Monat: Juni 2014

Moving On Up – Musik am neuen Ort

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Zur Zeit ist es an der Blogfront ruhiger geworden, dies hat den einfachen Grund des Wohnungswechsel. Seit diesem Samstag bewohne ich meine eigenen vier Wände in Zofingen und war gedanklich und körperlich total vom Umzug und all den anstehenden Arbeiten absorbiert. Daraus resultiernd musste ich auch all meine Vinyl-Scheiben verpacken und transportieren. Musik hören, betrachten und beschreiben wurde sehr schwierig. Nun ist aber alles am neuen Ort und muss „nur“ noch eingeräumt werden.

Wie es sich für einen Musiknarren aber gehört, wurde als erste (oder fast erste) Amtshandlung die Stereoanlage im neuen Wohnzimmer aufgebaut und eine Scheibe aufgelegt. Die Wahl hier wurde eher durch Zufall gesteuert, denn der sich in Griffnähe befindende Sack war der mit X-Z, angelacht hat mich „Gil Scott-Heron and Jamie xx – We’re New Here“. Das wunderbare Remix Album hat aus der Veröffentlichung „I’m New Here“ von Scott-Heron ein grandioses Dance-Rap-Dubstep geformt, gerade Tracks wie „I’ll Take Care Of U“ einfach nur grossartig. Das Album begeistert mich immer wieder und wird nie langweilig, ein gelungener Einstand.

Welche Musik beim Putzen der alten Wohnung hilft ist dann ein anderes Thema und hier gehts bald wie gewohnt weiter.

Anathema – Distant Satellites (2014)

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Anathema – Distant Satellites
Label: Kscope, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, Booklet und Downloadcode
Links: Discogs, Band
Format: Art-Rock, Prog, epische Melancholie

Angekündigt wurde es damals bei der Veröffentlichung von „We’re Here Because We’re Here“ gleich selbst, die Band sei noch nicht auf ihrem Höhepunkt angelangt und werde ihre Musik noch weiter steigern. Das schien damals fast unmöglich, war das 2010 veröffentlichte Album ein Meilenstein in ihrem Katalog. Zwei Jahre später erschien „Weather Systems“ und konnte dieses versprechen nur halb einlösen. Sicherlich wurde die Musik differenzierter und bot grossartige Songs, aber das gewisse Etwas schien zu fehlen. Wieder zwei Jahre später stehen wir im Jetzt und die Gruppe um die Cavanagh Brüder macht ihre Aussage wahr: „Distant Satellites“ ist ein Meisterwerk des modernen Art-Rock, voller grandioser Anathema-Momente.

Eröffnet wird das Album mit „The Lost Song“ und bietet gleich mal eine willkommene Rückkehr der treibenden und stark groovenden Schlagzeugbeats, sich immer steigernder Spannung und Gänsehaut erzeugende Passagen. Die Band merkte nach den letzten Veröffentlichungen selber, dass ihre Musik langsam zu sanft wurde. Jetzt wird Gegensteuer gegeben und gleich mit zwei Schlagzeuger aufgewartet, dies bringt eine neue Ebene von ergänzendem Boden meist in der Mischung von Schlagzeug und E-Drums oder programmierten Beats. Wie grossartig dies funktioniert ist im Lied „Distant Satellites“ zu hören. Nachdem sich hier alles über mehrere Minuten ruhig aufbaut und elektronisch untermalt wird, brechen die Strukturen komplett zusammen nur um mit verschachtelten Rhythmen wieder aufzuleben und dank Gesang und Gitarre vom Musikgott umarmt zu werden. Dabei vergisst die Band aber nie welche Zutaten ihre Musik so grossartig macht. Wie immer bleiben sie im Bereich wunderschön und zugleich todtraurig. Als Hörer könnte man bei jedem Lied weinen, entweder weil die Band schon wieder solch grandios schöne Melodien geschrieben hat oder weil einen die Melancholie total erschüttert.

Passend dazu gestaltet sich auch das Artwork mit den Kunstbilder von erdachten Sternen im All. Man schwebt im luftleeren Raum, die Musik geht direkt ins Herz und bewirkt intensive Emotionen. Man höre nur mal das unglaubliche „Anathema“ mit seinen Textzeilen wie „But we laughed, we cried, we fought, and we tried, and we failed but i loved you“ dargeboten von der unvergleichlichen Stimme Vincent Cavanaghs, Emotion pur. Wer Anathema bis jetzt mochte wird sie neu lieben, wer sie noch nicht kannte aber gerne Art-Rock mit viel Gefühl und Melancholie hört muss unbedingt reinhören. Jetzt schon eines der besten Alben in diesem Jahr.

Anspieltipps:
The Lost Song (Part 1), Anathema, Distant Satellites

Smoke Fairies – Smoke Fairies (2014)

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Smoke Fairies – Smoke Fairies
Label: Full Time Hobby, 2014
Format: Vinyl im Gatefold, Downloadcode und Text-Booklet
Links: Discogs, Band
Genre: Dream-Pop, Folk, Rock

Träumen beim Musikhören, wer macht dies nicht und wie oft ist es schon ungewollt passiert. Wenn die Musik nun als Dream-Pop betitelt wird, sollte jedem klar sein das er hier davon schweben kann. Umso enttäuschender ist es dann, wenn die Lieder nicht packen und die Musik eher belanglos dahinplätschert. Smoke Fairies, das Duo bestehend aus Katherine Blamire und Jessica Davies, passiert leider auf dem vierten Album beides. Gestartet wird mit „We’ve Seen Birds“ sehr geschmackvoll und fröhlich, es ist ein wirklich toller Popsong der mit dem zweistimmigen Gesang und der verrauschten Stimmung. Mir gefällt es aber besser, wenn die Musik ins Düstere abdriftet und wie durch Nebel gespielt erscheint. Das wird ab dem zweiten Song eingelöst, tanzen will man nicht mehr aber geniessen.

Der Genuss wird aber immer wieder getrübt, denn die Band schafft es nicht auf der gesamten Länge interessant zu bleiben und zu fesseln. Dies ist sehr schade, denn die Damen wissen wie man tolle Songs schreibt. Hört euch mal „Waiting For Something To Begin“ an, das Lied bietet gelungenes Songwriting, Gesang der an Kate Bush erinnert und wunderbar sanfte Instrumentierung. Diese dadurch erzeugte Spannung zieht sich besonders im ersten Drittel des Albums durch, wabernde Rauchschwaden durchzogen von Flutlichtern, Orgelklänge und grummelnde Bassläufe, verzerrte Gitarren und gehauchter Gesang. Aber danach: Nichts neues, nichts Überraschendes.

Man muss sich also an Songs wie „Hope Is Religion“ klammern um das Werk zu geniessen. Hier werden grossartige Refrains hervorgezaubert und man schliesst genüsslich die Augen. Leider wird es aber vielen so gehen wie mir: Zu Beginn landet die Scheibe noch regelmässig auf dem Plattenspieler, man hofft das Album bietet versteckte Qualitäten. Aber dann werden die Durchläufe weniger und weniger, mit der Zeit erinnert man sich vielleicht noch an einzelne Lieder und danach verschwindet die Platte zwischen vielen anderen. Hoffentlich wird das nächste Album gelungener, denn sie wissen wie, nur an der Qualitätskontrolle scheint es zu scheitern.

Anspieltipps:
We’ve Seen Birds, Hope Is Religion, Waiting For Something To Begin

Live: Angus & Julia Stone, Kofmehl Solothurn 14-06-16

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Angus & Julia Stone
Montag 16.06.2014
Kofmehl, Solothurn

Es muss nicht immer krachend und markerschütternd sein, besonders in einem Monat voller lauten Public-Viewing Zonen, Siegesfeiern und Torschreie. Das dachte nicht nur ich sondern so viele Leute, dass das Kofmehl in Solothurn schnell ausverkauft war. Angus und Julia Stone dem Geschwisterpaar aus Australien eilt ein guter Ruf voraus und ihre Musik begeistert die Menschen auf der ganzen Welt. Ihre einzige Clubshow in der Schweiz war dieses Jahr eine zweistündige Reise in verträumte Weiten und schützende Arme.

Durch ihren größten Hit „Big Jet Plane“ wurden sie vor noch nicht all zu langer Zeit in die Stratosphäre katapultiert, stellen aber weiterhin ein sympathisches Auftreten unter Beweis wie selten eine Band. Zwischen den Songs wurde mit den Zuschauer geplaudert (natürlich über die Fussball-WM, aber auch über Solothurn oder Brüsten in Musikvideos), Witze gerissen, Liedanfänge verhauen und kalauert. Gerne würde man mit den Zwei noch ein paar trinken gehen und lockere Gespräche führen. Aber auch die Songs stellen zufrieden, ist ihre Musik doch eine federleichte Mischung aus Folk, Gitarre und Pop. Erstaunlich dabei die Grösse der Klänge, denn obwohl viele Melodien nur angespielt und mit sanften Akkorden ergänzt werden erreichen die Stücke meterhoch entfernte Ebenen. Besonders in den hochharmonischen Refrains öffnen sich die Melodien und mit geschlossenen Augen schwebt man der Decke entgegen.

Unterstützt wurden die beiden Stones von einer vierköpfigen Begleitband welche den Sound noch mächtiger und druckvoller gestaltete. Dies tat der Musik gut, ist diese ab Konserve schon mehr als gelungen aber schliesslich doch sehr reduziert. Mir gefällt es immer noch besser, wenn mehr als eine Gitarre spielt und etwas läuft. Und wie sich hier die Saitenklänge umeinander schmiegten, sich die Stimmen aneinander lehnten und das Schlagzeug immer wieder Druck rein brachte war meisterhaft. Die Show war dem Ganzen ebenfalls angemessen mit angenehmen Lichteffekten, einem romantischen LED-Sternenbackdrop oder Lampeninstallationen direkt aus der Hippiezeit. Angus und Julia Stone präsentieren ein traumhaftes Komplettpaket das zwei Stunden wie fünf Minuten erscheinen lässt.

Moscow Mule – Nahezu explodierend

Moscow Mule

https://www.facebook.com/moscmule – Noch mit ehemaligem Mitglied Eliane.

Band:
Man nehme Feuerwasser, saure Reaktionen und kantige Kälte; voilà der Drink Moscow Mule ist fertig. Bei der jungen Band aus Zofingen und Umgebung verhält es sich ähnlich. Ihre musikalische Mischung aus Post-Punk / dunklem Rock ist druckvoll, brodelnd und teilweise auch kühl. Ihre Lieder verschmelzen diverse Stilrichtungen und es entsteht ein Amalgam das wie Feuer in dein Kopf steigt. Jederzeit droht es auszubrechen und man hört schon fast wie die Zündschnur brennt.

Bis jetzt konnte man die Musik der zwei Frauen und einem Mann nur live erleben. Das ist aber kein Nachteil, umgarnen das variantenreich Gitarrenspiel, der groovende Bass und die Stimmen von Désirée Graber und Cheryl Kubin die Zuhörer. Als Unterstützung spielt Luca Marti abwechslungsreiche und fordernde Schlagzeugrhythmen bis einem der Kopf dreht.  Die Musik von Moscow Mule ist nicht unbedingt einfach und oft sehr experimentell, verschließt sich aber auch nicht vor den Zuschauern. Wer will schon langweiligen Klängen lauschen die man immer wieder hört? Die Band belohnen den Zuhörer mit spannenden Wendungen, diffenzierte Songteilen und dem zweistimmigen, teilweise dissonanten Gesang der Frauen. Der Stil erinnert an Satz- / Sprechgsang und macht somit der rauhen Musik keine Konkurrenz. Stimmen in dem Stil gibt es viel zu selten in der Musikwelt, gerade in den eher kleinen Kreise des experimentellen Post-Punk.

Musik:
Die Lieder starten oft gemächlich, geben aber schon früh Hinweise auf die Steigerung. Dabei wird die Gitarre härter, das Schlagzeug wilder, eine Wand entsteht; nur um alsbald wieder einzustürzen. Musikalisch ist dies hochinteressant und fesselnd.
Aktuell arbeitet die Band an Aufnahmen und plant die Veröffentlichung ihrer ersten EP. Somit ist es auch bald möglich die Lieder der Zofinger zu Hause im Wohnzimmer anzuhören. Ihr könnt sie dabei unterstützen, denn mit dem Crowd-Funding-Projekt auf Wemakeit habt ihr die Möglichkeit der Band Geld zu spenden, die CD vorzubestellen und witzige Bonusbelohnungen zu sichern wie Gitarrenstunden, gemeinsames Jogging, Kuchenbacken oder gemeinsames grillieren. Die benötigten 1000.- werden somit wohl in kurzer Zeit erfüllt werden. Getauft wird die EP dann am 01.11.2014 im Alass in Zofingen.

Ihr wollt noch mehr Unterstützung leisten? Machbar, denn im ganzen Monat Juli werden von jedem im Ochsen Zofingen verkauften Moscow Mule mehrere Franken an die Band gespendet.

Film:
Ebenfalls brandneu im Bandkosmos ist das Bandportrait in Videoform, gedreht von Celia Toast und Mirjam Ramseier.  Das toll gemachte Video begleitet die Band im Proberaum, auf Konzerten und bringt Antworten auf noch offene Fragen.

Live:
Das nächste Mal könnt ihr die Band im ABS in Zürich erleben und zwar diesen Freitag 20.06.2014. Infos zu diesem Konzert hier.

But we can’t choose how we’re made – Playlist 5//14

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Part 5//14 – But we can’t choose how we’re made
Mai 2014

01 Jonathan Wilson – Fanfare
(Fanfare, 2013)

Als Album-Eröffnungslied perfekt funktionierend muss es auch hier auf dem Platz Nummer Eins stehen. Der sanfte Beginn lässt dich näher heran rücken, dann erklingt das Piano, kumuliert sich schnell mit Schlagzeug, Streicher und Effekten. Kurz bevor der Kitsch überhand nimmt gesellt sich Jonathan mit seiner sanften, etwas brüchigen Stimme dazu und vollendet das Lied „uuh let me love you“. Und noch so gerne gibt man all seine ganze Liebe den restlichen vier Minuten, denn das so leise gestartete Lied wird zu einem Orkan der Gefühle und Hippiemusik inklusive Saxophon. Grossartig.

02 Southerner – Kingdom Come
(A Song For Old Songs, 2014)

Kennen gelernt durch Noisetrade überzeugte mich die EP von Southerner auf Anhieb. Ganz sanfter Post-Rock mit viel Melancholie der gegen Ende mit wunderbaren Gitarren aufwartet. Nicht unbedingt die Musik für einen WM-Sommer (trotz Chorgesang), aber wenn es wieder mal regnet oder die Lieblingsmannschaft ausscheidet findet man hier Trost.

03 Starkus Meiner – Father And Son
(Time For Little Pieces And Catchy Melodies, 2014)

Mundart-Musik aus Zofingen, hier auf dem Blog auch schon vorgestellt, ist eine Seltenheit. Starkus Meiner hat mit seinem Debüt und für mich besonders mit diesem Song wunderbare Kleinode aus dem alltäglichen Leben von Familie, Freundschaft und Kultur geschaffen. Dieses Lied zeigt das zerbrechliche Gerüst das Vater und Sohn verbindet oder ebenso schnell trennt. Geniesst die gemeinsame Zeit.

04 David Bowie – The Stars (Are Out Tonight)
(The Next Day, 2013)

Lange habe ich das neue Album unangetastet gelassen, trotz den allgemeinen Lobhudeleien. Dank der Medienabteilung in der städtischen Bibliothek fand Herr Bowie doch noch den Weg zu mir ins Wohnzimmer. Und siehe da: Das Album ist wirklich super, besonders spassig unter Anderen der Song „The Stars (Are Out Tonight)“ das ganz klar mit dem Charme der „Heathen“-Ära spielt und klassischen Bowie-Gesang mit schrägen Gitarren-Akkorden und Keyboard-Geplinker verbinden. Funktioniert.

05 Lily Allen – Hard Out Here
(Sheezus, 2014)

Aaaaah Stilbruch, aber I don’t care denn Lily hatte schon immer ein Teil meines Herzens gewonnen. Ihre fröhliche Musik mit den angriffigen Texten ist intelligent und macht Spass. Hard Out Here war der Vorbote des neuen Albums und funktioniert gewohnt wie ihre alten Hits. Eingängige Melodien mit geschlagenen Piano-Akkorden, steriler Beat und ihre hüpfende Stimme. Schade hat sie schon einen Mann. 😉

06 The Intersphere – Out Of Phase
(Relations In The Unseen, 2014)

Ihr Album hat mich nach einigen Durchläufen total umgehauen, sehr schnell blieb aber Out Of Phase hängen. Das Lied ist nicht nur ein spannend geschriebenes Stück Alternative Rock mit grossen Gesten, sondern weiss genau das Mehr nie Genug ist. Schichtet doch noch ein paar Spuren mehr darüber. Gitarren gibt es nie genug, dann brauchen wir noch Streicher und Effekte und tiefe Synthiebässe und und und. Ein Monster der Studiotechnik, trotz allem aber immer noch grossartiges Songwriting.

07 Against Me! – Talking Transgender Dysphoria Blues
(Transgender Dysphoria Blues, 2014)

In der Albumkritik bin ich schon auf das Thema Transgender eingegangen, verständlicherweise handelt auch der Titelsong des Album davon. Mit intelligenten Textzeilen wie „You want them to notice, / The ragged ends of your summer dress. / You want them to see you /Like they see every other girl. / They just see a faggot. / They’ll hold their breath not to catch the sick.“ wird die Problematik gut angesprochen und musikalisch in der typischen Alternative-Punk-Rock Mischung von Against Me!

08 Die! Die! Die! – Changeman
(Harmony, 2012)

Wild zappelndes Lied, wie ein frisch gefangener Fisch im Netz, die Instrumente wollen zeitgleich in alle Richtungen ausbrechen und wegfliegen. Doch der Gesang pack alle am Hals und hält sie zusammen. Besonders der Refrain wird zum Fixpunkt und bellt lauter „Changeman“ durch die Gegend. Typisches Lied von Die! Die! Die!, typisch gut.

09 EMA – Cthulu
(The Future’s Void, 2014)

Bleiben wir düster in der Grundstimmung, werfen neu aber eine verzweifelte Frauenstimme in den Topf. EMA malt auf ihrem neuen Album mit den Songs wie „Cthulu“ ein pessimistisches Bild der aktuellen Lage auf unserem Planeten. Es handelt sich hier um eine Frau die sich nicht zurecht findet, sich verbessern möchte und das Leben neu gestalten will. Einfacher gesagt als gemacht, besonders wenn die Umgebung von kratzenden Beats und Gitarren bestimmt wird, Industrial-Electro-Punk könnte man wohl sagen.

10 Paris XY – Panic Attack
(EP002, 2013)

Die düsteren Beats übertragen wir nun in das nächste Lied, hier aber klarer produziert und eher drückend im Club. Paris XY haben einen bösen Stampfer mit passendem Namen „Panic Attack“ erschaffen der Spass macht. Elektronische Musik mag ich am liebsten wenn es in Richtung Verzweiflung und Bosheit abdriftet. Unterstützt wird das hier noch mit der tollen Stimme von Alice Smith, erstaunlich wie jung die Dame noch ist.

11 IQ – The Road Of Bones
(The Road Of Bones, 2014)

Immer dieser kitschige und überschwängliche Neoprog, aber hey ich mag das wenn es ein wenig aus den Boxen trieft. Synthies und Keyboard werden gestapelt bis alles zusammenfällt, einem drüber mit Schlagzeug und Gitarre und schon ist alles wieder sauber, oder schwarz wenn man die Grundstimmung des Lieds betrachtet. Nach dem stillen Intro macht ein treibender Schlagzeugbeat den Weg frei für das Knochen-Xylophon, den grossartigen Synthieflächen und starken Leadgesang. So müssen längere Lieder aufgebaut sein, stark.

12 Coldplay – Midnight
(Ghost Stories, 2014)

Erholen wir uns kurz und lehnen zurück, Coldplay präsentieren auf ihrem neuen Album nicht nur bekannten Herzschmerz und Kitsch, sondern das – in meinen Augen – erfrischende Midnight. Ein kleines Lied im Ambient-Electronica Gewand, voller verzerrter Stimmen, schwebenden Melodien und sanften Beats. Sicherlich keine Neuerfindung genannter Genres, aber für mich funktioniert der Songs super und verbreitet eine angenehme Stimmung.

13 LCD Soundsystem – Get Innocuous!
(The Long Goodbye – Live At Madison Square Garden, 2014)

LCD Soundsystem sagen Tschüss und hauen so schnell ein über drei Stunden langes Konzert auf die Bretter. Hits, nur Hits! „Get Innocuous“ ist ein klarer Gewinner, mit typischen Zitter-Beat, hyperaktivem Schlagzeug und mehrstimmigen Gesang. Natürlich ist das Lied über sechs Minuten lang, natürlich drehen sich die Klänge wie eine Spirale in die Luft. Harmlos?

14 Eno * Hyde – When I Built This World
(Someday World, 2014)
Leider habe ich dazu kein Video oder Link gefunden, das schräge Stück Electronica steht aber wie ein windschiefes Bretterhaus in der Landschaft und schiebt dir zuerst ein Dorn ins Trommelfell. Kaum hast du dich an die Disharmonien gewöhnt fallen tausend Klänge wie ein Regenschauer auf dich nieder und begraben dich unter dem Song der sich immerzu wandelt. Was für ein Spass!

15 Jonathan Wilson – All The Way Down
(Fanfare, 2013)

Der Kreis schliesst sich, denn auf „Fanfare“ findet man nicht nur den perfekten Album-Opener sondern auf das Schlusslied ist umwerfend. Eine ganz sanft gespielte Melodie auf Gitarre, der leise Gesang und weiches Pianospiel, rührt fast zu Tränen. Die Gefühle übermannen dich spätestens gegen den Schluss wenn der grosse Refrain alles gibt. Nicht lesen, Augen schliessen und anhören. Immer wieder.

The Black Submarines – München rollt

The Black Submarines aus München sind eine junge und frische Band bestehend aus 4 Jungs welche sich dem Blues und Rock’n’nRoll verschrieben haben. Dabei greifen sie nicht nur tief in die Kiste der Klassiker, sondern lassen auch neuzeitliche Einflüsse in ihre Musik und schreiben knackige und tolle Songs. Am Anfang ihrer Karriere stehend, sind sie momentan vor allem damit beschäftigt ihr erstes Album zu vollenden und Konzerte zu spielen. Durch eine glückliche Fügung kam ich in Berlin in Kontakt mit ihnen und darf hier nun ein ausführliches Interview präsentieren.

Ihre Musik findet ihr auf der Homepage oder auf Soundcloud.

Junge Münchner spielen Rock’n’Roll mit viel Einfluss der vergangenen Jahrzehnten, Harp und tollen Gitarrenriffs. Spontan, oder gesuchte Richtung mit klaren Vorbildern?
Wir denken, dass es allgemein wenig Sinn macht, sich die Musikrichtung gezielt zu suchen. Das impliziert gleichzeitig eine Verkopfung und Geplantheit, die es dann sehr schwer macht ehrliche Emotionen in die Musik zu legen. Bei uns war die Musikrichtung einfach logische Folge der musikalischen Einflüsse, die wir seit langem schon gehört hatten. Interessant ist, dass wir vier aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen. Da gibt es die Stonerrock- und Metal-Einflüsse, aktuellen Alternativrock, ursprünglichen Garagerock, so wie fast unvermeidliche Einflüsse der Rolling Stones, Beatles und Led Zeppelin genauso wie den Blues der 40er, 50er und 60er Jahre. Aber auch Folk und mitunter Hip-Hop usw. Strikte Grenzziehungen zwischen Musikrichtungen sind ja auch irgendwie unsinnig. Dennoch ist der Rock’n’Roll und noch viel mehr der Blues ja letztlich die historische Grundlage so ziemlich jeder Populärmusik. Für uns vier war es daher relativ einfach, sich hierauf zu einigen. Letztlich versuchen wir ja ein Mittel zu finden zwischen Beatblues und Athmosphärischen Elementen, das von Song zu Song variiert. Das gelingt natürlich mal so und mal so. Worauf wir aber relativ stolz sind ist, dass trotz der Unterschiedlichkeit der Songs ein Wiedererkennungswert definitiv vorhanden ist 🙂

Die Texte folgen meist auch dem klassischen Schema der Musik. Fliesst da persönliches ein oder erzählt ihr lieber Geschichten? Und wie ist die Arbeitsteilung in der Band?
Dass die Gesangsstruktur dann auch der Musikidee folgt ergibt sich ebenso aus unseren Einflüssen. Da wird ja meistens nicht viel nachgedacht, sondern einfach ausprobiert.
Meistens entsteht erst der Text, dann wird dieser vertont. Die Lyrics stammen dabei alle, zumindest in der Rohfassung, von Richy und werden dann weiterentwickelt. Inhaltlich geht es da viel um Emotionsaufarbeitung, auf die Frage bezogen also: Geschichten, die persönliches erzählen. Regelmäßig erscheinen dann irgendwelche Musen in Richys Kopf und knutschen ihn zu Tode. Das schreibt er dann schnell auf Papier, ohne viel nachzudenken. Klar wird dann noch am Reimschema oder ähnlichem gearbeitet, aber meistens bleiben sie in der Erstform bestehen – die entpuppt sich in der Regel als die Beste!
Dann wird der Song von der Erstfassung auf Bandfassung getrimmt, was heißt, dass zweite Gitarre, Schlagzeug und Bass ihren Beitrag ausloten, jammen, probieren, bis etwas neues entsteht. Manchmal entstehen dann auch intuitiv eine zweite und z.T. dritte Gesangsstimme.
Wichtig dabei ist einfach, dass in diesem Stadium innerhalb der Band dann ein sehr respektvoller und offener Umgang herrscht, man sich alles sagen und auch kritisieren kann. Denn gerade am Anfang war es natürlich schwer, sich vor Leute zu stellen und die Texte vorzulesen oder zu singen. Die Band ist da ja in gewisser Weise das erste Publikum…

Eine Karriere als erfolgreiche Band, immer noch ist dies eine romantische Karrierevorstellung vieler Menschen. Was versprecht ihr euch im heutigen Musikbusiness, gibt es diesen Weg noch oder bleibt es eher eine Nebenbeschäftigung?
Den Traum von der Musik leben zu können hat wahrscheinlich jeder junge Mensch, der Kunst macht. Aber wir machen die Musik ja primär aus Selbstzweck, sozusagen für uns selbst und das ist erst mal das Entscheidende. Man tut dies ja, weil einen das „sich künstlerisch Ausleben“ an sich in irgendeiner Form weiterbringt. Und die Romantik darf dabei nicht fehlen, das Träumen. Mit unserer Musik werden wir es zwar wahrscheinlich nie in irgendwelche Pop-Charts schaffen; was aber oft unterschätzt wird, ist der alternative Musikbereich. Wir befinden uns eben in einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der eine Nachfrage nach viel unterschiedlicher Musik besteht, was an sich eine tolle Entwicklung ist und durchaus seine eigenen Chancen bietet.
Wir für unseren Teil träumen ein bisschen und müssen gleichzeitig realistisch bleiben. Wir schauen einfach, was auf uns zu kommt. Letztlich können wir ja nur gewinnen: wir machen etwas, das uns unglaublich Spaß macht und nur weil wir davon nicht leben können, hört es ja nicht auf uns Spaß zu machen. Wir hatten wahnsinnig coole Erlebnisse mit der Band, Erfahrungen die wir sonst nie gemacht hätten. Dafür muss man dankbar sein, egal was dann letztlich noch passiert.

Wie gestaltet sich das Bandleben bei euch, trefft ihr euch regelmässig um zu proben oder ist es schwierig gemeinsame Termine zu finden?
Wir versuchen uns natürlich möglichst oft zu treffen. Einmal des Probens wegen und andererseits auch um einfach als vier Freunde n Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Wie oft das passiert kommt auch immer darauf an was gerade ansteht. Vor Konzerten, Studioaufnahmen oder Theaterproben wird die Frequenz natürlich noch einmal erhöht.
Was das ganze ziemlich verkompliziert hat ist, dass unser Bassist (Charly) seit knapp einem Jahr in Berlin wohnt. Das muss man natürlich organisatorisch erst mal stemmen, da die anderen drei ja auch nicht immer Zeit haben. Aber letztlich ist es doch immer so: wenn man etwas wirklich machen will, dann findet man auch einen Weg. Wir proben z.B. auch viel zu dritt, nehmen die Proben auf und schicken diese dann nach Berlin. So ist auch schon ein Song komplett per whatsapp-Kommunikation entstanden 🙂 Wir arrangieren uns da, klar ist es nicht die perfekte Situation, aber wir kriegen das ganz gut hin.

Konzerte, Konzerte, Konzerte. Sicherlich in dieser Zeit der beste Weg um eure Musik zu verbreiten und bekannt zu machen. Doch eine Tournee ist aufwändig in Zeit und Geld. Was habt ihr da für Pläne?
Naja der Plan ist: Konzerte, Konzerte, Konzerte. Wir versuchen unsere Fühler da möglichst weit auszustrecken und glücklicherweise wird das ganze durch das Internet ziemlich vereinfacht. Letzten Monat haben wir so z.B. in Stuttgart spielen können. Aber solche Projekte gehen momentan leider noch zu viel auf die Privatbudgets der einzelnen Bandmitglieder… Man muss da ja den Transport des ganzen Equipments, Übernachtungen und alles Mögliche mit einplanen. Dazu kommt, dass wir alle in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen sind (Studium, Arbeit), was es ungesignten Bands wie uns, also Bands ohne Plattenvertrag in welcher Form auch immer, dann auch schwierig macht in einem Stück ein bis zwei Wochen unterwegs zu sein. Aber auch da bleibt zu sagen, dass wir Lust haben und einfach sehen müssen was die Zeit bringt. Vielleicht klappt ja demnächst eine kleine Italien-Tournee; ein paar Kontakte gibt es schon…
Zur Musikverbreitung ist jetzt vor allem auch erst mal die CD -Veröffentlichung wichtig. Wir sind da gerade noch am organisieren und auf der Suche nach dem passenden Label…

Eure Musik begleitete schon oft Film und Theater. Ist das eine Symbiose die auch in Zukunft statt finden wird? Könnt ihr euch auch vorstellen mal explizit für Filme Musik zu komponieren?
Ja, das hat uns natürlich sehr gefreut, dass unsere Musik auch dort Anklang und Verwendung findet. Auch, da das natürlich wieder eine Möglichkeit darstellt, neues Publikum zu erreichen. Es war in diesen Fällen auch immer so, dass die jeweiligen Filmemacher oder Theaterverantwortlichen auf uns zugekommen sind. Ein gutes Zeichen für uns, da wir sahen, dass wir nicht nur diesen Beatblues, dieses Tanzelement in der Musik haben, sondern eben auch gut Atmosphäre schaffen können. Was vor allem in der Theaterproduktion, bei der wir die Aufführungen live begleitet haben, spürbar war. In dem Fall war es dann auch so, dass wir explizit Musik für das Theater geschrieben haben. Mit Konzept, wiederkehrender Titelmelodie und so weiter. Das war dann natürlich ein ganz anderes Arbeiten, als wir es sonst gewohnt sind, aber eine tolle Erfahrung, die uns auch wirklich weitergebracht hat. Also zu beiden Fragen: Ja!

Da ihr in München zu Hause seid werdet ihr wohl auch dort momentan am häufigsten tätig sein. Bietet die Stadt viele Auftritts- und Kollaborationsmöglichkeiten? Gibt es auch Varianten um Föderungsgelder für Aufnahmen und Produktion zu erhalten?
Es gibt hier in München mittlerweile schon eine Live-Szene, die aber die Party-Szene keinesweg dominiert und letztlich wie die Stadt selbst ist: ein Millionendorf. Da gerät man am Ende immer wieder an dieselben Personen, was Vor- und Nachteile hat. Letztlich kennt man sich und hilft sich auch, das Verhältnis ist jetzt weniger vom Wettbewerb geprägt, was natürlich sehr schön ist. Am Ende sitzen ja alle im selben Boot und wollen Musik machen.
Natürlich gibt es auch Varianten Förderungsgelder zu erhalten. Aber das ist natürlich, wie alles in Deutschland, irgendwo im „Bürokratie-Dschungel“ versteckt. Wir sehen uns da gerade um.

Das Debut-Album ist im Kasten und weiteres Material am entstehen, da stellt sich die Frage wie die Lieder veröffentlicht werden sollen. Zu der Musik passend wäre Vinyl, gibt es da Pläne oder wird eher dem Zeitgeist entsprechend auf Digital und für haptische Käufer auf CD gesetzt?
Die Frage stellt sich bei uns noch gar nicht wirklich. Erst einmal geht es darum ob wir die Musik selbst veröffentlichen müssen oder ob wir es noch schaffen ein kleines Indielabel von uns zu überzeugen. Damit hätte man natürlich eine viel größere Reichweite als bei einer Eigenveröffentlichung. Mal sehen was da noch passiert.
Ansonsten klar: Vinyl wäre geil!

Zu guter Letzt: Wieso denn The Black Submarines?
Eigentlich wollte Richy ein Mädchen beeindrucken: „Es klang einfach irgendwie cool an dem Abend und wir waren gerade auf Namenssuche, da wir aus heiterem Himmel unser erstes Konzert drei Tage später bekommen hatten und da ja irgendwie angekündigt werden mussten . Damals war irgendwo in der Stadt ein Plakat auf dem Submarine stand. Das klang ganz gut, war aber irgendwie zu kurz und zu sehr Beatles behaftet, womit es ja eigentlich nichts zu tun hatte in unserem Fall. Da kam nur der Zusatz „Black“ in Frage, Vorbilder also Rock’n’Roll historisch quasi, auch um zu zeigen, was für Musik wir machen. Außerdem klang es irgendwie einfach gut.“
Der Bezug zu den Beatles ist wenn dann auch kein wirklich musikalischer, sondern eher noch ein konzeptioneller: Die Idee war von Anfang an, die Bandstruktur „flach“ zu halten; viele Songs sind zwei- und dreistimmig, bei manchen Liedern singt Benny die Lead-Vocals, auch die Gitarrensoli teilen sich Richy und Benny, etc… Jeder steht auf seine Art und Weise im Mittelpunkt und kann sich ausleben.
Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass der Song „Little Black Submarines“ von den Black Keys, auf den uns viele zurückführen, erst knapp ein Jahr später veröffentlicht wurde, da kam der Name also nicht her 🙂

Weiterführende Infos:
Homepage
Tourdaten

Live: Kings Of Leon, Hallenstadion Zürich 14-06-09

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Kings Of Leon
Montag 09.06.2014
Hallenstadion, Zürich

Es ist immer das gleiche mit mir, da fluche ich über das Hallenstadion und dessen miserable Klangqualität und dann bin ich innerhalb einer Woche gleich an zwei Grosskonzerten dabei. Im Unterschied zu NIN am Mittwoch war nun aber mit Kings Of Leon bodenständigen Southern-Rock angesagt, wobei die Familie Followill mit ihren Stadion füllenden Konzerten diese Verwurzelung verloren hat. Sogleich mit dem ersten Song wird showtechnisch alles geboten, von unzähligen Scheinwerfern, bewegliche Lichtkörbe über den gewaltigen, hochauflösenden Screen hinter der Band. Einem Jeden wird sofort klar, dass die Band ihr Leben im Rampenlicht geniesst und das Stadionrock-Gehabe gerne auch an riesigen Produktionen auslässt. An und für sich spricht nichts dagegen, bei KoL kam mir leider ein paar Mal der Verdacht, dass dies auch gewisse Mängel kaschieren soll.

Die Band spielte gut, konnte aber den Liedern keine neuen Seiten abgewinnen. Sicherlich unterliegen sie hier den vorgegebenen Pfaden der Show, aber doch hätte ich mir mehr Spielfreude gewünscht. Kein Stück wurde erweitert und keine Solos gespielt, man hätte auch einfach die CDs abspielen können. Da auch die Interaktion mit dem Publikum sehr beschränkt war und ausser den obligatorischen Fragen (Are You Feeling OK?) nichts geboten wurde, machten die Männer den Eindruck das Konzert möglichst schnell abspulen zu wollen. Mit einer Spielzeit von knapp 90 Minuten war auch an dieser Front eher Mittelmass der angebende Ton.

Und wenn wir schon am meckern sind: Wieso gibt es kein Mischpersonal, das die Klangqualität im Hallenstadion (und besonders bei Rockkonzerten) über ein schreckliches Dorfhallenfest-Niveau hieven kann? Die ersten Songs verschwanden in einem unbarmherzigen Brei, gegen Mitte des Konzertes wurden doch Gitarre und Stimme etwas klarer. Was bei Roger Waters und Tool geklappt hat lässt sich doch wiederholen? Dieser Missmut wurde dank den grossartigen Songs wie „Crawl“ oder „Use Somebody“ in Kombination mit Laser- und Pyroeffekten dann doch wieder geschwächt. Leider muss das Fazit aber heissen: KoL sind mit dieser Show keine 90.- CHF wert. Besonders da sie eher Richtung Las Vegas als Sumpf driften.

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Live: Imagine Festival Basel, 14-06-07

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Imagine Festival Basel
Matthew & The Atlas, Wolfman, Jeans For Jesus, HVOB
Samstag 07.06.2014
Barfüsserplatz Basel

Jedes Jahr Anfang Juni bebt in Basel auf dem Barfi der Boden, das Imagine Festival bietet zwei Tage lang Musik, Kunst, Aufklärung und tolle Atmosphäre. Die Konzerte sind gratis, das Festival gegen Rassismus lebt von Spenden. Zwischen den auftretenenden Bands kann man sich an den Essensständen verköstigen, Bier trinken, Karaoke singen oder mit anderen über Sexualität, Menschenrecht und das Leben diskutieren. Dieses Jahr war ich zum dritten Mal dabei und fühlte mich wie immer wohl, die Festival-Saison 2014 ist offiziell eröffnet.

Die erste Band die am Samstag in meine Ohren drang war Matthew & The Atlas, netter und entspannter Folk aus den UK. Obwohl ich nur wenige Lieder mithörte, gefiel mir die Band mit ihrem charismatischen Sänger und der Musik die genial zum Sommerabend passte. Besonders wenn der mehrstimmige Gesang einsetzte war ich vollends überzeugt.

Schnell musste aber der Standort gewechselt werden, denn auf der Klosterhofbühne gaben Wolfman aus Zürich ein Stelldichein. Die Newcomer-Band aus der grossen Stadt verbindet in ihren Songs Pop, Electro und Dance auf tolle weise und begeisterte die Zuschauer. Schwingende Gitarrenakkorde, tiefe Synthiebässe, Drumpatterns und die tolle Stimme von Katherina Stoykova bilden super Songs, zu finden auch auf dem 2013 veröffentlichen Debüt „Unified“.

Ebenfalls ganz am Anfang der Karriere steht die Truppe Jeans For Jesus aus Bern. Eine wahre Überraschung, werden in ihrer Musik doch spannende Elemente wie Hip-Hop, Electro oder Indie in den Mixer geworfen und genial zu einem neuen Stil verbunden, und dann das ganze mit Mundart-Gesang geschmückt. So etwas habe ich noch selten gehört und bringt frischen Wind in die Szene. Das könnte der Beginn von etwas Grossem sein, noch grösser als die grandiose Cover-Version von „Toucher“ von Züri West. Unbedingt reinhören und danach gleich das Erstwerk bestellen, momentan auch als streng limitierte Vinyl-Pressung erhältlich.

Den musikalischen Abschluss des Abends bildeten auf der grossen Bühne HVBO (Her Voice Over Boys) vom „Stil Vor Talent“ Label. Wie es der Name schon sagt, macht das Trio intensive elektronische Musik im Bereich Deep-House und Anna Müller aus Wien singt dazu. Eine willkommene Abwechslung im sonst doch instrumental gehaltenen Genre. Der Barfi war zu diesem Zeitpunkt gut gefüllt, die Sonne weg und die Stimmung auf dem Höhepunkt, alle tanzten. Ein mehr als gelungener Schlusspunkt für das Imagine 2014, nächstes Jahr bin ich gerne wieder mit dabei und entdecke neue Musik.

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Live: Motorpsycho, Rote Fabrik Zürich 14-06-06

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Motorpsycho
Freitag 06.06.2014
Rote Fabrik Zürich, Clubraum

Vier Leute stehen auf der Bühne, zwei tragen Gitarren umgebunden, einer einen Bass und der vierte sitzt hinter einem grossen Schlagzeug, sie machen zusammen Musik. Nach mehr als 2.5 Stunden verschwinden sie wieder von der Bühne und hinterlassen den Clubraum voller verzauberter Menschen und heisser Luft. Was dazwischen passiert ist, lässt sich mit Worten eigentlich nicht darstellen. Zauberei? In meinem Leben war ich schon an vielen Konzerten, ich habe viele Bands erlebt und höre ständig Musik, doch was am 06. Juli in der Roten Fabrik passiert ist habe ich noch nie gesehen.

Motorpsycho sind nicht nur ab Platte eine grandiose Band die in einer eigenen Liga spielt, sodern können dieses Talent auch live festigen. Ihr Zusammenspiel funktioniert intuitiv und mit wenig Blickkontakten werden komplizierte Wechsel in den Songs abgesprochen und die Lieder auf wuchtige Art beendet. Die Musiker aus Norwegen spielen sich selber in Trance und haben es sogar fertig gebracht, ein 42 Minuten langes Werk ohne Pannen oder Leerläufe darzubieten. Was nicht heisst, dass andere Lieder simpler wären. Ihre Gitarreläufe kreisen wie Rauchfahnen umeinandern, der Schlagzeuger vollbringt Breaks und Rhythmen die nicht von dieser Welt sind und der Gesang, ok hier gibt es ein Minuspunkt. Motorpsycho haben den besten schlechten Sänger der Welt, stört aber nicht. Ihre Chöre und Harmonien funktionieren trotzdem, besonders bei dem akkustischen Teil des Konzertes.

Aber ehrlich gesagt, was ich hier schreibe bringt nichts, denn diese Band muss man erlebt haben und geniessen. Darum gibt es auch meinerseits kein richtiges Bild vom Konzert. Also, falls ihr beim nächsten Mal frei seid: Mitkommen!


(Zuschauervideo, sorry)