CD

The Dead Brothers – Angst (2018)

Seit 1998 ist das Kollektiv The Dead Brothers dran, die Schweiz von Genf aus in einen Friedhof zu verwandeln. Dazu benötigen sie aber keine Schaufeln und Leichen, sondern unzählige Instrumente, einen schauerlichen Umgang mit Folk und viele Tanzmelodien. Nun endlich gibt es mit „Angst“ das siebte Album der Gruppe und präsentiert ein solch breites Spektrum, dass fast jedes Lied für sich alleine beschrieben und gefeiert werden sollte. Von wildem Rock’n’Roll zu morbiden Traditionsbearbeitungen, deutschem, französischem oder englischem Gesang und sogar Jodel aus der Gruft – hier findet man alles.

Da The Dead Brothers ihre Lieder immer in einen handgemachten und traditionellen Kontext stellen, hat man nie das Gefühl, auf diesem Album passiere zu viel. Viel eher lauscht mal gespannt der Zither, Geigen, Banjos, Orgeln oder mysteriösen Chorgesänge. „Zeirli“ lockt wie auch „Es isch kei Soelige Stamme“ auf die abgestorbene Alp, „Pretty Polly“ lädt zum Tanze in einem verdreckten Keller ein, „Mean Spirit Blues“ holt die Sklaverei zurück. Man denkt am Künstler wie Nick Cave („Everything’s Dead“), Stephan Eicher oder einen analog reduzierten IAMX – doch immer bleibt diese Truppe in ihren Darbietungen und Arrangements eigen.

Wären Stilrichtungen wie Blues, Rock oder Folk untote Wesen am mitternächtlichen Umzug durch ein verlassenes Dorf, dann würden sie so klingen wie auf „Angst“ dargestellt. The Dead Brothers sind also immer noch die Band, die das schwarz gekleidete und horrormässige Gegenteil von Patent Ochsner darstellt und somit verführen und gruseln. Dass dabei der Humor nie fehlt, das sollte eigentlich selbstverständlich sein und macht aus „Angst“ eine wunderbar Runde Platte. „I Had A Dream Last Night That I Was Dead“ – was könnte es schöneres geben?

Anspieltipps:
Everything’s Dead, Zierli, Angela

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Advertisements

Fishbach – A Ta Merci (2018)

Ist es nicht erstaunlich, wie lange es immerzu dauert, bis gewisse Trends und gefeierte Künstler die Landesgrenzen durchbrechen können? So hat hierzulande wohl noch fast niemand im deutschsprachigen Gebiet von Flora Fishbach gehört. Die Chanteuse aus Frankreich musiziert sich seit 2010 in die Herzen der Menschen und feierte 2017 mit ihrem Debütalbum „À Ta Merci“ grosse Erfolge. Nun endlich wird dieses Album voller rauem Gesang und angenehm dunklem Synthie-Pop auch bei uns zugänglich gemacht – und diese Platte sollte sich niemand entgehen lassen, der auf Electropop steht.

Obwohl Fishbach ihre Lieder natürlich in Französisch einsingt, spürt man ihre Aussagen schnell heraus. Auf den Lieder wie „Feu“ oder „Mortel“ lastet eine grandiose Mischung aus Erhabenheit, Traurigkeit und Leidenschaft – eine Wirkung, die man selten bei einer solch jungen Künstlerin verspürt. Mal in der Disco verankert und mit der frühen Madonna kokettierend („Un Autre Que Moi“), dann wieder pulsierend und riesengross („On Me Dit Tu“), „À Ta Merci“ lässt jede Stimmung und Art zu. Und viel Atmosphäre kommt dank der eher tiefen und kratzigen Stimme Fishbachs auf – die mich an Musikerinnen wie Lùisa erinnert.

Diesem Album haftet zwar etwas Theatralik und auch Exzentrik an, aber Fishbach nimmt sich von allen klassischen Tugenden der französischen Musik die besten Zutaten heraus und baut damit ihr eigenes und zukunftsträchtiges Werk. Dass man dazu auf der, nun um zusätzliche Aufnahmen erweiterte Edition von „À Ta Merci“ sogar noch ihre Live-Qualitäten erleben darf, sollte jeden zu einem Fan der Dame machen. Und ein weiteres Mal wird somit bewiesen, dass die Einflüsse der elterlichen Plattensammlung eben doch zu tollen Resultaten führen können.

Anspieltipps:
Y Crois Tu, Un Autre Que Moi, Mortel

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Simple Minds – Walk Between Worlds (2018)

Den wievielten Frühling erleben die Frauen und Mannen um Jim Kerr mit „Walk Between Worlds“ eigentlich? Simple Minds sind nämlich nicht nur bereits seit 1977 musikalisch unterwegs, sondern haben bereits ebensoviele Hits und Erfolge verbucht, wie schwere Phasen und schwache Platten. Nach akustischen Neuaufarbeitungen wird jetzt aber wieder mit voller Klangwucht und Verstärkung musiziert – das neuste Studioalbum ist da. Und wie man es nicht anders vermutet hatte, kompositorisch wird die Welt nicht neu aufgebaut.

Wobei, Simple Minds haben dies auch gar nicht nötig. Ihr ehemaliger New Wave wurde in den Jahrzehnten mit Keyboards, eingängigen Refrains und immer grösser werdenden Produktionen zu einem mitreissenden Stadion-Pop. „Walk Between Worlds“ startet mit „Magic“ darum auch genau so, wie man die Band auf der Bühne liebt: Extrovertiert, dynamisch und leicht verdaulich. Da sind sogar extreme Selbstzitate herrliche Unterhaltung. „Summer“ klingt nämlich wie von „Black & White 050505“ gepurzelt, „Barrowland Star“ vermischt alle grossen Hits der Achtziger zu einer Neuauflage (das Grundgerüst stammt aus den Neunzigern).

Man spürt, dass die Band viel Freude an der Arbeit hatte und der epische Stil von „Big Music“ hier perfekt balanciert fortgesetzt wird. Das neue Album von Simple Minds ist darum ein echter Genuss, zwar ohne Metaebene oder Revolutionen, aber immer mit viel Energie und Lust. Und wenn dabei weiterhin Liedern wie „The Signal and the Noise“ rauskommen, dann darf die Band von mir aus gerne noch lange so weitermachen. Weder Gesang noch Gitarren klingen schliesslich auch nur kurz nach Müdigkeit.

Anspieltipps:
Summer, The Signal and the Noise, Barrowland Star

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? – Jazzbelle 1984 / 1988 (2018)

Normal ist an dieser Scheibe praktisch Nichts – der Wahnsinn beginnt schon beim Bandnamen. Denn das leicht übergeschnappte Garage-Punk-Trio aus Finnland hat sich zungenbrecherisch Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? betitelt und zielt damit bereits auf die erste Absurdität ab. Wobei heute noch einiges aus den Achtzigern unverständlich ist, „Jazzbelle 1984 / 1988“ lässt sich davon aber weder irritieren noch stören. Und nach diesen energetischen Songs ist man sowieso fitter als nach einem Training via Kassette.

Denn was Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? seit 2014 auf die Beine stellen, ist genau so süss wie kaputt, suhlt sich in trashiger Kunst und sprengt gerne jede versnobte Party. Dieses zweite Album gewinnt bereits Punkte mit der Instrumentierung. Ekku Lintunen singt nicht nur, sie hat auch die Gitarre eingemottet und lässt ihre Melodien nur noch von den Keyboards und dem Akkordeon ertönen. Das verleiht Songs wie „The Herman Song“ oder „Hanky Panky“ eine bunt schillernde Ebene und ist immer herrlich laut.

Dass sich die Musik auf „Jazzbelle 1984 / 1988“ überhaupt anhören lässt, ist schon erstaunlich, klingt doch vieles wie Kinderlieder aus der Hölle – mit gewissem Indie- und Alternative-Anspruch. Aber Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? mögen diese irrwitzigen Mixturen und trumpfen mit einem wirklich runden und fesselnden Songwriting auf. Wer also passende Musik für den Besuch in Pee-Wee’s Playhouse sucht: Hier ist sie. Und keine Angst, die Messer sind aus Gummi.

Anspieltipps:
Magic Swimming Pants, Corazone, Hanky Panky

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Jaguwar – Ringthing (2018)

Ein kleiner Buchstabe trennt das Trio aus Berlin vom hübschen Raubtier – ein kleiner Schritt die Musik von Jaguwar vor dem Absturz in den Noise. Mit ihrem ersten Album werden sie aber nicht nur Schmutzekatzen beglücken, sondern zeigen sich spielfreudig und interessiert als Band zwischen Indie, Shoegaze und Noise. Und ohne bekannte Elemente zu stark zu repetieren, erschaffen die Musikerin und Musiker mit all diesen Einflüssen etwas frisches und wunderbar energetisches. „Ringthing“ dreht sich dabei nie im Kreis.

Seit 2012 versuchen Oyèmi Noize am Bass, Lemmy Fischer an der Gitarre und Chris Krenkel am Schlagzeug die Popwelt wieder dreckiger und unberechenbarer zu machen. Kein Problem für die Inkarnation Jaguwar, werden von dieser Band lockende Melodien und herrlich zwischen weiblicher und männlicher Stimme wechselnde Gesänge immer wieder mit lauten Gitarren und kreischenden Rückkopplungen vorangetrieben. Und wenn Lieder wie „Slow And Tiny“ gleich tief in den Frequenzen graben, dann ist es eine wahre Freude.

Jaguwar geben sich nie mit wenig zufrieden und lassen ihre Lieder immer auf vielen Ebenen klingen und schwingen – „Whales“ und „Crystal“ passen da als Bezeichnung bestens zu ihrer klanglichen Form. „Ringthing“ gelingt somit der Spagat zwischen Verzückung und Verstörung, man lacht und zittert zugleich. Und die Truppe aus Berlin nimmt somit schnell eine gleichwertige Stellung neben Vorbildern wie My Bloody Valentine ein, nur mit etwas mehr Farbtupfern auf den Kutten.

Anspieltipps:
Crystal, Slow And Tiny, Whales

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Various Artists – Hout Couture (2017)

Wenn man sich schon ein eigenes Kleid schneidert, dann darf dieses auch etwas extravagant sein. Das dachten sich auch diverse Musikerinnen und Musiker in den Städten Berlin und Basel, als sie zusammen mit Radicalis im Jahr 2017 das Sublabel Hout Records gründeten. Ein völlig neues und freies Spielfeld für experimentelle und andersartige Musik, immer leicht im Jazz fischend, aber sich nie unterordnend. Und mit „Hout Couture“ werden alle zur ersten Vorstellung eingeladen.

Mit neun Tracks erhält man nicht nur einen wunderbaren Überblick über die Bandbreite und Möglichkeiten von Hout, sondern auch ebensoviele Bands mit insgesamt 28 Künstlern. Kein Wunder also, klingen die Resultate sehr unterschiedlich, vom schwebenden Einstieg mit „ed lik mil“ über böse Gesichter in dunklen Bars („59 to 1“) bis hin zu Kompositionsherausforderungen am Ende. Man trifft alte Bekannte wie Monoglot oder freut sich über neue Entdeckungen wie Fleeb – ein Duo, das im elektronischen Pop nahe Julia Holter startet, dann aber doch am Claraplatz landet.

Und wenn „Hout Couture“ vorerst ein Ende findet, dann geht die Suche nach mehr Material und genaueren Infos zu den Künstlern erst richtig los. Ja, die hiesige Szene ist am erstarken, nicht nur in den dunklen und harten Gebieten – und mit Hout Records haben alle Freunde des Leftfield und der Avantgarde ein neues Zuhause gefunden. Da benötigt auch ein alter Mann keinen Weckruf mehr.

Anspieltipps:
Fleeb – kamikaze, onhaufen Deluxe – 59 to 1, Monoglot – Wake Up Song

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

The Jesus And Mary Chain – Damage And Joy (2017)

19 Jahre haben The Jesus And Mary Chain benötigt, um endlich genügend Kraft und Lust für ein siebtes Album anzusammeln. Klar, dass sich die Band 1999 aufgelöst hatte, half diesem Prozess natürlich nicht – aber nichts endet für immer. So darf man den Schotten seit zehn Jahren wieder zujubeln und nun mit „Damage And Joy“ endlich auch neues Material geniessen. Obwohl, ganz frisch sind nicht alle Lieder, wurde einiges bereits zuvor in etwas anderen Versionen veröffentlicht.

Der Qualität von Stücken wie „War On Peace“ oder „Always Sad“ tut dies aber keinen Abbruch. Viel eher ist es herrlich, wie locker und ungezwungen The Jesus And Mary Chain in die Lieder gleiten und ihre Kompositionen fast schon unmerklich im Lärm verschwinden lassen. Ihr Alternative Rock ist nämlich nicht nur bei den Slackers zuhause, sondern liebt den Noise – ohne jemals überladen zu wirken. „All Things Pass“ kombiniert eine unwiderstehliche Melodie mit kratzenden Riffs, zieht schön das Tempo an und findet Lust in der Sehnsucht.

Dies gilt für die gesamte Lauflänge von „Damage And Joy“, und bereits nach einigen Umdrehungen ist man nicht nur zufrieden mit The Jesus And Mary Chain, sondern neu verliebt. „Can’t Stop The Rock“ singen sie am Ende ihrer Platte – und man kann dem nur zustimmen. Wobei ja auch der Indie zugelassen wird, oder erinnert nur mich „Songs For A Secret“ an Stars? Wie auch immer, diese Platte ist ein Hit.

Anspieltipps:
All Things Pass, Presidici (Et Chapaquiditch), Can’t Stop The Rock

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Destroyer – Ken (2017)

Lange dauert es nicht und man ist sich sicher: In einem anderen Leben wäre Dan Bejar grösser und bekannter als New Order – in diesem Universum reicht es halt nur zu einem Leben als talentierter Musiker über die Masse. Mit seinem zwölften Album „Ken“ lebt er mit seinen Musikern als Destroyer nun die Vorliebe für New Wave und die dunklen Seiten der Achtziger aus. Schnell vergisst man dabei, dass diese Musik gar nicht aus England, sondern Kanada kommt.

Aber schlussendlich spielt die Herkunft eine kleine Rolle, viel wichtiger sind Aussagen und Intention. Destroyer macht sich dazu mit seiner vereinnehmenden Stimme jede Art von Musik zu eigen und nutzt Instrumente als Plattform für wortgewandte Erzählungen. Wunderbar aber, dass auf „Ken“ Bass, Gitarre und Snythies den Sätzen in nichts nachstehen und manchmal schleppend, dann wieder energiereich die Lieder ins Ziel bringen. Bestes Beispiel gibt gleich „Tinseltown Swimming In Blood“ zu Beginn der Platte ab.

Nahe dem alten Synthie-Pop, versehen mit etwas Post-Punk und Emotionen von Wave-Bands wie Midnight Oil – diese Platte tarnt sich wunderbar mit bekannten Elementen, nimmt sich aber genügend Freiheiten für die Eigenständigkeit heraus. So dürfen bei Destroyer auch die Bläser erklingen, die Streicher gesamplet sein und der Britrock seine verdienten Tantiemen abholen. Und bald verhält sich die Musik wie das Cover: Zwar monochrom als Landschaft, aber dafür mit thronend gelben Eindrücken durchzogen.

Anspieltipps:
Sky’s Grey, Tinseltown Swimming In Blood, A Light Travels Down The Catwalk

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Gary Numan – Savage (Songs from a Broken World) (2017)

Es wird immer heisser, die Vegetation zieht sich zurück, die Länder werden unwirtlich und schier nicht mehr bewohnbar. Was machst du, wie gehst du mit der Hitze um? Gary Numan, die New Wave und Synthie-Pop Legende aus England, stellt sich in seinem 21. Studioalbum „Savage (Songs From A Broken World)“ genau diesen Fragen und präsentiert ein Konzept, dass die sandige und monochrome Wirkung des Cover in seinen Songs weiterträgt. Dabei sollte man sich aber nicht von der Single „My Name Is Ruin“ täuschen lassen, denn diese Platte ist eher zurückhaltend.

Grossen Synthieflächen, Chorgesang und immer wieder aufkommende Basswellen gehören bei Gary Numan natürlich auch 2017 zu seinem Repertoire. Hinzu kommt, dass der Künstler auf „Savage (Songs From A Broken World)“ die immer stärker werdende Vermengung zwischen Ost und West auch in seinen Klängen thematisiert und den Dark Wave mit orientalischem Schmuck versieht. Das steht Songs wie „Bed Of Thorns“ sehr gut und hilft der vorgetragenen Geschichte, oft erhalten Stimme und Melodie aber viel Raum. „And It All Began With You“ wirkt zärtlich und zerbrechlich und zeigt, dass wir uns besser um die Zukunft kümmern sollten.

Mit „When The World Comes Apart“ oder „What God Intended“ erhalten die wuchtigen Beats und verzerrten Synthies noch einmal grosse Chance zum strahlen und Gary Numan führt sein Album geschickt in eine nachdenkliche aber immer fesselnde Stimmung. Nicht alles geht dabei gleich gut auf, aber am Ende von „Savage (Songs From A Broken World)“ ist man doch froh, dass uns der Musiker wieder neues Material geschenkt hat – auch wenn seine Stimme manchmal etwas zu gleichförmig über den Songs thront.

Anspieltipps:
My Name Is Ruin, When The World Comes Apart, Mercy

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Them Fleurs – Run (2017)

Die Aussage, Them Fleurs bewegen sich zwischen Szenen und Zeitgeist ist nicht nur eine leere Worthülse um Kundschaft anzulocken, spätestens beim dritten Song „The End (Part One)“ erfährt man dies während zehn abwechslungsreichen und gefühlvollen Minuten. Die Band aus Bern hantiert hier nämlich zwischen nationalem Pop, alternativen Gitarrenmomenten und ausufernden Instrumentalpassagen. Und genau diese Bereitschaft, die Musik nicht immer im gewohnten Ort enden zu lassen macht aus dem neusten Werk „Run“ eine spannende Platte zwischen Radio und Kulturkeller.

Seit 2014 versuchen die Mannen um Sänger Samuel Schnydrig nicht nur bewährte Tugenden der leichteren Musik für sich zu nutzen, sondern dem Stil auch eine neue Färbung zu verpassen. Ob man Them Fleurs nun im Indie oder im Post-Irgendwas verankern will, so richtig passt keine Beschreibung zu diesen Songs. Und genau dies macht aus Ohrwürmern wie „Run“ oder langsam aufgebauten Rockern wie „Casino“ Lieder, die man sich gerne anhört und ohne grosse Anstrengungen geniessen kann. Keyboardtupfer und toll in sich verwobenen Gitarrenspuren geben der Musik einen variantenreichen Teppich und wirken immerzu bunt.

Schnell vergisst man somit auch, dass die englischen Texte manchmal etwas stark mit Akzent gesungen werden, schliesslich haben Them Fleurs auch in die Worte viel Eigenes gepackt. Ob persönlich und mehrfach überdacht oder dann doch aktuell und gesellschaftsbezogen, diese Platte passt sehr gut in dieses Jahrzehnt. Dazu kommen mit viel Raum und Dynamik vollgepackte Szenen wie „All I Need“ welche immer wieder zum gemütlichen Wippen einladen. Die Schweiz kann so entspannt und versiert klingend daherkommen.

Anspieltipps:
Run, The End (Part One), Casino

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.