Ambient

Cry Electric – Synapses (2017)

Wer braucht schon Bühnen zwischen den Pyramiden, millionenschwere Filme oder eine Laserharfe um mitreissende Musik zu produzieren? Cry Electric aus dem Aargau geht nämlich mit seinen Tracks einen ähnlichen Weg wie Jean-Michel Jarre oder Vangelis, verfällt dabei aber nie dem Grössenwahn oder der blendenden Esoterik. Viel mehr ist seine Musik eine Verneigung vor Synthie-Grosstaten und ein buntes Spielfeld voller offener Grenzen. Das zeigt sich auch seinem dritten Album „Synapses“, welche zugleich ins All wie auch in die innersten Atome des eigenen Körpers entführt.

Aber genau dies war ja immer die Stärke der elektronischen Musik, das adaptive Wirken. In Tracks wie dem Titelstück oder „Shadows With No Dreams“ gleitet man zugleich durch die kleinsten Bausteine des Lebens, wie zwischen Pulsaren und schwarzen Löchern umher. Der Musiker Cristoforo Campa, geboren im Kanton Zürich, nutzt diese Bilder als Cry Electric um treibende Lieder zwischen Ambient, Dance und Electronica zu schreiben. Kompositionen wie „Impacting The Dream Of Living“ fühlen sich immer leicht und luftig an, die Beats schlängeln sich zwischen den Sequencern geschickt durch.

„Synapses“ findet dabei immer den Ausgleich zwischen tanzbaren Momenten und schwelgerischen Klangfabrikationen und Cry Electric lässt seine langjährige Erfahrung überall durchscheinen. Diese Scheibe ist somit die perfekte Alternative für alle Leute, welche von den grössen des Genres zu oft enttäuscht wurden und gerne in den klassischen Gebieten der Electronica schwelgen und sich in Flächen betten lassen.

Anspieltipps:
Shadows With No Dreams, Impacting The Dream Of Living, Synapses

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Neutral Zone – Hogofogo (2017)

Die Verbindung zwischen dem Takt von „Led73“ und der Kadenz eines gemütlichen Fahrradausfluges ist doch genau so sonnenklar, wie die Schnittmenge von Neutral Zone und Kraftwerk. Zwar ist die Band von David Langhard in Winterthur beheimatet und reist nicht so oft um die Welt wie die deutsche Legende, mit seinem fünften Album beweist der Künstler aber, dass Grosstaten auch hierzulande aus den Synthies purzeln. Und das sollte spätestens mit dem grossartigen dritten Track „Space Travel“ auf „Hogofogo“ allen klar sein.

Denn was hier Bässe, Keyboard und Vocoder-Stimmen zusammen kreieren, ist ein tanzbares Stück Weltall mit Krautrock-Schwaden und Electronica-Ahnen. Neutral Zone schnallen ihre Klappergestelle auf die nächste Rakete und landen von diesem Höhenflug erst am Ende der Platte. Man spürt die Erfahrung der letzten 20 Jahre in jedem Track, Langhard hat gut aufgepasst und nicht nur seine Band aufgestockt, sondern den analogen Synthie-Pop neu belebt. Ob dies nun herrlich polyphon blubbern darf, oder sich lieber mit tiefen Bässen durch die Landschaft pflügt – alles passiert im knackigen Songformat.

Sicherlich, gewisse Momente würde man auch gerne in stundenlangen Wiederholungen geniessen, aber Vielseitigkeit und Experimentierfreude sind schliesslich gewinnbringende Bestandteile von „Hogofogo“. Wer also schon immer etwas traurig war, dass die grossen Namen von damals keinen Elan mehr an den Tag legen, der wird mit dem neusten Werk von Neutral Zone mehr als glücklich werden. Und nicht wenige werden nach diesem Genuss wohl selber an einem Synthie (oder Fahrrad) herumschrauben.

Anspieltipps:
Led73, Space Travel, Cycling Champion

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Ripperton – Sight Seeing (2018)

Raphael Gros ist kein unbekannter Name, wobei wohl eher sein Pseudonym Ripperton bei einigen für schneller klopfende Herzen sorgen wird. Der Schweizer DJ und Produzent sorgt seit einigen Jahren dafür, dass die elektronische Musik mit mehr Tiefe und Gefühl versorgt wird. Noch nie darum verlegen, Sets und Platten in ihrer Geschwindigkeit zu bremsen, ist auch sein neustes Album „Sight Seeing“ eine wunderbare Übung darin, inne zu halten und alle Klänge einzeln zu geniessen. Schön ist aber, dass sein Talent es immer zu verhindern mag, Repetition oder Langeweile in den Tracks zuzulassen.

So sind Kompositionen wie „Uroboros“ oder „Iginition“ zwar eigentlich unscheinbar und ohne Beats aufgebaut, Ripperton weiss aber genau, wie man einzelne Synthies oder Flächen direkt in die Seele transportieren kann. Auch wenn „Sight Seeing“ als Album zuerst vielleicht etwas zu distanziert oder wohlgeformt erscheint, schnell greift es tiefer und man findet ungeahnte Schönheiten in den einzelnen Tracks. Ob der Künstler dabei nur wenige Sekunden benötigt oder gleich eine Viertelstunde lang in Veränderungen schwelgt, dieses Zwischending von Ambient und Electronica ist immer betörend.

Die Melancholie der Platte hat sich Ripperton nicht nur auf seinem Tourplan angewöhnt, sondern auch bei allgemeinen Überlegungen zum Dasein und Schaffen. Das spürt man schnell aus Tracks wie „Hếlios“ heraus und geniesst jede Sekunde und sanfte Veränderung. „Sight Seeing“ ist darum zwar weit von einer wilden Partynacht entfernt, bietet aber mit jedem Ton und jedem Takt mehr Sättigung als jeder Rave. Sein Innerstes zu suchen, das war ja schliesslich noch nie falsch – und so schön wie hier klang es selten.

Anspieltipps:
Uroboros, Hếlios, 春, Meteorythme

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Infinite Third – Channel(s) (2017)

St.Petersburg – schnell verbindet man damit grosse Weiten, Kälte und weisser Schnee. Dass „Channel(s)“ vom amerikanischen Musiker Billy Mays III aber danach klingt, ist etwas erstaunlich. Schliesslich stammt der Künstler, der sich Infinite Third nennt, aus der gleichnamigen Stadt in Florida. Sonne und Strand gibt es in Liedern wie „Sentence(s)“ weniger, dafür werden mit Improvisationen und Flächen innere Zwänge und Ängste ergründet. Trotzdem ist das Album nie erdrückend und raubt nie die Luft.

Infinite Third, der seit 2009 die Musik dazu benutzt um persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, hat sich auf diesem Werk dem sanften Post-Rock und den elektronischen Ergänzungen verschrieben. Ohne Gesang und oft mit vielen Leerstellen werden einzelne Instrumente geschichtet und poetisch zusammengeführt. Tracks wie das experimentell zappelnde „Vision(s)“ oder das von zauberhafter Gitarre lebende „Dream(s)“ haben viel Gewicht ohne erschlagend zu wirken. Viel eher gibt es Hoffnungsschimmer und wundervolle Loops.

Menschen können alles überstehen, besonders wenn man sich die grossen Zusammenhänge bewusst wird. Dies zeigt Infinite Third nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit seiner Musik. Somit ist „Channel(s)“ zwar experimentell und vielschichtig, aber nie zu komplex oder zu repetitiv. Ob nun also heisse Sonne oder nasser Schnee, an diesem Post-Rock kann man sich immer erwärmen.

Anspieltipps:
Vision(s), Dream(s), Nothing Happend (Again)

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

GATS – Gifts For The Howling Soul (2017)

Matthias Kanik weiss, was unsere Seelen benötigen, wenn sie wieder einmal ausgelaugt und erschöpft vor sich hin jaulen. Unter dem Namen GATS veröffentlichte der deutsche Musiker mit „Gifts For The Howling Soul“ nämlich ein Album voller Stücke, die im befreienden Ambient mit tanzbaren Takten und Zitaten des Dreampop neue Energie versprühen. Als ob man die inneren Geister fassbar machen und aufbauen könnte.

Zwischen Gitarre, Synthies, Gaststimmen und tollen Rhythmen landet GATS immer wieder gefühlsvolle Treffer und lässt seine Musik zwischen sehnsüchtigen Melodien der Marke Elbow („Change Will Come“) und experimenteller Entspannungsmusik à la No-Man („Late Night Cafe“) klingen. „Gifts For The Howling Soul“ wird somit schnell zu einer Platte voller Hoffnungen, guten Gedanken und dem gesuchten Leitstrahl. Leichtfüssig und klar, abwechslungsreich und zurückhaltend.

GATS fällt nicht mit Tür und Tor ins Haus, sondern übt sich eher in Zurückhaltung und Unscheinbarkeit. Auch ich benötigte einige Anläufe, bis ich die wahre Schönheit von Kompositionen wie „At The Campfire“ entdeckte. Sobald dies geschehen ist, lassen einen die Lieder aber so schnell nicht mehr los. Gäste wie Jill oder Lagoon erweitern das Klangbild auf angenehme Weise und machen endgültig klar: Unsere Wunden werden auf jeden Fall heilen.

Anspieltipps:
Late Night Cafe, Change Will Come, At The Campfire

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Kyle Dixon und Michael Stein – Stranger Things 2 OST (2017)

Schwere Synthies, extreme Echos und alles in voluminösem Hall gebettet – die Musik zum Netflix-Hit „Stranger Things“ stand den Bildern in Sachen Achtziger-Romantik in nichts nach. Kyle Dixon und Michael Stein, besser bekannt unter dem Namen SURVIVE, haben sich von ihrer Kindheit beeinflussen lassen und die Serie perfekt untermalt. Auch für „Stranger Things 2“, also die zweite Staffel, gilt erneut das Erfolgsrezept: Mysteriöse Klangmelodien treffen auf Ambient-Konstrukte und setzten sich mit vollem Gewicht zwischen die Emotionen.

Mit 35 Tracks erhält man eine sehr umfangreiche Sammlung an kurzen Instrumentalstücken, welche die Kinder bei ihren Abenteuern begleiten und dabei die Stimmungen sehr schön einfangen. Kyle Dixon und Michael Stein schaffen es immer wieder, in ihren schlanken Kompositionen ganze Bilder zu kreieren und dabei Furcht, Freude, Liebe und Triumph in einzelnen Tönen darzustellen. So wirken „Birth Rescue“ oder „It’s A Trap“ wahrlich angsteinflössend und steigern sich zu extremer Lautstärke, „Eight Fifteen“ oder „She Wants Me To Find Her“ verpacken jugendliche Gedanken wunderschön ein. Und wenn plötzlich noch das elektronische Drum Einzug hält („Soldiers“), dann gibt es kein Halten mehr.

Die Musik von „Stranger Things 2“ macht viel Freude – sei es aus nostalgischen Gründen, wegen dem wunderbaren Umgang mit Gefühl und Melodie oder den herrlichen Einflüssen von alten Soundtrack-Magiern wie John Carpenter. Somit haben es Kyle Dixon und Michael Stein geschafft, nicht nur einen gelungene Untermalung für Bilder herzustellen, sondern eine Ambient-Platte kreiert, die vielseitig und tiefrot leuchtend ist. Egal auf welcher Seite der Welt man diese nun hört.

Anspieltipps:
Eight Fifteen, Soldiers, The Hub, Levitation

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Carl Michael Von Hausswolff – Still Life – Requiem (2017)

Hört mal, ich spür etwas. Was früher in leicht anders formulierter Version in Kultfilmen für Lacher sorgte, das gilt auch heute noch für experimentelle Klangkunst. Der Schwedische Künstler und Musiktüftler Carl Michael von Hausswolff beweist dies im Extrem auf seinem neusten Album „Still Life – Requiem“ – ein Werk, dass vom Hörer körperlich und psychisch alles verlangt. Dabei ist die Tonwelt in diesen zwei langen Stücken mehr als zurückhaltend, versinkt sogar oft neben die Bereiche des Gewohnten und Hörbaren.

Aber genau dieses Experiment der Wahrnehmung hat Carl Michael von Hausswolff (dessen Tochter Anna von Hausswolff einigen von euch eher ein Begriff ist) mit dieser neuen Platte auch bezweckt. Die Grundsteine, welche für die lange Komposition „Still Life – Requiem“ gelegt wurden, basieren auf hörbar gemachten und veränderten Aufnahmen von konstanten Schwingungen fester Materialen. Das liest sich nicht nur abstrakt, es hört sich auch so an. Wie der verzettelter Drone eines Bienenschwarms in Verbindung mit verlorenen Geigenspielern, steigern sich schier unhörbare Frequenzen zu einem Muster.

„Sill Life – Requiem“ ist keine einfache Platte, es ist ein Album, das man mit extremer Hingebung anhören muss und keine Angst vor kleinen Lautstärken haben darf. Denn Carl Michael von Hausswolff hat sich bei seinen Feldaufnahmen nicht beirren lassen und viele Stellen von dieser Komposition im Unmöglichen gelassen. Somit muss man wie ein Forscher in die Klüfte hinuntersteigen und Schicht um Schicht zwischen Umgebungsrauschen und Tinnitus freigelegen – kommt dabei aber einer Erlösung näher als sonst jemals.

Anspieltipps:
Still Life – Requiem I

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Oxytronix – Night Shift (2017)

Die Befreiung findet statt, das merkt jeder, der sich auch nur für kurze Zeit mit seinem Inneren befasst und endlich alle Grenzen aufsprengt. Für denn Künstler oxytronix aus der Schweiz folgte dieser Schritt vor nicht so langer Zeit und er holte gleich zum grossen Rundumschlag aus: Drei Alben, innerhalb weniger Wochen aufgenommen und produziert und dann gleich noch auf seinem eigenen Label Kanakland veröffentlicht – wer kann da schon mithalten?

Besonders interessant zu beobachten ist aber, dass in dieser kurzen Zeit Steigerungen vorhanden sind, die sich in ihrer Art und Dichte unterscheiden. Wir haben auf unserer Seite darüber berichtet, dass „Darkness“ ein Album der elektronischen Künste ist, das sich Einflüsse aus aller Welt holte – beim direkten Nachfolger „Night Shift“ verschwinden aber diese konkreten Zitate bereits. Oxytronix hat sich ein Album geschrieben, das kohärent und düster dasteht und sich von niemandem etwas vorschreiben lässt. Die Musik verschiebt sich von Electronica und Downtempo immer weiter Richtung Ambient und gewinnt dabei.

Weiterhin regieren die kurzen Ideen und Skizzen, viele Tracks lassen sich nicht länger als zwei bis drei Minuten Wirkungszeit auf den Hörer ein, danach ist alles weitere die eigene Wahrnehmung. Aber trotzdem, diese kleine Spannweite reicht aus, um aus Stücken wie „Ego Trip“ wirkungsvolle Nachtwanderungen und Gedankengänge wachsen zu lassen. Dabei ist merkbar, dass sich „Night Shift“ geschlossener gibt als seine kleinen Geschwister und mit seinem eigenen Bewusstsein extremen Bestand hat. Für alle Liebhaber des Dark Ambient und der schwarzen Electronica („Novatronix“ knall wunderbare rein) ist es auf jeden Fall eine Reise wert.

Anspieltipps:
Alone, Aquanox, Novatronix

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Martin Nonstatic – Ligand (2017)

Band: Martin Nonstatic
Album: Ligand
Genre: Ambient / Downtempo

Label/Vertrieb: Ultimae
VÖ: 23. November 2017
Webseite: Martin Nonstatic auf FB

Du stehst am Rand eines kleinen Bergsees, im glatten Wasser spiegelt sich die Umgebung und in grauen Abstufungen auch dein eigener Körper. Nichts rührt sich in der Umgebung, kein Wind ist zu spüren, keine Tiere sind zu hören. Du atmest einmal tief durch und stösst dich dann vom Kiesboden ab, kippst nach vorne und durchtrennst die kalte Oberfläche des Sees mit deinen Händen. Augenblicklich wird alles anders, ein Stromstoss schnellt durch deinen Körper und in deinen Gehörgängen vernimmst du Musik, die immer näher kommt. Willkommen bei „Ligand“ von Martin Nonstatic.

Mit der neusten Veröffentlichung hat sich das Ambient-Label Ultimae aus Lyon wieder einmal selber übertroffen – und bleibt interessanterweise extrem genau in dem Spielfeld, das es sich selbst aufgebaut hat. Denn das neuste Werk von Martin Nonstatic aus Holland ist eine meisterhafte Konstruktion aus trockenen Beats, hellen Synthieflächen und auf den Punkt gebrachten Steigerungen. „Ligand“ lässt sich zwar in einzelne Tracks unterteilen, wirkt aber nur als gesamtes Album vollends.

Denn Martin Nonstatic nimmt mit jeder Minute neue Entwicklungen in seine Tonspuren auf, moduliert einzelne Klänge und kreiert hypnotische und organische Eindrücke von Hand. Der Beginn mit „Outermost Structure“ ist reine Perfektion, „Variegation“ knistert hübsch und „Trochilidae“ ist Balsam für die Seele. Das Album ist immer gefühlvoll, andersartig und doch seltsam vertraut. Man schlägt nie auf dem Boden des Sees auf, sondern zieht wie ein Fisch durch die einzelnen Strömungen, nur um am Ende komplett trocken, aber tief verändert wieder aufzutauchen.

Anspieltipps:
Outermost Structure, Variegation, Trochilidae

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Oxytronix – Darkness (2017)

Band: Oxytronix
Album: Darkness
Genre: Electronica / Downtempo

Label/Vertrieb: Kanakland
VÖ: 26. Oktober 2017
Webseite: Oxytronix auf FB

Man sollte sich nicht zu fest vorschreiben und einreden lassen, was man alles tun muss und kann – viel besser geht man seinen eigenen Weg. Dies musste auch der Schweizer Musiker oxytronix früh in seinem Leben erfahren, sei es in der Familie oder dem weiteren Umfeld. Doch die elektronischen Klänge boten dem Tüftler Oguz Sagra immer wieder eine Rückzugsmöglichkeit, und nach vielen Jahren Bastelei und Produktion gibt es nun endlich für uns alle die Ergebnisse. Gleich drei Alben voller Downtempo und Electronica sind entstanden, hier das angenehm düstere „Darkness“.

Einflüsse holte sich oxyrtonix an allen Ecken und Enden, dies merkt man schnell, wenn man in Stücke wie „Lornsome“ oder „Aether Cathedral“ eintaucht. Mal wabern die Beats bedrohlich über der Oberfläche wie bei Massive Attack, dann bauen sich die Synthies wie bei Vangelis breit vor dem Horizont auf. „Darkness“ ist aber kein Abklatsch bekannter Markenzeichen, sondern ein Stück Electro, das sich gemächlich, aber zielstrebig durch deine Wohnung in deinen Kopf schleicht – wie damals die ersten Scheiben von Boards Of Canada.

Meist geschieht dies mit wirkungsvollen, aber klein gehaltenen Kompositionen, so laut wie das Titelstück ist die Scheibe selten. Oxytronix benötigt sowieso keine schreierischen Melodien und pochenden Rhythmen, vielmehr lässt sich die Musik auf „Darkness“ von einer betörenden Melancholie leiten, die gar in die Felder der Meditation greift. Somit ist dieses Werk ein Moment, um sich vom Alltag abzukapseln und in sonischen Schichten zu verschwinden – aber bloss nicht an der rauen Produktion schneiden.

Anspieltipps:
Darkness, Lornsome, Dirty Flare

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.