Oxil

Live: Gonzo, Oxil Zofingen, 18-02-17

Gonzo + Bell Baronets
Samstag 17. Februar 2018
Oxil, Zofingen

Zusammenarbeit, Gegensätze und verschiedene Bereiche des Spektrums – der Verein Kultur Anlass übernahm für einen Abend das Kulturlokal Oxil in Zofingen und führte mehrere Generationen von lokalen Musikschaffenden zusammen. Das führte nicht nur zu einem Abend voller toller Livemusik, sondern auch der herrlichen Gewissheit, dass die regionale Kultur trotz allen Stolpersteinen auch heute noch kein bisschen leiser geworden ist. Und es ist immer toll, die bereits 1989 gegründete Formation Gonzo auf der Bühne erleben zu dürfen.

Das Quartett macht sich nämlich gerne rar und versteckt sich lieber im Proberaum und hinter neuen Songideen, als die Welt mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. 2004 erschien ihr bisher einziges Album „Zeal“, doch auch an diesem Samstag spürte man schnell: Die Lust und Freude am Rock ist ihnen noch lange nicht abhanden gekommen. Gonzo spielten von der ersten bis zur letzten Minute voller Intensität und Gefühl, mit ihren langen Stücken, die zwischen elegischen Teilen und wuchtigen Stürmen wechselten. Ob fast bei Heavy Metal angelangt, mit verzerrtem Gesang und krachenden Riffs oder dann wieder mit Synthie und Bassflächen an Pink Floyd (ohne die Waters-Schizophrenie) vorbeirauschend – dies war die eigentlich wahre Form von Emotional Rock.

Ihre Lieder steigerten sich über viele Minuten zu mitreissenden Abenteuern, ob das eröffnende „Not As Big As It Seems“ oder das spät dargebotene „Roads“, dieses Konzert liess niemanden kalt. So blieb den Freunden und Fans zwar „Destiny“ verwehrt, aber mit einem wirklich gelungenen Cover von „Wish You Where Here“ wurde man doch versöhnlich verabschiedet. Schade nur, hatten viele Besucher das Gefühl, als Bekannte der Band das Konzert auch laut schwatzend bei der Bar begleiten zu dürfen. Für das nächste Mal ist von dieser Seite mehr Feingefühl gefragt, denn Gonzo haben unsere volle Aufmerksamkeit zu jeder Sekunde verdient.

Direkter und wilder gingen danach Bell Baronets zugange und holten sich die Besucher mit starkem Riffing und präzisen Schlägen ab. Obwohl die Gruppe erst seit 2011 existiert und letztes Jahr endlich das Debüt „The Strong One“ erscheinen durfte, sind die drei Mannen keine selten gesehenen Gesichter auf den Bühnen der Schweiz und haben sich mit weit über 100 Konzerten schon lange als fesselnder und mitreissender Liveact etabliert. Dies durfte man auch im Oxil erneut erleben, Stücke wie „Blame It On Me“ oder „Gone For Good“ mischten kecken Fuzz-Rock mit Indie und Blues und klangen, als hätte man hier alte Hasen vor sich stehen.

Mit einem neuen Stück, einer fast akustischen Einlage vor der Bühne und wilden Gitarrensolos boten Bell Baronets für alle etwas und liessen mich erneut erstaunt zurück, wie solch junge Menschen eine so wahnsinnig gute Band sein können. Das liegt wohl am Quellwasser in Zofingen, denn wie man in diesen Stunden bemerken konnte, fügen sich seit Jahrzehnten Menschen, Instrumente und Ideen im Aargauer Städtchen zu fantastischen Resultaten zusammen – und dies wird hoffentlich noch lange so bleiben.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Live: Autisti, Oxil Zofingen, 18-02-09

Autisti
Support: Twoonacouch
Freitag 9. Februar 2018
Oxil, Zofingen

Sei der Lärm auch noch so extrem, irgendwann verklingt er und zwischen sonischen Ergüssen und krachenden Membranen kehrt wieder Stille ein. Und obwohl sich das Projekt von Emilie Zoé und Louis Jucker erst 2016 gegründet hat, ist bereits jetzt wieder Moment gekommen, in dem es heisst: Adieu Autisti, c’était un moment merveilleux! Die Monate mit euch vergingen wie im Flug und waren immer eines: Unberechenbar, wild und herzensgut.

Es war darum eine grosse Ehre, das zweitletzte Konzert für eine lange Zeit, oder vielleicht für immer, im Oxil in Zofingen erleben zu dürfen. Autisti wiederholten dabei nicht nur, was sie im Bogen F noch ganz frisch, im Royal zum Saisonschluss, an der Badenfahrt mit zwei Schlagzeugern oder in Bulle gnadenlos zelebriert hatten – nein, sie holten erneut frische Experimente aus ihren Liedern heraus und feilten bis zuletzt am Wahnsinn. Denn ihr Lo-Fi-Noise-Rock ist nicht nur sehr entschlackt und beschränkt sich meist auf zwei Gitarren und das Schlagzeug, sondern besitzt genügend Leerstellen, um live immer wieder anders zu klingen.

Louis Jucker verwandelte seine Texte in schamanische Gesänge, legte sich mit dem Mikrofon vor die Bühne oder schrie einzelne Laute voller Inbrust in den Raum. Emilie Zoé dagegen zeigte keine Gnade mit ihren Gerätschaften und versuchte mit Tasten und Saiten im Rauschen des Kosmos neue Erlösungen zu finden – was immerzu treffend und wuchtig von Schlagzeuger Steven Doutaz unterstützt wurde. Ob „Peaches For Planes“ oder „The Dower“, hier wurde voller Verzerrung und Lautstärke die Gitarrenmusik neu erfunden.

Und wie immer waren Autisti auch ein Paradebeispiel dafür, wie wenig man die Musik mit dem eigenen Geltungsdrang und der Suche nach Perfektion verbinden muss. Diese entschlackte und experimentelle Form von Rock will niemanden bezirzen, sie kommt direkt aus dem Innern der Künstler und ist ein roher Ausdruck an Emotion und Lust. Und genau darum waren die Auftritte dieses Trios immer faszinierend und fesselnd, und genau darum tut es weh, sich vorerst davon zu trennen. Aber immerhin durfte Zofingen dies noch erleben.

Dass nicht jeder Lärm gleich toll ist, das wissen auch Twoonacouch aus Luzern. Wahrscheinlich froh, dem Getümmel der Fasnacht entfliehen zu können, gaben die jungen Mannen an diesem Freitag ihr erstes Konzert ausserhalb ihres Heimatkantons. Mit ihrem frischen Debütalbum „And I Left“ unter den Armen zeigten sie, dass Emo und Post-Hardcore auch in der Innerschweiz zu packenden Songs führen können. Lars führte mit seinem Bass und zwischen Gesang und urplötzlichem Geschrei das Trio durch intensive Songs, Nicolas versank hinter seinem Schlagzeug tief in den Rhythmen. Und wenn Lauro an seiner Gitarre dazu zauberte war schnell klar, hier steckt viel Talent und Potential drin! Das eine endet, etwas Neues beginnt – so dreht sich die Musikwelt.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Sexy und Miss Kryptonite, Oxil Zofingen, 17-12-30

Pippi Langstrumpfs Lieblingssause
Bands: Sexy, Miss Kryptonite
Samstag 30. Dezember 2017
Oxil, Zofingen

Zofingen – diese Stadt wusste schon immer, wie man feiert. Somit werden hier runde Geburtstage nicht im kleinen Rahmen mit Freunden genossen und dann müde lächelnd eine Kerze ausgeblasen – nein, hier werden laute Bands von der Leine gelassen und eine Nacht lang durchgetanzt. Getreu dem Namen „Pippi Langstrumpfs Lieblingssause“ wurde die letzte Konzertnacht des Jahres im Oxil zu einem rauschenden Fest des Rock. Natürlich mit Lokalhelden.

Miss Kryptonite bewiesen zu Beginn gleich, dass die Reaktivierung der ehemaligen Kriegsschlaufe ein genialer Schachzug war. Bern und Zofingen sind sich dadurch nicht nur näher gekommen, es entstehen auch frische und energetische Kombos in Proberäumen. Die Gruppe um Frontfrau Désirée Graber spielt erst seit einem halben Jahr Konzerte und zeigte auch an diesem Abend, dass ausufernder Rock, Grunge und Falsettgesang sehr wohl noch explosiv wirken. Mit dynamischen Songs, die sich besonders gerne in instrumentalen Teilen suhlten, steigerte sich der Auftritt mit jedem Takt und endete in sehr starken Kompositionen wie „Whoo“.

Das Geburtstagskind Flo Hugener liess sich die Chance dann auch nicht entgehen, zusammen mit der Band noch den Kracher „Cherry Bomb“ zu singen und die Besucher zum ersten Mal richtig ausflippen lassen. Auch Sexy boten der ehemaligen Sängerin von DustInEyes das Mikrofon in der Mitte ihres Auftrittes an und liessen somit die männliche Erotik für ein paar Minuten von Östrogen gesättigt werden. Aber sonst war es klar: Purer Rock’n’Roll mit blossem Oberkörper, krachenden Riffs und verschwitzten Haarsträhnen. Die Jungs spielten sich und den Saal zurück in die glorreiche Zeit der Gitarrenmusik und machten alles besser als ihre Vorbilder.

Ob klassisch direkt oder technisch verspielt, erneut wurde mit Bass, Schlagzeug und Gitarre die Welt ein Stück runder gemacht. Geburtstage sollen schliesslich weit zu hören sein und noch lange nachhallen. Sei es nun wegen der vielen Biere, die man irgendwo zwischen Kopf und Füssen verloren hat, oder wegen der starken Songs. Und wer nach den Darbietungen der heimischen Liedermacher noch nicht genug hatte, dem wurde durch DJ Rockette noch stundenlang beste Kost auf dem Plattenteller serviert. Ab jetzt jedes Jahr genau so, oder?

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Gong, Oxil Zofingen, 17-10-16

Gong
Montag 16. Oktober 2017
Oxil, Zofingen

Es tat gut, sich für einmal am Montagabend in das lokale Kulturhaus zu begeben um mit alten Freunden, neuen Gästen und weit angereisten Fans eine Legende der psychedelischen Musik zu erleben. Wie oft erhält man schon eine solch bequeme Gelegenheit, Teil der immer fortlaufenden Musikgeschichte zu werden? Angst vor fliegenden Teekannen und unter Schwarzlicht aufleuchtenden Shirts durfte man im Oxil aber keine haben, denn Gong zückten alle Register der bewusstseinserweiternden Kunst. Auf ihrer langen Tour zum aktuellen Album „Rejoice! I’m Dead!“ machten sie nun auch in der Aargauer Kleinstadt halt und bewiesen, dass ihre Songs nie sterben werden.

Klar, eine Band wie Gong war schon immer mehr ein flüssiges Kollektiv und experimenteller Gedanke als durchdachte Stuktur und Gefüge – so fand man auch an diesem Abend auf der Bühne vor allem die jungen Mitglieder der Truppe an den Instrumenten. Nach dem Tod von Gründer Daevid Allen wäre es auch langsam schwierig, in die Anfänge der Siebziger zurückzugreifen. Unter der Leitung von Fabio Golfetti stürzten sich die Mannen aber dann zu Beginn mit „You Can’t Kill Me“ vom zweiten Studioalbum „Camembert Electrique“ trotzdem in die alten Zeiten und die Fans liessen wild ihre Haare schwingen.

Die folgenden, neuen Stücke wie „Kapital“ oder „You Never Blow Yr Trip Forever“ sorgten im Saal für Jubel, wilde Bewegungen und lachende Gesichter. Gong haben ihre Musik, welche schon immer eine einflussreiche Mischung aus Canterbury, Jazz und Psychedelic Rock war, in das neue Jahrtausend transportiert und bewahrt. Dank wahren Zauberern an Bass, Gitarre und Saxophon wurde der Auftritt zu einem abenteuerlichen Ritt über Takt, Harmonie und Melodie. Wilde Riffs steigerten sich mit tosenden Schlagzeugwirbeln bis zur Stratosphäre, lange und wabernde Passagen liessen die kosmische Strahlung durch Projektionen und Lasermuster in die Köpfe der Gäste eintreten.

Auch wenn man sich mit der Zeit nicht immer in den eigenen Gedankengängen und zwischen den abgefahrenen Klangmuster zurechtfand, Gong spielten sich und das Oxil in ferne Welten. Manchmal überraschend hart, dann wieder sphärisch breit, aber immer unberechenbar und anders – dieses Konzert bewies, dass diese Legende des Space-Rock nie sterben und nie überflüssig sein wird. Vielmehr steht die Band auch heute noch für Erfahrungen, die sonst nirgendwo gemacht werden können und bot mit diesem Abend den perfekten Start in eine mögliche Reihe der „Psychedelic Mondays“. Na Oxil, das wäre doch was?

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Steven Eli, Oxil Zofingen, 17-09-01

Steven Eli
Freitag 01. September 2017
Oxil, Zofingen

Wer hat behauptet, während der Sommerpause darf in einem Kulturlokal nichts stattfinden? Schliesslich findet man sich auch ausserhalb der eigentlichen Saison gerne im Oxil ein und trinkt zusammen ein Bier, diskutiert über die immer kleiner werdende Kulturförderung und lauscht tollen Musikern. Da an diesem Freitag das Wetter den Abend zwar gemütlich, aber auch nass gestaltet hatte, wurde der letzte Anlass der Sommerbar in Zofingen in den Saal verlegt – auch kein Problem.

In kleiner Runde, gemütlich am Tisch sitzend und von alten Ständerlampen illuminiert schaute man etwas verträumt und doch gebannt auf die Bühne, denn dort entfaltete sich der uralte, aber nie langweilige Zauber des Singer-Songwriters. Ein Mann, eine Gitarre – Steven Eli brachte die weite Welt des Folk-Pop in den Aargau. Der junge Künstler aus Irland wohnt zur Zeit in Zürich und feilt dort an seinem ersten Album, im Oxil liess er die Besucher an seiner grossen Leidenschaft teilhaben. Denn für Eli gibt es nichts schöneres auf der Welt, als Lieder zu schreiben und diese zu spielen.

Er führte mit seiner Fender Stratocaster durch toll gezupfte Melodien, präzise angeschlagene Akkorde und mitreissende Texte. Ob schon fast schmachtend schön bei „Lady Lay“, druckvoll bei „Run Mary Jane“, weltenbummlerisch bei „Goodbye California“ oder herzlich plaudernd zwischen den Stücken – Steven Eli wickelte alle um seine fähigen Finger. Mit diesem Auftritt näherte man sich mit dem Künstler dem eigentlichen Kern der Musik und wurde wieder einmal überzeugt, dass die besten Momente kein Brimborium brauchen. Wenn sein Album dann auch nur halb so gut wird wie dieser Auftritt, steht uns eine echte Perle bevor.

Sich wieder einmal ohne Vorwissen über den angekündigten Künstler in den regionalen Kulturbetrieb treiben zu lassen, war die beste Entscheidung. Schade nur, wagen genau das immer weniger Leute – dabei verpasst man so viel Schönheit. Mein Appell: Vergesst all die modernen Mittel wie Streaming und Youtube, nehmt die paar Franken in die Hand für einen Konzertabend im Schuppen eures Wohnortes und wagt euch einfach an den nächsten Anlass. Wer weiss, vielleicht entdeckt ihr eure nächste Lieblingsband oder findet neue Freunde fürs Leben.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Oxil Saisonschluss Festival, Oxil Zofingen, 17-05-13

Oxil Saisonschluss Festival
Bands: El Ritschi, Pamplona Grup, The Konincks, Skullpriest
Samstag 13. Mai 2017
Oxil, Zofingen

Wenn die Zeit weiterhin so schnell läuft, dann ist das jüngste Kind in der Kulturszene der Aargauer Stadt Zofingen bald erwachsen. Denn bereits zum zweiten Mal durfte man mitfeiern, wie eine kunterbunte Saison ihr Ende fand. Und was passt da besser, als ein ganztägiges Festival mit kultureller und kulinarischer Feinschmeckerei? So wurden die Türen und Plätze bereits am sonnigen Nachmittag geöffnet und die Leute fanden sich mit ihren Kindern und Erinnerungen ein. Denn es war auch ein Tag voller alter Bekanntschaften.

So auch gleich beim ersten Act, ist El Ritschi doch Sänger bei der altbekannten Truppe Jolly And The Flytrap. Für seinen Auftritt in der ehemaligen Tankstelle reichten ihm aber seine Stimme und Gitarre. In zwei Sets unterhielt er zuerst die Leute mit niedlichen Stücken in Mundart – um zwei Stunden später mit einer halben Weltreise auch die Erwachsenen von den Bänken zu locken. Was nicht immer so einfach war – aber kein Wunder bei all diesem leckeren Essen und Getränken. Und den Poetry Slam und die Hula Hoop-Show sah man schliesslich auch vom Schatten aus.

Mit der Badener Balkan-Gruppe Pamplona Grup hiess es dann aber Füsse in die Höhe und losgetanzt – heisse Rhythmen und laute Bläser. Solche Musik belebt und funktioniert immer, besonders wenn sich die Sterne langsam zeigen und die Instrumente von den Lampen zum Glänzen gebracht werden. Mit Kontrabass und Bläsern in den Osten und pünktlich zurück zur Feuershow, dem brennenden Schlusspunkt des öffentlichen Programms auf den asphaltierten Belägen. Aber Schlafen musste man noch lange nicht, wollte schliesslich auch noch der Saal des Oxils betreten werden.

Mit The Konincks wurde dem Blues-Rock viel frisches Blut beigefügt und die Gäste dankten es mit grosser Teilnahme und Applaus. Kein Wunder wird man bei solchen Künstlern nicht müde zu betonen, dass gewisse Wurzeln von ihnen in Zofingen liegen. Davon besitzen auch Skullpriest mehr als genug, waren sie doch eindeutig die Lokalmatadoren an diesem Festival und der krachende Schlusspunkt. Ihr instrumentaler Psychedelic-Stoner-Doom ging durch Mark und Bein und liess das Lokal zu einer dröhnenden Messe werden. Unglaublich, wie versiert diese junge Band bereits klingt, da konnte man fast nicht genug davon kriegen.

Etwas sanfter aber ging es dann in die letzten Phasen der Nacht, die DJs The Niceguys liessen die Leute zwischen fröhlichen Geschichten, vollen Flaschen und schimmernden Augen umherzappeln. Und erneut war also dieser Schlusspunkt genauso vielfältig und mitreissend, wie sich das Oxil auch unter dem Jahr zeigt. Schade nur, muss man auf diesen besonderen Tag jetzt aber wieder ein Jahr warten.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Bell Baronets, Oxil Zofingen, 17-03-10

Bell Baronets
Support: Confidence Men
Freitag 10. März 2017
Oxil, Zofingen

Der lange Weg hat sich gelohnt – nicht die Anreise, sondern das Ausharren und Weiterkämpfen. Darum war das Oxil an diesem Freitag auch stark gefüllt und die Jubelschreie laut. Man musste schliesslich auch genügend lange auf diese erste Platte warten und hatte an jedem vergangenen Auftritt der Gruppe wieder neue Zückerchen gehört. Doch jetzt ist sie da, mit dem passenden Namen „The Strong One“ und lässt die Erfolgsgeschichte der Indie-Fuzz-Band Bell Baronets erst losgehen.

Dies war auch stark zu spüren, war die Band doch energiegeladen und spielte sich wild durch ihr hart rockendes Set aus zukünftigen Klassikern. Von der ersten bis zur letzten Note gab es laute Gitarrenriffs, stark verzerrten Bass und ein krachendes Schlagzeug. Dank dem Talent der drei Musiker aus Zofingen und der guten Abmischung fühlte sich das Konzert überlebensgross an. Die Bell Baronets zeigten, dass an ihrer Musik nur die Verzerrung übersteuert und kratzt – Lieder wie „Gone For Good“ rissen alles nieder. Da hatten die leisen Stellen fast keine Chance bei all dieser klanglichen Wucht.

Und leider auch kaum eine Chance gegen das zwar partyfreudige und zufriedene, aber auch immer sehr laut sprechende Publikum. Trotzdem, wer sich auf die Musik konzentrierte, sah hier mit den Bell Baronets eine frische, junge und sehr aufgeweckte Rock-Formation. Die Lieder waren eingängig und das Spiel schon fast zu gut für eine regionale Band. Gitarrenläufe und Synthie-Teppiche, rumpelnde Rhythmen und sexy Melodien – dies gefiel auch elektronischen Tanzhasen und Popköniginnen.

Auch Confidence Men überzeugten mit ihrem Folk-Rock, der mich nicht selten an Wilco erinnerte. Die Band aus Zürich liess ihre vielseitigen Lieder ohne Hast wirken und spielte mit grosser Vielfalt. In wunderbare Visuals getaucht begann somit der Abend geerdet und endete in luftiger Höhe – wie es auf einer Taufe sein muss.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Spencer, Oxil Zofingen, 17-01-21

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Spencer
Support: Matto Rules
Samstag 21. Januar 2017
Oxil, Zofingen

Jeder einer kennt die Geschichten von Musikern, welche die Rockstar-Essenz von Beginn an in sich trugen. Egal ob als unbekannte Band vor zehn Nasen oder als alte Götter in riesigen Stadien – sie wussten die Leute immer gleich mitzureissen. Und genau dies lässt sich immer noch beobachten – bestes Beispiel ist die alternative Rock-Gruppe Spencer aus Baden. Obwohl ihre Musik immer noch vor eher kleinerem Publikum erschallt, strampelt sich Leo Niessner grundsympathisch und voller Charisma ab. Somit fielen die Lücken zwischen den Leuten im Oxil plötzlich nicht mehr auf.

Spencer, welche letztes Jahr mit ihrem neuen Album „We Built This Mountain Just To See The Sunrise“ New Wave und Indie mit viel Gitarre zusammenbrachten, zeigten beim Gastspiel in Zofingen, dass die beste Musik teilweise doch aus der Heimat stammt. Seit 2002 ist die Band unterwegs und kann bereits vier Platten vorweisen – immer auch bereit, ihre Musik zu erweitern. So kamen Schritt für Schritt Elemente des Dream Pop oder Shoegaze dazu, gewisse Lieder leben von den Beats und Synthies des Dark Wave. Bereits mit dem eröffnenden „Hidden From The Sun“ hatten die Herren alles im Griff und fesselten mit ihrer direkten Musik.

Gitarrenspuren über spannenden Bassläufen, Schlagzeug mit Backgroundgesang und immer wieder ein passendes Solo – hier wird für den perfekten Song noch gearbeitet, ohne bemüht zu klingen. Niessner lockt mit seiner tollen und tiefen Stimme, Stücke wie „Utopia“ oder „Fireworks“ überzeugen mit Wendungen und alles verbindet die Ungestümheit der Neunziger. Plötzlich steht der Frontmann auf der Bar und reisst an seinen Saiten oder liegt auf der Bühne und lebt die Musik. Und dank der toll durchmischten Setliste kamen alle auf ihre Kosten – egal, ob man verliebt umherschaute oder wild den Kopf schüttelte.

Matto Rules konnte diese Vielfalt in ihrer Musik nicht anbieten, doch die Band existiert auch erst seit einem Album und einer EP. Die Berner Gruppe vermischt Synthie-Hymnen mit viel rauschendem Pop und fuhr im Konzertlokal eine wahre Breitseite an Klang auf. Da hätte auch Friedrich Glauser selber seinen Stift niedergelegt um zu lauschen, bei Liedern wie „Tonight“ lässt es sich schliesslich noch ungeniert träumen. Sicherlich haben Matto Rules noch einen weiteren Weg vor sich als Spencer, aber auch hier wusste Sänger Lorenzo Bonati mit den Räumlichkeiten und den Besuchern zu spielen. Weltformate hängen schliesslich nicht nur an Litfasssäulen.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Live: Moscow Mule, Oxil Zofingen, 16-11-25

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Moscow Mule
Support: Hakomi
Freitag 25. November 2016
Oxil, Zofingen

Radioaktivität, für dich und mich im Oxil entsteht. Blinkende Warnlampen, in grellen Farben beklebte Wände und Scheiben, überall strahlende Gesichter – für die Plattentaufe des ersten Albums der Zofinger Band Moscow Mule wurde das Kulturlokal Oxil in ein schickes Gewand gesteckt. Sogar der Eingangsstempel war mit dem Panda zufälligerweise perfekt passend, ziert doch ein solches Tier das Cover von „Miranda“. Im Gegensatz zu den politisch krummen Absichten dieser Bärendame war der musikalische Abend aber ausgelassen und ein Fest in stark erweitertem Freundeskreis.

Aber wenn Moscow Mule rufen, kommen die Besucher in grossen Mengen. Das Trio aus Désirée Graber an Gitarre und Gesang, Cheryl Marti an Bass und Gesang und Luca Marti am Schlagzeug sorgt mit seiner unkonventionellen und wunderbar düsteren Rockmusik seit sechs Jahren für gute Abende und tolle Erlebnisse. Dass die Gruppe nun endlich eine LP veröffentlicht hat, zauberte bei vielen ein Lachen auf das Gesicht. Die Lieder von „Miranda“ waren auch live eine Bereicherung für den Auftritt der Band, wagen sich Moscow Mule doch endlich über den Tellerrand und ergänzen ihren Post-Punk mit Synth, flächigen Songs und kompositorischer Reife.

Bei Liedern wie „White Lies“ oder „Jimmy And The Motherland“ nahm somit die unterstützende Franziska Wilhelm auf der Bühne ihren Platz ein und durfte auch die Ehre der Plattentaufe übernehmen – hier natürlich nicht mit Champagner, sondern mit Vodka. Aber auch der Rest der Band zeigte sich wie neugeboren, war das Trio doch locker drauf und sehr spielfreudig. Ihre Gesichter waren mit an David Bowie erinnernden Formen geschminkt, Fingernägel und Haare leuchteten unter dem Schwarzlicht. Moscow Mule haben mit „Miranda“ eine neue Phase begonnen, die vielversprechend wirkt und noch neugieriger macht.

Aber dies war auch nötig, liessen sie sich mit Hakomi von einer lokalen Band unterstützen, die an ihrem allerersten Liveauftritt gleich zeigte, wie man alternative Gitarrenmusik spielt. Adi, Kevin und Pasci stiegen mit ihren instrumentalen Liedern in die Gräben zwischen Noise, Grunge und Ausbrüchen in der Art des Post-Rock. Nicht nur Gitarren und Bass wurden fleissig gewechselt, auch die einzelnen Songs durchliefen spannende Mutationen und Hakomi beeindruckten mit technischer Finesse. Bergeweise Melodien, tanzwütige Grooves und komplexe Takte – endlich hat dieses Trio den Proberaum verlassen und unserer Welt ihre Musik geschenkt.

Dieser Text erschien zuerst auf Artnoir.

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Live: Zlang Zlut, Oxil Zofingen, 16-11-04

 

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Zlang Zlut
Support: Wolf
Freitag 04. November 2016
Oxil, Zofingen

Wenn in einem Konzertlokal am Freitagabend drei Musiker auftreten, dann geht man in der Regel davon aus, hier nur eine Band anzutreffen. Nicht so im Oxil in Zofingen, das mit Wolf und Zlang Zlut gleich zwei Gruppen aus der Schweiz auftreten liess, die mit ihrer Musik und Besetzung entgegen der Norm praktizieren. Schade nur, liess dies die meisten Leute kalt und nur wenige fanden den Weg in den Kulturschuppen – ein Stimmungskiller war es aber nicht.

Wolf nutzte seinen Lokalmatadoren-Bonus und streute kleine Anekdoten und Kommentare zwischen die Lieder, welche vor den versammelten Leuten auch ohne Mikrofon erzählt wurden. Auf seiner eigenen Bühne in Europallett-Grösse und alleine mit Bass, Trommel und vielen Effekten bestückt, schüttete er mit seinen Songs nicht nur sein Herz aus, sondern auch alle Glieder durch. Selten hört man einen Musiker, der mit den vier tief gestimmten Saiten solch wunderbare Melodien und Läufe herbeizaubert – zu keiner Sekunde vermisste man die übliche Gitarre eines Singer-Songwriters.

Wunderbar dreckig und kratzend liess man sich die Lieder zu einem kalten Bier auf der Zunge vergehen und fand sich in der familiären Stimmung sofort wohl. Dies nutzten danach auch Zlang Zlut zu ihrem Vorteil aus. Das Duo aus Basel wurde zwar ihrem Namen gerecht und liess das Oxil unter seinem bestialischen und lauten Sound erzittern, gab sich aber nahe und offenherzig. Erstaunlich, wie grossartig Lieder klingen, die nur mit Gesang, Schlagzeug und elektrischem Cello gespielt werden. Wild, schnell und ohne Kompromisse rockten sich Beat Schneider und Fran Lorkovic durch ihr Set.

Wer braucht schon Gitarren und Bass, wenn man alle Riffs auch sitzend am Streichinstrument spielen kann – und dabei noch Zeit hat, die Pedale des Moog Taurus zu bedienen? Und wer gibt sich schon zufrieden mit Schlagzeug spielen, wenn man dazu noch energetisch singen kann? Zlang Zlut bewiesen ihre Eigenständigkeit und spielten ein Set voller alter und neuer Epen, knackigen Stücken von der neusten Scheibe „Crossbow Kicks“ und frechen Cover-Songs. Irgendwo in einer heissen Unterwelt zwischen Rock, Heavy Metal und Gehörgang-Sprengungen zu Hause, geriet auch dieses Konzert des Duos zu einem Triumphzug – scheiss auf Konventionen.

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