Albumkritiken

Rezensionen von Platten, Scheiben, Alben.

us & sparkles – You Are About To Hack Time (2017)

Band: us & sparkles
Album: You Are About To Hack Time
Genre: Eelctronica / Pop / Downtempo

Label/Vertrieb: Radicalis
VÖ: 29. September 2017
Webseite: usandsparkles.com

Nach langen Tagen zwischen Hörsaal und Recherchearbeit braucht man in der Freizeit manchmal Musik, die wieder mehr Entspannung in den Alltag reinbringt. Dies dachten sich wohl auch die Zürcher Produzenten und ehemaligen Studenten Roland Vollenweider und Philip Cron, als sie ihr Projekt us & sparkles ins Leben gerufen haben. Seit 2014 ertüfteln sie zusammen Tracks, die zwischen leichter Electronica, lockerem Minimal und Downtempo den Alltag in eine Zwischenwelt transportieren. „You Are About To Hack Time“ macht genau dies und bestätigt den Titel.

Mit diesem neuen Album schaffen es die zwei Künstler nämlich, alle Uhren und Zeitanzeiger in Vergessenheit geraten zu lassen. Egal zu welcher Tageszeit man die neuen Tracks von us & sparkles geniesst, alles scheint sofort langsamer abzulaufen und weit in den Hintergrund zu treten. Gleich mit „Someone“ legt man sich genüsslich in einen Klangteppich und wird von der Sängerin Amire zugedeckt. Ihre Stimme ist eines der Hauptelemente von „You Are About To Hack Time“ und veredelt die Stücke zu leichten Pop-Momenten wie „We“ oder „Electric Soul“.

us & sparkles lassen sich trotz diesen Reizen aber nie auf das Spiel mit dem überladenen und einfältigen Radiopop ein, sondern lassen bei ihrem Melodien und Beats lieber die Leichtigkeit und akzentuierten Einzelklänge eine grosse Rolle spielen. „Fine Art“ darf wunderbar knistern und lässt die Synthies umhertanzen, „Never Ever“ landet im elektronischen Lo-Fi. Das ist immer wunderbar unaufgeregt, könnte für gewisse aber auch etwas langweilig anmuten. Diese halbe Stunde an kreativer Meditation täte heutzutage aber so einigen gut.

Anspieltipps:
We, Electric Soul, Never Ever

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Warhaus – Warhaus (2017)

Band: Warhaus
Album: Warhaus
Genre: Indie / Jazz

Label/Vertrieb: Play It Again Sam
VÖ: 13. Oktober 2017
Webseite: warhausmusic.com

Ein Indie-Popper als Crooner, eine Gruppe von Musikern, die sich als Jazzkombo tarnt, ein Nebenprojekt, das plötzlich grösser wird als die Hauptband – ja, Maarten Devoldere kennt sich aus mit Fassaden und aufgehübschten Halbwahrheiten. Dass er aber mit seinem zweiten Warhaus-Album gleich beweist, dass die Welt sich immer wieder von Schmerz und Schock erholen kann, das verwundert doch etwas. Denn „Warhaus“ zementiert die Stellung dieses Balthazar-Nebenprojektes als Leonard Cohen der neuen Generation.

Die zweite und bereits ein Jahr nach dem Debüt erscheinende Platte handelt im Grunde von einem plumpen Thema: Sex und was die Menschen dafür alles anstellen. Es ist aber Devolderes Talent als Songschreiber und Dichter zu verdanken, dass Warhaus nie als Truppe der billigen Künste dastehen. Bereits mit „Love’s A Stranger“ wird klargestellt: Hier spielen Erotik und langsamer Jazz die Schattenrollen der stilvollen Nachtclubs. Gemächlich schunkeln die Takte, Gitarre und Bass ordnen sich oft dem Rhythmus unter. Und dazu natürlich der Gesang.

Warhaus lebt stark vom gewaltigen Ausdruck der tiefen Stimme von Maarten Devoldere und seinem Gegenstück, Partnerin und Verlockung Sylvie Kreusch. Gemeinsam zirkeln sie durch Perlen wie „Dangerous“ oder „Fall In Love With Me“, geben sich verrucht und dandyhaft. Es ist ein Spiel mit den Rollen, ein romantisches Jonglieren mit Liebe und Anziehung, ein Album, das so junge Musiker eigentlich gar nicht schreiben dürften. Somit ist „Warhaus“ das wohl attraktivste Werk in diesem Jahr und ein Befreiungsschlag für die Beteiligten und die Indiemusik.

Anspieltipps:
Love’s A Stranger, Well Well, Dangerous

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

I Made You A Tape – Proud And Young (2017)

I Made You A Tape – Proud And Young
Label: BlauBlau, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Post-Punk, Indie

Verloren im Überfluss, im digitalen Wahnsinn, in der Generation, die für praktisch nichts zu kämpfen braucht. Es macht schon Sinn, erscheint der erste Kinofilm von Juri Steinhart „Lasst die Alten sterben“ in zeitnaher Umgebung zum ersten Album der Berner Gruppe I Made You A Tape. Denn auf „Proud And Young“ geht es nicht um das Feiern der Jugend und der erbrachten Leistungen, sondern viel eher wird eine düstere Bestandesaufnahme gezeigt und die verzettelte Seele musikalisch nach aussen gekehrt. Post-Wave-Punk für Verlorene also? Nicht ganz.

Denn I Made You A Tape lassen in ihren Songs die Stimmung nie ins Depressive kippen, sondern finden mit Instrumente wie dem Synthie oder abenteuerlichen Schlagzeugmuster neue Wege, „Proud And Young“ glücklich klingen zu lassen. Die Gitarren legen sich in den Hall, die dreckigen Punk-Discos machen die Tore auf. Wenn Sibill Urweider im Titelstück dazu ihre überlegten Sätze singt, dann packt einem die Musik extrem. So ist es auch nicht einfach, sich nach diesem wuchtigen Beginn wieder zu fangen. Lieder wie „Tigress“ oder das punkige „One-Way Mirror“ bieten einem aber die helfende Hand.

„There Is So Much Light In Her Eyes“, emotional und ausdrucksstark nimmt die Musik von I Made You A Tape gefangen. Das Quartett bietet damit nicht nur eine Momentaufnahme der jüngeren Menschen und ihren inneren Konflikten, sondern auch eine Basis für Veränderung und Weiterentwicklung. Doch wenn man sich Ende von „Lasst die Alten sterben“ mit den Figuren nur einmal tiefer in die Spirale geschraubt hat, so fühlt man sich nach „Proud And Young“ geläutert und gestärkt. Die verträumten Kinder von Sperma / Liliput / Kleenex also?

Anspieltipps:
Chlorine, Proud And Young, Tigress

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Wolf Parade – Cry Cry Cry (2017)

Band: Wolf Parade
Album: Cry Cry Cry
Genre: Alternative Rock / Indie

Label/Vertrieb: Sub Pop
VÖ: 6. Oktober 2017
Webseite: wolfparade.com

Es hält dann schon irgendwie, nur richtig zuschnüren und daran glauben. So könnte der Leitsatz für das vierte Album der kanadischen Indie-Rock-Band Wolf Parade lauten – wenn man das Covermotiv betrachtet. Glücklicherweise sind die Lieder auf diesem Langspieler aber nicht zufällig entstandene Konstruktionen, sondern wunderbar ausgewogene und durchdachte Stücke, die schmissigen Indie mit leicht psychedelischem Alternative Rock kombinieren. Und genügend Zeit hatten die Musiker, vergingen doch ganze sechs Jahre seit dem letzten Werk.

In der Rockwelt reichen so viele Monate und Tage eigentlich aus, um eine Band komplett in Vergessenheit geraten zu lassen. Wolf Parade aus Montreal lauerten aber immer in den Hinterköpfen der Fans, nun endlich wird das Warten entlohnt. „Cry Cry Cry“ ist weniger ein Schrei, sondern vielmehr ein hymnischer Vortrag und Beweis, dass diese Künstler immer noch mit dem Geschäft mithalten können. Auch wenn sich die Platte zu Beginn eher mit knackigen und dem Pop angenäherten Songs beschäftigt, gleitet spätestens bei „Baby Blue“ der Klang in eine Mischung aus Franz Ferdinand und Black Mountain.

Wolf Parade fügen ihrer Musik also prisenweise Einflüsse und Einfälle hinzu – seien es euphorische Bläser, eine extrovertierte Stimmung bei „Who Are Ya“ nahe an Sparks oder San Francisco-angelehnte Psychedelic: In „Cry Cry Cry“ vermengt sich alles überraschend. Vielleicht hätte man bei dieser Scheibe eher etwas mehr harte Gitarren und Riffs für die Mädels mit den dunklen Jacken gewünscht, aber diese bunte Art, Musik in immer wieder neue Gebiete zu führen, gefällt sehr. Schön, sind die Wölfe wieder da und schön, zieren sie ihre Paraden weiterhin mit allen Kniffen der Dekoration.

Anspieltipps:
Valley Boy, Baby Blue, Am I An Alien Here

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Fret – Over Depth (2017)

Band: Fret
Album: Over Depth
Genre: Techno / Noise

Label/Vertrieb: Karlrecords
VÖ: 13. Oktober 2017
Webseite: mickharrisofficial.com

Wenn es ein Album gibt, das man in diesem Monat besser nicht nach einem harten Arbeitstag hören sollte, dann ist es „Over Depth“. Denn ganz egal, wie leise man diese Scheibe rotieren lässt, der Sound von Fret ist immer prägnant, immer da und immer laut aufwühlend. Dies ist aber gut so, denn der Techno macht nicht nur Laune, sondern stellt auch die Rückkehr des Musikers Mick Harris in die weite Welt der klanglichen Kunst dar. Sechs Jahre nach seinem vorläufigen Abschied gibt es erneut Gehirnschmelzendes vom ehemaligen Napalm Death-Drummer.

Kein Wunder also, bauen die Tracks vor allem auf den knallharten Beats und perkussiven Lautmalereien auf. Ob das eröffnende und direkte „Lift Method“, das psychedelisch kreischende „Murderous Weight“ oder der unermüdliche Stampfer „B14“ – hier regieren die Takte, die Stanzpressen, die aggressiven Fingerzeige. Fret schert sich wenig um packende Melodien oder erlösende Übergänge, hier wird die Noise-Electronica durch den Berghain-Apparat gelassen. Gerne erinnert die Musik dabei an Szenegrössen wie Marcel Dettmann und ruht in keiner Sekunde.

„Over Depth“ wirkt nicht selten wie ein Rundgang durch die unendliche Werkstatt des futuristischen Stahlbetriebes oder wie eine ausserirdische Maschine. Trotzdem versprüht die Musik von Fret eine dreckige und ölverschmierte Erotik, die perfekt lange Nächte im Club zu handlichen Portionen zerkleinert. Hinter der kalten Oberfläche lauern rauschende und intensive Synthieflächen, zusammen stehen die Elemente für eines: Weltherrschaft mit Kickdrum.

Anspieltipps:
Lift Method, Murderous Weight, B14

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Underskin – Use Me (2017)

Band: Underskin
Single: Use Me
Genre: Rock

Label/Vertrieb: Get The Rec
VÖ: 1. September 2017
Webseite: underskinband.com

Es ist scheinbar doch nicht alles schlecht, was Casting-Shows entspringt. Denn nachdem Andrina Travers mit ihrer Pop-Karriere gebrochen hatte, war ihre Anstellung bei The Voice Of Germany wieder eine kurze Versöhnung und eine Pause von ihrer neuen Band Underskin. Doch jetzt ist das Rock-Trio aus Zürich mit neuer Energie und neuem Klang zurück.

„Use Me“ heisst das neue Lebenszeichen und handelt textlich von Angststörungen und Missbrauch – kein einfacher, aber umso wichtiger Inhalt. Frontfrau Travers nutzt das Lied zum ausdrucksstarken Gesang und der Verarbeitung eigener Rückschläge der letzten Monate. Unterstützt wird sie dabei von einem modernen und sehr kühlen Sound. Gitarrenriffs und Basslauf vermengen sich mit Keyboard-Akkorde und transportieren den Rock von Underskin somit in neue frische Zukunft.

Das Trio vergisst dabei in dem Song die Eingängigkeit nicht und findet den spannenden Weg zwischen Härte und emotionalem Ausdruck. Sicherlich, ein Lied ist etwas wenig, um die Zukunft von Underskin zu prophezeien – wenn der Schwung von „Use Me“ aber weitergetragen werden kann, dann stehen uns bestimmt noch viele tolle Songs bevor.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

BRNS – Sugar High (2017)

BRNS – Sugar High
Label: Yotanka, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Indie, Art-Rock

Wer sich schon einmal von der belgischen Indie-Rock-Band BRNS die Gedanken und den Kopf an einem Konzert hat verdrehen lassen, der weiss, bei ihren Songs lauert hinter der scheinbaren Pop-Fassade eine komplexe Maschinerie. Zwar hält das Trio die Fahne der hübschen und leichten Musik weit nach oben, wirft aber mit jedem Takt weitere Rhythmuswechsel, merkwürdige Tonlagen und seltsam eingesetzte Instrumente in das Geschehen. So entpuppt sich auch das zweite vollwertige Studioalbum mit dem Namen „Sugar High“ als vielfältig und nicht linear.

Beste Beispiele für diese Vorgehensweise sind Lieder wie „Sarah“ oder „Sunday Afternoon“, die eigentlich liebliche Harmonien, Gesangsformen und tolle Keyboards anbieten – aber immer etwas neben der Spur wirken und die Struktur niemals im reinen Strophe-Refrain-Format halten. Was bei den einen als typische Studentenmusik gilt, das wird bei BRNS zu einer vergnüglichen Entdeckungsreise. Die Entfaltung zum Hit geschieht manchmal langsam („Ishtar“) oder benötigt nur wenige Töne wie bei „The Rumor“ – am Ende ist das Ergebnis aber immer anders, als zuerst vermutet. Und wenn der wirkungsvolle Psychedelic-Track „So Close“ das Album schliesst, dann fliegt man definitiv davon.

BRNS nehmen ihre Musik nicht bitterernst, das merkt man nicht nur an den gewählten Tonhöhen sondern auch an dem Gesang. So klingt es bei „The Missing“ etwa fast frech nasal, dann wieder scheinen sich die Stimmen gegenseitig den Platz streitig zu machen. Aber genau diese humorvolle und unverkrampfte Art mit dem kunstvollen Indie umzugehen macht das Album locker. Leider hält das Hochgefühl wie nach übermässigem Zuckerkonsum nicht für ewig an, während „Sugar High“ rotiert ist die Scheibe aber wunderbar anders.

Anspieltipps:
Ishtar, Encounter, So Close

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Egopusher – Blood Red (2017)

Egopusher – Blood Red
Vertrieb: Irascible, 2017
Format: CD
Links: Facebook, Band
Genre: Indie, Electronica, Techno

Diesem Duo gebührt grossen Respekt. Denn Tobias Preisig und Alessandro Giannelli haben es nicht nur geschafft, die selten gehörte Kombination aus Geige und Schlagzeug zu einer neuen Sternstunde zu bringen, sondern auch zwischen Auftritte in Berlin, Schweiz und China endlich ein Album zu schreiben. „Blood Red“ heisst das erste, vollwertige Kind von Egopusher und verbindet nicht nur alle angesprochene Welten auf wundervolle Weise, sondern eröffnet ein neues und aufregendes Kapitel der Bandgeschichte.

Die Besetzung als Duo kann oft zu Musik führen, die dem schlummernden Potential nicht gerecht wird. Bei Egopusher passiert zum Glück das Gegenteil: Giannelli und Preisig treiben sich gegenseitig zu neuen Höchstleistungen und wissen kongenial, ihre Instrumente zu ergänzen. Wenn sich die Geigen leidenschaftlich und emotional im Hintergrund halten, wird ein perkussiver Teppich gelegt. Wenn sich die Beats laut durch die Zimmer toben, dann jaulen die Seiten und treiben die Musik an. Dank Synthiespuren, Basspedalen und Electro-Drum erhalten Stücke wie „Jennifer (William Part II)“ eine unglaubliche Tiefe und Dynamik.

Immer instrumental gehalten und eine geschmacksreiche Mischung zwischen modernem Techno und kunstvollem Indie, zaubern Stücke wie „Flake“ oder „Blood Red“ ein Lachen auf die Lippen der Hörer und laden zum Tanz ein. Man spürt in der Musik von Egopusher somit nicht nur die grossen Talente des Duos, sondern auch die Einflüsse ihrer Reisen. Ob das Deutsche Nachtleben oder die Nachdenklichkeit der einsamen Stunden auf Achse – hier vermengen sich Stimmung und Ausdruck perfekt.

Anspieltipps:
Flake, Jennifer (William Part II), Blood Red

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

LCD Soundsystem – American Dream (2017)

Band: LCD Soundsystem
Album: American Dream
Genre: Indie / Electro / Rock

Label/Vertrieb: DFA / Columbia
VÖ: 1. September 2017
Webseite: lcdsoundsystem.com

Ja, es ist verdammt noch mal ein Traum, dass LCD Soundsystem wieder Musik veröffentlichen! Nachdem sich die Truppe um James Murphy 2011 nach drei Studioalben und frenetisch gefeierten Tourneen auflöste, war die Welt nicht mehr dieselbe. Es fehlte dieser energetische Indie-Dance, diese Lieder, die so lange zappelten, bis sie entweder von der Polizei abgeführt oder zum besten Song aller Zeiten erklärt wurden. Und jetzt endlich darf man wieder zu neuen Kompositionen die Tanzfläche besteigen. Vorhang auf für die Neuerfindung des „American Dream“.

Und es braucht nur wenige Takte, bis man wieder im alten Gefühl drin ist. Erneut dreht sich bei LCD Soundsystem nämlich alles um die langsame Verführung, die unmerkliche Steigerung der Emotionen bis zur explodierenden Dichte – und die trotzdem hochgehaltene Lakonie. Murphy lässt seine Mitmusiker Instrumente und Melodien schichtweise in die Höhe treiben, Stücke wie „How Do You Sleep?“ machen erst nach einigen Minuten wirklich Sinn (andere wie „Tonite“ sind dafür von Beginn an Hits). Aber genau ab diesem entscheidenden Takt werden sie zu genialen Kunstwerken, zu den besten Gründen für eine schlaflose Nacht.

Ob sich auf „American Dream“ nun Indie-Krautrock, Disco-Pop oder IDM-Funk mit Kuhglocke treffen, LCD Soundsystem waren schon immer ein Kollektiv, das sich ein eigenes Genre erschaffen hatte. Diese Tradition der ureigenen, aber immer etwas anderen Tracks wird auch mit dem vierten Album grossartig weitergeführt. 15 Jahre nach der ursprünglichen Gründung ist die Band also immer noch relevant, wegweisend und wichtig für den seelischen Zustand der USA und ja, auch der gesamten Welt.

Anspieltipps:
Change Yr Mind, Call The Police, Emotional Haircut

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

KMFDM – Hell Yeah (2017)

Band: KMFDM
Album: Hell Yeah
Genre: Industrial / Techno

Label/Vertrieb: earMUSIC
VÖ: 18. August 2017
Webseite: kmfdm.net

„Hell Yeah“, ein Ausruf, den man beim Anhören vom neusten KMFDM-Album immer wieder aus seiner Kehle lassen möchte. Nicht nur hat es die Truppe bereits zum 20. Mal geschafft, treibende und anregende Musik zu produzieren, sondern greift auch weiterhin mitreissend in die Schachtel der System- und Gesellschaftskritik. Dass diese Phrasen meist direkt und mit wenig Fingerspitzengefühl in die Stücke eingewebt werden, das passt schlussendlich perfekt zu der dreckigen Mischung aus Industrial und Proto-Techno. Hamburg ist wieder an der Spitze!

Dank dem Vorboten „YEAH !“ sind die ersten Tracks „Hell Yeah“ und „Freak Flag“ bereits bekannt, der Rest dieses neuen und nach drei Jahren endlich erschienenen Werkes setzt die bekannte Gangart von KMFDM natürlich ohne Zögern fort. Hier gibt es gnadenlos einschlagende EBM-Beats, wild verzerrte Dance-Synthies und rostige Industrial-Takte. Eigentlich eine Soundmischung, die neben bestimmten Szenen für keine grosse Jubelschreie mehr sorgen würde, wäre sie nur nicht so unwiderstehlich. Ob aktuell und frech pointiert wie bei „Fake News“ oder herrlich aufwühlend wie bei „Total State Machine“ – diese Auflehnung macht Spass und stachelt an.

Zwischen heavy Samples, abstrakten Drummachines und herrlichem Schrei-Gesang von Lucia Cifarelli groovt sich Bandleader Sascha Konietzko also auch 2017 gekonnt durch seine eigenhändig geformte Stilrichtung. Ein Werk von KMFDM bleibt was es sein sollte, ein wuchtiges, direktes und nie zähmbares Ding zwischen Parole, Revolution und Party. Dank erneutem Design von Aidan Hughes zeigt „Hell Yeah“ dies auch gleich mit seinem Cover und führt die Bandgeschichte somit als perfektes Paket weiter.

Anspieltipps:
Total State Machine, Fake News, Burning Brain

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.