Film und TV

Alles zu den bewegten Bildern.

Nick Cave & The Bad Seeds – One More Time With Feeling (2016)

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Nick Cave & The Bad Seeds – One More Time With Feeling
Regie: Andrew Dominik
Genre: Dokumentation
Links: Band

„Sunday morning, skeleton tree / Oh, nothing is for free / In the window, a candle / Well, maybe you can see“ – Bereits wenn man das neue Album „Skeleton Tree“ von Nick Cave & The Bad Seeds zum ersten Mal hört, spürt man die Schwere, die Verletzungen, die Verzweiflung. Auch Unwissende werden sofort von der Stimmung erfasst und das Album breitet sich wie ein schwerer Teppich über Sinne und Umwelt. Wenn sich dazu noch wunderbar gefilmte Bilder in Schwarz-Weiss gesellen, wird die Wirkung umso stärker. Man erreicht im dunklen Kinosaal neue Ebenen, man versinkt in Emotionen, Klang und Licht.

„And this is the moment, this is exactly where she is born to be / Now this is what she does and this is what she is“ – Andrew Dominiks Film „One More Time With Feeling“ war im September die erste Möglichkeit, das neue Werk anzuhören – in ausgewählten Kinos auf der gesamten Welt. Der Film schlug nicht nur ein wie eine Bombe, sondern begeisterte Kritiker und Publikum gleichermassen – so stark, dass der Streifen nun noch einmal für einen Abend ins Kino kam, in 3D. Auf technische Spielereien kommt es aber hier nicht an, denn „One More Time With Feeling“ behandelt das innerste von Menschen und Künstlern – Trauer, Verlust, Hoffnung, Selbstwahrnehmung.

„They told us our dreams would outlive us / They told us our gods would outlive us / But they lied“ – Arthur Cave – der junge Sohn von Nick Cave – stürzte 2015 von einer Klippe in Brighton aus dem Leben und weg von unserer Welt. Plötzlich steht man als Künstler, als Person anders da und nichts macht mehr Sinn. Wie soll man nach einem solchen Trauma nur weiter machen, gar neue Musik schreiben und aufzeichnen? Der Film greift sanft nach diesen Fragen, fügt Interview-Aufnahmen wie Mosaik in Livedarbietungen der neuen Lieder ein und lässt die Zuschauer alles tief spüren. Caves Suche nach einem festen Grund, einem Ufer und Verständnis. Das langsame Auseinanderbrechen von Warren Ellis, der alles zusammenzuhalten versucht. Die Rat- und Rastlosigkeit von Susie Bick, die sich in Arbeit und Verstecke stürzt.

„Nothing really matters, nothing really matters when the one you love is gone / You’re still in me, baby / I need you“ –  Dieser Film schmerzt, er durchbricht deine Schalen und verändert ein Stück Musik für immer. Denn egal wie viel Zeit nach der Betrachtung vergehen wird, egal was alles geschieht – nie wieder wird dieses Trauma vergessen gehen. „One More Time With Feeling“ zeigt uns auf, wie merkwürdig unsere Wahrnehmung von Zeit und Verarbeitung ist – und weiss schlussendlich keine positive Antwort auf die Sinnessuche. Trotzdem, wir haben uns alle gegenseitig, wir haben die Kunst, wie haben die Momente.

„Let us go now, my one true love“ – Das Leben ist wie ein Teich, meist ruhig und glatt. Doch von Zeit zu Zeit durchstösst ein Stein diese Oberfläche und dieser Gegenstand, dieser Vorfall bewirkt Wellen – diese Momente verklingen aber wieder. Ein Trauma wie dieses hier aber bleibt für immer an der Oberfläche und für den Rest des Lebens werden sich die Wellen daran brechen. Unbarmherzig. Untröstlich.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Interstellar, KKL Luzern, 16-11-05

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Interstellar Live
21st Century Symphony Orchestra
Samstag 05. November 2016
KKL, Luzern

Wenn die Welt stirbt, versucht der Mensch, um jeden Preis sein Fortbestehen zu sichern – egal ob man dazu Tausende opfern und die Zukunft gar in den Sternen suchen muss. Konzipiert um in einer fremden Galaxis eine neue Kolonie zu starten, dienen die Lazarus-Missionen genau diesem Zweck. Das Problem ist nur, einen passenden Planeten zu suchen und herauszufinden, wer das Wurmloch neben dem Saturn erschaffen hat. Ob der ehemalige NASA-Astronaut Cooper ahnt, auf was er sich hier eingelassen hat?

2014 begeisterte Meister-Regisseur Christopher Nolan mit seinem Sci-Fi-Epos „Interstellar“ Kritiker und Kinobesucher gleichermassen. Der Film ist bildgewaltig, intelligent und perfekt inszeniert. Dank dem grossartigen Drehbuch, korrekter Physik und fantastischen Schauspielern erregt der Streifen auf viele Weisen – unter anderem auch dank der wahrlich eindrücklichen und andersartigen Musik, komponiert von Hans Zimmer. Die kreativen Köpfe hinter der Produktion entschieden sich schon sehr früh dazu, dem Soundtrack eine zentrale Rolle im Film zuzuspielen. Nolan ging sogar soweit, dass der neo-klassische Score in vielen Szenen die Dialoge und Geräusche überlagerte.

„Interstellar“ ist somit perfekt geeignet, um live mit Orchester aufgeführt zu werden – ein ehrgeiziges Projekt für das Schweizer 21st Century Symphony Orchestra unter der Leitung von Gavin Greenaway. Denn die Musik wurde nicht nur für ein Orchester geschrieben, sondern beinhaltet auch Stücke für vier Pianos und als Hauptelement eine Kirchenorgel. Glücklicherweise existiert eine solche Orgel im Konzertsaal des KKL in Luzern, und mit Roger Sayer konnte der Organist für das Projekt begeistert werden, der das Instrument schon für den Film eingespielt hatte. Als Besucher erwartete einen während der drei Aufführungen somit eine klangliche Wucht, die das Filmerlebnis noch einmal intensiver gestaltete.

Im ehrwürdigen und akustisch atemberaubenden Saal einen solch mitreissenden Film wie „Insterstellar“ mit live gespielter Musik zu erleben, war eine komplett neue Erfahrung. Natürlich war der Streifen schon damals im Kino eine Wucht, jetzt aber die einleitenden Klänge von „Dreaming Of The Crash“ zu vernehmen, bei „Years Of Messages“ Tränen zu vergiessen und beim alles übertreffenden „Imperfect Lock“ mitzufiebern und die Musik im gesamten Körper zu spüren, war fantastisch. Für alle, die sich für Filmmusik interessieren, die etwas neben der Norm stattfindet, ist eine Live-Präsentation von „Interstellar“ bestimmt eine der grössten Erfahrungen. Etwas, das am Samstagabend im KKL auch mit stehender Ovation bedankt wurde und noch lange in Erinnerung bleiben wird. Schön, dass das Orchester auch fast 20 Jahre nach seiner Gründung immer noch mit solchen Perlen überraschen und überzeugen kann.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Coroner Rewind – Film-Premiere in Zürich

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Coroner – Rewind
Regie: Bruno Amstutz und Lukas Ruettimann
Donnerstag 23. September 2016
Riffraff, Zürich

Es war wie ein Familientreffen und nicht selten fühlte man sich wie in einer Szene des soeben gezeigten Filmes mitwirkend. Denn an der Premiere zum neuen Dokumentarfilm „Coroner – Rewind“ waren einige Gäste anwesend, die ihr Gesicht und ihre Meinung im Streifen selber zeigen. So sass man direkt hinter Mitgliedern von Celtic Frost, trank ein Bier mit den Regisseuren oder zwinkerte den Mannen von Coroner auf dem Weg in die Acapulco-Bar zu. Die Vorführung der Geschichtsaufarbeitung der Schweizer Metalband startet den Auftakt zu einer neuen Phase – denn mit Coroner geht es endlich weiter.

Damals in den 90er-Jahren aktiv, war das Trio eine der einflussreichsten und anspruchsvollsten Bands im Gebiet des Thrash Metal. Ihre komplexen Lieder und die progressive Herangehensweise an ein eher eingeschränktes Genre brachte ihnen hohes Ansehen auf der gesamten Welt ein. Max Cavalera, Mille Petrozza oder Mikael Åkerfeldt wurden durch die Alben von Coroner beeinflusst und durften somit auch in „Rewind“ diese Begeisterung auf Film bannen. Wobei die Dokumentation versucht, alle Phasen der Band-Geschichte abzudecken. Somit erfährt man in hohem Tempo den Aufstieg der Schweizer, stürzt mit der Gruppe in die Schlucht der Auflösung und verkürzt die 16 Jahre andauernde Pause auf ein paar Minuten.

Sicherlich ist die klassische Struktur einer Musikdoku etwas schuld, dass „Rewind“ manchmal zu lange in sich selbst gekehrt bleibt. Die Filmemacher und Band selber kratzen bei vielen Themen zu schwach an der Oberfläche und wagen es nicht, komplexere Fragen zu ergründen. Somit wirkt der Film manchmal wie ein lustiges Klassentreffen, ein Bilderbuch oder ein Einführungskurs in die Welt von Coroner. Per se ist dies nicht schlecht, gerade weil auch Abschnitte wie das Comeback 2011 und der nun endgültige Ausstieg von Schlagzeuger Marky Edelmann thematisiert werden. Vielleicht wäre eine Konzentration der Zeit bis 1995 (und dem Erscheinen der abschliessenden Compilation) aber hilfreicher und eleganter gewesen.

Trotzdem, die Zukunft bietet vieles für Tommy Vetterli und Ron Broder – 2017 starten sie mit neuem Schlagzeuger und Album wieder in das Rennen. Audiovisuell darf aber zuerst noch in der Vergangenheit geschwelgt werden – „Rewind“ ist Teil der neuen Rückschau „Autopsy“. Diese Veröffentlichung zeigt auf 3 DVDs und einer LP mehrere Auftritte und Meilensteine im Schaffen von Coroner und beweist damit erneut: Dieses Trio veränderte den harten Metal im Schnellgang und bleibt bis heute relevant. Wer hat’s erfunden?

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Musicvideo Darlings Vol.2 – Fantoche Baden 2016

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Fantoche Animationsfilm-Festival
Freitag 09. September 2016
Kino Trafo, Baden

Wie schaut man sich Musikvideos meist an? Auf kleinen Bildschirmen, mit halber Aufmerksamkeit und als Hintergrunduntermalung. Doch produziert werden diese Clips mit anderen Hoffnungen: Man will die Musik den Menschen näher bringen, man will die Klänge zu einer visuellen Erfahrung gestalten. Und dies funktioniert weiterhin auf der grossen Kinoleinwand am besten. Dank dem wunderbaren Animationsfilm-Festival Fantoche in Baden, erhält man einmal im Jahr die Gelegenheit eine vorzüglich zusammengestellte Auswahl an solchen Videos in einem modernen Kinosaal zu geniessen.

Natürlich liegt der Fokus bei der Selektion „Musicvideo Darlings Vol.2“ auf kleinen, animierten Kunstwerken. Dabei zeigt das Team des Fantoche aber nicht nur eine glückliche Hand bei der Sammlung an Genres, sondern auch handwerklichen Techniken. Nicht nur Malerei, sondern Stop-Motion, Knetfiguren, Computer generierte Träume oder überzeichnete Filmbilder – Grenzen gibt es keine. Während 75 Minuten konnte man sich von der Aussenwelt verabschieden und komplett in die bunte Welt der Musikvideos einzutauchen. Die bekannten klassiker wie „Take On Me“ von a-ha oder „Sledgehammer“ von Peter Gabriel fehlten natürlich, denn die Neuzeit bietet vieles an Faszination.

Wer hätte denn gedacht, dass voreinander gestelltes Papier so spannend sein kann wie hier bei „Katachi“ von Shugo Tokumaru?

Oder das experimenteller Rock aus Italien so bunt wirken kann wie bei „Pandemonio“ von Zu?

Oder, dass man auch ohne Drogenkosum bei dieser Kollektivarbeit zum Lied „When I Was Done Dying“ von Dan Deacon total abdriften kann.

Und zum Abschluss noch ein Papier-Vampir aus der Schweiz, mit all seinen Problem. Untermalt von Heinz de Specht.

Neugierige finden die komplette Liste aller präsentierten Clips unter diesem Link.

69. Filmfestival Locarno – Samstag 16-08-06

Bild von Cornelia Hüsser

Bild von Cornelia Hüsser

69. Filmfestival Locarno
Samstag, 06. August 2016

Dank einer wunderbaren Fügung des Glücks gewann ich bei Cineman zwei Tagespässe für die 69. Ausgabe des Festival del Film in Locarno. Und da ich schon immer einmal dieses weltbekannte Filmfest besuchen wollte, hielt mit am letzten Samstag nichts davon ab, mit meiner Freundin das Tessin zu besuchen. Sicherlich, 30 Grad und strahlender Sonnenschein sprechen nicht unbedingt dafür, Stunden in dunklen Sälen zu verbringen – doch was macht man nicht alles für die Kultur der bewegten Bilder.

Und zu wenig bietet das Festival del Film in Locarno an einem Samstag auf keinen Fall. Nicht nur muss man sich zwischen neun Orten und massenhaft Filmen entscheiden, dazwischen wollen auch noch Fragenrunden, Verleihungen von Auszeichnungen und das Festivalgelände voller Essensständen, Bars, Partyzelten und Boutiquen besucht werden. Kein Wunder, vergingen die Stunden wie im Flug und die Heimreise in der tiefen Nacht war schneller da als man Cinema schreien kann. Durch unsere geschickten Überlegungen schafften wir es aber, zwei Spielfilme als Weltpremiere, eine Dokumentation mit Anwesenheit des Regisseurs und einen fordernden Kurzfilmeblock zu geniessen.

Sicherlich, das Highlight des Festivals sind jeden Abend die Präsentationen von neusten Filmen aus aller Welt auf der wunderschönen Piazza Grande. Gleich zwei französische Produktionen durften in dieser warmen Sommernacht genossen werden – nachdem der amerikanische Schauspieler Harvey Keitel für sein Lebenswerk geehrt und ausgezeichnet wurde. Ein toller Moment, bekannte Stars wie ihn endlich in echt sehen und erleben zu dürfen. Das Gespräch mit Regisseur Gaspar Noé verpassten wir leider, doch dieser Kurzauftritt unter der riesigen Leinwand machte diesen Umstand wieder wett.

Cessez-le-feu
Regie: Emmanuel Courcol /Frankreich, 2016
Das Leben nach dem ersten Weltkrieg war für die Überlebenden kein einfaches – so finden auch die Brüder Marcel und Georges weder zueinander noch zum Frieden. Und leider findet auch dieser Film weder die richtigen Mittel noch die Tiefe, welche dieses Thema verdient hätte. Zu schnelle Szenenwechsel, zu platte Figuren – aber toll bebildert.

Dans la forêt 
Regie:Gilles Marchand / Frankreich, 2016
Mit seinen Söhnen verschwindet der Vater im schwedischen Wald – und scheint dabei nicht zu sein, was er scheint. Er schläft nie und wird immer ungehaltener. Ist er etwa der Teufel? Und genau so beklemmend wie diese Geschichte ist auch der Film von Marchand. Mit fesselnden Bildern und einer albtraumhaften Klangkulisse entführt er in eine Unterwelt voller psychologischer Fragen und Horrormomente. Echter Tipp für alle Thriller-Fans.

Bezness as usual
Regie: Alex Pitstra / Niederlande, 2016
Urlaub in Tunesien – früher das perfekte Mittel, um von seinen Problemen in Europa loszulassen und das Leben zu geniessen. Doch viele Frauen kehrten nicht nur mit einem neuen Mann, sondern auch einem Kind zurück. So erging es auch der Mutter von Regisseur Pitstra, der mit dieser einfühlsamen und extrem spannenden Dokumentation die Geschichte seiner Familie und seines tunesischen Vaters ergründet. Die Spurensuche führt dabei nach Basel, Lappland und in die merkwürdigen Eigenheiten einer fremden Kultur. Grossartig!

Setembro  
Regie: Leonor Noivo / Portugal, Bulgarien, 2016
Ein Kurzfilm über die Rückkehr einer Mutter mit ihrem Sohn nach Portugal. Erzählt in bedeutungsschwangeren Bildern und einer leisen Tonspur. Für meinen Geschmack etwas zu lose und nicht zwingend genug.

Cilaos
Regie: Camilo Restrepo / Frankreich, 2016
Auf der Insel La Réunion sucht eine Frau ihren Vater – und findet Rätsel und musikalische Abenteuer. Erzählt in Maloya-Rhythmen ist der Kurzfilm mehr Traum als Geschichte, aber bietet eine starke Anziehungskraft.

Sredi cheornyh voln
Regie: Anna Budanova / Russland, 2016
Der Animationsfilm basiert auf einer alten Legende, nach der ertrunkene Frauen sich in Meerestiere verwandeln. Wunderbar gezeichnet und in perfektem Tempo inszeniert zeigt uns Anna Budanova den Versuch eines Jägers, eine solche Frau als Mensch bei sich zu behalten.

Nuestra amiga la luna
Regie: Velasco Broca / Spanien, 2016
Dieser Kurzfilm sperrt sich jeglicher Definition, weder im Alter noch in der Form. Visuell berauschend und erzählerisch springend ist diese Arbeit eher ein Märchen als ein klassisches, bewegtes Bild. So sah man den Ganges noch selten.

Etage X
Regie: Francy Fabritz / Deutschland, 2016
Zwei Frauen stecken im KaDeWe im Lift fest und lassen alle Hemmungen fallen. Was zuerst wie eine Komödie anmutet, wird immer mehr zu einem Fetischtraum und schlägt eine Richtung ein, die man nie erwartet hätte. Sehr lustig, aber für mich dann doch eine Spur zu extrem.

Offen, interessant, fordernd und abwechslungsreich – das Programm am Festival del Film in Locarno bietet nicht nur für jeden Cineasten spannende Entdeckungen, sondern lädt dazu ein, unsere Welt aus vielen neuen Blickwinkeln zu betrachten. Dies wird bestimmt nicht mein letzter Besuch dieser Veranstaltung gewesen sein, und gerne zeige ich mich auch nächstes Jahr wieder in Locarno.

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U2 – iNNOCENCE + eXPERIENCE – Live In Paris (2016)

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U2 – iNNOCENCE + eXPERIENCE – Live In Paris
Label: Universal, 2016
Format: Box mit Bluray, DVD, USB-Stick, Buch
Links: Discogs, Band
Genre: Stadion-Rock, Pop

Die Welt ist gespalten, die Meinungen gehen auseinander und die irische Band – welche schon immer polarisierte – teilte auf ihrer letzten Tour sogar eigenmächtig das Publikum und ihre Show. U2 nahmen vielen negativen Stimmen mit ihrer „iNNOCENCE + eXPERIENCE“-Weltreise bald die Worte aus dem Mund und liessen so manchen staunen: Denn was die vier Iren in Paris ablieferten war grosse Klasse und versetzte die Kunst der Arena-Shows in eine neue Dimension. Wie gewohnt mit starkem Bezug zum Weltgeschehen und vielen Hits, neu aber auch mit Konzept und rotem Faden, welche die Songs verbindet. Dank der kernigen Regie von Hamish Hamilton lässt sich der Abend nun immer wieder durchleben.

Fast wäre es nicht zu diesem Konzert in Frankreich gekommen, denn am eigentlichen Datum wurden in Paris mehrere Terroranschläge verübt und die Krisen, welche Europa auseinanderzureissen scheinen, waren nicht mehr nur ein Gedanke hinter Projektionen und Liedern. Doch U2 hielten ihr versprechen und brachten den Zirkus, die Hoffnung und die musikalische Liebe in die Stadt zurück. Topmodern, filigran und doch effektiver als jemals zuvor – mit einem riesigen, begehbaren Screen in der Hallenmitte, zwei verbundenen Bühnen und einer Show, die zuerst die Vergangenheit beschwor und somit die Zukunft gestaltete. Obwohl die Musik von ihrem neusten Album gegenüber den alten Hits viel an Qualität missen lässt, als Aufarbeitung von U2s Herkunft erhielten „Cedarwood Road“ oder „Raised By Wolves“ neue Energie.

Verknüpft mit Klassikern wie „Until The End Of The World“, „Bullet The Blues Sky“, „Pride“ oder „I Will Follow“ erschufen U2 eine Erzählung, welche politische Kritik, Rückbesinnung auf die eigene Herkunft, die Widersprüche des Rockstarlebens und zwischenmenschliche Liebe als Gesamtheit in der Rockmusik platziert. Bono versuchte nicht den Zuschauern seine Ideologie aufzuzwingen sondern zeigt, wie schön es hier auf der Welt doch sein könnte – wie wir alle zusammenhalten und uns gegen die inneren und äusseren Zwänge stellen müssen. „Love Over Fear“,  besonders in schwierigen Zeiten wie diesen.

Natürlich ist es einfacher, grosse Gedanken mit grosser Technik in die Welt zu tragen. Doch egal wie oft die Band durch den gewaltigen Bildschirm läuft, Lieder via Smartphone direkt in die ganze Welt übertragen werden oder Lichter die Halle und die Menschen in Farben und Schatten tauchen – die Begeisterung der Besucher, die Zugänglichkeit von U2, die emotionalen Bezüge zur aktuellen Weltlage machten aus „iNNOCENCE + eXPERIENCE“ mehr als nur eine Konzertreihe – es ist der Beweis, dass U2 weiterhin die Könige des Stadion-Rock sind. Schneidende Gitarren und kunstvolle Zitate, wunderschöne Animationen und drückende Bässe – Hoffnung, Geborgenheit, Euphorie. Und dann waren plötzlich noch die Eagles Of Death Metal da und trotzten der Gewalt und dem Hass, gemeinsam als Musiker, gemeinsam als Menschen. Wir alle.

Anspieltipps:
Cedarwood Road, Until The End Of The World, Bullet The Blue Sky, Zooropa

Media Monday #256

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Der Sommer ist wieder da, Zeit sich vor dem TV zu verstecken und die Fragen des Medienjournal füllen.

1. Abgesehen vielleicht von der Fantasy in Basel und einem hypotetischen Besuch der Comic Con San Diego interessieren mich Conventions/Messen eigentlich nicht wirklich. Was genau ich dort machen soll, habe ich noch nicht herausgefunden. Das Nerd-Level ist wohl zu hoch für mich.

2. HD, 3D, UHD… Mir persönlich reich ja das „einfache“ HD. Wobei die Abkürzungen früher irgendwie auch schon mal besser waren. Oder?

3. „Push“ war ja mal ein richtig mieser Streifen, aber vor allem halt einfach leer und belanglos. Die Geschichte ist absolut an den Haaren herbeigezogen, voller Logiklöcher und doofen Figuren. Immerhin sind die Schauspieler toll und Dakota Fanning cool. Etwas traurig ist es aber schon, dass vor allem die Action-Szenen in einem Action-Film langweilig sind.

4. Wenn es rein danach geht, wie viele Filme ich mit einer/einem DarstellerIn gesehen habe, müsste(n) wohl vermutlich Stanley Tucci an der Spitze liegen, schließlich ist der Mann nicht nur grossartig und absolut wandelbar, sondern auch in jedem gefühlten zweiten Film im Kino vertreten. Gut so.

5. „Supernatural“ ist eine dieser Serien, die schon viel zu lange läuft, denn ich komme mit dem Gucken einfach nicht mehr nach. Irgendwo in Staffel 4 bin ich hängen geblieben und die sprechen bereits von Season 12? Mein Gott, wie lange kann man die Welt denn von Dämonen und Monstern retten?

6. Müsste ich jemandem, der mir nicht näher bekannt ist, ein Buch schenken, dann wäre das wohl ein Roman der mir viel bedeutet, denn das Teilen von Erlebnissen und Gefühlen bringt die Menschen schliesslich näher zusammen. Wie wäre es also mit „Wie wird Beton zu Gras“ von Otto F. Walter, oder „Haben oder Sein“ von Erich Fromm, etwas von Dennis Lehane oder vielleicht ein Klassiker von Max Frisch?

7. Zuletzt habe ich „X-Men Apocalypse“ gesehen und das war eine tolle Fortsetzung der Reihe, weil die Schauspieler wunderbar zusammen spielen und der Film echt gut gemacht ist. Die Geschichte wirkte nie forciert und viele Handlungsstränge der letzten Filme werden wieder aufgegriffen. Endlich ein Ensemblefilm, der seine vielen Charaktere passend jongliert. Und Sophie Turner ist nun mit dabei. *.*

Media Monday #255

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Dieses Pfingstwochenende hatte es in sich, und die Tage davor auch. Fünf Konzerte in einer Woche sind doch etwas viel, aber ein wenig Platz für Film und TV blieb trotzdem. Die Vorlage stammt wie immer vom Medienjournal.

1. So ein langes Pfingstwochenende verleitet ja regelrecht dazu viel zu unternehmen und viel Zeit im Wohnzimmer zu verbringen. Denn wie meist, war es auch dieses Jahr eher regnerisch. Darum hab ich die Gelegenheit genützt um bei einem Freund zu Hause die VR-Brille für sein Smartphone auszuprobieren. Eine ganz unterhaltsame Sache, wenn auch das Angebot an Videos und „Spiele“ noch sehr klein ist.

2. Das Abendessen verwechsle ich ja gerne mal mit ein paar Flaschen Bier, an solchen Wochenenden. Besonders wenn man jeden Abend mit Freunden an ein Konzert geht. Wunderbar daran ist aber, dass man sich dann auch mal ein Essen nach dem Ausgang kocht. Zum Beispiel gleicht mit fünf Gästen in der eigenen Wohnung, und dazu leidenschaftlich über Musik spricht. Bis drei Uhr Nachts.

3. Am Samstag war GraticComicTag, die FedCon läuft dieser Tage auch noch. Mir persönlich war beides egal. Ich schaue weder Star Trek, noch mag ich Comics in deutscher Übersetzung lesen. Beim amerikanischen Pendant bin ich aber bestimmt wieder in einem Shop anzutreffen.

4. Wenn es „Chelsea“ nicht gäbe, ich würde wohl mein Leben genau so fortführen wie mit dem Angebot dieser neuen Talkshow auf Netflix. Sicherlich, die Dame ist ja ganz ok und auch immer mal interessant, doch das Konzept hinter der Sendung begreife ich noch nicht wirklich. Und drei neue Folgen pro Woche? Da wird sich doch schnell eine Übersättigung einstellen.

5. ESC-Twittern, Tatort-Twittern, dieses ganze kollektive Fernsehen war mir bis jetzt komplett unbekannt. In meinem Wohnzimmer steht zwar ein TV, der wird aber nur für Bluray und Netflix benutzt. All diese Schrottsender empfange ich nicht, auf den sozialen Netzwerken treibe ich mich nicht herum. Lieber mit echten Menschen ab und zu über Filme, Serien und das Leben diskutieren.

6. Leute, kennt ihr eigentlich eine tolle Alternative zu dem iPod Classic? Solltet ihr nämlich unbedingt, schließlich gibt mein liebstes Gerät so langsam den Geist auf und ich will doch nicht ein iPod Touch mit nur 64GB kaufen. Das reicht ja knapp für alles von U2, Ellie Goulding und Marillion. Und gibt es ein Spieler, der die Dateien von iTunes abspielen kann?

7. Zuletzt habe ich das Technorama in Winterthur besucht und das war aufregend, spannend und unterhaltsam, weil man in diesem Wissenschafts-Zentrum hunderte von Experimente selber durchführen kann. Die Welt der Physik, Chemie, Biologie und Technik wird einem somit greifbar gemacht und auf wundersame Weise erklärt.

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Media Monday #254

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Was war das toll, ein solch langes Wochenende. Zum Start der normalen Woche noch der neuste Lückentext vom Medienjournal.

1. Wirklich, bei der Besetzung hätte ich mir bei „New Girl“ nichts anderes wünschen können. Die Hauptfiguren sind mir nach wenigen Folgen bereits stark ans Herz gewachsen und ich fühle mich wieder wie damals bei „Friends“: Ich wurde in eine neue Gang aufgenommen und darf mit ihnen alle Höhen und Tiefen des Lebens durchmachen. Nur, dass Coach nach der Pilotfolge plötzlich weg war hat mich etwas verwirrt.

2. So schön das Hobby Film auch sein mag, meine Freundin / meine Freunde hat/haben immer Vorrang, schließlich besteht das Leben zum grössten Teil aus der Realität und nicht fremden Welten und Personen auf dem Bildschirm. Und die Natur / Welt ist einfach auch zu schön, um nicht mit den eigenen Augen gesehen zu haben.

3. Jeder Film von Monty Python ist eine großartige Satire, denn ich liebe den direkten und schwarzen Humor aus England. Hier wird niemanden verschont und keine Pointe ist zu flach oder doof. Da wir in der Schweiz den Humor leider schon lange verloren haben, ist ein solcher Streifen immer eine wunderbare Abwechslung.

4. Beim Thema Dokumentationen lasse ich mich gerne durch Freunde beraten oder greife blindlings bei Netflix zu. In Diskussionen erfährt man aber meist am besten von neuen Themen und Filme.

5. Irgendwie scheint ja jeder unzählige Serien gesehen zu haben, wohingegen ich mit meiner Programm überhaupt nicht nach komme. Dieses Wochenende gab es die ersten paar Folgen von „Marseille“ – eine echt spannend gemachte Polit-Action-Serie von Netflix. Natürlich erinnert man sich an „House Of Cards“, doch alles ist ein wenig französischer. Also mehr Zigaretten, Kriminalität und Sex.

6. Die Rechenleistung meines MacBook hat sich nicht wirklich zu ihrem/seinen Vorteil entwickelt, schließlich wurde der Laptop seit Jahren immer langsamer und müder. Doch nun wage ich das Update auf „El Capitan“. Falls ihr also bald nichts mehr von mir liest, hat die Frischzellenkur nicht geklappt.

7. Zuletzt habe ich mit meiner Freundin die Fantasy Basel besucht und das war super unterhaltsam und ein echt lustiger Tag, weil die Schweizer Comic-Con in ihrer zweiten Ausgabe grösser, besser und bunter wurde. Nebst Ständen voller Funko-Pop Figuren, Comics und verrücktem aus Asien, gab es viele Cosplayer zu betrachten, Games zum testen, Trailer zu gucken und Modelle zu bestaunen. Plötzlich waren die Verlierer wieder die Könige der Welt.

Media Monday #253

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Neue Arbeitsstelle, neues Glück. Zuerst aber ein paar Lücken vom Medienjournal.

1. Wenn mal jemand auf die Idee käme einen Film zu drehen, der etwas völlig neues darstellt, dann wäre ich wohl sehr positiv überrascht. Wenn ich diese tolle Idee hier nun hätte, dann würde ich sie bestimmt nicht euch allen verraten. Aber schlussendlich muss man sich wohl mit den immer selben Muster bei Geschichte und Präsentation begnügen. Oder wer kennt völlig abgefahrene Ausreisser? (Siehe „Enter The Void“, „Holy Monsters“ etc.)

2. Innerhalb der Blogosphäre an sich könnte ruhig mal alles los bleiben wie es ist – für mich jeden Falls. Ich habe meine Nische und mein gemütlicher Platz gefunden, meine Texte werden gelesen und das Hobby macht immer noch Spass. Wieso also grössenwahnsinnig werden?

3. Carey Mulligan braucht sich sicherlich nicht hinter gestandenen Schauspielgrößen zu verstecken, wie eine Tabelle von Vox.com eindrucksvoll beweist, schließlich führt sie hier die Liste der am besten bewerteten Schauspielerinnen an. Eindrucksvoll und meiner Meinung nach auch verdient. So lässt es sich gut grinsen.

4. Hätte ich vorher geahnt, auf was ich mich einlasse, ich hätte wohl noch mehr Vorfreude auf „Captain America – Civil War“ gehabt. Der Film übertraf all meine Erwartungen und schaffte es perfekt die Action und Charaktermomente zu verbinden. Egal wie viele Helden hier um Gerechtigkeit und Ideale kämpfen, am besten funktioniert der Streifen immer dann, wenn die Figuren diskutieren. Und endlich wurde Spider-Man perfekt vom Comic auf die Leinwand übertragen, Nebenfiguren wie Ant-Man in wenigen Minuten glänzend portraitiert, die Geschichte komplex und spannend gestaltet und das gesamte Marvel Cinematic Univers verändert. Danke Russo-Brüder, dies war der beste Marvel-Film seit.. allen. Und wie cool und liebenswert ist denn Scarlet Witch?

5. Wenn ich mich einmal nicht meinen medialen oder popkulturellen Hobbies widme reise ich gerne in der Schweiz oder Welt umher, unterhalte mich mit anderen Menschen oder versuche meine Gedanken etwas zu ordnen. Viele Ideen liegen seit Jahren herum, etwas brach, und wollen nun endlich voran getrieben werden. Ran an die Visionen.

6. Es könnte ruhig mehr Ausstellungen wie „Total Records“ geben, schließlich kann man im Umfeld der Musik noch viele visuelle Aspekte stärker betrachten. Was genau denn an dieser Fotografie-Präsentation so toll war, oder wieso sich der Besuch in Winterthur lohnt erfährt ihr noch diese Woche.

7. Zuletzt habe ich „Special Correspondents“ auf Netflix geschaut und das war ganz unterhaltsam, weil sich hier um eine Komödie handelt, die wieder einmal ein klassisches Szenario aufführt. Der Netflix Original Film ist kein Meisterwerk, es macht aber Spass Rick Gervais und Eric Bana zuzuschauen – und besonders toll zu sehen, wie Vera Farmiga in der geltungssüchtigen Ehefrau aufblüht. Für grosse Lachattacken bleibt der Film aber etwas zu vorausschaubar.