett neue Fanbasis aufzubauen. Und jede Nacht ist es genau das, das Suchen von Verbindungen und Überzeugungen. Genau darum geht es mir auch, dass die Leute kommen und eine gute Zeit haben. So versuchen wir von Beginn an, eine tief persönliche Bindung zu unseren Fans aufzubauen und sie in unsere Arbeit mit einzubeziehen.

Daniel: Und am Ende jedes Auftritts sind wir auch bei den Leuten, geben Umarmungen, schreiben Autogramme und schütteln Hände. Es sind keine riesigen Hallen, in denen man von der Bühne geht, ohne dass uns jemand bemerkt.

Ihr seid dieses Projekt auch anders angegangen als sonst. Es sind sehr direkte Texte und persönliche Themen – aber wird das weiterhin hinter der Musik stehen? Werden die Besucher trotzdem die Musik hören, ohne sich um den Inhalt zu kümmern?

Nathan: Das spielt uns nicht direkt eine Rolle. Manche sind damit zufrieden, wenn sie tanzen und feiern können, den Alltag hinter sich lassen – wir geben ihnen auch diese Möglichkeit. Aber es gibt auch immer Leute, die eine tiefere Erfahrung suchen. Und auch diesen bieten wir etwas an. Ich “diskriminiere” in dieser Hinsicht niemanden.

Daniel: Sehr wichtig war es für uns, bereits zu Beginn der Arbeit am Album die Atmosphäre der Lieder so hinzukriegen, wie Nathan es sich vorgestellt hatte. Die Scheibe hat eine extreme Dynamik. Es wurde bewusst so aufgebaut, um den textlichen Inhalt zu verstärken. Aber man spürt die Botschaft auch, wenn man den Gesang nicht versteht

Ihr habt die Musik im Vergleich zu früheren Alben ziemlich verändert, besonders du, Nathan. Alles wirkt nun stärker wie Dark Wave oder Gothic, das spürt man besonders in Songs wie „Skin“. War dies eine bewusste Entscheidung?

Daniel: Diese Art von Musik war schon immer in mir drin, mein tägliches Brot sozusagen. Nathan hat es als Zuhörer immer genossen, kam aber nie als Musiker zu diesem Erlebnis. Also war sein schier popartiger Stil beim Songwriting genauso eine Grenzverschiebung für mich, wie das Elektronische bei ihm.

Nathan: Und das ist so toll an diesem Album – wir durchbrechen die Schubladisierung. Es war mehr ein “finden wir heraus ob dies funktioniert”, was in uns lauert, als ein konkretes Genre. Ich glaube, wir haben es gefunden und es ist fantastisch.

Nicht für alle, es gab ein paar ziemlich durchmischte Rezensionen.

Nathan: Ach, die gibt es immer, man kann es nicht allen recht machen. Es gab schlechte und gute Kritiken – und manche waren sogar persönlich gemein, ohne Bezug zur Musik. Aber alles, was man im Leben und in der Musik machen kann ist: Tu was du magst, was dich bewegt. Nicht mein Problem, wenn es dir nicht gefällt.

Daniel: Und wir wussten, dass es ein Album wird, das man entweder liebt oder hasst – und erwarteten somit ziemlich schlimme Kritiken. Es gab viele Erwartungen in Richtung “boysetsfire light” – aber das sollte es niemals sein. Und wer diese Erwartung bereits hatte, der wollte sich auch nicht überzeugen lassen.

Glaubt ihr, das hat auch etwas damit zu tun, dass sich die Leute nicht mehr intensiv mit der Musik beschäftigen wollen? Schliesslich kann man heute alles mit einem Klick anhören, oder man betrachtet Konzerte nur noch durch seinen Bildschirm am Smartphone.

Nathan: Die Leute wollen es manchmal einfacher. Viele wollen halt die Wiedervereinigungen, die Sachen, die man ohne Aufwand sofort begreift. Aber unsere Platte ist weniger ein Album, es ist mehr ein Audio-Film. Das haben wir bewusst so gestaltet und viele werden das auch begreifen.

Daniel: Ich glaube, dass das Album als Konzeptform eine verlorene Kunst geworden ist. Dank Dingen wie Napster oder Spotify suchen die Leute nur noch nach der nächsten Single und spielen keine kompletten Platten mehr. Nathan und ich haben das früher noch getan, man musste sich Scheiben von Pink Floyd, The Who oder The Beatles konzentriert und als Gesamtes anhören. Wenn ein Album als Ganzes keinen Sinn macht, dann muss ich mich damit auch nicht beschäftigen.

Nathan: Genau, wer will das schon? Eine Scheibe mit zwei Hits und sonst nur Füllmaterial. Was soll der Sinn sein, ihr vergeudet doch nur eure Zeit. Veröffentlicht besser nur die Single.

Ihr habt sogar ein Buch zum Album veröffentlicht, die Aussage hinter dem Werk ist also sehr wichtig. Was war denn zuerst?

Nathan: Die Idee hatte ich schon lange, doch erst mit dem Album sprang der Funken über. Wir hatten das Konzept und ich wollte die gesamte Geschichte erzählen. Die Musik sollte deutungsoffen sein, darum habe ich das Buch als Begleiter erschaffen, damit man meine Geschichte dahinter sieht. Und ich damit den Leuten zur Findung ihrer eigenen Story helfen kann – als Inspiration.

Das Buch hatte also keinen direkten Einfluss auf das Songwriting? Gerade weil du die Kapitel auch nach den Songs benannt hast.

Nathan: Das war gedacht, um die Leute durch das Album zu führen und damit sie immer sehen können, wo ich selbst an diesem Punkt war.

Daniel: Das Album hat, auch ausserhalb des Buches, einen definitiven Start und und ein definitives Ende, mit einer linearen Geschichte. Die Songtexte nehmen dich mit auf die Reise und die Musik bietet weitere Emotionen. Man kann das Album anhören und es dabei wie ein Horoskop als Leitfaden benutzen.

Allerdings ist es auch ziemlich bestimmt. Ich selber war etwas verwirrt, wie selbsthilfemässig es manchmal war und wie wenig über die Musik darin stand. Denkt ihr nicht auch, dass es etwas zu missionarisch ist und auf Leute, die euch nicht so gut kennen, etwas abschreckend wirken kann?

Nathan: Das ist für mich eine sehr verwirrende Frage – ich habe immer sehr persönliche Musik gemacht. Wenn dies also jemanden stört, dann hat er mir die letzten 20 Jahre nicht zugehört.

Sicher, aber das war doch oft auch die grösste Kritik: Der Inhalt ist zu stark bei den Aussagen der „Church Of Satan“.

Nathan: Ja, aber das Buch hat diese Diskussion doch beendet. Ich sage klar, dass ich niemanden dazu inspirieren und kein grosses Thema daraus machen will. Es war nötig, dies zu erklären, damit die Leute sagen: “Ok, ich habe dich verstanden.” Es ist mir total egal, ob es jemand mag oder nicht – es gibt bestimmt genügend Glaubensrichtungen, die dir komplett egal sind. Wir als Band forcieren dies nicht und genau darum war das Buch auch für unsere Positionierung wichtig. Ebenso habe ich mit dem Buch einige persönliche Dinge geklärt und die Geschichte von boysetsfire beleuchtet. Wenn jemand ein Problem damit hat, dann soll er sich verpissen. (lacht)

Ihr denkt also nicht daran, noch mehr Symbolik einzubauen?

Nathan: Davon haben wir uns auf dieser Tour entfernt. Das letzte Mal war alles in rotes Licht getaucht, mit Ziegenschädeln und ähnlichem Zeugs – totales Klischee. Heute wirst du nebst den Schädeln auch Blumen und eine romantische Stimmung vernehmen. Mir ist Satan egal, das hat für mich keine Bedeutung. Man braucht all diese Religionen nicht. Was für jeden spricht ist die Idee, dass wir keine externen Kräfte brauchen, um uns aufrecht zu halten. Das können wir selber aus uns erschaffen. Eine Welt ohne externe Autorität, genau das unterstützen wir. Wir sollten unser Leben in vollen Zügen geniessen, fröhlich und das Beste in allem sein. Glückliche Menschen erschaffen eine glückliche Welt, und das hilft deinen Mitmenschen, sich besser zu fühlen – eine Wechselwirkung.

Nathan, im Buch schreibst du über die Schwierigkeiten zu Beginn deiner Karriere. Habt ihr denn ein paar Tipps für junge Bands?

Daniel: Seid geduldig und gebt nicht auf. Ich wollte seit ich Kind war ein “Rockstar” sein – aber wusste spätestens mit dreissig, dass es nicht passieren wird. Ich wollte mich auf die Studioarbeit konzentrieren und fünf Jahre später kommt dieser Typ an (zeigt auf Nathan) und nimmt mich in seine Band. Hier wollte ich eigentlich schon mit zwanzig sein.

In einem Keller mit Ventilen … (lachen)

Daniel: Als ich zehn war dachte ich: “Könnte ich doch bloss in einem Verliess sein. Mein Leben wäre komplett!”. Aber ja, man muss einfach weiter probieren und darf keinen Soforterfolg erwarten. Das tolle sind aber die schier unendlichen Möglichkeiten, die das Internet für Musik und Fans bereithält.

Nathan: Aber tut es nicht! Lernt einen Beruf! Sonst macht ihr es uns nur schwieriger, der Markt ist überflutet. (lacht)

Ist denn Musik das Endziel oder ein Mittel und Ort, um sich zu finden oder zu verstecken?

Nathan: Es kann alles davon sein. Musik, die Bühne oder das Studio sind unsere psychiatrischen Liegen und darauf kannst du die Musik benutzen wie du willst. Es ist ein menschliches Ritual, etwas, das mehr als Umstand und Ausdruck ist. Es ist all deine Liebe, Hass, Freude oder Lust – alles, was du in dir trägst und selten rauslässt. Dass du dich mit diesen Teilen verbinden kannst ist wichtig, so kannst du den Ausgleich finden.

Daniel: Ich war immer jemand, der es liebte zu kreieren. Und ich war immer der Studio-Nerd. Es war jedes Mal die Erlösung für mich, nach der Arbeit fähig zu sein, aus dem Nichts etwas komplett Neues aufzubauen. Ohne Erwartungen oder Termine. Es war schon immer meine glückliche Zuflucht.

Das freut mich zu hören, und besten Dank für das Interview.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Interview mit Smools – Züri-Punk ist wieder da

Der Punk nimmt sich nicht mehr ernst! Aber das ist auch kein Problem, denn Smools aus Zürich beweisen mit ihrer neusten EP “We Said Never“, dass dem Genre auch Rock und Pop gut tut. Mit fünf neuen Songs beweist die Band ihr Talent und ihre Offenheit – und lädt dabei auch zum Tanz ein. Das haben wir noch nicht gewagt, dafür einen Wortwechsel mit Martin Burkhard, Gitarrist und Sänger der Band.

Der Titel für dieses Interview lautet “Züri-Punk ist wieder da” – war dieser denn jemals weg?

Schöner Titel. Wir ordnen uns musikalisch nicht im reinen Punk ein, haben aber persönlich viel damit am Hut. Anfangs der 2000er war Punk für uns sehr prägend. Wir und sehr viele unserer Bekannten spielten in Punk-Bands und besuchten unzählige Konzerte. Es gab danach aber tatsächlich so etwas wie eine Punk-Flaute in Zürich. Wir haben den Punk musikalisch und privat jedoch immer ein Stück mitgetragen und ich glaube, das hört und spürt man auch – komplett weg war er jedenfalls nie. Wir freuen uns natürlich, wenn wir da einen Teil beisteuern können.

Smools sind eine frische Band, die aber mit der Musik in alte Fusstapfen treten. Gilt das Erbe der damaligen Zeit mit Liliput, Kleenex oder Sperma auch heute noch?

Wir tun, was wir wollen und lassen uns da auch nichts einreden. Punk ist so wundervoll, weil man niemandem etwas beweisen muss. Man tut, was man kann und versucht, so authentisch wie möglich zu sein. Leute stehen sogar drauf, wenn eine selbst produzierte Platte wie unsere aktuelle „We Said Never“ nicht mit überproduziertem Hokuspokus daherkommt.

Ist der Boden in Zürich immer noch nahrhaft genug für eine Szene im Anti-Rock oder Punk?

Punk ist präsenter als es scheint, existiert immer noch in vielen Szenen – und hat sich irgendwie ja auch weiter entwickelt.

Gibt es somit einen regen Austausch zwischen Musikern und Bands, oder schlingert man da eher per Zufall rein?

Wenn man als Musiker auf der Suche nach einer Punkband ist, wird man die sehr wahrscheinlich auch finden. Wenn man Leute für eine Neugründung einer Punkband sucht, sollte das nicht so ein Problem sein. Viele beginnen ihre „Bandkarriere“ schliesslich mit Punk-Musik.

Ihr seid mit euren Texten nicht direkt politisch. Ist dies bewusst ausgeklammert worden (Punk steht auch für Spass), oder war die EP “We Said Never” nicht das richtige Gefäss?

Unsere Songs sind bis auf einige, die wir nicht aufgenommen haben, nicht politisch. Das hat aber keinen speziellen Grund. Wir sind nunmal keine konkrete Polit-Punk Band. Was aber nicht heissen soll, dass in Zukunft nicht doch noch politische Songs geschrieben werden.

Darf man in einem solchen Genre überhaupt nur Humor wollen?

Humor ist sehr wichtig. Ob man jetzt nur auf Humor setzt, ist jedem selbst überlassen. Im Punk hat man ja zum Glück eine sehr grosse Auswahl. Man findet schon, auf was man gerade Bock hat.

Ihr mischt in Songs wie “Dalton” den ursprünglichen Punk mit eher massentauglichen Arten von Musik. Dabei entsteht schnell dieses typische Gefühl von Schweizer Gitarrenmusik. Kann man dies eigentlich in Worte fassen?

Das tut uns natürlich Leid. 😉

Lassen sich Punks eigentlich durch Pop-Einflüsse vor den Kopf stossen? Muss man mit eingängigerem Klang auch Missgunst erwarten?

Auf keinen Fall, es gibt nicht den Punk. Es gibt diverse Subgenres, von denen wir einiges in unser Songwriting mischen. Wir machen in erster Linie „Raw’n’Roll“ um nicht behaupten zu müssen, dass das, was wir tun „der Punk“ ist. Es ist natürlich klar, dass du nicht jedem gefallen kannst. Wir hatten aber auch schon viele gute Gespräche, unter anderem mit HC-Punk- oder Pop-Rock-Bands, die völlig respektieren, was wir tun. Wir haben auch sehr grossen Respekt vor dem, was andere Bands machen, sei es nun Pop, Punk, Funk oder was auch immer.

Allgemein: Erwartungen – wie stellt man sich das Leben in einer noch frischen und eher unbekannten Band heute eigentlich vor? Darf man noch von grossen Tourneen und unzähligen Groupies träumen?

Träumen geht immer – wir sind bis jetzt nicht mal aus Zürich rausgekommen. Das hatte natürlich einige Gründe. Mittlerweile können wir raus und spielen zum Beispiel auch in Deutschland und Polen, aber von grossen Tourneen kann nicht die Rede sein. Wir freuen uns aber immer, wenn wir live spielen können – was jetzt endlich wieder der Fall sein wird. Yeah!

Für was steht eigentlich “Smools”?

Das verraten wir nur unter vier Augen, an der Bar, an einem unserer Konzerte. Zum Beispiel am 5.5.2017 an unserer Plattentaufe im Provitreff.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Interview with Wheel – A New Prog Metal Force

Interview mit: James Lascelles – Gitarrist bei Wheel.

Es tut sich etwas im Norden: Nachdem viele Länder bereits beweisen konnten, dass Progressive Metal auch in der heutigen und modernen Zeit funktioniert, gibt es mit Wheel nun endlich ein Paradebeispiel aus Finnland. Mit ihrer ersten EP „The Path“ legten sie drei Stücke vor, die sich hören lassen können. Poly-Rhythmik, druckvolle Produktion und viele Anleihen bei bekannten Gruppe. Zeit für ein paar Fragen.

„The Path“ is your first release – I guess this must be a relief after all this hard work?
It definitely is; we are really happy with the recordings, especially as we tracked everything in only two days. We are looking forward to see how people react to our music.

Your music sounds wide, deep and modern. But there are only 3 tracks on „The Path“. Why did you choose this format instead of a regular album?
These tracks laid the framework for the stylistic direction we collectively wanted to go in and after significant reinvention, the songs have evolved into what we are releasing on 21.4. Releasing the three songs together on an EP felt like the right way to do it.

You have been playing live together since 2015. Is it difficult to transport the energy from the stage to the studio?
Not at all; it is a different kind of battle than a gig though. We are extremely organised with recording and make sure that we know exactly what we want to play before we set foot in the studio. All of the writing / structuring etc happens in the practice room beforehand, allowing us to focus fully on getting the best possible takes in the time we have during the tracking phase.
There is something immensely satisfying about completing a recording and hearing the composition as a whole; I think this is a major drive for all of us and it definitely helps to keep us motivated and energised in the studio.

Finland is not best known for its prog-scene. How did the sound of Wheel evolve?
All of us are long term fans of a range of different prog music and bands. I discovered Tool when I was 16 and a studio engineer gave me a director’s commentary of the Aenima album; it really opened my eyes to how creatively structure, poly-rhythms and dynamics can be used to the most dramatic effect in song writing – I have been hooked ever since.
There is a real sense of freedom when writing progressive music as many of the limitations that other styles can face are removed from the conversation. We can produce much longer and bigger songs than bands playing other styles of music, rather than having to keep things around the 3-4 minute length. Additionally, we are not trying to write music to dance to, so using abstract time signatures and other interesting writing elements is much more acceptable.
More than anything, we want to write the best and most interesting music we possibly can and continue refining the process indefinitely.

To be frank – songs like „Farewell“ sound very much like A Perfect Circle. Were bands like them a big inspiration?
They absolutely were. This first EP was written at a time where pretty much all I listened to was Tool, A Perfect Circle and Karnivool and I am sure listeners will pick up on these influences when they listen to the EP. These are still three of my favourite groups of all time and have definitely had a major impact on the music we produce.

Would you say the Finnish countryside had also influence into your work or are you more focused on live in urban areas?
Finland is a beautiful country with some amazing people in it; I have lived here for 7 years and can’t imagine living anywhere else. However, all four of us live in the Greater Helsinki area so truthfully, I don’t think the Finnish countryside has had any impact on our music so far!

Prog is becoming a new force with groups like Volta, Periphery or Leprous. Is it a new dawn and era, and will it last?
This is a great question. The prog scene has had a second-wind in the recent past and it is a truly vibrant scene to be part of; there are some great new bands out there doing some awesome stuff with the style we love; reassuringly, there is still a market for prog!
Speaking more broadly though, so much has changed within the music industry over the past fifteen years that it is very hard to see any of this change, (with new prog bands) as being permanent. Small-medium sized venues seem to be shutting down increasingly year after year which is removing a channel for new bands to enter the scene, record labels (in Finland at least) have the bulk of their resources tied up in reality television such as Idols, preventing them from having the capital to invest in more ‚artsy‘ music and in most countries, physical music sales are disappearing or have disappeared. This doesn’t mean that it is impossible for new bands and that there aren’t paths for them to follow if they want to make music professionally but it feels increasingly like there is no road map for young people to use if they want to do so.
On the positive side, there has been a flood of new channels and methods to distribute music over the past ten years and communicating directly with a band’s fan base has never been so easy. If bands can use these tools to their full potential, there are still ways to get people to hear new music and for a band’s fan base to grow.

Which partners in crime would be the best for a blasting prog tour through Europe?
There are a huge list of bands we would like to play with; off the top of my head, we would love to tour with Tool, A Perfect Circle, Karnivool, Meshuggah and Steven Wilson.

Is the wheel always turning?
The wheel never stops turning and we wheely hate bad puns.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir in deutscher Übersetzung.

Nathan Gray – Until The Darkness Takes Us (Buch, 2017)

Nathan Gray – Until The Darkness Takes Us
Verlag: Dark Gospel Transmission, 2017
Autor: Nathan Gray
Seiten: 170, Softcover
ISBN: 978-0692807552
Link: Goodreads

Nathan Gray ist ein weltbekannter Musiker, der vor allem durch seine Band boysetsfire für Furore gesorgt hat. Die bandeigene Mischung aus Hardcore und intimen Texten fand schnell Fans in vielen Ländern – doch gerade gewisse Aussagen von Gray polarisierten auch stark. Er war immer ein Mensch, der sein Innerstes nach aussen kehrte und schon fast missionarisch seine Meinungen kundtat. Als Mitglied der Church Of Satan ist dies natürlich besonders brisant, da es schnell mit religiösem Eifer verglichen wird.

Trotzdem, sein künstlerisches Output mit weiteren Bands wie I AM HERESY oder, ganz neu, dem Nathan Gray Collective, konnte sich immer etwas von diesen Bindungen lösen. Die harten Gitarren und auch die stampfenden Beats übertönten so mache eher peinlichen Textzeilen oder Aussagen. Bei seinem neusten Album „Until The Darkness Takes Us“ liessen sich beim Hören auch viele Sätze in einen anderen Kontext setzen. Doch mit dem begleitend und zeitgleich erschienenen Buch gelingt dies nicht mehr.

„Until The Darkness Takes Us“ ist seine erste Autobiografie, in der er all die genannten Punkte anschneidet – aber auch gleich wieder fallen lässt. Denn das geschriebene Wort zum gleichnamigen Album ist mehr ein Manifest und wirre Gedankensammlung als kohärente Lebensrückschau. Nathan Gray wechselt ziellos zwischen persönlichen Erinnerungen, fundamentalen Überlegungen, Poesie und Zitaten. Das Buch wirkt dabei in keinem Moment wirklich schlüssig oder tiefgründig, vielmehr hatte ich das Empfinden, hier einen schlechten Selbsthilfe-Ratgeber vor mir zu haben. Besonders, wenn man zum hundertsten Mal lesen darf, wie man an sich selber glauben muss und die dunklen Dämonen überwinden soll.

Nathan Gray schafft es auf den knappen 170 Seiten auch nicht, klare Aussagen zu seiner Abkehr vom christlichen Glauben und zu seiner Position bei der „Nicht-Religion“ Church Of Satan zu machen. Einzig die Predigt, schlechte Energie in gute zu verwandeln, füllt hier die Zeilen. Es ist ja toll, wenn sich ein Mensch aus der Dunkelheit lösen und die positiven Seiten im Leben finden kann – aber dies garantiert noch keine gute und spannende Lektüre.

Was in der Musik für mich super funktioniert – wohl auch, weil es da eher metaphorisch und sprachlich zweitrangig geschieht – ist als geschriebenes Wort leider zu platt und aufdringlich. Dazu kommt, dass die Aspekte seiner musikalischen Karriere eher halbherzig eingewebt und abgetan werden und man hier scheinbar immer wieder zu einem Gebet genötigt wird. Da hatte ich mir mehr erhofft, für knallharte Fans wird aber auch diese Veröffentlichung des Mannes eine Offenbarung sein.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Record Store Day 2017 – Die 10-jährige Ernüchterung?

Zehn Jahre Record Store Day, zehn Jahre die Liebe zum Vinyl und zum Plattenladen neu aufleben lassen – und die Luft ist schon draussen? Ein weiteres Mal habe ich mich an diesem ehrenwerten Samstag im April aufgemacht, meine Liebe zum schwarzen Gold und den Personen dahinter aufflammen zu lassen. Denn wie schon neun Jahre vorher gilt es an diesem Tag zu beweisen, dass Musik nicht nur eine Schallwelle ist, die auf die Ohren auftrifft. Viel mehr stehen dahinter nicht nur Musiker, Künstler und Labels, sondern vor allem Menschen mit Herzblut und einer grossen Liebe. Und das will der RSD zelebrieren – mit Aktionen, Sonderpressungen und der Bewusstseinsverstärkung.

Natürlich könnte man hier die gleichen Diskussionen anzetteln wie schon immer zuvor, wie dieser Tag verkommen ist, wie alles missbraucht wird und wie die aktuelle Generation Schallplatten sowieso falsch benutzt. Aber das wird langsam etwas müde, oder? So gab es für mich auch zu wenige Argumente, die gegen den Besuch von wunderbaren Plattenläden gesprochen hätten. Schliesslich geht es genau darum, bei seinen bekannten Händlern aufzukreuzen, über krude Themen zu fachsimpeln und dabei zu zeigen, doch: Ich kaufe lokal. Wunderbar auch, dass sich die Besitzer der Geschäfte dazu natürlich etwas einfallen lassen.

So durfte man im Dezibelle in Aarau seine liebsten Songs gleich vom DJ im Schaufenster spielen lassen – egal, was alle anderen Besucher dazu dachten – oder im Zero Zero leckeren Kuchen in der Sitzecke verspeisen. Immer wieder aber wurde der Blick von den Fächern oder gleich Regalen angezogen, in denen die Platten mit dem glänzenden Logo des Record Store Day lauerten. Denn darin fand man auch dieses Jahr wieder Neuauflagen in schicker Aufmachungen, Neupressungen oder gar gehobene Schätze. Bei mir Zuhause fanden zwar nur die neue 12inch von „Red Hill Mining Town“ von U2 sowie die EP „No Plan“ von David Bowie ein neues Heim, gerade aber Freunde altbekannter Gruppen und Künstler wähnten sich im Himmel.

Egal ob Prince, Leonard Cohen oder skurrile Acts aus irgendwelchen Szenen, die heute keiner mehr in Erinnerung hat, farbig und frisch aus dem Presswerk wollte alles angefasst werden. Klar, es ist schon etwas fragwürdig, wie wenig neue Musik und unabhängige Künstler an diesem Tag wirklich eine Plattform erhalten. Ebenso ist die Streuung der Veröffentlichungen immer noch komplett undurchschaubar – aber Vinyl zu kaufen ist einfach etwas Wunderbares. Und wenn dank diesem Tag jedes Jahr wieder neue und auch junge Menschen auf diesen Zug aufspringen, dann funktioniert das Ganze ja doch ziemlich gut.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Zero Zero Baden – Tag der offenen Tür

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Tag der offenen Tür
Samstag 04. März 2017
Zero Zero, Baden

Früher war die Schlange vor der Kasse am Samstag immer so lange, sagt Pedro Wiederkehr, als er meine Platten einkassiert. Der Besitzer des Musikgeschäftes Zero Zero in Baden hat viele unterschiedliche Zeiten durchlebt, doch so einen grossen Andrang wie an diesem Tag der offenen Tür gab es schon lange nicht mehr. Die Leute kaufen immer weniger Musik, Streaming und Onlineshopping bestimmen den Alltag. Darum war das Team des Ladens auch gezwungen, nach vielen Jahren den Standort an der Stadtturmstrasse aufzugeben.

Doch glücklicherweise war dies nicht der endgültige Schlusspunkt einer langen und abenteuerlichen Geschichte, Zero Zero lebt nun Merker-Areal an der Bruggerstrasse 37 weiter. Und jeder Liebhaber von Musik sollte diesen neuen Ort nicht nur einmal besuchen. Denn den Konsumenten erwarten hier nicht nur unzählige Laufmeter an Vinyl und CDs, sondern auch eine grossartige Beratung, tonnenweise Boxsets, Occassionen, Raritäten und Kleidung. Es gibt wohl kein anderer Plattenladen in der Schweiz, der mit einem solch gewaltigen Angebot auftrumpfen kann.

Es war darum an der Zeit, das neue Lokal im Dachstock – welches stilgerecht direkt aus dem Lift betreten wird – einzuweihen. DJ Bernd Volk beschallte das Lokal mit wunderbar groovenden Tunes, die Leute genehmigten sich ein Getränk und fachsimpelten zwischen den Brötchen von hej hej und Kuchenstücken über Absurditäten der Musik. Highlight war der Auftritt der Hausband von Hendrix Ackle, Max Lässer, Roberto Haçaturyan und Nico Schulthess. Dies förderte nicht nur die Stimmung, sondern auch die Kaufbereitschaft.

Every Day Is Record Store Day – selten wurde dies so perfekt aufgezeigt wie an diesem Tag der offenen Tür.  Darum besucht bitte den Zero Zero regelmässig und unterstützt euer lokales Geschäft. Musik zu kaufen ist schliesslich immer dann am schönsten, wenn man dazu noch über neue Platten und alte Bands plaudern, in Kisten herumwühlen und Absurdes entdecken kann.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Besichtigung X-Tra Zürich

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Interessanterweise war es anhand der Bilder, welche vorab der Presse zugestellt wurden, schwierig, grosse Veränderungen festzustellen. Allerdings waren die meisten Kontakte mit dem Gebäude an der Limmatstrasse in Zürich auch eher nächtlich und mit eingeschränkten Lichtverhältnissen. Für einmal aber besuchte ich das Kulturlokal X-Tra auf direkte Einladung der Betreiber, es wurde zur Besichtigung der Räumlichkeiten nach dem Umbau geladen. Und bereits vor dem Eintreten in das Foyer fiel auf, wie hell und aufgeräumt das Gebäude nun wirkt.

Architekt Urs Baumann wurde beauftragt, das 1931 von Karl Egender erbaute Limmathaus neu glänzen zu lassen – ohne die Vielfältigkeit der Events zu beeinträchtigen. Die Auffrischung beschränkt sich zwar nur auf das Innenleben, doch mit einigen geschickten Anpassungen wurde hier vieles erreicht. Verschwunden sind die bunt angestrichenen Wände, die Plattenböden und die massigen Deckenkonstruktionen – neu herrscht im X-Tra wieder der Geist des Bauhaus-Stils. Graue und schwarze Wände wechseln sich mit Holzverkleidungen und weissen Flächen, Wände und Brüstungen können auf unterschiedliche Arten beleuchtet und angestrahlt werden.

Somit ist es weiterhin möglich, in dem Gebäude eine Plattform für dunkle Konzerte, heitere Discos und förmliche Tagungen zu bieten. Auch sind dank sechs Räumen mit unterschiedlichen Kapazitäten alle Möglichkeiten einer Veranstaltungsgrösse möglich – ob Meeting mit 80 Teilnehmern oder ein Auftritt eines Musikers mit 700 Fans, hier passt alles rein. Und dank dieser Ausgangslage tat die architektonische Auffrischung Wunder, auch wenn man gewisse Details oder Bauteile im alten Zustand liess. Doch wer will schon einen Gothic-Event besuchen, wenn alles blitzt und neu aussieht?

Genau dieser Umstand, verbunden mit den guten Einfällen von Urs Baumann, lässt mich abschliessend sagen, dass die Renovation wahrlich geglückt ist. Das X-Tra zeigt sich nun wieder seinem Entstehungsjahr angemessen und in passender Kleidung. Der Besuch lohnt sich somit nicht nur für Musikliebhaber, sondern auch Hochbauzeichner und Konsorten.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Foyer & Garderobe

Bruce Springsteen – Born To Run (2016)

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Bruce Springsteen – Born To Run
Verlag: Simon & Schuster, 2016
Autor: Bruce Springsteen
Seiten: 528, Softcover
ISBN: 9781501141515
Link: Goodreads

„Oh-oh, Baby this town rips the bones from your back / It’s a death trap, it’s a suicide rap / We gotta get out while we’re young / `Cause tramps like us, baby we were born to run“
Für viele ist Bruce Springsteen nicht nur ein Musiker, er ist der Boss und steht über allen anderen im Bereich Rock. Aber für genauso viele ist er auch ein klischeebehafteter Stadion-Kitsch-Zampano, der in seiner Musik immer nur von den einfachen Seiten des amerikanischen Traumes singt. Doch wie so üblich, das Extrem wird der Wahrheit nie gerecht. Springsteen, aus einer ärmlichen Familie stammend und in seinem Leben immer wieder mit psychischen Komplikationen konfrontiert, ist vor allem eines: Bodenständig, ehrlich und zurückhaltend. Seine Autobiographie „Born To Run“ ist somit ein Zeugnis eines Lebens, das viel Kraft in ständiger Betrachtung des eigenen und gemeinsamen Lebens findet.

„You sit around getting older / there’s a joke here somewhere and it’s on me“
In den chronologisch angeordneten Erzählungen findet man nicht nur tiefe Einblicke in seine zwischenmenschlichen Beziehungen, seine Liebe zur Musik und seine eigenen Bühnenerfahrungen – sondern auch immer wieder Selbstzweifel und eine Auseinandersetzung mit den Grundsätzen des Daseins. Bei der Lektüre erstaunt dabei immer wieder, wie sich der Roman eher wie einen Bericht eines Arbeiters als eines millionenschweren Rockstars anfühlt.

„41 shots, cut through the night / You’re kneeling over his body in the vestibule / Praying for his life“
Und gerade deshalb war Bruce Springsteen auch immer so wichtig für die Musikwelt – er stellte sich nie über andere und liess in seinen Liedern die unterdrückten und vergessenen Stimmen der Staaten aufleben. Er bezog dabei immer klar Position gegen Ungerechtigkeit, verurteilte aber niemanden direkt. Genau darum versteht man bis heute viele seiner Songtexte falsch, und genau darum ist „Born To Run“ immer wieder ein Augenöffner.

„Down at the court house they’re ringin‘ the flag down / Long black line of cars snakin‘ slow through town“
Egal ob ein Konzert vor 100’000 Menschen, ein Auftritt in einer spärlich besuchten Bar oder Konversationen mit seinem kranken Vater – Springsteen geht alles stark emotional an. Dies packt Hörer wie Leser gleichermassen und wirkt auch in Buchform zeitlos. Man versteht den Erfolg seiner Alben besser, spürt die harte Arbeit dahinter und fragt sich auch: Was passiert, wenn der Boss keine Musik mehr machen kann? Wer gibt uns dann so selbstlos die Kraft zum Weitermachen? „Born To Run“ ist somit ein fantastisches Buch für alle, die Bruce Springsteen lieben, kennen lernen möchten oder endlich verstehen wollen. Und immerzu eine sehr unterhaltsame Lektüre.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Interview with Ultimae Records – The quiet side of Lyon

ultimae-records-logoUltimae Records, the Lyon based ambient downtempo label and music studio has been a safe haven for musicians and lovers of electronic music for more than 17 years. With its passion and eye to the detail the releases and music have been mesmerizing from beginning to today. I took the chance to ask label manager Sandrine Gryson a few questions.

Visit the homepage.
Shop and listen on Bandcamp.
Befriend on Facebook.
Visit the store in Lyon.

Hi Sandrine, thank you very much for this possibility to make an interview. I’ve recently visited the Ultimae Records store in Lyon and felt really good. How to you keep this friendly feeling in a store?
That friendly feeling happened over the years, it comes from welcoming people simply, offering tea and coffee, taking time to chat and help people discover new music.

Ultimae Records is not only a store but also a label for Ambient and Electronica. How did all this start?
It started 17 years ago with the release of Asura’s Code Eternity album, Vincent Villuis, former band member, decided to set up a label to release this album and create a portal for ambient lovers. I joined at the end of January 2000.

On your label are acts from all over the world. How do you get into contact with all these artists?
Sometimes it’s on the net, sometimes we receive a demo, most of the time we meet in person and we click. And then sometimes one artist introduces us to another like with Martin Nonstatic and  Esko Barba / EskoStatic

Electronic music and France is a long living love affair. Is there still a big crowd today listening to the silent type of music you publish?
I would say there is a growing crowd, what we lack though are the good venues for this music genre and the type of concert we’d like to see / hear / present.

Ambient is not an easy music to explain to someone who does not know this genre. How would you do it?
I guess I would talk about time and space, slow down the rhythm and widen the horizon, I would also talk about a certain way to look at music as something that is part of your environment, look at music as soundscapes, kind of the way Eric Satie first mentioned the term, a music you can hear or listen, at different levels to discover something new each time.

If I would like to immerse myself in fantastic ambient sounds, what records should I own?
Start with the Ultimae collection, and then, have a listen to the productions of Klangwirkstoff, Silent Season, Slowcraft, Databloem, 12K, Erased Tapes and so many others. Actually, checking out our online shop would be a good start as we present the works of most worldwide ambient labels.

Is Brian Eno’s „Music For Airports“ also for you the big bang in this genre? Or what artists have gotten you hooked on this sound?
I started with Classical music, the works of Mozart and Beethoven, I first heard Eno’s ambient works back in 1990 and yes they were one of the stepping stones in my ambient discovery path. A few years later the techno scene brought in its wake ambient techno which led me to London’s chill out spaces, the works of Aphex Twin, The Orb, Laurie Anderson, and so many other artists brought me to the records I listen to and release today.

What were the biggest hits on your label?
The “Fahrenheit Project” collection, Solar Fields’s “Leaving Home”, Carbon Based Lifeforms’ “Hydroponic Garden” and “World of Sleepers”, Asura’s “360”, AES Dana’s “Memory Shell” and “Perimeters”, H.U.V.A. Network’s albums of course, and more recently “Far & Off”.
James Murray’s new “Eyes to the Height” is looking very promising.

aes-dana_-verpackungYour records are designed in a wonderful way and with much love. For you the packaging is also a big part of an album right?
Exactly, it is as important as the music to us, it brings a visual tapestry for the listener to start on an inner journey. Arnaud and Vincent fully collaborate with either the composers of the deejays to capture the imagery of the sound and explore the story.

Vinyl is booming – has had this shift in perspective also an effect on to your business? Or do people mainly buy digital download from Ultimae?
Yes, we started releasing vinyl’s, Eps for the time being, maybe albums in the future too. And we sell a lot of vinyl’s in our record shop in Lyon, more than CDs at the moment. Definitely a boom.
Thank goodness, people buy all sorts of things from Ultimae, a lot of digital sales, mainly streaming, but a lot of merchandise too, we’ve had to considerably extend our line of fabrics to answer demands from all around the world, covering all seasons.

What are the plans for the future of Ultimae Records? Any big acts or releases on the horizon?
We’re about to open a new Record Shop, café and co-dreaming space in Lyon, on the Saône riverside in Spring, and as for music, we have Mizoo’s Greenosophy Second Chapter coming out next, followed by Polarity, a double compilation Ambient & Techno by Focal, an album by Master Margherita, another by AES Dana, more ambient libraries on USB keys, the Mandorla movie soundtrack, and the launch of EskoStatic ; trust me, we won’t be bored, and you neither will you!

2019 will be a big year for your label, 20 years in the business. Can we expect a celebration with concerts?
You can always expect that, who knows what will happen, I don’t. We’ll see…

Thank you for the interview and all the best.
Thanks for the opportunity Michael and best wishes to you.

Dieser Text erschien zuerst in Deutscher Übersetzung auf Artnoir.

photo 17 Zürich – Anton Corbijn „Out Of Time“

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Anton Corbijn – Out Of Time
Vortrag an der photo17
Sonntag 8. Januar 2017
Maag Eventhalle, Zürich Hardbrücke

Bilder versprühen Magie, erzählen Geschichten und lassen die Fantasie des Betrachters neue Wege beschreiten. Im heutigen Zeitalter der digitalen Fotografie ist es zwar für jedermann ein Leichtes, Bilder von unzähligen Momenten und Szenen zu schiessen – aber wahre Meister sind immer noch selten. Somit ist es nicht nur für Fachleute, sondern auch Laien wie mich interessant, einer solchen Koryphäe bei einem Vortrag zuhören zu dürfen. Und dank meiner Liebe zu Bands wie U2, Depeche Mode oder Joy Division waren keine langen Überlegungen nötig – Anton Corbijn wurde von mir besucht.

Sein Referat an der diesjährigen photo17 in Zürich war nicht nur ein Einblick in seine komplette Karriere, sondern bot auch die Möglichkeit, dem Menschen hinter der Kamera näher zu kommen. Mit seiner offenen und fröhlichen Art erzählte Corbijn viele Anekdoten aus seinem Leben und brachte das Publikum immer wieder mit seinem trockenen Humor zum Lachen. Obwohl noch in den Nachwehen einer Erkältung, war der Fotograf ein wunderbarer Referent und wusste genau, wie man die Leute mit einer Mischung aus Fakten und Geschichten unterhält. Man erlebte seine Anfänge als schüchterner Junge in Holland, seine erdige Zeit mit der Hasselblad bis zu den gestellten Paparazzi-Bildern.

Nicht nur durfte man seine bekanntesten Portraits von Künstlern wie Nick Cave, Tom Waits oder Allen Ginsberg auf der grossen Leinwand betrachten – man erhielt auch Einblicke in selten gezeigtes Material. Wie seine Selbstportrait-Reihe „A Somebody“, die weiblichen Bilder oder allererste Aufnahmen an Konzerten von Focus und Co. Ausschnitte aus seinen Musikvideos und Filmen wurden gezeigt, Fans der bekannten Namen erhielten einige neue Infos. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass „Viva La Vida“ von Coldplay dank einem Video von Anton Corbijn für Depeche Mode entstanden ist? Oder dass die Rolling Stones ihre Verkleidungen gehasst haben?

„Out Of Time“ war nicht nur eine Diashow mit bekannten Gesichtern, es war ein Blick hinter den Vorhang und in den Hut des Zauberers. Anton Corbijn wusste aber auch, dass man nicht alle Geheimnisse verraten darf und erklärte seine Bilder nicht zu Tode. Egal ob Freund, Künstler, Fotograf oder Musik-Freak – an diesem Sonntag kamen alle auf ihre Kosten und ich ging mit einem beschwingten Gefühl durch den Rest der Ausstellung.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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