Monat: Juli 2014

Jeans For Jesus – Jeans For Jesus (2013)

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Jeans For Jesus – Jeans For Jesus
Label: Jeans For Jesus, 2013
Format: Vinyl mit Downloadcode, Booklet
Links: Band
Genre: Mundart, Electronica-Avantgarde-Core Pop

Die Schweiz ist halt doch wie die Berner Zeitung, die Prominenz und das Boulevard doch nicht unterhaltsam. Jeder hat sein Platz, jeder Stein am richtigen Ort und wehe wenn dies Jemand ändern oder mit seinen Ideen verunstalten will. Denn das wahre Glück kann man sich schliesslich kaufen, das kurbelt die Wirtschaft an und sichert die eigene Anstellung. Ob dabei noch Platz für die Liebe bleibt? Teilweise, denn schlussendlich ist dies doch auch nur ein Mittel zum Zweck und Hollywood sprach schon davon bevor jemand anderes das Wort in den Mund nahm.

Aber wisst ihr was? Packen wir doch unsere Rucksäcke und verschwinden nach Estavayer, dort gibt es den lauschen Zeltplatz am See. Sonne, Wasser, Bier und Musik. Warum nicht Schweizer Klänge von Jeans For Jesus? Die sprechen doch all die oben erwähnten Punkte an und vermischen in ihrer Musik nicht nur Aspekte von Hip-Hop, Avantgarde, Electronica und Pop sondern Woah, was war das? Der Gesang ist ja Mundart! Berndeutsch! Psst, hört mal genauer hin: „niemert steit am morge’n uuf / niemert steut dr Wecker ufe buuch / snooze / niemert secklet us’m huus“

Nicht nur macht dies die Musik interessanter, nein es stellt etwas völlig neues dar. So eine Band gab es bis jetzt wohl noch nie, diese Kombination aus schleppenden Wörtern und brandaktuellen Klangspielereien. Dabei sind die Texte immer frisch gehalten, weisen experimentierungsfreudige Strukturen auf und werden in verschlafener Sprache rezitiert. Weibliche Unterstützung bring bunte Farbspritzer auf die Leinwand, die Musik pendelt zwischen Pop, The XX, moderner Electronica und Dubstep. Wie grandios all dies funktioniert beweist auch der Züri West Cover Song „Toucher“, ein bereits saustarkes Lied wird noch besser und beweist: Man kann gute Musik auch frisch aufbereiten und einem neuen Publikum zugänglich machen. Die Band hat sich somit innert kürzester Zeit mit ihren Eigenheiten ein Platz im grossen Spielfeld der nationalen Lieder erkämpft und gibt diesen nicht mehr her. Und obwohl manchmal auch Erinnerungen an Bands wie Deichkind an die Oberfläche kriechen ist dies nie ein negativer Punkt. Die Originalität siegt dabei immer und wenn Sätze wie „Au dy huere apps hei mr ds warte verlehrt“ erkllingen ist die Band nicht nur extrem nahe am Zeitgeist, nein sie weiss auch genau wie aktuelle Themen und Probleme anzusprechen sind und wie man den Hörer wachrüttelt und bei Stange hält. Jeans For Jesus sind der erste Teil der faszinierenden Zukunft in der Schweizer Musikszene!

Und schluss endlich ist es doch so:
„lüt rede über lüt, lüt rede über nüt, nüt rede über nüt“.

Anspieltipps:
Estavayeah, L.A., Kapitalismus Kolleg

Tim Bowness – Abandoned Dancehall Dreams (2014)

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Tim Bowness – Abandoned Dancehall Dreams
Label: Inside Out, 2014
Format: Vinyl im Gatefold, CD und Booklet
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock, Ambient, Melancholie

Schlagzeugwirbel, knurrender Bass, sanfter Gesang, Synthieflächen, Melancholie. Der Einstieg in das zweite Soloalbum von Tim Bowness gestaltet sich fulminant und verspricht vieles. Glücklicherweise hält das Album alle Vorzeichen ein und liefert mit jedem Song ein weiteres Puzzleteil zum grossen Bild über die verlassenen Tanzhallen.

Tim ist kein neuer in der Welt des traurigen Art-Rock. Zusammen mit Steven Wilson gründete er die Band No-Man und wollte die Welt erobern. Dies gelang aber dann nur Herr Wilson mit seinem damaligen Nebenprojekt „Porcupine Tree“, doch das ist eine andere Geschichte. Aber das Umfeld von Burning Shed musste trotzdem nicht auf das Talent von Bowness verzichten, er blieb als Musiker in dem Mikrokosmos eine Konstante und beweist mit dem aktuellen Werk zu welchen Höchstleistungen er fähig ist.

Der oft tieftraurige Art-Rock lebt von wunderbaren Melodienbögen, spannender Instrumentalisierung und wunderbaren Geschichten. Oft dominiert das Klavier (oder die Keyboards) und macht es dem Hörer einfach, sich in den Songs zurecht zu finden. Wohlklang ohne Weichspüler, garniert mit spannenden Schlagzeugspuren und immer wieder überraschenden Einfällen. Bowness ist ein wirklich grosses Album gelungen das auch Kenner von allen No-Man Werken gefällt. Clever finden hier Genres wie Pop, Ambient ond Prog sanft ihren Weg in die Lieder, dabei bleiben die Songs über lange Zeit spannend und entfalten nach und nach all ihre Ebenen. Gesanglich birgt die Stimme von Tim auf dem Album keine Sonderheiten, man kriegt was man kennt. Das ist eine vertraute, sympathische Stimme die auch fröhliche Geschichten nach Regenwetter klingen lässt, ich mag das sehr. Besonders wenn die Texte so interessant sind wie hier, oft von nicht ganz leichten Schicksalsmomenten handelnd.

Der Sommer ist hierzulande grau und nass, gerne setzt man sich da abends nach der Arbeit aufs Sofa und genießt gemütliche Stunden alleine oder in Gesellschaft. „Abandoned Dancehall Dreams“ liefert den passenden Soundtrack und wird auch weit in den Herbst hinein präsent bleiben.

Anspieltipps:
The Warm-Up Man Forever, Songs Of Distant Summers, Beaten By Love

It Just Ain’t Right! – Marillion „Gaza“

Wir feiern Deutschland, wir feiern den Sommer, wir feiern das volle Leben. Nicht weit von hier aber sterben Menschen in einem sinnlosen Konflikt der auf die eine oder andere Weise seit 4000 Jahren wütet. Der Gaza-Streifen wird auch jetzt wieder von Bomben und Explosionen erschüttert, tausende von jungen Männer und Frauen werden an die Front geschickt und für immer traumatisiert. Viel will ich dazu nicht sagen, ausser das es absolut schrecklich ist und hoffentlich bald aufhört. Marillion veröffentlichten zu diesem Thema auf ihrem letzten Album „Sounds That Can’t Be Made“ ein langes Lied welches das ganze Thema aus einer gelungenen und mitreissenden Perspektive erzählt. Lyrics mitlesen lohnt sich.

Bitte stoppt diese Gewalt!

When I was young it all seemed like a game
Living here brought no sense of shame
But now I’m older I’ve come to understand
Once we had houses
Once we had land
They rained down bullets on us as our homes collapsed
We lay beneath the rubble terrified

Hoping.. Dare we dream?
We gave up waiting
For us, to dream is still a dream

When I woke up, the house was broken stones
We suddenly had nothing
And nothing’s changed

We live, eight people, in this overcrowded heat
Factory-farmed animals living in our own sweat
Living like this is all my baby brother ever knew
The world does nothing. What can we do?

We will kick the ball
We will skip the rope
We will play outside. Be careful
We will paint and draw. We will say our prayers

Outside the pitiless sun bleaches the broken streets
The darkness drops in the evening like an iron door
The men play cards under torchlight
The women stay inside
Hell can erupt in a moment day or night

You ask for trouble if you stray too close to the wall
My father died ..feeding the birds
Mum goes in front of me to check for soldiers

For every hot-head stone ten come back
For every hot-head stone a hundred come back
For every rocket fired the drones come back

For thirteen years the roads have all been closed
We’re isolated. We’re denied medical supplies
Fuel and work are scarce. They build houses on our farms
The old men weep. The young men take up arms.

We’re packed like chickens in this town of block cement
I get headache from the diesel. When it rains, the sewers too
I had no idea what martyrdom meant
Until my older brother.. my older brother
I’m sorry. I can’t continue.

You sow the wind, you reap the whirlwind, it is said
When people know they have no future
Can we blame them if we cannot tame them?
And when their hopes and dreams are broken
And they feel they might as well be dead
As they go, will we forgive them
If they take us with them?

Stay close
Stay home
Stay calm
Have faith

With the love of our family we can rise above anything
Someday surely someone must help us
With the love of our family we can rise above anything
Someday surely someone must help us
Even now we will go to school
Even now we will dream to dream
Someday surely someone must help us

Nothing’s ever simple – that’s for sure
There are grieving mothers on both sides of the wire
And everyone deserves a chance to feel the future just might be bright
But any way you look at it – whichever point of view
For us to have to live like this
It just aint right
It just aint right
It just aint right

We all want peace and freedom that’s for sure
But peace won’t come from standing on our necks
Everyone deserves a chance to feel the future just might be bright
But any way you look at this – whichever point of view
For us to have to live like this
It just aint right
It just aint right
It just aint right

It’s like a nightmare rose up slouching towards Bethlehem
Like a nightmare rose up from this small strip of land
Slouching towards Bethlehem

It’s like a nightmare rose up from this small strip of land
Slouching towards Bethlehem

Stay close
Stay home
Have faith

I can’t know what twist of history did this to me
It’s like a nightmare

With the love of our family
We can rise above anything
Some day surely someone must help us…

Lyrics Copyright By Marillion.

Live: Night Of The Prog Festival, Loreley 14-07-18 / 19

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Night Of The Prog Festival Volume 9
Freilichtbühne Loreley, St. Goarshausen
Freitag 18.07.2014 / Samstag 19.07.2014

Freitag

Das Night Of The Prog Festival wäre eigentlich seit Jahren ein Muss für mich, wird hier doch genau die Musik gespielt welche ich zur Zeit am liebsten höre. Prog, Art-Rock, Post. Doch erst dieses Jahr war es mir vergönnt, die wunderschöne Freilichtbühne auf der Loreley zu besuchen. Wettertechnisch sonnig und heiss kamen wir nach staugefüllter und langer Autofahrt auf der Loreley an, leider spielte während dem Zeltaufbau bereits die erste Band. Pünktlich zu den Deutschen Proggern Traumhaus gönnten wir uns das erste Bier im Amphitheater und lauschten der leider etwas statisch auftretenden Band. Viel war da nicht in Bewegung, das änderten aber Collage aus Polen schnell. Der junge Frontmann der schon seit Jahrzehnten im Geschäft tätigen Band rannte auf der Bühne hin und her und verstand es das Publikum anzuheizen. Musikalisch eher im hoch melodiösen Prog angesiedelt wusste die Reunions-Besetzung zu gefallen.

Mit Long Distance Calling waren wir schon bald beim ersten Highlight angelangt. Wuchtiger Post-Rock ohne Gesang, die Jungs verstehen ihr Handwerk. Der Auftritt war souverän und sogar ein Song der neuen Jam-EP Nighthawk wurde gespielt. Hier wusste man auch plötzlich wieder, in welchen Takt man den Kopf nun bewegen kann. Bei Prog-Suiten ist dies oft ein schwieriges Unterfangen.

Mit IQ betraten am frühen Abend die unbestrittenen Könige des Neoprog die Bühne und ertranken ihre Musik in einer unglaublich schlechten Abmischung. Der erste Song war ein Brei aus Klängen und Gesang, erst nach und nach verbesserte sich das Klangbild. Unverständlich, ist die Band schliesslich kein neuer Stern am Proghimmel und sollte sich versierte Klangtechniker leisten können. Freude am Konzert kam bei mir trotzdem auf, endlich mal „The Darkest Hour“ oder „The Road Of Bones“ live zu hören war ein tolles Erlebnis. Sehr spannend war auch wie viel Präsenz der Sänger Peter Nicholls mit knappen Gesten und bedeutungsschwangeren Blicken aufbaute, auch wenn er sich diesmal nicht gross verkleidete. Setlist

Als Abschluss des ersten Abends hüpfte die Supergruppe Transatlantic auf die Bühne und spielte sich schon in den ersten Minuten in einen Rausch. Die Mitglieder stammen / stammten aus bekannten Zusammenschlüsse wie Marillion, Dream Theater, oder Spock’s Beard und mussten sich keinem mehr beweisen. Mike Portnoy war wie immer nicht zu bändigen, Neal Morse zeigte nebst seinem Können als Sänger und Keyboarder auch noch ein Gitarrensolo. Die Setlist war eine gelungene Mischung aus neusten Liedern und alten Klassikern. So durfte nebst einem 40-minütigen Whirldwind-Medley auch „We All Need Some Light“ oder „Black As The Sky“ beklatscht werden. Die technische Perfektion, das sympathische Auftreten und eine gelungene Lichtshow setzten den würdigen Schlusspunkt des ersten Tages. Setlist

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Samstag

Früh begann der Tag mit einem Besuch unten im Dorf am Rhein. Die Sonne brannte bereits unbarmherzig und der einzige Supermarkt war wegen Umbau geschlossen. Geld und ein Brötchen fanden wir trotzdem, frisch gestärkt fuhren wir wieder auf den Festival-Camping um da mit unseren neuen Freunden zu musizieren. Auf dem Gelände wurden wir als erstes von A Liquid Landscape (Holland) beschallt, gelungener Prog-Psychedelic ohne Synthies. So etwas gibt es hier selten, die Band hat mich aber überzeugt. Dream The Electric Sleep präsentierten sich als erfahrene Musiker, trotz erst zwei veröffentlichten Alben. Ihr epischer Art-Rock kam gut an und gottlob spielten sie als letzten Song im Set das grandiose „This Is This“. Scheinbar war ich einer der wenigen der das Debüt-Album kannte und darum auch dieses Lied forderte. Interessanterweise übrigens die einzige Band aus den USA an diesem Festival.

Clepsydra liess ich trotz Schweizer Herkunft aus, der Gesang und die musikalischen Fehlgriffe konnten mich nicht vor die Bühne locken. Und ab und zu muss jeder mal ein wenig Schatten tanken. Bigelf mussten ihr Konzert leider absagen, obwohl eher zum Glück. Denn mit Brian Cummins (Be Gabriel) ging für mich ein Traum in Erfüllung. Brian nur mit Gitarre und vielen Loops bewaffnet sing ein Best Of Gabriel Set, als zweiten Song mein absolutes Lieblingslied „Red Rain“. Und das an meinem Geburtstag!! Setlist

Danach war ich erst mal hin und weg und konnte mich erst kurz vor Konzertstart von Anathema wieder fassen oder besser gesagt, wurde von den Gitarren und Synthie-Wänden weggeblasen. Die Band um die Cavanagh Brüder spielte ein tolles Set aus Songs von „Distant Satelittes“ und älteren Alben. Mit „Closer“ und „A Natural Disaster“ fanden zwei Klassiker Platz und mit jedem einzelnen Lied hüpfte mein Herz ein wenig schneller. Gerne hätte ich noch eine Stunde mehr zugehört und mich wegfliegen lassen. Setlist

Aber die Zeit war reif für den absoluten Höhepunkt dieses Wochenende: Marillion live, wenige Meter vor mir und mit einem sehr Pop lastigen aber toll gemischten Set. „Sounds That Can’t Be Made“, „You’re Gone“, „Easter“, „Kayleigh“ und und und. Hit folgte auf Hit, ich realisierte gar nicht was um mich geschieht. Mit der Zugabe „Neverland“ fühlte ich mich wie im Himmel und zuvor konnte ich sogar h auf die Schulter klopfen. Er bewegte sich bei „Lavender“ durchs Publikum und auch sonst während dem gesamten Konzert sorgte der Sänger für gute Stimmung. Sehr beeindruckt war ich auch vom Eröffnungssong „Gaza“. Politisch leider hochaktuell und unter die Haut gehend. Alles in allem war Marillion ein unfassbares Erlebnis welches ich erst am Tag danach wirklich realisierte. Solch intensive Momente gibt es im Leben selten, aber dafür bleiben sie für immer im Herzen. Setlist

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Night Of The Prog auf der Loreley, nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei!

So Let It Take Me Away – Playlist 6//14

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Part 06//14 – So Let It Take Me Away
Juni 2014

1. Florence & The Machine – Only If For A Night
(Ceremonials, 2011)

Wiederentdeckt beim Putzen der alten Wohnung. Ein wunderbarer Song der mit seiner Grösse den Rest des Albums überstrahlt. Der Aufbau, der Gesang und die Musik sind hier typisch Florence aber mit riesigen Gesten und Pathos. Funktioniert für mich mehr als gut.

2. Xiu Xiu – Hi
(Always, 2012)

Der Wohlklang ist aber sofort wieder zu vergessen, denn mit Xiu Xiu rauschen nun verstörende und provozierende Klänge aus den Lautsprecher. Musik die in Verbindung mit dem Video nicht gefallen will, aber spannend ist und aufhorchen lässt. Gegenüber den anderen Liedern auf Always ist dieser Song aber einfach und eher zu begreifen.

3. Archive – Axiom
(Axiom, 2014)

Das Film-Musik Meisterwerk von Archive lässt sich nun endlich als komplettes Video oder einzelne Kapitel auf Youtube geniessen. Wer das Album aber noch nicht selber im Regal stehen hat muss jetzt los und es sofort kaufen. Die Verbindung von Trip-Hop mit Ambient, Electronica und dystopischen Bilder entfaltet gerade beim wuchtigen Titeltrack ungeahnte Wirkung. Kirchenglocken werden nie mehr dasselbe sein.

4. Wolfman – All Is Random
(Unified, 2013)

Die Zürcher Band Wolfman verbindet auf ihrem Debüt-Album gekonnt aktuelle Strömungen in der Indie-Elektronik und kocht sich daraus ein eigenes Süppchen. Seien dies The XX, MGMT oder moderne Spielerein wie tiefe und wummernde Bässe über gehauchten Gesang, alle Elemente finden zusammen und generieren wie hier in All Is Random eine beschauliche Welt die dich im Bett zudeckt und mitsummen lässt. Die Stimme von Katerina Stoykova bleibt dabei genügend kratzend um nichts zu verwässern.

5. Smoke Fairies – Waiting For Something To Begin
(Smoke Fairies, 2014)

Das leider enttäuschende Album von Smoke Fairies bietet immerhin eine handvoll mehr als gelungene Songs, „Waiting For Something..“ ist in meinen Augen der beste. Tolle Melodien und ein Kate Bush imitierender Refrain laden zum mitträumen ein. Musik die für mich im gesamten Jahr funktioniert, aber am besten in eine sternenklare Nacht gehört. Anschmiegen angesagt.

6. Emiliana Torrini – White Rabbit
(Sucker Punch OST; 2011)

Die Diskussion um Sucker Punch wollen wir jetzt nicht neu führen sondern mal geniessen was an diesem Film wirklich gelungen war. Der Remix von Jefferson Airplane’s White Rabbit beispielsweise finde ich fast noch gelungener als das Original. Torrini’s Stimme passt perfekt zum Drogentext, die Musik ein Wasserfalls voller Gitarren und Drums.

7. Anathema – Distant Satelittes
(Distant Satelittes, 2014)

Anathema ist mit dem neuen Album ein grosser Wurf gelungen, spannend dabei wie neue Komponenten den bekannten Sound ergänzen. Das Titellied bringt darum nicht nur ein Longtrack mit viel Melancholie und grandiosem Gesang, sondern elektronische Drumpatterns. Unglaublich wie sich hier alles aufbaut und kurz vor dem Höhepunkt zusammenbricht, nur um dann treibend mit zwei Schlagzeuger alles platt zu walzen. Grossartig!

8. Sivert Hoyem – Shadow / High Meseta
(Moon Landing, 2009)

Moon Landing funktioniert am besten als Gesamtkunstwerk, aber wenn ein Lied so grandios geschrieben ist wie Shadow, dann mache ich gerne eine Ausnahme und entreisse es dem ursprünglichen Werk. Startet es zuerst gemächlich mit nur Siverts Gitarre und seinem mich immer wieder aufs neue begeisternden Gesang, so wird es im zweiten Teil ein wuchtiger Rocker mit viel Emotion. Das kann nur Hoyem.

9. Motorpsycho – Hell Part 1-3
(Still Life With Eggplant, 2013)

Live haben Motorpsycho in Zürich die komplette Hell-Suite am Stück gespielt, 42 Minuten Ohrgasmus. Teil 1 bis 3 davon findet man auf dem letztjährigen Album und walzt durch die gesamte Geschichte des Rock. Blues, Psychedelic und Prog werden zu einem wabernden Lavagetränk gemixt und direkt in die Kehle gespült. Heiss muss es sein und brennen, wie die Talente der Musiker aus Norwegen.

10. Nine Inch Nails – Hurt // Live
(Further Down The Spiral, 1995)

Also dieses Lied will ich jetzt niemandem erklären. Wer Nine Inch Nails nicht kennt verpasst sowieso was, wer das Lied kennt noch mehr. Und nein, der Song ist nicht von Johnny Cash und wurde auch nicht für ihn geschrieben.
NIN so zerbrechlich wie nie, Trent du bist einfach ein Gott.

11. Bass Communion – Indicates Void IV (Piano / Soprano Sax)
(Vajrayana / Indicates Void, 2014)

Nach all den eher laut schreienden Songs noch ein sanfter Ambient-Drone Ausklang. Steven Wilson fabriziert unter dem Namen Bass Communion perfekte Musik für die Untermalung von allem oder nichts. Ich mag es solche Musik auf dem Arbeitsweg beim lesen zu hören und dadurch mich total in einem Buch zu vergessen. Oder mit geschlossenen Augen auf dem Bett liegend sich ohne Gedanken den Klangbausteinen zu widmen.

Live: Massive Attack, Montreux Jazz Festival 14-07-10

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Massive Attack, Support: Banks
Donnerstag 10.07.2014
Montreux Jazz Festival

Ereignisse, Konzerte, Erlebnisse. Je mehr man davon mit sich trägt desto weniger wird man überrascht oder begeistert. Umso intensiver ist es, wenn es dann wieder mal vorkommt, dass ein Abend das Weltbild erschüttert oder den gesamten Geist und Körper in Beschlag nimmt. Massive Attack am Jazz Festival in Montreux war für mich ein solcher Moment. Das muss man sich zuerst mal auf der Zunge zergehen lassen, die Trip-Hop Könige auf dem bedeutenden Festival in der Schweiz. Für mich der Grund zum ersten Mal in meinem Leben die Füsse auf den Grund am Genfersee zu setzen. Eine Entscheidung die sich mehr als gelohnt hat, bot dieser Abend doch mehr als nur ein Konzert.

Sicherlich kann man sich darüber auslassen, dass nur 90 Minuten gespielt wurden oder dass die Band immer noch kein neues Album am Start hat und somit praktisch nur altbekannte Songs spielt (zwei waren neu). Doch da heisst es innehalten, denn ihre Lieder sind mehr als nur Mitklatschen und Tanzen zu bekannten Melodien. Sicherlich kennt man „Angel“, „Girl I Love You“, „Teardrop“ oder der hier als Abschluss funktionierende Dekadenhit „Unfinished Sympathy“. Aber die Band ist nicht nur da um dem Zuschauer die benötigte Dosis 90er Musik und Wohlgefallen mit auf den Weg zu geben. Denn mit der gekonnten Licht- und Bühnenshow wissen die Herren und Damen von Massive Attack ihre Musik mit aktuellen und wichtigen Botschaften und Aussagen zum Weltgeschehen und Menschenverhalten zu kombinieren. Sei es unser Konsumverhalten in Frage zu stellen oder über Kriege und deren Auswirkungen in den Regierungen zu sinnieren, all dies geschieht in Kombination mit der wuchtigen Musik und dem oft wohl gefallenden und sanften Gesang. Es ist eine Ohrfeige ins Gesicht wenn zu einem heissgeliebten Song auf der Leinwand plötzlich ein Satz wie „Gaza Streifen: Hamas startet Raketenangriffe auf Israel“ steht und das Herz nicht mehr weiss ob es jetzt zerbrechen oder wegen der Musik jubeln soll. Wie kann man am Ende von einer Darbietung jubeln, wenn die Show gerade das aktuelle Medien-Weltbild auseinander genommen und untersucht hat? Wenn es dich wachrüttelt und dir sagt: Fuck you, wieso konsumierst du wenn auf dem Globus momentan tausende von Menschen im Krieg sterben und du trotzdem nur die Promi-Schlagzeilen wahrnimmst?

Klar, die Verbindung aus Aktivismus und Musik ist eine schwierige. Schnell stösst man Leute vor den Kopf und findet nur Missverständnis, bestes Beispiel ist hier sicherlich Bono. So weit gehen aber Massive Attack nicht, denn sie setzen auf die Intelligenz des Zuschauers. Dir wird nichts vorgekaut, die Entscheidung zwischen simplen Konzertgenuss und tiefgründigem Abend ist jedem selber überlassen. Der Musik, der Darbietung und der Show kann man kein krummes Haar lassen. Hier sitzt alles, Wucht und Emotion werden von den Alben perfekt auf die Bühne übertragen. Gitarren schneiden sich in dein Trommelfell kurz nachdem die Gesänge dein Wiegenlied anstimmten. Übermenschlich erscheint die Leistung der Personen an den Instrumenten. Aber wer dahinter blickt entdeckt eine Band die sich um die Mitwelt kümmert. Wachrütteln, bewegen, zum Nachdenken anregen, so etwas ist sehr wichtig. Klar kann man sich darüber aufregen und sagen: Das hat nichts mit der Musik zu tun. Aber ich finde genau das Gegenteil: An einem Konzert bin ich gedanklich und emotionell sehr empfänglich und bereit mich komplett dem Moment hinzugeben. Eine Darbietung wie die von Massive Attack packt mich mit voller Wucht und sagt mir, dass es nicht so weiter gehen kann. Die Musik wird Träger von Ideen und Idiologien, die Show eine Platform des Ausdrucks. Ich kann und WILL nicht alles so hinnehmen wie es geschieht. Es ist die unsere Zeit und wir müssen etwas gegen Ungerechtheit tun.

Am Schluss stehe ich nun also in der Halle, das Licht geht wieder an und die Musiker haben die Bühne verlassen. Rundherum versuchen massenhaft Menschen die frische Luft zu erreichen und ich stehe wie erschlagen da. Warum leben wir hier und haben es so gut wenn gleichzeitig andere Leute verhungern, zersplittert oder ermordet werden? Massive Attack liefern dazu keine Antwort aber sie zeigen auf, dass es nicht selbstverständlich ist hier in unserem Zustand zu leben. Und sie packen die Leute dann, wenn sie die Möglichkeit haben; an dem verwundbaren Moment eines Konzerts zu mitreissender Musik. Dafür kann man sie hassen oder einfach nur ehrfürchtig anbeten. Wenn man bedenkt das ich jetzt 24 Stunden nach Ende des Abends immer noch fast in Tränen ausbrechen könnte ist wohl klar zu welcher Gruppe ich gehöre.

(Banks als Vorgruppe war gut gewählt, ihre düstere und elektronische Musik ist stimmungsvoll und versinkt nicht zwischen gleichklingenden Künstler.)

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Peter Gabriel – Back To Front Live In London (2014)

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Peter Gabriel – Back To Front Live In London
Label: Eagle Vision, Real World, 2014
Format: Doppel-CD und 2 BluRay im Fotoband
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock, Rock, Pop

Obwohl schon seit Jahren kein neues Album von Peter Gabriel erschienen ist, beschenkt er seine Fans regelmässig mit neuen Veröffentlichungen im Bereich Cover-Versionen oder Live-Aufnahmen. Auch auf den Bühnen der Welt ist er immer wieder mal anzutreffen, vor wenigen Jahren mit seiner orchestralen New Blood Tour und seit 2013 mit dem SO-Jubiläumsprogramm. Dabei bewies er letzten Oktober in Genf, dass er als Sänger und Performer immer noch mit allen jüngeren Künstlern locker mithalten kann. Das Konzert war fesselnd und die Darbietung überzeugte auf ganzer Linie. Nun erscheint mit dem London-Konzert der offizielle mediale Begleiter der Tour, wie immer auch als tolles Deluxe-Paket erhältlich.

Back To Front in London bietet auf 2 CDs das gesamte Konzert, dazu ungeschnitten die Videoaufnahmen auf Bluray und den gleichnamigen Kinofilm mit gekürzter Setlist und eingefügten Interviews. Eingebettet werden die vier Scheiben im stimmungsvollen Photoband mit vielen Bildern zu den Tourvorbereitungen, Proben und dem Konzert selber. Peter Gabriel hat auch hier darauf geachtet, dass der Käufer nichts Unnötiges in seine Sammlung stellt. Das Konzert selber ist selbstverständlich über alle Zweifel erhaben, die Setliste dieselbe wie in Genf. Gestartet wird mit einem neuen Song, hier „Daddys Long Legs“ betitelt. Diese Einleitung führt zum ersten Teil mit der Darbietung eines kurzen akkustisch gespielten Best Of Sets welches grandios gelöst in „Family Snapshot“ den elektronischen zweiten Teil startet. Auch hier bietet die Band spiellustig bekannte und geliebte Hits aus den alten Alben. Als dritten Teil dann die grosse Show: Das komplette SO Album mit original Band und in korrekter Reihenfolge. Endlich darf man also nicht nur „Red Rain“, „Sledgehammer“ oder „In Your Eyes“ hören, sondern auch die experimentellen Lieder wie „This Is The Picture“. Als Fan eine Offenbarung, gerade weil alle Musiker von damals mitmischen und voller Elan die Lieder erweitern, umkrempeln und intonieren.

Showtechnisch hielt sich Gabriel bei der Backt To Front Tour etwas zurück, so wird das Bühnenbild vor allem durch bewegliche Lichtmasten bestimmt und diese wechseln zwischen tanzhaften Bewegungen und statischen Bildern. Weniger ist in dem Fall eindeutig mehr, beim Zugabenblock wird dann doch noch gross in die Trickkiste gegriffen und mit dem phallusartigen Turm aus Stoff die Bühne zu „The Tower That Ate People“ eingedeckt. Einen guten Überblick der Show vermittelt der Trailer. Die Veröffentlichung dieses weiteren Live-Album macht also Sinn, zeigt es doch wie spannend Gabriel seine Musik und Vergangenheit in die Zukunft transportiert und nach immer neuen Möglichkeiten sucht seine Lieder zu gestalten. Wer ihn gerne nochmal oder zum ersten Mal live erleben möchte, hat eine gute Gelegenheit dies am 18.11.2014 in Zürich zu tun. Ich bin auf jeden Fall wieder mit dabei. Und jetzt alle: Biko.. oooh Biko.

Anspieltipps:

Neuer Stoff: Birdpen, Gaslight Anthem, Paris XY und Pink Floyd

Der Musikmarkt ist sehr gross und tausende von guten Bands tummeln sich darin. Darum hier ein paar Veröffentlichungen die in diesem Jahr den Weg in unsere Regalen finden sollten.

Die grösste und wichtigste Meldung in den letzten war bestimmt die Ankündigung des neuen Pink Floyd Album. Jawohl, nach über 20 Jahren erscheint im Oktober neues altes Material der Art-Rock Macht. Das neue Werk „The Endless River“ besteht aus überarbeiteten und erweiterten Aufnahmen der „The Division Bell“ Sessions. Somit handelt es sich um Stücke des Trios David Gilmour, Nick Mason und dem leider verstorbenen Richard Wright. Roger Waters war damals bekannterweise kein Mitglied mehr, er wird auch hier seine Finger vom Produkt lassen. Hinter dem Mischpult sehen sich Phil Manzanera, Youth und Andy Jackson dafür verantworlich, dass die neuen Lieder nicht komplett belanglos und schlecht werden. Mehr Infos gibt es noch nicht, aber der Herbst kann kommmen!

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The Gaslight Anthem erscheinen dieses Jahr mit dem neuen Werk „Get Hurt“ zurück auf den Bühnen der Welt. Ab August darf man sich davon überzeugen, ob sie die Ankündigung wahrmachen und ihr Stil komplett drehen. Erste Stimmen sprechen von einem sehr zugänglichen Album das weiter Richtung Pop driftet. Ich bin gespannt, das Artwork ist aber leider eher.. minimalistisch. Erste Singles und Pre-Order des Albums auf iTunes.

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Paris XY – die Dauergäste auf dem Blog – planen nächstes Jahr eine grössere Europatour sowie eine Album-Veröffentlichung. Um das benötigte Geld zu sammeln darf sie der Fan nun mit dem Kauf der EP003 unterstützen. Auf Bandcamp gibt es dazu die Möglichkeit gleich das tolle Paket mit EP auf CD und als Instant Download, T-Shirt, Wallpaper und dem exklusiven Download des neuen Songs „The Wytching Hour“ zu sichern. Los jetzt, für 15 Pfund gehört all dies und tanzvolle Stunden im Wohnzimmer euch.

Ebenfalls zu unterstützen sind Birdpen, ihr neues Album „In The Company of Imaginary Friends“ ist auf Pledgemusic erhätlich und wird auch im Herbst erscheinen. Die neuen Songs kann man als Download, CD oder Vinyl erstehen, natürlich mit vielen Bonusmöglichkeiten. Sofort nach Bezahlungseingang hat man zugleich die Möglichkeit den neuen Song „Inside Nowhere“ auf seinen mp3 Player zu laden uns voller Vorfreude durch die Strassen zu gehen.

Weiterhin freuen sich natürlich auch Moscow Mule über eure Teilnahme auf Wemakeit. Noch 6 Tagen bleiben der Band und den Fans das Geld zu mobilisieren, die 1000.- CHF sind erreicht, aber eine EP zu produzieren kostet Geld. Also mehr ist nie zu viel.

Jamie xx – Girl / Sleep Sound (2014)

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Jamie xx – Girl / Sleep Sound
Label: Young Turks, 2014
Format: 12inch Single
Links: Discogs, Künstler
Gerne: Post-Dubstep, Remix, Electronica

Jamie xx (bürgerlich Jamie Smith) ist der kreative Kopf hinter der Band The XX welche 2009 mit ihrem Debüt-Album weltweit Erfolge sammelten, momentan ist er aber vor allem durch seine Remixe und Produktionen bekannt. In unregelmässigen Abständen veröffentlicht er per Young Turks Singles mit eigenen Songs, dieses Jahr sticht besonders der Song Girl hervor. Als A Seite platziert startet das Lied mit einem tollen Basslauf und Beat, im Hintergrund rauschen die Melodien und Synthies, dazu gesellt sich die typisch gezupfte und verzerrte Gitarre. Der Rhythmus stolpert kurz über sich selbst, sirenenartige Klänge ertönen und das erste Gesangssample findet seinen Weg zwischen die Töne. Und immer wieder startet der grandiose Bass neu nach toll platzierten Breaks. Wie grossartig das Songwriting hier ist, bemerkt man spätestens nach dem dritten Mal hören. Das Lied wird immer intensiver, macht süchtig und lässt nicht mehr los. Jamie xx ist hiermit eine Grosstat gelungen die fast wie ein Fluch im Hinterkopf bleibt, zu lange Stunden ohne den Genuss des Songs bringen dich fast um den Verstand. Ohrgasmus pur, gegen Ende mit Chorgesang und viel Hall.

Die AA-Seite ist mit Sleep Sound nicht so perfekt, aber trotzdem Unmengen von Songs meilenweit voran. Hier wird mehr auf Melodienspielerei gesetzt, das Pluckern am Anfang streichelt mit Harfenklänge, bald kommt dazu der abgehackte Gesang. Bleibt er hier weiterhin im Beat betonten Genre wirkt der Song aber weniger wuchtig als Girl und driftet fast in Richtung Minimal-Tech ab. Der Kopf ist am nicken, der Fuss bewegt sich auf und ab, passt auch in die After Hour deines Lieblingsclubs. Mit über sechs Minuten lässt sich Jamie hier genügend Raum um alle Spuren komplett zu entfalten und den Beats ihre Wirkung zu geben.

Wieder einmal untermalt der Künstler mit dieser Doppel-A-Single sein Ausnahmetalent, hoffentlich folgt bald ein komplettes Album.

Sivert Høyem – Moon Landing (2009)

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Sivert Høyem – Moon Landing
Label: Hektor Grammofon, 2009
Format: Doppelvinyl im Gatefold
Links: Discogs, Musiker
Genre: Rock, Alternative, Blues

Wer die ehemalige Rockband Madrugada kennt braucht hier nicht viel zu lesen, ausser der Empfehlung das dritte Solobalbum von Sivert Hoyem zu bestellen und gleich zu hören. Wem der Musiker aus Norwegen kein Begriff ist sollte besser nicht gleich wegklicken, denn er verpasst eine der besten Sänger und einen grossartigen Musiker der Neuzeit. Seine Kunst ganz dem emotionalen Rock verschrieben, kreiert Sivert Hoyem seit Jahren grossartige Alben und Songs mit viel Gefühl und grossen Melodien.

Das Album „Moon Landing“ beginnt auch gleich mit einem wuchtigen Kracher, Beldorado kratzt an der Grenze zu neun Minuten und bietet gleich alle Register seines Könnens. Schwirrende Gitarren, viel Melodie, grossartige Gesangmelodien und eine Steigerung die sich im Refrain zu ungeahnter Grösse entlädt. Der Mann versteht das Handwerk und weiss genau welche Elemente wann eingesetzt werden müssen. Spürbar wird dies vor allem auf gesamter Albumlänge, welche hier mit 14 Songs bei der Vinyl-Version doch beachtlich ist, das Werk ist wie aus einem Guss und einzelne Songs will man nicht herauspicken und als Empfehlung weitergeben. Macht man aber schlussendlich doch, denn gerade Lieder wie Acadian Wives oder The Light That Falls Among The Trees sind göttlich. Ausfälle gibt es kaum, leider gefällt mir den Abschluss mit einer Version von The House Of The Rising Sun nicht. Seine eigenen Stücke müssen sich schliesslich nicht hinter solchen Kompositionen verstecken.

Musikalisch wird nebst Rock und Alternative auch viel Blues, etwas Americana und Folk reingepackt. Die Lieder können als laute Gitarrenstücke oder zärtlich gespielte Akkustiksongs auftreten, zusammengehalten wird alles von der unglaublich berührenden und fesselnden Stimme Hoyems. Sein tiefer und stimmungsvoller Ausdruck ist einmalig in der aktuellen Musikwelt und geht durch Mark und Bein. Mit Moon Landing ist ihm ein Meisterwerk gelungen und spielt sich somit selbst in die oberste Liga. Wer ihn nicht kennt sollte unbedingt reinhören, im Frühsommer ist soeben das neuste Album „Endless Love“ erschienen.

Anspieltipps:
Beldorado, Shadows/High Meseta, Arcadian Wives