Monat: März 2014

Mogwai – Rave Tapes (2014)

Mogwai Rave Tapes Vinyl

Mogwai – Rave Tapes
Label: Rock Action Records, 2014
Format: Vinyl mit 7inch, Downloadcard
Links: Discogs, Band
Format: Post-Rock

Instrumentaler Post-Rock ist eine Musikrichtung mit cineastischer Seite. Da die Lieder ohne Gesang und Text auskommen müssen, brauchen die Melodien unterhaltsam und fesselnd zu sein, zugleich Welten vor den Augen des Zuhörers aufzubauen. Dank Genrebegründer wie GY!BE nutzen die meisten Bands dazu das Laut-Leise Schema und brachiale Soundwände, um eine möglichst fesselnde Wirkung zu erreichen. Mogwai gehören ebenfalls zu diesen Musikern, besonders als Liveband sind sie einer der Lautesten.

Passenderweise haben die Schotten in ihrer Karriere mehrere Soundtracks für Film und Fernsehen geschrieben, diese unterscheiden sich meist mit ihrer Sanftheit von den regulären Alben. Nun aber beginnen sich die zwei Welten zu verschmelzen. Mit Rave Tapes beweisen Mogwai, dass ihnen ein gemächlicheres Gewand sehr wohl steht. Viele Songs sind nach der Auftragsarbeit zu „Les Revenants“ übrig geblieben und fanden im Album Verwendung. Auch die elektronischen Klänge werden neu stärker gewichtet. Viele Songs starten mit Melodien aus dem Keyboard oder werden von Sythieflächen untermalt. In ihrer Gesamtheit entsteht somit ein entspanntes Werk ohne die Vergangenheit zu verleugnen. Drei Lieder werden zusätzlich mit dem Element Gesang / menschliche Stimme ergänzt. Wunderbar anzuhören im Schlusslied „The Lord Is Out Of Control„, Vocoderharmonien. Etwas speziell dagegen „Repelish“, denn darin erzählt ein Mann die Hintergründe zu versteckten Botschaften auf alten Vinylscheiben. Musikalisch bleibt der Song sehr zurückhaltend und repetitiv. Gerade in solchen Momenten wünsch man sich kurz, den Mogwai doch stärker verärgert zu haben um seine Wutausbrüche und tobenden Anfälle zu erleben. Wenigstens kann man sich die Dosis Klangwand noch an den Konzerten holen.
Trotzdem ist mit Rave Tapes ein starkes Album gelungen und eignet sich auch für ruhigere Momente ganz prächtig, gerade wegen den klanglichen Veränderungen gegenüber den Vorgängern.

Anspieltipps:
Remurdered, Master Card, The Lord Is Out Of Control

Kylie Minogue – Kiss Me Once (2014)

Kylie Kiss Me Once

Kylie Minogue – Kiss Me Once
Label: Parlophone, 2014
Format: Doppelvinyl mit CD und Downloadcode
Links: Discogs, Musikerin
Genre: Pop, Dance, Electro

Nach vier Jahren Pause meldet sich Kylie zurück, und wie. Das letzte Album „Aphrodite“ war ein eher durchwachsendes Werk, konnte mit All The Lovers aber doch einen typischen Kylie-Hit aufweisen. Das die Dame in ihrer Musik frischen Wind braucht war allerdings nicht zu überhören. Nun steht mit „Kiss Me Once“ der Nachfolger in den Regalen und siehe da, die Frau hat’s auch auf ihrem zwölften Album noch drauf. Oder besser gesagt die angeheuerten Produzenten und Songschreiber.

Der Start mit „Into The Blue“ und „Million Miles“ gestaltet sich typisch für solchen Industriepop mit viel Melodie, Schmiss und synthetisch hergestellten Klänge. Aber schon hier hört man Frau Minogue hat wieder Spass an der Musik und legt sich ins Zeug. So kommt es schon mal vor, dass sich ihre Stimme fast ein wenig überschlägt und übermütig in hohe Lagen entweicht. Allgemein hat sie nach 26 Jahren im Business immer noch ihre unverkennbare Art zu singen beibehalten. Wo Kylie drauf steht ist auch Kylie drin. Der erste Höhepunkt und zugleich Befreiungsschlag erfolgt mit dem fünften Song „Sexercize“. Geschrieben von der ausführenden Produzentin Sia Furler ist der Song im Bereich Dubstep einzuordnen und klingt echt toll. Wie fast jeder Track dreht sich auch hier in den Lyrics alles um Sex, dies wird durch das Aerobic-Video noch verstärkt. Das kann schon mal zu viel werden und man fragt sich wieso man die Künstlerin Kylie so stark als Sexsymbol positionieren will. Nichtsdestotrotz beginnt das Album ab jetzt echten Spass zu machen. Es folgen weitere sehr tanzbare Poplieder, sehr gut produziert und eingesungen und sogar noch ein Duett mit Enrique Iglesias, „Beautiful“. Das funktioniert vor allem dank den mit Effekten überladenen Stimmen sehr gut.

Sicherlich handelt es sich bei der Musik von Kylie auch mit diesem Album nicht um tiefgründige Popmusik die überrascht, aber endlich wird ein Werk abgeliefert das ich mir immer von ihr erhofft habe. „Kiss Me Once“ anzuhören ist eine angenehme Angelegenheit und dient als gute Einstimmung in einen fröhlichen Abend. Hochglanzpop der besseren Sorte, auch wenn viele Momente an andere Sternchen wie Lady Gaga, Madonna, Rihanna oder Ellie Goulding erinnern.

Anspieltipps:
I Was Gonna Cancel, Sexercize, Sleeping With The Enemy

I Break Horses – Chiaroscuro (2014)

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I Break Horses – Chiaroscuro
Label: Bella Union, 2014
Format: Vinyl mit CD
Links: Discogs, Band
Gerne: Shoegaze, Electronica

Gerne kaufe ich Musik ohne ein Ton davon gehört zu haben. Dies geschieht oft nach der Lektüre von Musikmagazinen oder Empfehlungen anderer Leute. „Chiaroscuro“ ist ein solcher Fall, denn als ich das Album gesehen habe kam mir der Bandname bekannt vor, aber klanglich konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Zum Glück habe ich zugegriffen, denn was Maria Lindén und Fredrik Balck aus Schweden komponieren ist sehr gelungen. Das Duo produziert Lieder im Umfeld von Electronica, Shoegaze und Dance und dies auf einem extrem hohen Niveau. Schaffen sie es doch, jeden Song mit neuen Klangwelten auszustatten und trotzdem ein typisches „I Break Horses“ Gefühl zu erhalten.

Das Album startet mit einem gemächlichen Song, nur um mit „Faith“ gleich den verträumten Club zu stürmen. Schon jetzt zeigt sich die Vielfältigkeit ihrer Musik, denn egal ob Shoegaze im Stil von School Of Seven Bells oder stampfende Tracks die euch auch im Ausgang begegnen könnten, die Band kann alles. Ihre Songs leben vor allem von der dichten Atmosphäre. Erreicht wird dies mit wunderbaren Keyboardflächen, leichtfüssigen Melodien und Echogesang. In jedem Lied schrauben sich die Klänge spiralförmig in die Höhe, nur um gleich wieder wie eine Zuckerwatte zu zerfallen. Düster wabernde Tracks explodieren in euphorischen Refrains. Sicherlich kann man dem Duo Richtungslosigkeit vorwerfen, klingen gewisse Liedfolgen doch etwas unbeholfen. Man weiss nie ob die Platte während der laufenden Party oder doch eher als Ausklang auf dem Spieler laufen soll. Mir persönlich gefällt diese Vielfalt auch wenn Tracks wie „Denial“ zu Beginn doch etwas zu überladen daherkommen. Natürlich spielt die Band auch mit typischen 80er Trademarksounds was momentan in diesen Musikrichtungen ja ziemlich Mode ist. Hallende Drums, kitschige Klangfolgen und tonnenweise Effekte.

Diese Wechselwirkung zeigt die Band schon mit dem gewählten Albumtitel und dem Artwork. Chiaroscuro ist italienisch für „hell-dunkel“, eine passende Umschreibung für das Werk. Ebenso die Coverzeichnung mit den in sich greifenden geometrischen Formen. Eine klare Empfehlung ist somit etwas schwierig, dennoch rate ich allen die sich für verträumte, elektronische Musik interessieren reinzuhören. Das Album ist erst die zweite LP der Band, die Zukunft somit noch offen und beinhaltet hoffentlich viele grosse Songs.

Anspieltipps:
Faith, Ascencion, Weigh True Words

The Planetary Omnibus (DC Comics, 2014)

Planetary Cover

The Planetary Omnibus
Verlag: DC Comics, 2014
Autor: Warren Ellis
Zeichner: John Cassaday
Inhalt: Planetary 1-27, Planetary/Authority, Planetary/JLA, Planetary/Batman
Link: Verlag, Amazon

Planetary kennt keine Grenzen. Der Comic wurde Ende der 90er Jahre im Wildstorm Verlag publiziert und stellt bis heute eine Ausnahmeerscheinung dar. Die 90er Jahre waren für Superhelden-Comics eine schlechte Zeit. Bewährte Konzepte wurden über Bord geworfen, alte Helden der Neuzeit angepasst und die Geschichten drehten sich meist nur darum, wer grössere Muskeln aufweisen kann und damit Andere möglichst effektvoll verprügelt. Auch die zeichnerische Qualität liess oft zu Wünschen übrig und sorgt besonders heute für angewidertes Wegdrehen. Doch dann kamen Warren Ellis und John Cassaday und zeigten allen: Die Kunstform Comic ist nicht tot, wer Wagnisse eingeht kann auch in diesem Sumpf aus schlechter Qualität ein Meilenstein erschaffen.

Planetary dreht sich um das Mysterien-Archäologeteam bestehend aus Elijah Snow, Jakita Wagner und dem Drummer. Diese drei Personen mit ausserordentlichen Fähigkeiten sammeln die Geheimnisse des Planeten Erde und sind zugleich Beschützer und Chronisten. Ihre Aufträge und Abenteuer führen sich nicht nur an abgelegene Orte auf allen Kontinenten sondern auch auf andere Planeten, Paralleluniversen und undefinierbare Informationsebenen. Dabei wird in jedem Heft ein völlig neues Spielfeld betreten und neue Welten entdeckt. Sei es ein Supercomputer aus dem zweiten Weltkrieg, Riesenameisen aus einer anderen Dimension oder jahrhunderte alte Milleniumskinder mit Superkräften. Für die Planetary-Agentur gibt es nichts das zu merkwürdig wäre. Die Episoden funktionieren wie in einer Fernsehshow als eigenständige Geschichten, ergeben als Gesamtwerk betrachtet aber ein unglaublich dicht erzähltes Erlebnis. So kann der Leser nicht nur miträtseln wer hinter den immer bedrohlicher werdenden Ereignissen steckt, sondern auch wer die Hauptpersonen genau sind und was ihre Vergangenheit alles beinhaltet. Warren Ellis schrieb die Serie als epische Chronik von paranormalen Vorkommnissen. Unkonventionell ist auch die Struktur der Hefte. So gibt es Ausgaben in denen nur Gespräche stattfinden, keine Kämpfe oder grosse Veränderungen. Dialoge welche das Leben der Charaktere vertiefen, ihre Beziehungen festigen und immer neue Fragen mit jeder Antwort aufwerfen. So etwas habe ich noch selten in einem „Superheldencomic“ gesehen. Um die Überraschung gewisser Offenbarungen nicht zu mindern, werde ich nicht mehr tiefer auf die Handlung eingehen.

Jedes Heft hat einen völlig eigenen Stil, dies wird auch schon mit der unvergleichlichen Covergestaltung klar. Jede Ausgabe hat ein neues Logo, eine neue Designart. Manchmal wie alte Filmplakate, dann wieder typische Comicelemente vergangener Jahrzehnte oder sogar Buchcover. Wie viel Liebe und Energie da hinein geflossen sind zeigt es sich am besten in dieser Galerie.  Viel Mühe hat sich auch John Cassaday mit den Zeichnungen der einzelnen Seiten gegeben. Sein Stil ist reduziert doch genügend detailliert um nicht leer zu wirken. Die Figuren und Gesichter sind lebensecht und klar zu unterscheiden, übernatürliche Wesen und Maschinen fantasievoll entworfen. Die Bilder wirken klar, ruhig und ansprechend. Eine ausserordentliche Leistung und verdienterweise auch mit dem Eisner-Award nominiert.

Wer also gerne Comics mit sonderbarem Inhalt liest wird bei Planetary gut aufgehoben sein. Selten gab es eine Serie die so wunderbar durchdacht, strukturiert und ausgeführt wurde. Von Sci-Fi und Action über Horror und Mysterie, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Omnibus-Sammelband beinhaltet alle 27 Ausgaben der Reihe, plus die Crossover Einzelhefte mit Authority, JLA und Batman. Abgerundet wird der Band mit einem Vor- und Nachwort, Skizzen, Cover-Galerie und dem Script des ersten Heftes. Somit bleibt der Omnibus handlich und zufrieden stellend auch für Personen die bereits die Einzelhefte oder Trades besitzen. Die Verarbeitung ist auch hohem Niveau, die Bindung sehr stabil und der Gutterloss minim. Danke an DC Comics, dass sie diesen Ausnahmecomic als toll aufgemachten Sammelband herausgebracht haben.

Live: Traktorkestar, Ox Zofingen 14-03-21

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Traktorkestar
21.03.2014
Oxx, Zofingen

Zofingen, eine Kleinstadt mit 11’000 Einwohner wurde gestern Abend von einem lauten und unstoppbaren Traktor überrollt. Augenzeugen berichten, das Gefährt sei von Bern her angerollt und hat zielgenau in der Altstadt im Ochsen gestoppt. Der kleine aber feine Saal des Kulturvereins Ox wurde Schauplatz des Vorfalls und die freiwilligen Helfer konnten das Fahrzeug auf der Bühne unterbringen. Dort harrte es aus und verhielt sich erstaunlich ruhig bis der Saal um 22 Uhr mit neugierigen Menschen gefüllt war und der Traktor unverstärkt aber druckvoll aus allen Blechöffnungen lärmte. Dies spornte die Zuschauer dazu an, eine wilde Party mit viel Tanzerei, Jubelschreie und in Massen fliessenden Getränke zu starten. Schon bald war es im Saal zum kochen heiss und der Traktor tropfte vor lauter Kühlwasser. Immer wenn der Lärm abklang starteten die Leute mit ihrem frenetischen Jubel und Applaus, somit wurden die nächsten zwei Stunden vom lauten Austausch bestimmt. Danach verzog sich der Traktor glücklich und erschöpft wieder und wurde heute in Langenthal gesichtet. Die im Lokal zurückgebliebenen Personen strahlten aus ihren erröteten Gesichtern und waren froh Zeugen dieses Spektakels geworden zu sein. Verletzte gab es laut Angaben der Veranstalter nicht.

Der Tourstart der Instrumentalband Traktorkestar war ein voller Erfolg. Zum ersten Mal haben die 12 Musiker ihr neues Programm zum Album „Les Mémoires d’un Trottoir“ vorgestellt und Zofingen zu tanzen gebracht. Ein Auftritt hier ist wie ein Heimspiel, stammt doch Matthias Baumann (Tenor Horn) vom Ort selber. Somit waren im Kulturlokal viele bekannte Gesichter anzutreffen, gewissermassen wie ein Familientreffen vergangener Konzertbekanntschaften. Wie oben beschrieben waren alle Besucher restlos zufrieden. Traktorkestar erschaffen immer wieder eine unglaublich gute Stimmung mit ihrer im Balkan verwurzelten Musik, klanglich mit neun Bläsern, Schlagzeug, Snare und Perkussion sind sie eine Wucht. Live treffen die Songs wie eine Wand (oder eben ein nicht stoppbarer Traktor) auf die Zuhörer und bringen auch die langweiligsten Steher zum tanzen. Ich selber habe die Band nun längere Zeit nicht mehr gesehen wurde aber wieder positiv überrascht und konnte die Musik sehr geniessen. Ein toller Einfall war die Erweiterung der Bühne in den Konzertsaal. Jeder Solist konnte somit hervortreten und in die Menge eintauchen. Traktorkestar sind immer ein Besuch wert, der gelungene Start in die neue Tour lässt auf viele erfolgreiche Konzerte hoffen. Die aktuellen Konzerttermine findet man im Facebook und der Homepage, die offizielle Plattentaufe des neuen Albums erfolgt am 25.04.2014 im Dachstock in Bern.

(Die Bilder wurden zwischen zwei Songs gemacht, der Besitzer der Kamera war während den Liedern mit Tanzen beschäftigt. Bessere Bilder findet ihr hier.)

cultureculture – EP (2014)

Cultureculture

cultureculture – cultureculture EP
Label: Eigenveröffentlichung, 2014
Format: Download
Links: Bandcamp, Soundcloud
Genre: 80er Pop, Electro

Stilarten und Elemente der vergangenen Zeiten kehren in Abständen von zirka 20 Jahren immer wieder zurück. Sei dies in der Mode, im Design oder in der Musik. So werden auch heute gerne Lieder geschrieben welche auch aus den 80er oder 90er Jahren stammen könnten. Gefördert wird dies durch die romantische Hochglanzoptik welche auch Filme wie „Drive“ zelebrieren. Gerade jüngere Generationen erhalten dadurch ein komprimiertes Bild vergangener Jahrzehnte und können sich die besten Elemente heraus pflücken (und dabei die unschönen Aspekte getrost ausser Acht lassen).

In der Musik geschieht dies besonders durch die markanten Synthesizer, Drums und Produktionsstandards. Die Band cultureculture hat das Rezyklieren des 80er-Klanges perfektioniert. Die Anfangs 2014 veröffentlichte und digitale EP zeigt in fünf Songs wie dies in reinster Form möglich ist. Als Unwissender kann man nicht definieren wie alt diese Lieder sind. Hallende Schlagzeugschläge, süssliche Gesangsmelodien, dazu ein Riff der Gitarre und natürlich alles konstant mit sehr synthetisch klingenden Keyboards untermalt. Man kann gar nicht anders als grinsend die Musik aufnehmen und zustimmend mit dem Kopf zu nicken. Die Lieder machen Spass und sind eingängig, wirken aber nie aufgesetzt oder doof.

Mein Lieblingssong der EP ist ganz klar „Giving It Up“, schon alleine wegen dem euphorischen Synthieeinstieg. Eine Wand baut sich auf, dazu gesellt sich der klare und weiche Gesang. Nette Schlagzeugbeats (natürlich im Klangstil Lagerhalle, leer stehend) und ein Mitsingrefrain machen den Track perfekt. Langweilig wird das lange nicht und falls NWR eine Fortsetzung von Drive drehen will; bitte diesen Song als Titeltlied verwenden. Ebenso hoffe ich, dass die Band bald von einem Label unter Vertrag genommen wird und ein komplettes Album veröffentlichen kann. Wenn das vorhandene Niveau beibehalten werden kann steht der Band und uns grosses bevor. Die EP gibt es gegen eine kleine Spende – oder gratis für alle Sparfüchse – auf Bandcamp, Soundcloud und Noisetrade.

Anspieltipps:
Use Me, Giving It Up, Pouring Down

Elbow – The Take Off And Landing Of Everything (2014)

Elbow

Elbow – The Take Off And Landing Of Everything
Label: fiction, 2014
Format: Doppel-Vinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Art-Rock, grosse Gefühle

Endlich wurde es ihnen vergönnt, nach jahrelangem Musikschaffen als Geheimtipp erreichten Elbow vor knapp zwei Jahren die grossen Massen. Ihr Song „One Day Like This“ wurde eine Hymne in den UK und die Band durfte sogar an den olympischen Spielen auftreten, die harte Arbeit trug Früchte. Alsbald sich der Erfolg einstellt laufen Bands und Musiker aber auch Gefahr ihren Sound zu verwässern. Eine größere Masse muss angesprochen und befriedigt werden, Songs dürfen das Radioschema nicht durchbrechen. Die Angst dass dies auch mit Elbow geschehen wird war glücklicherweise aber unbegründet.

Das neue Album „The Take Off And Landing Of Everything“ bewahrt Ruhe und lässt der Band und den Songs viel Raum. Die meisten Lieder bewegen sich oberhalb der fünf Minuten Grenze und hetzen nie vorwärts. Immer wieder gibt es instrumentale Passagen oder die Songs verändern sich sanft ohne ihren Charakter zu verfälschen. Die Grundstimmung des Albums bleibt dadurch in jedem Moment entspannt und freundlich. Gerade beim aktuellen Frühlingswetter der ideale Begleiter auf dem Weg nach Hause, der langsam sinkenden Sonne entgegen. Genau wie der eine Freund der in solchen Situationen immer das Richtige zu sagen weiss oder eben auch schweigen kann. Sicherlich fehlt auf dem Album der Überhit und alles überstrahlende Song wie auf der letzten Scheibe. doch dies wird durch das grandiose Songwriting mehr als wettgemacht. Alleine der Einstieg mit den Liedern „This Blue World“, „Charge“ und „Fly Boy Blue – Lunette“ ist unglaublich mächtig und fesselt emotional. Ein grosser Anteil leistet dazu auch die Stimme von Guy Garvey. Sein Gesang ist variantenreich, einlullend und erinnert oft an Peter Gabriels Melodienführung. Mit diesem Mann würde man gerne mal eine Nacht in der Kneipe verbringen und ihm nur zuhören.

Elbow ist es somit gelungen das beste Album für diese Karrierensituation aufzunehmen. Grosse Gefühle mit sanften Gesten, Lieder die sowohl für dich alleine auf dem iPod, aber auch auf dem Festival inmitten Tausender Leute funktionieren. Wunderbar.

Anspieltipps:
Charge, Real Life (Angel), The Take Off And Landing Of Everything

Pono Music – Revolution unserer Hörgewohnheiten?

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Neil Young, Musiker, Weltverbesserer, Sound-Fetischist. Und bald auch Verantwortlicher einer Klang-Revolution? Scheinbar, denn seit einiger Zeit bastelt Herr Young mit einem grossen Team aus Experten und Techniker an einem neuen, digitalen Abspielgerät namens Pono Music.

Normal betrachtet, ist Pono Music ein tragbarer Player wie jeder andere. Am PC wird die digitale Musik per Programm auf den Player übertragen, Kopfhörer eingesteckt und das Gerät in die Tasche gesteckt. Musikgenuss für unterwegs.
Neil Young reicht dies aber nicht. Songs und Alben sollen von allen Menschen so gehört werden können, wie der Musiker diese im Studio wahrnimmt. Also Qualitativ hervorragend, mit viel Tiefe und Volumen. Standardmäßig verwendete Formate wie MP3 verlieren durch ihre Kompression zu viel Klanginformation um dieses Erlebnis simulieren zu können. Mit dem bei Pono verwendeten Filetyp FLAC (loseless Audio) kann das Spektrum um viele Prozente erweitert werden. Bässe werden druckvoller, Höhen klarer und auch feine, in den Hintergrund gemischte Spuren werden vom Hörer bewusst erfasst. Um diese Datenmenge korrekt wiedergeben zu können, muss das Abspielgerät leistungsvoller sein als z.B. ein iPod. Die Entwickler wählten hierzu eine tobleroneartige (sic!) Form um alle Bauteile einfügen zu können. Ebenso verfügt der Pono nicht nur über einen Kopfhörerausgang, sondern einen Anschlussstecker um die Hi-Fi Anlage damit zu verbinden. Qualitativ hochwertig Musik kann also auch im Wohnzimmer gelauscht werden. Das Display funktioniert mit den gängigen Wischgesten und dreht sich mit der Ausrichtung. Der Player kann somit liegend auf dem Tisch platziert werden.

Technisch alles modern und gut ausgearbeitet stellt sich für mich nun die Hauptfrage: Welcher Unterschied ist wirklich hörbar? Wird das Konsumieren von Musik wirklich neu definiert? Sicherlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Ausgangsdateien müssen in hoher Qualität vorhanden sein, die Kopfhörer / Stereoanlage sollten wohl aus einer eher edlen Preisklasse stammen. MP3-Files gehört mit Beats Kopfhörer werden wohl auch durch Pono nicht besser. Der Benutzer wird also praktisch gezwungen seine Musikbibliothek im neuen Format nach zu kaufen (pro Album voraussichtlich 15-25 Dollar) und in Hardware zu investieren. Der Speicherplatz des Players ist mit 128 GB ebenfalls etwas klein, so füllen gewisse Alben in FLAC schnell mal über 1GB. Toll ist hier allerdings, dass das Gerät über einen Steckplatz für eine Speicherkarte verfügt. Je nach Anlass und Stimmung können somit Musiksammlungen zusammengestellt und mitgeführt werden. Für Personen wie mich, die gerne all ihre Musik mit sich tragen aber ein No-Go, oder man lernt sich zu beschränken. Auch die gewählte Geometrie des Gehäuses erscheint mir unhandlich, so kann der Player nicht in der Hosentasche verstaut werden.

Ein Fazit lässt der aktuelle Informationsstand aber nicht zu, dazu müsste der Pono getestet werden können. Sicherlich ist es lobenswert, dass Neil und Konsorten versuchen, den Otto Normal Hörer zu einem mehr bewussten Konsumverhalten und zu höheren Ansprüchen zu führen. Ob Pono der Weg ist? Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Aktuell ist der Player per Kickstarter vorbestellbar, auch als Signature-Edition diverser Künstler. Preis: 300 Dollar. Das Projektziel von einer knappen Million Dollar wurde schon vierfach übertroffen, hergestellt wird diese Sonderserie auf jeden Fall.

Links: Kickstarter, Website

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

We, We Should Be Easy – Playlist 2//14

Monatliche Zusammenstellung der Songs, welche welche die letzten 30 Tage prägten und das Leben auf ihre eigene Weise beinflussten. Eine Reise durch meine Hörgewohnheiten.

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Part 2//14 – We, We Should Be Easy
Februar 2014

Bright Eyes – Firewall (The People’s Key, 2011)
Brass Bed – Cold Chicory (The Secret Will Keep You, 2013)
Broken Social Scene – All To All (Forgiveness Rock Record, 2010)
The Wild Feathers – Ceiling (The Wild Feathers, 2013)
Wilco – At Least That‘s What You Said (A Ghost Is Born, 2004)
Bruce Springsteen – American Skin (41 Shots) (High Hopes, 2014)
Peter Gabriel – Courage (So – Deluxe Remaster, 2012)
U2 – Invisible // RED Edit (Invisible Single, 2014)
Ellie Goulding – Anything Could Happen (Halcyon, 2012)
Nordik Fire – Dream Song (Var, 2013)
Ellie Goulding – Hanging On (Halcyon, 2012)
CANT – Believe (Dreams Come True, 2011)
Liars – Proud Evolution (Sisterworld, 2010)
Burial – Pirates (Burial, 2006)
Moderat – Damage Done (II, 2013)

Im Februar wurde meine Hörauswahl von drei Hauptströmungen beeinflusst. So befasste ich mich endlich mit diversen Platten, welche schon lange im Regal stehen jedoch nie bewusst von mir wahr genommen wurden. Glücklicherweise ist Vinyl selten nachtragend, somit konnte ich mich für eine Zeit lang dem Indie hingeben. Bright Eyes, Broken Social Scene oder Liars vermischen genretypische Elemente mit spannenden neue Ideen. Sehr erfreulich war für mich auch, dass ich endlich den Zugang zu Wilco gefunden habe. Endlich ziehen die Meister des Americana-Folk-Indie-Rock nicht mehr an mir vorbei.

Natürlich bestimmen auch immer die Konzertbesuche einen Teil der gespielten Alben und Songs. Im Februar durfte ich unter anderem Ellie Goulding und Moderat in Aktion erleben, was ihnen auch einen Platz in der Liste garantiert. Besonders nach der unfassbaren Leistung der drei Deutschen Klangtüftler im Komplex.

Die letzte Gruppe sind die alten Helden. U2 und der Boss warfen neues Material auf den Markt, Peter Gabriel immerhin unveröffentlichte B-Seiten. Springsteen konnte nicht mit dem kompletten neuen Album überzeugen, Songs wie „American Skin“ haben aber auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung. Ob Invisible den Ton des (hoffentlich 2015) kommenden Albums von U2 angibt bleibt noch offen.

Viel Spass beim durchhören.

SAND – Sand (2013)

SAND

SAND – Sand
Label: KScope, 2013
Format: CD
Links: Band (mit Album Teaser)
Genre: Art-Rock, Electronica, Avantgarde

Du nimmst deine Kopfhörer hervor und legst sie an, drehst die Lautstärke auf und drückst auf Play. Augen geschlossen empfangen dich sanfte Klänge aus dem Synthesizer, „There’s Enough Weather For Us All“. Wie Insektenschwärme umkreisen dich die Töne und erheben dich sanft vom Sofa. Der Klangteppich breitet sich aus, die Stimme umgarnt dich. Deine Wohnung bleibt zurück, die Stadt wird mit ihren Lichter und Gebäuden kleiner. Mit klaren Gedanken beobachtest du die Welt und steigst weiter Richtung Sterne. Plötzlich wird es lauter, Gitarren und Schlagzeug verjagend die Insekten und drücken die Luft um dich zusammen, nur um gleich wieder von der Gravitation weggezogen zu werden. „Life’s too easy.“

Immer wenn du denkst, jetzt falle ich zurück auf den harten Boden, fangen dich Wände aus wuchtigen Melodien auf und schieben dich im Zick-Zack weiter. Die Sterne sind grösser, der Grund ist weit unter dir. Du lässt die Atmosphäre hinter dir und starrst auf das Meer der Lichter untermalt von einem King Crimson ähnlichen Mellotronspiel. Schwerelos begleitet dich der Gesang auf deinem Rundgang um die Erde. Frieden füllt dein Herz. „How Long, How Long Till You Throw Me On The Floor.“

Doch dann streift dich ein Satellit. „You Broke The Locks Off The Cages To Let The Trapped Animals Out.“ Die Anziehungskraft umschlingt dich und wild drehend stürzt du Richtung Meer. Luft füllt deine Lungen und es wird still, Wolken rundum, plötzlich Gewitter. Obwohl du dich fürchten solltest betrachtest du die Spiegelungen in den Regentropfen und vergisst die immer näher kommende Oberfläche. „We’re Allowed To Go Astray.“ Ein Muster formt sich in der Luft, du erkennst dein Leben und deine Liebsten. Trost und Glück breiten sich im Körper aus und du schliesst deine müden Augen. Ist all dies nur ein Traum? Oder ist es das Leben nach dem Tod? „His Requiem Sing We With Shout And Din.“

Nein, das kann nicht das Ende sein. „Hold The Door.“ Zu viele Fragen durchfluten dein Gehirn, habe ich..? Bin ich..? Soll ich..? Doch dann wie durch ein Wunder, sanft tragen dich die Insekten wieder zurück auf dein Sofa. Du hast den Raum nie verlassen. „Years Like Scales Falling Away But Always Just Too Late.“

Sam Healy, Frontmann der North Atlantic Oscillation hat mit dem Soloalbum SAND ein Meilenstein des New Art-Rock geschaffen. Unglaubliche Klangwelten, perfekte Produktion, interessante und poetische Texte. Das Album braucht eine grosse Anlaufzeit, offenbart allen mit genügend Ausdauer aber eine Tiefe die man in der heutigen Musik selten findet. Ein Meisterwerk!

Anspieltipps:
Life Is Too Easy, Meanwhile, A Pile To Keep The Plane From Crashing