Monat: April 2014

Live: The Flower Kings, Z7 Pratteln 14-04-28

Flower Kings

The Flower Kings

The Flower Kings, Support: Karmakanic
Z7, Pratteln
Montag 28.04.0214

Womit Progressive Rock alles gemischt wird ist schon spannend. Gewisse Bands pflegen den klassischen Prog wie früher beispielsweise Genesis, anderen spielen synthielastigen Neoprog oder gar kitschig hymnischen Melodicprog wie Neal Morse. The Flower Kings aus Schweden nehmen sich von allem eine Prise, geben dazu aber noch viel Hippie-Flair mit in die Suppe. Das zeigt sich schon am Aussehen der Musiker, längere Haare, farbenfrohe und psychedelisch bemusterte Kleidung. Melodien und Gesang erinnern oft an Songs aus den Siebzigern und an die Canterbury-Szene.

Die frohe Truppe um Roine Stolt gab sich zum wiederholten Mal in der Konzertfabrik Z7 die Ehre. Aktuell spielt die Band auf der Desolation Rose-Tour zum gleichnamigen Album und wurde in Pratteln von Karmakanic begleitet, ein Nebenprojekt von FK-Bassist Jonas Reingold. Spannend an der Vorgruppe war, dass sie ihre Songs nur mit Bass, Keyboard und Gesang vorgetragen haben. Somit wurden die Stücke auf ihr Grundgerüst reduziert und schnell merkte man ob ein Song wirklich gut ist oder nur überladener Bombast. Mir selber gefällt die Musik der Band, driftet teilweise aber zu stark in Richtung Hardrock / Kitsch. Gewisse Songabschnitte könnten auch von Foreigner oder einer solchen Band stammen. Die Musiker  sind sympathisch und wurden bei den letzten zwei Songs noch von Stolt und FK-Schlagzeuger Felix Lehrmann unterstütz.

Dies gestaltete den Übergang von Vorgruppe zu Hauptband fließend, auch wenn eine Umbaupause nötig war. Die Flower Kings spielten vor allem lange Song und Stücke von den neusten Alben, darunter eine mitreissende Performance von Numbers. Ältere Lieder wurde leider mit einem Medley „bestraft“, ich finde dies immer eine eher mühsame Art mehrere Songs darzubieten. Es macht Appetit, sättigt aber nicht. Dafür gab es als erste Zugabe eine umwerfende Version von Pink Floyds Echoes, sehr unerwartet! Auch hier, wie schon das komplette Konzert hindurch zeigte sich das technische Können der Band, ihr Niveau und Zusammenspiel ist beachtlich. Und auch nach 20 Jahren hat die Band immer noch Lust auf Tour zu gehen. Besonders schade, dass am Montag wenige Leute den Weg ins Z7 fanden und die grosse Halle eher leer blieb. An der musikalischen Qualität kann es nicht liegen, aber Prog bleibt eine Nische. Und vielleicht war der Auftritt nur wenige Monate nach dem Konzert als Partner zur Neal Morse Band doch zu früh.

Die Bilder in diesem Beitrag stammen von Milo Pinter, besten Dank.

Roine Stolt

Roine Stolt im Element.

Karmakanic

Karmakanic mit Stolt

Against Me! – Transgender Dysphoria Blues (2014)

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Against Me! – Transgender Dysphoria Blues
Label: Total Treble Music, 2014
Format: Vinyl mit Downloadcode, Gatefold
Links: Discogs, Band
Gerne: Alternative, Punk, Noise

Gewisse Themen sind in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu oder stossen auf starke Ablehnung. Transgender-Personen gehören dazu, verwirrt die Vorstellung im falschen Körper geboren zu sein und das Geschlecht zu wechseln viele Leute. Sicherlich ist es sehr schwierig sich in die Psyche eines anderen Menschen zu versetzen, noch schwieriger wird dies wenn es sich um Themen handelt die man selber fast nicht nach zu vollziehen vermag. Gerade da ist es umso wichtig Toleranz zu zeigen und Verständnis aufzubringen. Jeder Mensch ist gleich oder besser gesagt, jeder Mensch ist anders. Akzeptanz gestaltet unsere Welt und das Leben der Personen einfacher und angenehmer als Hass oder Misstrauen.

Wie unglaublich schwierig es ist als Transgender durch die Welt zu gehen kann ich nur vermuten. Laura Jane Grace von Against Me! war bis vor knapp zwei Jahren noch als Thomas James Gabel die Vorsteherin der Band. Schon seit ihrer Kindheit litt sie an Geschlechtsdysphorie und fühlte sich nie wohl in ihrer Haut. Lieber eine Frau sein als ein Mann, ein konstant begleitender Gedanke. Schon in den ersten Songs der als Soloprojekt gestarteten Band findet man Hinweise und textliche Anspielungen auf das Thema. Konkret geäußert hat sie sich dazu aber lange nicht, mit dem aktuellen Werk ist nun alles anders: Bandmitglieder wurden gewechselt und Laura singt in den Songs klar über Transsexualität, der Albumtitel selber eine klare Ansage. Die Texte sind dabei einfühlsam, direkt ansprechend und fordernd. Im Titellied heisst es: „You want them to see you / like they see every other girl / They just see a fagot / They’ll hold their breath not to catch the sick“. Da fühlt sich wohl so manch einer ertappt oder angesprochen. Gerade die stechende Aussage, ein Mensch der mit solchen Problemen kämpft sei krank; siehe auch solche Aussagen beim Thema Homosexualität. Weiter in „True Trans Soul Rebel“: „You should’ve been gone from here years ago / You should be living a different life“. Aber wohin und wie? Überall reagieren die Menschen unsicher und feindlich.

Man könnte noch viele solche Textausschnitte aufzeigen, aber am Album wird dies nichts ändern. Die Texte sind hier klar im Vordergrund, das musikalische Gerüst umschlingt die harte Aussprache des Themas. Dabei bleibt der Klang der Band in bekannten Gebieten, Against Me stehen weiterhin für lärmenden und harten Punk, tief im Alternative Fahrwasser. Schön versucht sich Laura hier auch noch an einem Akustik-Song, solche Experimente sollte sie mehr wagen. Das Album zählt aber sicherlich zu den Highlights im Katalog der Gruppe und ist wegen des Themas und Inhalt eines der Wichtigsten in diesem Jahr, sozusagen ein Manifest in poetischer Form. Ich wünsche Laura Jane Grace alles Gute für ihren weiteren Weg und bewundere ihren Mut und ihr Können. Euch Leser bitte ich, befasst euch mit den Songs und den Texten und versucht dazu ein paar Gedankenspiele. Verlieren könnt ihr nichts, nur gewinnen.

Anspieltipps:
Transgender Dysphoria Blues, FUCKMYLIFE666, Two Coffins

Live: Traktorkestar, Kiff Aarau 14-04-26

Traktorkestar_Kiff

Traktorkestar, Support: Šuma Čovjek Orkestar
Samstag 26.04.2014
Kiff, Aarau

Normalerweise besuche ich Konzerte einer Bands nur selten so kurz nacheinander. Dass ich aber Traktorkestar schon einen Monat seit dem Auftritt im Ochsen in Zofingen wieder anschaue hat mehrere Gründe. Die Band ist super, das ist offensichtlich. Ihre tolle Balkanmusik packt live jeden und bringt alle zum tanzen. Dies ist zugleich auch Grund Nummer zwei. So ist das Konzert eher eine grosse Party; Alkohol, Musik, Schweiss, Glück. Ergänzt wurde dies im Kiff mit der Šuma Čovjek Orkestar und dem DJ No Sikiriki, eine fette Sause unter dem Banner des B-Ekspress. Wunderbar auch die Lokalität selber. Das Kiff ist geräumig, bietet einen Konzertsaal, ein Foyer und ein Fumoir mit Bar und Tischfussball, die Besucher immer sehr nett und gut gelaunt. Ein wahrlich tanzbarer Ort in dem Balkanstimmung sehr gut reinpasst. Begrüsst wurde man vom Team auch gleich mit einem Shot šljivovica, das macht die Beine locker und heitert auf.

Die Meute komplett aufzuheizen vermögen Šuma Čovjek Orkestar sehr gut. Ihre Musik hob sich gut von Traktorstar ab, besteht die Band schliesslich aus einer normalen Rockformation (Schlagzeug, Gitarre, Bass und Sänger) und wird mit Keyboards und drei Bläsern ergänzt. Treibende Beats und Basslinien, tolle Melodien, mitreissende Solis und der charismatische Ivica Petrusic am Mikrofon ergeben eine brodelnde Mischung und packen dich bei den Schultern. Die Musik des Balkans wird somit neu interpretiert und auf eigene Art und Weise dargeboten. Echt toll.

Traktorkestar trumpften im Anschluss an die Vorband voll auf. Die Tour zum aktuellen Album (welche im Ochsen gestartet wurde) ist nun weiter fortgeschritten, die Musiker sind noch besser aufeinander eingespielt und Programm mit Gästen und weiteren Songs ergänzt. Die Band konnte sich auf der grossen Kiff-Bühne ausbreiten und brachte den Saal zum kochen. Für mich ein echtes Highlight waren die Songs mit Gastsängerin Tanja Makridis. Sie hat eine unglaublich gute Stimme und brachte auflockernde Farbtupfer in die sonst instrumentale Musik der Band, Goran Smitran begleitete die Songs mit seinem Akkordeon. Man spürte sehr gut, dass die Band weiterhin Spass an ihrer Musik hat und sich die Musiker gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Jeder will sein Solo perfektionieren und zusammen die Zuschauer weg hauen. Mission eindeutig erfüllt!

The Lego Movie – Kritik

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The Lego Movie
Vereinigte Staaten, Australien, 2014
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Darsteller (Stimmen): Chris Pratt, Will Ferrell, Elizabeth Banks, Will Arnett, Liam Neeson, Morgan Freeman
Links: Website, Trailer

Everything Is Awesome! LEGO füllt seit 1949 die Kinderzimmer und Wohnungen mit farbigen Plastikklötze die frei miteinander verbaut werden können. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, alles machbar. Doch vorsicht: Wer schon mal auf einen Baustein getreten ist, weiss wie gefährlich die Dinger sind. Nebst den Standardbauteilen hat die Dänische Firma über die Jahre ihre Kollektionen immer mehr erweitert und Themen wie Grossstadt, Ritter, Piraten, Weltraum, Unterwasser, Ninjas, Wilder Westen oder Wikinger eingeführt. Dadurch erhielt das Spielzeug nicht nur mehr Vielfalt, es ermöglichten sich auch aberwitzige Kombinationen. So konnten Ritter plötzlich von Polizeiautos verfolgt werden oder ein Lastwagenfahrer muss sich auf einem ausserirdischen Raumschiff durchkämpfen. Genau mit dieser Unbeschränktheit spielt der Film. Egal wie unpassend, Figuren und Umgebungen werden kombiniert, vermischt und ad absurdum geführt.

Emmet Brickowski – I See What You Did There – ist ein normaler Bauarbeiter in Lego City. Die Tage folgen alle der gleichen Routine, gemäss den Anleitungen die überall aufgestellt und verteilt werden. Er liebt sein Leben und gibt sich voll dem Konsum und dem Massenverhalten hin. Everything Is Awesome! Bis er eines Tages per Zufall auf der Baustelle auf Wyldstyle trifft. Die hübsche, junge Frau sucht das Teil des Widerstandes welches von den Untergrundkämpfern benötigt wird. Sie wollen damit den Herrscher der Welt Lord Business stoppen der mit dem Kragle versucht, die ganze Welt in der von ihm festgelegten Perfektion zu verewigen. Emmet ist scheinbar der Auserwählte und nur er kann Business aufhalten. Gemeinsam mit Wyldstyle, dem Magier Vitruvius, Batman, Prinzessin Unikitty und Ben der 80er-Jahre Astronaut kämpfen sie sich durch Welten und Städte, immer näher zu Bricksburg und dem Hauptsitz von Präsident Business…

Erstaunlich komplex und reichhaltig erzählt, bietet die Geschichte vom Lego Film alle Aspekte die das Spielzeug in den zurückliegenden Jahrzehnten berührt hat. Der Film funktioniert mit seinem slapstickartigen Humor für die Kinder, bietet aber auch für Erwachsene tief greifende Themen und sozialkritische Elemente. Den Produzenten ist es gelungen die Gefahr des schnell hergestellten Werbespots zu umschiffen, sie haben einen einmaligen und individuellen Film für die ganze Familie gedreht. Everything is Awesome! Wie oben geschrieben spielt der Film mit den unendlichen Möglichkeiten von Lego und die Welten sehen aus wie von Kindern entworfen. Das Beste daran: Alles ist aus Lego. Gebäude, Fahrzeuge, Tiere, Feuer, Wasser, Einrichtungen. Und alles verhält sich nach den Gesetzmässigkeiten des Spielzeugs. So können die Figuren nur Bewegungen ausführen welche die Plastikmännchen auch im Kinderzimmer machen. Frisuren werden abgesetzt, Autos auseinandern genommen und als Flugzeug neu zusammengesetzt. Dadurch fühlt man sich sofort in seine Kindheit zurückversetzt, das Lachen verschwindet nicht mehr vom Gesicht und der Film macht Spass.

Ich bin echt total begeistert vom Film und muss Lego und Warner Bros. gratulieren. Selten hat es einen solchen intelligenten, witzigen, verrückten, und selbstständigen Film mit Lizenzhintergrund gegeben. Sogar der Titelsong von Tegan And Sara ist awesome. Aber vorsicht: Auch Tage später lauert die Melodie im Hinterkopf. Stört aber nicht, denn auch viele Filmszenen und Dialoge bleiben haften und man muss auch dann immer wieder mal schmunzeln.

Everything Is Awesome!

Sork – Horseflies Flies (2014)

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Sork – Horseflies Flies
Label: Kapitän Platte, 2014
Format: Vinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Punk, Noise, Horrorkabinet

Beim hören der SORK Platte entstanden von meinen Augen wunderbare Bilder: Die Band besitzt einen kleinen Übungsraum in einem alten Luftschutzkeller in Schweden und spielt gerne da drin ihre Lieder. Wieso nicht dazu ein paar Freunde einladen? Aber nehmt doch eure Kumpels ein anderes Mal mit, ab zehn Personen wird es sehr eng. Jacke kann man auch gleich draussen lassen. Sobald alle da sind wird noch schnell der selbst gebrannte Schnaps herum gegeben. Brennt wie Sau, macht aber Party. Und schon geht’s los. Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gesang. Mehr braucht es nicht um schon beim ersten Lied alle zum tanzen zu bringen.

Irgendwer wirft schnell mal den alten Hutständer um, die zu Boden fallenden Masken von Monstern aus klassischen Horrorfilmen werden angezogen oder durch die Luft geworfen. Passend zum Gesang bewegt jemand eine gruselige Puppe, es fehlen ihr ein Auge und Arm, die Farbe ist schon an vielen Stellen weggekratzt. Man währt sich in einem Gruselkabinett, dieser Eindruck wird durch das nach alten Orgeln klingende Keyboard verstärkt. Erstaunlich wie klar die Instrumente in diesem Durcheinander klingen, nur Magdalenas Gesang wird von einem alten und rauschenden Mikrofon in die Boxen übertragen. Ihre Texte sind dadurch etwas schwierig zu verstehen, die Stimme fügt sich aber perfekt in den rumpelnden, punkigen Gesamtsound ein.

Zwischen den Songs besprechen zwei schwitzende Jungs an welche Akte X Folge die Musik sie nun erinnert. Gab es da nicht eine mit diesem Freak-Circus? Ja genau, oder die mit dem kleinen Monsterbaby. Aber wie dem auch sei, das Konzert geht weiter. Als Sork beim letzten Lied angekommen sind liegt nicht nur das The Stooges Poster zerfetzt am Boden nein, der Schweiss tropft massig von der Decke. Doch die Blicke zwischen den schwer atmenden Zuhörer zeugen von Unsicherheit. War’s das echt schon? Die Bandmitglieder lachen fies: Auf keinen Fall! Und beginnen ihr Set nochmals von vorne. Und nochmals, und nochmals…

Zur Vinyl-Ausgabe: Wie alle Veröffentlichungen von Kapitän Platte erscheint auch das Album von SORK als liebevoll gestaltete Platte. Die ersten hundert Exemplare wurden in passendem Blutrot gepresst, dazu erhält man einen Downloadcode, Karte mit den Kredits, Kleber um witzigen Zusatz wie hier die Sesamstrassenkarte. Bestellen lohnt sich! Wer zuerst reinhören möchte kann dies hier.

Anspieltipps:
Killer Slug, Rewind, Rise And Fall

Captain America: The Winter Soldier – Kritik

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Captain America: The Winter Soldier
Vereinigte Staaten, 2014
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Darsteller: Chris Evans, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Scarlett Johansson, Robert Redfort, Samuel L. Jackson
Links: Website, Trailer

Marvel hat es endgültig geschafft. Nach dem Riesenerfolg mit Avengers begann die Phase 2 des cinematografischen Universums mit voller Breitseite. Iron Man 3 und Thor 2 boten unter dem Strich aber vor allem mehr vom Gleichen. Der zweite Teil der Captain America Reihe ist nun aber der überraschende Befreiungsschlag aus bekannten Marvel-Pfaden. Stelle das erste Abenteuer des patriotischen Helden noch ein aufgeblasener Trailer zur Avengers Zusammenkunft dar und enttäuschte, macht der Nachfolger nun alles richtig.

Das beginnt bei der Story, ist diese doch nicht ein weiteres plumpes Action-Abenteuer in dem der Held gegen einen zuerst übermächtigen Gegner kämpft, sondern ein spannendes Verwirrspiel im Stile alter Spionagethriller. Captain America muss zusehen wie seine Welt um ihn herum zusammenbricht und er niemandem mehr trauen kann. Wer von SHIELD hat böse Absichten, wer ist ein Freund? Als dann noch der mysteriöse und kräftige Winter Soldier auftaucht muss es Cap mit einem Gegenspieler aufnehmen, dem er alleine nicht gewachsen ist. Mehr will ich zur Geschichte gar nicht verraten, würde dies doch mehrere spannende Wendungen vorne wegnehmen. Soviel nur: Am Ende des Filmes ist im Marvel Universum einiges nicht mehr wie zuvor. Dies wird auch Auswirkungen auf kommende Filme wie Avengers 2 oder Thor 3 haben. Und die Geschichte schafft es, auch aktuelle Themen wie Überwachungspolitik aufzugreifen.

Inszenatorisch ist wie von Marvel Studios gewohnt alles auf extrem hohem Niveau. Die Action ist vielfältig und die Tricksereien super gemacht, die Besetzung perfekt. Nebst bekannten Gesichtern wie Evans, Johansson, Smulders oder Jackson glänzen auch Mackie und Redford in ihren Rollen. War dies schon bei den Iron Man und Thor Filmen der Fall, beweisen die Macher auch hier eine sichere Hand. Wie es sich für einen Marvel Film gehört, kann der Fan auch in CA2 jede Menge Anspielungen auf andere Filme entdecken. Namen wie Stark, Banner oder Strange fallen, es werden Ereignisse angesprochen oder aufgegriffen und manche geliebte Figuren haben sogar Kurzauftritte. Der Eindruck es mit einem zusammenhängenden und wachsenden Universum zu tun zu haben wird verstärkt. Schade hingegen ist auch hier der zu lockere Umgang mit dem Tod. In Superheldenfilmen ist es leider spätestens seit Man Of Steel üblich, dass die Menschen zu Tausenden sterben und dies niemand wirklich kümmert. Muss Zerstörungswut immer so extrem zelebriert werden?

Sehr toll war es vor dem Film die Trailer für X-Men Days Of Future Past und Guardians Of The Galaxy zu sehen. Es ist echt unglaublich, wie stark sich Marvel in Hollywood ausgebreitet hat und wie viele Filme auf uns zukommen. Solange sie das momentan bestehende Niveau halten können soll’s mir nur recht sein. Aber bitte Marvel wenn ihr schon unbedingt 2 Post Credit Szenen in den Film packen musst dann dreht auch zwei relevante. Hier lohnt es sich nicht den kompletten Abspann durch sitzen zu bleiben, auch wenn die Musik wie im ganzen Film topp ist.

††† – ††† (2014)

Crosses

††† – †††
Label: Sumerian Records, 2014
Format: Doppelvinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Electronica, Alternative

Deftones. Klar ist es das erste was einem durch den Kopf rauscht sobald das Album von Crosses (auch stilisiert als ††† dargestellt) auf dem Plattenspieler dreht. Man kann nicht anders, schliesslich singt auch hier Chino Moreno auf seine unvergleichliche Art und Weise. Begleitet wird er von Far Gitarrist Shaun Lopez und Chuck Doom. Dabei verbreitet nicht nur der Gesang eine Stimmung wie bei der bekannten Alternative-Band, auch gewisse Songs von Crosses könnten von einem ruhigen Deftones Album stammen. Aufbau, Songwriting und Instrumentalisierung, alles trägt die Handschrift von Moreno. Da dies aber auf gewohnt hohem Niveau passiert gibt es nichts zu meckern. Scheinbar ist Chino unfehlbar, denn nach dem grossartigen Debütalbum von Palms ist auch die Sammlung der drei EPs von Crosses ein wunderbares Stück Musik.

Oft greifen die Songs tief in die Schublade des Pop, gerade die Strukturen der Lieder stammen klar aus diesem Gerne. Die drei Mannen schaffen es die Lieder kurz und knackig zu halten, oft auf das Nötigste zu beschränken. Dies schränkt die Vielfalt aber nie ein, gewisse Songs sind elektronische Werke mit schrägen Beats, spannenden Synthies und Effekten auf der Stimme. Andere werden von harten Gitarren bestimmt und sind stark im Alternative-Bereich zuzuordnen. Ruhig trifft auf wild, langweilig wird es nie. Sehr positiv überrascht war ich bei Elementen die man auf einem solchen Album nie erwarten würde: So erklingt plötzlich eine Gitarrenmelodie welche man bei den Simple Minds antrifft, oder die Keyboards blubbern fröhlich vor sich hin.

In Zusammenspiel mit dem gelungenen düsteren Artwork und den Grufti mässigen Videos gelingt es Crosses eine spannende Welt voller unterschiedlichen Ebenen zu kreieren. Das Album lässt sich gut mehrmals hintereinander hören und klanglich ist viel zu entdecken. Die Texte sind kreativ und werden von Chino gesungen und nicht herausgepresst. Oft fand er dazu sehr schwungvolle Melodien, hört euch nur mal den Refrain von Blk Stallion an. Die Vinylausgabe bringt das sehr schöne Cover besonders gut zur Geltung. Eine klare Empfehlung, egal ob als Dreifach-EP oder Doppel-Album.

Anspieltipps:
Telepathy, Bermuda Locket, Blk Stallion

Record Store Day 2014 – Ein Hurra auf die Plattenläden

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Jedes Jahr im April findet der 2007 in den USA ins Leben gerufene Record Store Day (RSD) statt. Dieser Tag soll die Musikliebhaber wieder vermehrt dazu bringen, ihre Platten in unabhängigen Plattenläden zu kaufen. Support Your Local Dealer. Nebst Veranstaltungen wie kleine Livekonzerte, DJs oder Sonderverkäufe gibt es an diesem Tag von diversen Labels auch kleine aber feine Sonderpressungen auf Vinyl. Dies ist für viele Leute der Hauptgrund an diesem Tag sein Lieblingsgeschäft zu besuchen und dort ein paar Stunden zu verbringen.

Auch ich habe mir diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und besuchte das Why Not in Zofingen und den Dezibelle in Aarau. An beiden Orten fand ich nicht nur tolle RSD-Platten, sondern verbrachte meinen Besuch mit unterhaltsamen Gesprächen bei Gratisgetränken, dem Austausch mit den Besitzern, dem Lauschen neuer und bekannter Klänge und dem Zelebrieren der Liebe zur Musik. Es zeigte sich wieder einmal, dass Sammeln von Vinyl eine Herzensangelegenheit ist und man sich wie in einer grossen Familie fühlt. Ein solcher Tag bringt aber nicht nur Stammkunden in die Geschäfte, sondern lockt auch Leute an, die seit Jahren keinen Fuss mehr in einen solchen Laden gesetzt haben. Es ist echt toll zu sehen, dass Vinyl seinen stetigen Aufstieg fortsetzt.

Mich selber hat der RSD 2014 wieder ein wenig besänftigt, habe ich doch gewisse Probleme mit dem ganzen Konzept. Sicherlich sind Sonderpressungen in kleiner Stückzahl für Sammler toll, wie damit nun aber von den grossen Labels umgegangen wird ist scheisse. Ein toller Bericht aus Österreich findet sich hierzu auf Noisey. Nichtsdestotrotz funktioniert die eigentliche Idee hinter diesem Tag, das hat sich gestern in Zofingen und Aarau gezeigt.

Hier noch eine Übersicht meiner getätigten Einkäufe. Besonders gefreut habe ich mich über den Fund der „The Soundtrack Of Our Lives“ Single „The Point Of No Return“, ist diese doch weltweit auf 200 Stück (!) limitiert.

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Des weiteren habe ich ergattert:
Bruce Springsteen – American Beauty (4 zuvor unveröffentlichte Songs)
The Notwist – Run Run Run (Single mit Remix und neuen Songs)
Temples – Shelter Song (Picture Disc mit Remixes)
Just Friends – Don’t Tell Me (Nicolas Jaar und Sasha Spielberg)
London Grammar – Hey Now (Remixes von Bonobo und Zero 7)
Tocotronic / Stereofysh – Remixes (Pampa Records 10″)
Woodkid- Iron / I Love You (Quintet Versions)
Chvrches – We Sink (Single auf grün-transparentem Vinyl)

Eine doch beachtliche Beute, nächstes Jahr werde ich gerne wieder dabei sein und einen wunderbaren Samstag in den Plattenläden verbringen.

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Live: Balthazar, Kinski Zürich 14-04-18

Balthazar Kinski

Balthazar, Support: The Rhythm Junks
Freitag 18.04.2014
Kinski, Zürich
Setlist

Warum nicht mal an ein Konzert gehen ohne die Band zu kennen, Empfehlungen von Freunden sollten ja reichen. Und das Kinski an der Langstrasse in Zürich ist ein toller kleiner Club mit Geschmack, beste Voraussetzungen also. Das Konzert war restlos ausverkauft, wir fanden aber trotzdem unseren Platz im hinteren Teil des Raumes (siehe auch das Bild). Als Vorband spielten The Rhythm Junks aus Belgien ein kurzes Set. Ihr Sound ist stark von Blues getränkt und wird in vielen Liedern von der Mundharmonika bestimmt. Das sorgt für einen nicht alltäglichen Klang, auch wenn es nicht ganz mein Geschmack trifft. Die Herren sind aber sympathisch und freuten sich sehr das Vorprogramm zu bestreiten.

Als dann die Leute von Balthazar sich auf die Bühne quetschten, war der Raum mit gefühlter doppelter Besucherzahl voll gestopft. Wem es zu eng wurde konnte das Konzert aber auch im Fumoir geniessen. Ein toll gestalteter Raum im Erdgeschoss inklusive Bar und Übertragung des Konzertes auf die Lautsprecher. Die Belgier sind wahrlich Aufsteiger und werden in den nächsten Jahren wohl in immer grösser werdenden Venues spielen. Vergönnt sei es ihnen, erschaffen sie doch eine tolle Stimmung und spielen ihre Songs sehr gut. Am meisten erstaunt war ich von der Grösse ihrer Musik. Die vier Jungs und das Mädel singen meist mehrstimmig, packen genügend Hall auf ihre Instrumente und erzeugen somit eine klangliche Wucht wie in einem grossen Stadion. Mit geschlossenen Augen fühlte man sich in einer grossen Halle mit tausenden von Leuten. Dass das Publikum die meisten Songs sehr gut kannte und vielfach mitsang, unterstützte diesen Eindruck noch. So wurden ältere wie auch neue Lieder wie „Leipzig“ jubelnd in Empfang genommen und abgefeiert.

Praktische alle Songs von Balthazar sind sehr melodisch und leben von grossen Gefühlen. Ihre Musik geht somit schnell ins Herz und weiss auch Unwissende wie mich schnell zu überzeugen. Interessanterweise erinnerten sie mich oft an Kashmir, wenn auch weniger kantig. Allen Freunden gut gemachter Indie-Pop Musik empfehle ich ein Konzert der Truppe zu besuchen, am besten in naher Zukunft bevor man das Erlebnis mit 20’000 anderen Leuten im Stadion teilen muss.

„Raise your glass to the nighttime and the ways
To choose a mood and have it replaced“

Moby – Almost Home, Live At The Fonda (2014)

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Moby – Almost Home, Live At The Fonda
Label: Little Idiot, 2014
Format: 2CD, 2 DVD Digipack
Links: Discogs, Musiker
Genre: Electronica, Pop, Dance

Über Moby muss nicht viel geschrieben werden, der Mann hat sich seit den Neunziger zu einer Grösse in der Musikwelt entwickelt und eine eingeschworene Fangemeinschaft begleitet all seine Projekte. So wird jedes neue Album gespannt erwartet und mit offenen Armen empfangen, wie auch letztes Jahr „Innocents“. Die Platte setzt den angefangenen Weg fort und bereichert den Moby Kosmos mit weiteren schönen Songs in seiner speziellen Mischung aus Electronica, Pop und Traum. Als der Künstler dann aber verkündete, er spiele nur drei (!) Konzerte in Los Angeles und keine ganze Tour, verspürten viele Menschen einen Stich im Herzen. Moby live zu erleben ist eine unbeschreibliche Erfahrung und lohnt sich jedes Mal. Als Linderung des Schmerzes wurde ein Konzert per Streaming im Internet übertragen und ist jetzt als CD-DVD Paket erhältlich.

Das knapp dreistündige Konzert aus dem Fonda in LA besteht aus zwei Sets. Im ersten Teil spielt Moby mit seiner Band das komplette Innocents Album, danach folgt ein grosses Best Of seiner ganzen Karriere. Das ganze Konzert wurde sehr geschmackvoll gestaltet. So ist das Fonda ein altes Theater aus den 20er Jahren in welchem 2000 Zuschauer Platz finden, die Band steht komplett in weiss gekleidet auf der Bühne und die Lichtshow ist reduziert aber unterstützt die Lieder perfekt. Streichinstrumente sind nicht Sampels sondern echt, ein Chor singt mit. Moby selber spielt in schwarzer Kleidung Gitarre, Bongo, singt, hüpft, springt und spricht zwischen den Songs viel mit dem Publikum. Dabei erzählt er wie an jedem seiner Konzerte auf seine sympathische Art Anekdoten aus dem Musikerleben, bedankt sich tausend Mal bei Musiker und Publikum und geniesst den Abend komplett. Das überträgt von Beginn an eine wunderbare Stimmung auf die Zuschauer und auch wenn man sich das Konzert nun zu Hause auf dem Sofa anschaut glaubt man selber dabei zu sein und wird echt mitgerissen.

Innocents ist ein eher ruhiges Album, besitzt aber alle klassischen Moby Qualitäten. Echt toll ist, dass alle Gaststars auch live mit dabei sind. Es geben sich unter anderem Damien Jurado, Greg Dulli, Mark Lanegan und Skylar Grey die Klinke in die Hand. Das sorgt für Abwechslung und vergibt dem Konzert einen zusätzlichen Wert. Schön ist es, dass auch Moby selber immer wieder ehrfürchtig zu diesen Menschen schaut und zeigt: Er ist für sein Leben unendlich dankbar und weiss dies ist nicht selbstverständlich, Musik ist Leben. Wenn dann der Teil mit der Werkschau beginnt benötigen die Songs keine Gäste mehr. Ihre Qualität spricht für sich, denn die Lieder wurden vor dem Konzert von den Fans im Netz ausgewählt. Natürlich sind alle Hits dabei wie „Porcelain“, „Lift Me Up“, „Extreme Ways“ oder „In My Heart“. Auch die Anfangsphase der Karriere wird mit alte Ravesongs wie „Feeling So Real“ beachtet. Jeder der gerne Moby hört wird mit dieser Setlist zufrieden sein. Nicht verwunderlich ist dabei, dass die Zuschauer im Fonda aus der ganzen Welt angereist sind und per Stream über 500’000 zusätzliche Fans eingeschaltet haben. Dieses Livedokument lohnt sich nicht nur für den harten Kern der Moby Fans sondern für alle die mit seiner Musik etwas anfangen können. Berührt, macht glücklich und beeindruckt. Moby du bist weiterhin der Beste, aber bitte spiel doch wieder einmal in Europa.

Anspieltipps:
The Perfect Life, The Last Day, Go, Raining Again