Autor: Michael Bohli

Bohli blogt über Musik. Plattenkritiken, Konzertberichte, Gedanken zu aktuellen Geschehnisse und Wiedergabelisten. Alles aus der Welt der schönen Klänge, ganz subjektiv gefiltert. Ergänzt werden die Beiträge mit Berichten über Comics, Film & TV sowie Bücher. Gestartet im März 2014 ist das Projekt frisch und wird laufend ausgebaut. Neu erscheinen unregelmässig Interviews mit Bands und Künstler, Reiseberichte und meine persönlichen Lieblingsalben. Geplant: Portraits von Plattenläden, Clubs.

Vlimmer – IIIIIIII / IIIIIIIII (2017)

„Beutenacht“ macht es gleich klar: Auch wenn Vlimmer in seiner 18-teiligen EP-Reihe nun die Mitte erreicht hat, glücklicher und zuversichtlicher ist Alexander Donat deswegen in seiner Musik nicht. Der Gründer des Labels Blackjack Illuminist und grosse Verfechter von grimmigem Wave zieht auch mit „IIIIIIII / IIIIIIIII“ weiterhin um die Betonruinen und verlassenen Baubrachen in Berlin. Dazu nutzt er lärmige Drones genauso wie verrauschten deutschen Gesang und geradlinige Drums unter schneidenden Gitarren.

Lieder wie „Jugendentzug“ scheren sich aber einen Dreck um die drückende Schwerkraft in dunklen Stadtgebieten, sondern krempeln Cold Wave und Noise-Pop zu einer nihilistischen Version von Klängen um, die auch Bands wie The Flaming Lips mit ihrem Album „The Terror“ anzuzapfen versuchten. Im Gegensatz zu den Amerikanern weiss Vlimmer aber jederzeit, dass übersteuerte und verfremdete Melodien kühle Skepsis und Fatalismus benötigen. Sogar wenn der EBM vorbeischaut, bleiben die Tanzschritte verhalten („Schwerelosigkeit“ oder „Strato“).

Schwarz, rau und voller Risse – „IIIIIIII / IIIIIIIII“ ist eine tolle Portion an Musik, die sich irgendwo zwischen Darkgaze und Wave herumtreibt und zu keiner Sekunde positiv sein will. Vlimmer vermengt diverse Stilrichtungen und Ideen zu einem wandelbaren Erzeugnis, entzieht jedem Tag das Sonnenlicht und lässt alles in extremer elektronischer Verzerrung versinken. Da ist es schon fast beruhigend, dass man mit „Betonozean“ doch wieder auf dem sicheren Boden der Post-Punk-Tatsachen landet. Hypnotisierend.

Anspieltipps:
Schwerelosigkeit, Körperkonstante, Strato

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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GATS – Gifts For The Howling Soul (2017)

Matthias Kanik weiss, was unsere Seelen benötigen, wenn sie wieder einmal ausgelaugt und erschöpft vor sich hin jaulen. Unter dem Namen GATS veröffentlichte der deutsche Musiker mit „Gifts For The Howling Soul“ nämlich ein Album voller Stücke, die im befreienden Ambient mit tanzbaren Takten und Zitaten des Dreampop neue Energie versprühen. Als ob man die inneren Geister fassbar machen und aufbauen könnte.

Zwischen Gitarre, Synthies, Gaststimmen und tollen Rhythmen landet GATS immer wieder gefühlsvolle Treffer und lässt seine Musik zwischen sehnsüchtigen Melodien der Marke Elbow („Change Will Come“) und experimenteller Entspannungsmusik à la No-Man („Late Night Cafe“) klingen. „Gifts For The Howling Soul“ wird somit schnell zu einer Platte voller Hoffnungen, guten Gedanken und dem gesuchten Leitstrahl. Leichtfüssig und klar, abwechslungsreich und zurückhaltend.

GATS fällt nicht mit Tür und Tor ins Haus, sondern übt sich eher in Zurückhaltung und Unscheinbarkeit. Auch ich benötigte einige Anläufe, bis ich die wahre Schönheit von Kompositionen wie „At The Campfire“ entdeckte. Sobald dies geschehen ist, lassen einen die Lieder aber so schnell nicht mehr los. Gäste wie Jill oder Lagoon erweitern das Klangbild auf angenehme Weise und machen endgültig klar: Unsere Wunden werden auf jeden Fall heilen.

Anspieltipps:
Late Night Cafe, Change Will Come, At The Campfire

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Wanda – Niente (2017)

„Weiter, weiter“ eröffnet das dritte Album der Wiener Schlager-Schmuddel-Popper – und versucht damit den Elan der bisherigen Veröffentlichungen mitzureissen. Das ist eigentlich gar nicht so schwierig, haben Wanda in den letzten Jahren schliesslich zu Recht riesige Erfolge gefeiert und ihre leichtfüssigen Lieder mit schwermütigen Texten durch halb Europa getragen. Nun soll also der Hattrick komplettiert werden, doch irgendwie ist auf „Niente“ etwas der Wurm drin. Oder klingt bloss langsam der Rausch ab?

An der Grundformel hat die junge Band um Sänger Michael Marco Fitzthum (der auch hier wieder lasziv, leidend und augenzwinkernd seine Worte in unsere Ohren legt) nichts gross geändert. Gitarre und Orgel kreieren lockere Melodien, die Rhythmussektion festigt alles mit geradlinigen aber doch tanzbaren Takten, dazu ein paar Streicher. Wanda haben ihre Nische gefunden und graben darin weiterhin nach Diamanten – wie „0043“ oder „Schottenring“. Was aber „Niente“ anders macht: Es legt sich nicht mehr mit dir in der dunklen Gasse an.

Während auf „Amore“ und „Bussi“ noch der Dreck regierte, die dunklen aber erotischen Sprüche, dann sind hier die Versöhnung und die Umarmung vorrangig. Wanda zelebrieren plötzlich die angenehmen Erinnerungen und vergessen in ihren Songs die reizvollen Schönheitsflecken. Somit ist „Niente“ zwar weiterhin ein Lausbub, der genau weiss, mit was für Hooks er uns packen kann, wird aber immer im Schatten seiner älteren Bruder stehen.

Anspieltipps:
0043, Schottenring, Ich sterbe

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

David Howald – The Double (2017)

„Melody Shaker“ – hört euch dieses Lied an und sagt mir danach, wieso diese Platte nicht schon lange in eurem Besitz ist! Was der gebürtige Basler Künstler David Howald auf seinem zweiten Soloalbum „The Double“ abliefert, ist nämlich beeindruckende, düstere und seelenstarke Musik. Egal ob er dabei Recoil kanalisiert oder sich wie ein junger Leonard Cohen durch seine Kompositionen schwingt, er ziert sich wunderbar mit der Dunkelheit und findet in jedem Schwarzton eine angenehme Theatralik und deren Reiz.

So pendelt er geschickt zwischen einer tief schürfenden Ein-Mann-Show mit Einblick in die persönlichen Gedanken, und einer avantgardistischen Version des Kammer-Pop mit Streicher und aufbrausendem Drum. Was früher bei Nick Cave zum guten Ton gehörte, das ist auch bei David Howald ein Zeichen für Qualität. Kleine Klaviermomente wie „7black0“ treffen auf Schunkler im Gebiete des Swing, der in Welten zuhause ist, die nur aus Nachtclubs bestehen.

Dank der tatkräftigen Unterstützung von befreundeten Musikern und jahrelanger Arbeit in Studios in Berlin, Basel und Wien ist aus „The Double“ ein wundervolles Album entstanden, das mit mit einer starken Intensität und Geschmackssicherheit überzeugt. David Howald scheint damit am Ende der Bar zu stehen und trinkt gedankenverloren seinen Drink, um ihn kreisen die Grössen der alternativen Musik. Und so poetisch wie diese ist er selbst schon lange.

Anspieltipps:
7black0, Melody Shaker, The Ghost And The Missing Dime

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Minni – Dark Horse (2017)

„Dark Horse“ kommt zwar nur mit drei Liedern und einem zusätzlichen Remix um die Ecke, zeigt als EP aber gleich die volle Kraft, die ein solches Format in den richtigen Händen bieten kann. Minni, welche nach ihrer Kindheit in Kroatien nun in Berlin kreativ arbeitet, zeigt mit diesen neusten Songs nämlich, dass Synthie-Pop bei ihr zu einem wahren Wunderstil wird. Stimmlich und atmosphärisch nahe bei Sade zu verorten, damals als man noch nachdenklich zur Musik schmachten durfte, beginnt „Fool“ herrlich verträumt und gross. Fast vergisst man, dass die Musik aus Synthies und Drum Machines kommt.

Und mit den klanglichen Huldigungen geht es auch gleich weiter, „Dark Horse“ sucht das Glück in den Anfängen von Talk Talk, nutzt seine Melodie aber auch, um schwerelos über die Landschaften zu gleichen. Es ist grosses Kino, was Minni hier abliefert und knappe fünf Minuten Liedlänge sind immer zu wenig. Das gilt auch für „Give A Little Love“, das mit fantastischem Bass bei Bryan Ferry anklopft und dann romantisch in den toll gesungenen Refrain einsteigt. Dazu gesellt sich das zurückhaltende aber wirkungsvoll gespielte Saxophon von Otis Sandsjö und die filigrane Perkussion von Jason Cooper.

Im direkten vergleich zwischen „Dark Horse“ von Frau Perry und dieser EP sollte schnell klar sein, wo sich Minni positioniert. Mit nur drei neuen Stücken verzaubert uns die Musikerin und bringt endlich die wahre Sensualität zurück in den Pop. Da braucht es kein riesiges Budget, da benötigt man keine Effekthascherei – diese Klangwelten nehmen gefangen und wollen immer wieder genossen werden. Ein solches Pferd hätten die Trojaner auch lieber erhalten.

Anspieltipps:
Fool, Dark Horse, Give A Little Love

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Them Fleurs – Run (2017)

Die Aussage, Them Fleurs bewegen sich zwischen Szenen und Zeitgeist ist nicht nur eine leere Worthülse um Kundschaft anzulocken, spätestens beim dritten Song „The End (Part One)“ erfährt man dies während zehn abwechslungsreichen und gefühlvollen Minuten. Die Band aus Bern hantiert hier nämlich zwischen nationalem Pop, alternativen Gitarrenmomenten und ausufernden Instrumentalpassagen. Und genau diese Bereitschaft, die Musik nicht immer im gewohnten Ort enden zu lassen macht aus dem neusten Werk „Run“ eine spannende Platte zwischen Radio und Kulturkeller.

Seit 2014 versuchen die Mannen um Sänger Samuel Schnydrig nicht nur bewährte Tugenden der leichteren Musik für sich zu nutzen, sondern dem Stil auch eine neue Färbung zu verpassen. Ob man Them Fleurs nun im Indie oder im Post-Irgendwas verankern will, so richtig passt keine Beschreibung zu diesen Songs. Und genau dies macht aus Ohrwürmern wie „Run“ oder langsam aufgebauten Rockern wie „Casino“ Lieder, die man sich gerne anhört und ohne grosse Anstrengungen geniessen kann. Keyboardtupfer und toll in sich verwobenen Gitarrenspuren geben der Musik einen variantenreichen Teppich und wirken immerzu bunt.

Schnell vergisst man somit auch, dass die englischen Texte manchmal etwas stark mit Akzent gesungen werden, schliesslich haben Them Fleurs auch in die Worte viel Eigenes gepackt. Ob persönlich und mehrfach überdacht oder dann doch aktuell und gesellschaftsbezogen, diese Platte passt sehr gut in dieses Jahrzehnt. Dazu kommen mit viel Raum und Dynamik vollgepackte Szenen wie „All I Need“ welche immer wieder zum gemütlichen Wippen einladen. Die Schweiz kann so entspannt und versiert klingend daherkommen.

Anspieltipps:
Run, The End (Part One), Casino

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

10 Years – (How to Live) As Ghosts (2017)

„Burnout“ ist einer dieser typischen Rock-Songs, für die man eigentlich zu abgeklärt im Leben steht um ihn zu lieben. Aber 10 Years seien gepriesen, denn auch mit ihrem achten Studioalbum haben sie wieder Ohrwürmer geschrieben, die sich nicht um solche Gedankengänge scheren und mit eingängigen Riffs, herrlich gefühlsvollem Gesang und packenden Refrains zu neuen Lieblingen werden. „(How To Live) As Ghosts“ versprüht das erlösende Gefühl einer Wiedergeburt, schien die amerikanische Alternative Rock Band doch kurz vor ihrem Ende zu sein.

Denn was 1999 voller Elan begann, wurde immer schwieriger und gemäss Aussagen von Frontmann Jesse Hasek waren die Aufnahmen zum Vorgängeralbum extrem mühsam. Nach einigen Besetzungswechsel und frischen Einfällen kehren 10 Years nun aber doch wieder erstarkt auf die Bühnen der Welt zurück und bieten mit „(How To Live) As Ghosts“ elf neue Songs, die zwischen modernem Rock, nicht ganz so brutalen Deftones und grossen Gefühlen pendeln. Genauso vielfältig und überlegt zeigen sich auch die Lyrics, welche viel von den Tourerfahrungen Haseks laben.

10 Years bieten also mit ihrem neusten Werk lebensbejahende Musik, die gerne gross und voluminös daherkommt („Ghosts“), sich heroisch steigert („Blood Red Sky“) oder auch verliebt mit kleiner Lautstärke anlocken kann („Lucky You“). Die Mannen gehen dabei immer klar strukturiert vor und vermeiden eine zu wilde Präsentation, doch diese saubere Produktion passt ganz gut zu ihrer Musik. Und mit Stücken wie „Vampires“ erhält man schliesslich trotzdem wunderbar treibende Minuten mit dem gesunden Pathos.

Anspieltipps:
Novacaine, Vampires, Lucky You

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Ghostmaker – Aloha From The Dark Shores (2017)

Direkt aus dem Herzen von Berlin, mit Vollgas und viel Lust zum Lärm kommen uns Ghostmaker mit ihrer neuen EP „Aloha From The Dark Shores“ entgegen. „Modern Termination“ groovt und rast schneller dahin als es Queens Of The Stone Age heute jemals könnten, die Gruppe um Frontmann Chris W. Jany bringt den Spass zurück in den noisigen Rock. Dass es sich hier um ihre erste Veröffentlichung und nur um den Vorboten zum im Februar kommenden Album handelt, kann man fast nicht glauben.

Denn mit bluesig angehauchten Tracks wie „Fork Man“ bringen die Mannen Momente auf das Parkett, die nach jahrelanger Erfahrung klingen. „Tiger Hates Pi“ schlittert mit Druck und Power um die Ecke, wie es bei Spidergawd immer passiert und Ghostmaker zelebrieren die Liebe zum kräftig aufgebauten und dargebotenen Heavy Rock. Weit weg von den dreckigen Punk-Strassen der Deutschen Hauptstadt ist „Aloha From The Dark Shores“ eher in den nördlichen Legendengebieten des Rock zuhause.

Schön auch, dass sich Ghostmaker mit dieser EP getraut haben, dreckige Stücke wie „Violence“ auch genauso rau klingen zu lassen. Weder die Produktion noch die Riffs sind glatt, alles wirbelt Staub auf und suhlt sich auch gleich darin. Kleine Samples und viel Verzerrung sorgen für einen krachenden Sound und zeigen, dass auch Lärmorgien ohne klare Melodie perfekt aufgehen können („Foreign Admiral“). Ich würde sagen: Wir sind bereit für die Langspielplatte.

Anspieltipps:
Modern Termination, Fork Man, Violence

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

The Devils – Iron Butt (2017)

Euch ist das Flötengedudel so etwas von verleidet? Euch nervt dieses brave Pullovertragen unter dem erleuchteten Baum? Dann gibt es eine kleine Ergänzung für euer Familienfest, das nicht nur den Grosseltern die Augen aus dem Kopf kullern lassen wird: „Iron Butt“, das neue Teufelskind aus Italien, ein Albumbastard zwischen blasphemischen Gedanken und gnadenlosem Garage Trash. The Devils packen sich jeden Engel von hinten und rasen danach mit ihrem zweiten Werk auf dem Motorrad durch die Backstube davon.

Bei klangvollen Liedernamen wie „Guts Is Enough“ oder dem alles klar machenden „Put Your Devil Into My A**“ werden erste Zweifel gleich mit Peitsche und Lederkluft klein geprügelt und The Devils füllen den Raum mit extrem übersteuertem Punk und Rock’n’Roll. In zwanzig Minuten prügelt sich das Duo mit Erica Toraldo am Schlagzeug und Gianni Pregadio an der Gitarre wie ein Wirbelwind durch schnelle und energetische Tracks. „Pray You Parrots“ macht jeden Pogo-Tänzer zum glücklich strahlenden Kind, anderes wie „White Collar Wolf“ macht mit extremer Fuzz-Gitarre aus jeder Freak-Show einen Weltuntergang.

Ob sich The Devils nun am Lo-Fi No Wave aus New York angleichen oder ganz Europa mit ihrem harten Garage Rock brennen lassen, „Iron Butt“ ist immerzu extrem laut, wild und lustvoll. Wer mit diesen Teufeln tanzt, der verspürt zwar eine extrem beglückende Lust, wird sich wohl aber auch die Seele verbrennen und sein Karma ans Kreuz nageln. „Don’t Tell Jesus“ singen die beiden Künstler, aber wieso sollte man auch, hier spielt das Leben und die ausgelassene Freude.

Anspieltipps:
Put Your Devil Into My Ass, Pray You Parrots, Don’t Tell Jesus

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Brand New – Science Fiction (2017)

Acht Jahre ist es her, seit wir mit „Daisy“ nicht nur erwachsener, sondern das Musikleben noch einmal packender und fesselnder wurde. Und jetzt endlich, nach langer Zeit voller Zweifel, Warten und enttäuschter Hoffnungen ist es da, das fünfte Studioalbum der Amerikanischen Post-Hardcore Band Brand New – und ist in jedem Takt und zu jeder Sekunde wieder ein extrem mitreissendes und faszinierendes Werk geworden. Immerzu wandelnd und sich nie vor Experimenten scheuend, von Alternative Rock zu Emo zu Hardcore. „Science Fiction“ ist einer der hellsten Sterne am diesjährigen Himmel.

Wie es auch nicht anders von Brand New zu erwarten war, beweisen sie mit abwechslungsreichen und extrem detailliert ausgearbeiteten Songs wie „In The Water“ erneut, dass man sehr wohl schwerwiegende Überlegungen mit immerzu packender Musik verbinden kann. Die Musiker wagen sich erneut an Fragen zu Moral, Ehrlichkeit und den Umgang mit psychologischen Problemen. Verpackt in sanften Gitarrenklängen und zerbrechlichem Gesang („Could Never Be Heaven“) oder brutal ausbrechenden Riffs und eindringlichem Geschrei („Same Logic/Teeth“), die Musik auf „Science Fiction“ wechselt immer im richtigen Moment ihre Form und Gefühle.

Sehr bitter ist nur, dass „Science Fiction“ das wohl letzte Album von Brand New bleiben wird, die Band hat angekündigt sich Ende 2018 aufzulösen. Das stimmt auf der einen Seite sehr traurig, lässt uns diese zwölf neuen Songs aber umso mehr geniessen. Denn die Reise mit treibender Kraft und wahrlich fantastischen Harmonien („Out Of Mana“) übertrifft alle Erwartungen, lässt uns zu Tränen gerührt zurück, bietet uns allen einen vertrauenswürdigen Freund und gibt uns Hoffnung, dass wir auf dieser Welt doch einen angenehmen Weg finden werden. Danke für alles, Brand New.

Anspieltipps:
Same Logic/Teeth, Out Of Mana, Batter Up

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.