Graphic Novel

Nothing Can Stop Me Now: Stories Inspired By the Songs of Nine Inch Nails (2015)

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Nothing Can Stop Me Now: Stories Inspired By the Songs of Nine Inch Nails
Verlag: SpazDog Press, 2015
Autor: Diverse
Links: Facebook, Amazon

Musik kann vieles inspirieren, Lieder sind oft selber Träger von Geschichten und Momentaufnahmen. Und je intensiver man sich mit einem Künstler oder einer Band befasst, desto stärker fliessen diese Eindrücke in das eigene Schaffen ein. Nine Inch Nails bietet seit Jahrzehnten für viele Menschen auf dem Planeten genau dies: Einen fruchtbaren Boden für Kreativität. Die Gruppe von und um Trent Reznor gilt nicht nur als eine der wichtigsten im Bereich Industrial, sondern bestach schon immer mit dem durchdachten Design ihrer Alben, ihren Videos, ihrer Gesamtvision. Dank der Mischung aus Technik, Dreck und Wut bieten die Songs eine wunderbare Grundlage für düstere und intensive Geschichten. Das hat nun mehrere Autoren und Zeichner dazu bewogen, Kurzgeschichten zu einzelnen Liedern der Gruppe zu erschaffen. Unter dem Titel „Nothing Can Stop Me Now“ sind diese nun gesammelt als Hardcoverbuch erschienen und erweitern den NIN-Kosmos auf interessante Weise.

Möglich gemacht wurde das Buch dank vielen Unterstützern auf Kickstarter, nach einiger Wartezeit kann man sich die Comics nun zu Gemüte führen. Dabei besticht vor allem das Visuelle, denn viele Geschichten kommen komplett ohne oder mit sehr wenigen Worten aus. Ein Umstand, der mir gefällt, kann man die Bilder so stark mit der Musik verschmelzen lassen. Die durchschnittliche Länge von fünf Seiten reicht zwar nicht aus, die Gesamtlänge der Lieder zu füllen, oft treffen sie aber die Stimmung des Songs sehr gut. Bei „The Day The World Went Away“ etwa begleiten wir einen roten Ballon, der einer zerstörten und menschenleeren Stadt entsteigt. „Closer“ handelt von einer Dreieckbeziehung bei der es, nun ja, um wilden Sex geht. Eine textnahe Interpretation also, bei anderen Storys ist der Zusammenhang aber etwas schwieriger – „Sin“ gefiel mir beispielsweise weniger. Dies lag wohl aber auch am Zeichnungsstil, der hier eher amateurhaft dem asiatischen Manga angelehnt wurde.

Bei einer solchen Vielfalt an Zeichnern ist es verständlich, dass nicht alles meisterhaft sein kann. Glücklicherweise gibt es nur wenige Negativbeispiele, die meisten Bilder überzeugen mit ihren Details, dem Stil und der Kolorierung. Als zusätzliches Schmankerl wurden noch viele weitere Zeichnungen am Ende des Buches eingefügt, welche die Deutung der Lieder als Pin-Up verarbeiten. Von abstrakter Kunst bis zum klassischen Stil der Superheldencomics, es findet sich alles, und ein jeder Fan von Nine Inch Nails wird wohl zufrieden gestellt werden. Das Projekt ist somit in meinen Augen geglückt, dient als tolle Hommage, die nicht zu ernst genommen werden soll. Sicherlich könnte man sich an gewissen Auslegungen der Musik oder Texte stören, aber es ist faszinierend zu sehen, was lieb gewonnene Stücke in den Köpfen anderer Menschen bewirkt haben. Für NIN oder Trent Reznor Fans ein Muss, für Freunde von Independentcomics eine nette Abwechslung. Schade nur, dass der Lesespass nach zirka einer halben Stunde vorbei ist. Die Bilder aber laden zum regelmässigen Schwelgen ein.

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The Planetary Omnibus (DC Comics, 2014)

Planetary Cover

The Planetary Omnibus
Verlag: DC Comics, 2014
Autor: Warren Ellis
Zeichner: John Cassaday
Inhalt: Planetary 1-27, Planetary/Authority, Planetary/JLA, Planetary/Batman
Link: Verlag, Amazon

Planetary kennt keine Grenzen. Der Comic wurde Ende der 90er Jahre im Wildstorm Verlag publiziert und stellt bis heute eine Ausnahmeerscheinung dar. Die 90er Jahre waren für Superhelden-Comics eine schlechte Zeit. Bewährte Konzepte wurden über Bord geworfen, alte Helden der Neuzeit angepasst und die Geschichten drehten sich meist nur darum, wer grössere Muskeln aufweisen kann und damit Andere möglichst effektvoll verprügelt. Auch die zeichnerische Qualität liess oft zu Wünschen übrig und sorgt besonders heute für angewidertes Wegdrehen. Doch dann kamen Warren Ellis und John Cassaday und zeigten allen: Die Kunstform Comic ist nicht tot, wer Wagnisse eingeht kann auch in diesem Sumpf aus schlechter Qualität ein Meilenstein erschaffen.

Planetary dreht sich um das Mysterien-Archäologeteam bestehend aus Elijah Snow, Jakita Wagner und dem Drummer. Diese drei Personen mit ausserordentlichen Fähigkeiten sammeln die Geheimnisse des Planeten Erde und sind zugleich Beschützer und Chronisten. Ihre Aufträge und Abenteuer führen sich nicht nur an abgelegene Orte auf allen Kontinenten sondern auch auf andere Planeten, Paralleluniversen und undefinierbare Informationsebenen. Dabei wird in jedem Heft ein völlig neues Spielfeld betreten und neue Welten entdeckt. Sei es ein Supercomputer aus dem zweiten Weltkrieg, Riesenameisen aus einer anderen Dimension oder jahrhunderte alte Milleniumskinder mit Superkräften. Für die Planetary-Agentur gibt es nichts das zu merkwürdig wäre. Die Episoden funktionieren wie in einer Fernsehshow als eigenständige Geschichten, ergeben als Gesamtwerk betrachtet aber ein unglaublich dicht erzähltes Erlebnis. So kann der Leser nicht nur miträtseln wer hinter den immer bedrohlicher werdenden Ereignissen steckt, sondern auch wer die Hauptpersonen genau sind und was ihre Vergangenheit alles beinhaltet. Warren Ellis schrieb die Serie als epische Chronik von paranormalen Vorkommnissen. Unkonventionell ist auch die Struktur der Hefte. So gibt es Ausgaben in denen nur Gespräche stattfinden, keine Kämpfe oder grosse Veränderungen. Dialoge welche das Leben der Charaktere vertiefen, ihre Beziehungen festigen und immer neue Fragen mit jeder Antwort aufwerfen. So etwas habe ich noch selten in einem „Superheldencomic“ gesehen. Um die Überraschung gewisser Offenbarungen nicht zu mindern, werde ich nicht mehr tiefer auf die Handlung eingehen.

Jedes Heft hat einen völlig eigenen Stil, dies wird auch schon mit der unvergleichlichen Covergestaltung klar. Jede Ausgabe hat ein neues Logo, eine neue Designart. Manchmal wie alte Filmplakate, dann wieder typische Comicelemente vergangener Jahrzehnte oder sogar Buchcover. Wie viel Liebe und Energie da hinein geflossen sind zeigt es sich am besten in dieser Galerie.  Viel Mühe hat sich auch John Cassaday mit den Zeichnungen der einzelnen Seiten gegeben. Sein Stil ist reduziert doch genügend detailliert um nicht leer zu wirken. Die Figuren und Gesichter sind lebensecht und klar zu unterscheiden, übernatürliche Wesen und Maschinen fantasievoll entworfen. Die Bilder wirken klar, ruhig und ansprechend. Eine ausserordentliche Leistung und verdienterweise auch mit dem Eisner-Award nominiert.

Wer also gerne Comics mit sonderbarem Inhalt liest wird bei Planetary gut aufgehoben sein. Selten gab es eine Serie die so wunderbar durchdacht, strukturiert und ausgeführt wurde. Von Sci-Fi und Action über Horror und Mysterie, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Omnibus-Sammelband beinhaltet alle 27 Ausgaben der Reihe, plus die Crossover Einzelhefte mit Authority, JLA und Batman. Abgerundet wird der Band mit einem Vor- und Nachwort, Skizzen, Cover-Galerie und dem Script des ersten Heftes. Somit bleibt der Omnibus handlich und zufrieden stellend auch für Personen die bereits die Einzelhefte oder Trades besitzen. Die Verarbeitung ist auch hohem Niveau, die Bindung sehr stabil und der Gutterloss minim. Danke an DC Comics, dass sie diesen Ausnahmecomic als toll aufgemachten Sammelband herausgebracht haben.