Drone

This Is Where – This Is Where (2018)

Man nehme Musiker von den donnernden Swans und den düstereen Bee And Flower, mische diese einmal kräftig in der Pfanne und erhalte — keine brachiale Gitarrenmusik! This Is Where, das neue Projekt von Algis Kizys, Norman Westberg und Lynn Wright gibt sich lieber den besinnlichen Drones und den angenehmen Ambientwirkungen hin. Mit zwei Gitarristen und einem Basisten ausgestattet, hat sich das Trio nach einer ersten Veröffentlichung 2016 nun zusammengesetzt, um vier lange Kompositionen unter dem Namen „This Is Where“ aufzunehmen.

Dabei ergänzen sich Covermotiv und klangliches Spektrum sehr gut, wabern Momente wie „1-6:0“ oder „2:2-7“ sanft und oft auch unscheinbar umher. This Is Where geniessen die leisen Frequenzveränderungen und spielen immer wieder schleichend neue Melodienfetzen ein. Algis Kizys legt mit seinem Bass eine Landschaft, auf der die Saitentänze von Westberg und Wright einen perfekt Untergrund erhalten und sich so alles gemeinsam wie warmer Nebel erhebt. „4:5“ zerreisst für einen kurzen Augenblick diese Idylle mit Rückkopplungen und Lärm, betört aber vor allem auch mit den Flächen im Hintergrund.

Allgemein ist die Musik von This Is Where überraschend tiefgehend. Für jede klar aufgenommene Spur gibt es schummrige Resonanzen, welche fast unhörbar die Stücke übernehmen. Und wenn „3:4-5“ am Ende dann wie ein grosser Schatten in die luftigen Höhen aufsteigt, dann folgt man dieser Verheissung mehr als gerne und lässt sich von der bestehenden Form ohne Angst in etwas neues transformieren. All dies, ohne sich jemals bedroht zu fühlen.

Anspieltipps:
2:2-7, 4:5, 3:4-5

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Anna Von Hausswolff – Dead Magic (2018)

Wer nach „Ugly And Vengeful“ immer noch glaubt, unser Dasein haben einen tieferen Sinn und werde in alle Ewigkeit weiterscheinen, der ist wahrlich im Optimismus verloren. Viel grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich nach diesem viertelstündigen Monstrum zwischen Gothic Rock, Drone und experimentellem Ambient irgendwo im Schatten verkriecht und auf das schleichende Ende der Welt hofft. Mit ihrem vierten Album „Dead Magic“ beschreitet die schwedische Künstlerin Anna Von Hausswolff also keine neuen Wege, sondern führt meisterhaft ihren Kosmos voran und umgarnt erneut die alles verschlingende Dunkelheit.

Mit nur fünf, dafür meist lange treibenden Kompositionen zeigt sich „Dead Magic“ in extrem starker und schwarzmagischer Form. Wiederum steht über allem eine Orgel, dieses mal in der Marmorkirken in Kopenhagen aufgenommen. Doch Anna Von Hausswolff mischt die sakrale Tonfolgen in eine Musik, die irgendwo zwischen den dystopischen Fantasien von Swans („The Mysterious Vanishing of Electra“) und dem erhabenen Soundtrack von „Interstellar“ liegt („The Marble Eye“). Immerzu fesselnd, mysteriös, wachsend und wunderschön – so viel Leidenschaft und Passion findet man sonst selten in solch destruktiven Kompositionen.

Egal wie stark uns Anna Von Hausswolff mit ihrer Musik hypnotisiert, ihr Gesang, ihre markerschütternder Schreie und ihr scheinbar versöhnliches Flüstern locken uns immer wieder in die Falle und lassen den vernichtenden Schwertstoss in das Herz noch brutaler erscheinen. „Dead Magic“ ist kein normales Album, es ist ein Heiligtum der Hölle, das schon lange unter der Oberfläche brodelte und endlich die oberste Erdschicht durchbrechen konnte. Und bald merkt man, dass hier nicht normale Lieder erklingen, sondern Leben und Tod in klanglicher Form zu unseren Begleitern werden – und das menschliche Wirken plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Einfach nur wunderschön!

Anspieltipps:
The Truth The Glow The Fall, The Mysterious Vanishing of Electra, Ugly And Vengeful

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Vlimmer – IIIIIIII / IIIIIIIII (2017)

„Beutenacht“ macht es gleich klar: Auch wenn Vlimmer in seiner 18-teiligen EP-Reihe nun die Mitte erreicht hat, glücklicher und zuversichtlicher ist Alexander Donat deswegen in seiner Musik nicht. Der Gründer des Labels Blackjack Illuminist und grosse Verfechter von grimmigem Wave zieht auch mit „IIIIIIII / IIIIIIIII“ weiterhin um die Betonruinen und verlassenen Baubrachen in Berlin. Dazu nutzt er lärmige Drones genauso wie verrauschten deutschen Gesang und geradlinige Drums unter schneidenden Gitarren.

Lieder wie „Jugendentzug“ scheren sich aber einen Dreck um die drückende Schwerkraft in dunklen Stadtgebieten, sondern krempeln Cold Wave und Noise-Pop zu einer nihilistischen Version von Klängen um, die auch Bands wie The Flaming Lips mit ihrem Album „The Terror“ anzuzapfen versuchten. Im Gegensatz zu den Amerikanern weiss Vlimmer aber jederzeit, dass übersteuerte und verfremdete Melodien kühle Skepsis und Fatalismus benötigen. Sogar wenn der EBM vorbeischaut, bleiben die Tanzschritte verhalten („Schwerelosigkeit“ oder „Strato“).

Schwarz, rau und voller Risse – „IIIIIIII / IIIIIIIII“ ist eine tolle Portion an Musik, die sich irgendwo zwischen Darkgaze und Wave herumtreibt und zu keiner Sekunde positiv sein will. Vlimmer vermengt diverse Stilrichtungen und Ideen zu einem wandelbaren Erzeugnis, entzieht jedem Tag das Sonnenlicht und lässt alles in extremer elektronischer Verzerrung versinken. Da ist es schon fast beruhigend, dass man mit „Betonozean“ doch wieder auf dem sicheren Boden der Post-Punk-Tatsachen landet. Hypnotisierend.

Anspieltipps:
Schwerelosigkeit, Körperkonstante, Strato

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

GATS – Gifts For The Howling Soul (2017)

Matthias Kanik weiss, was unsere Seelen benötigen, wenn sie wieder einmal ausgelaugt und erschöpft vor sich hin jaulen. Unter dem Namen GATS veröffentlichte der deutsche Musiker mit „Gifts For The Howling Soul“ nämlich ein Album voller Stücke, die im befreienden Ambient mit tanzbaren Takten und Zitaten des Dreampop neue Energie versprühen. Als ob man die inneren Geister fassbar machen und aufbauen könnte.

Zwischen Gitarre, Synthies, Gaststimmen und tollen Rhythmen landet GATS immer wieder gefühlsvolle Treffer und lässt seine Musik zwischen sehnsüchtigen Melodien der Marke Elbow („Change Will Come“) und experimenteller Entspannungsmusik à la No-Man („Late Night Cafe“) klingen. „Gifts For The Howling Soul“ wird somit schnell zu einer Platte voller Hoffnungen, guten Gedanken und dem gesuchten Leitstrahl. Leichtfüssig und klar, abwechslungsreich und zurückhaltend.

GATS fällt nicht mit Tür und Tor ins Haus, sondern übt sich eher in Zurückhaltung und Unscheinbarkeit. Auch ich benötigte einige Anläufe, bis ich die wahre Schönheit von Kompositionen wie „At The Campfire“ entdeckte. Sobald dies geschehen ist, lassen einen die Lieder aber so schnell nicht mehr los. Gäste wie Jill oder Lagoon erweitern das Klangbild auf angenehme Weise und machen endgültig klar: Unsere Wunden werden auf jeden Fall heilen.

Anspieltipps:
Late Night Cafe, Change Will Come, At The Campfire

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Carl Michael Von Hausswolff – Still Life – Requiem (2017)

Hört mal, ich spür etwas. Was früher in leicht anders formulierter Version in Kultfilmen für Lacher sorgte, das gilt auch heute noch für experimentelle Klangkunst. Der Schwedische Künstler und Musiktüftler Carl Michael von Hausswolff beweist dies im Extrem auf seinem neusten Album „Still Life – Requiem“ – ein Werk, dass vom Hörer körperlich und psychisch alles verlangt. Dabei ist die Tonwelt in diesen zwei langen Stücken mehr als zurückhaltend, versinkt sogar oft neben die Bereiche des Gewohnten und Hörbaren.

Aber genau dieses Experiment der Wahrnehmung hat Carl Michael von Hausswolff (dessen Tochter Anna von Hausswolff einigen von euch eher ein Begriff ist) mit dieser neuen Platte auch bezweckt. Die Grundsteine, welche für die lange Komposition „Still Life – Requiem“ gelegt wurden, basieren auf hörbar gemachten und veränderten Aufnahmen von konstanten Schwingungen fester Materialen. Das liest sich nicht nur abstrakt, es hört sich auch so an. Wie der verzettelter Drone eines Bienenschwarms in Verbindung mit verlorenen Geigenspielern, steigern sich schier unhörbare Frequenzen zu einem Muster.

„Sill Life – Requiem“ ist keine einfache Platte, es ist ein Album, das man mit extremer Hingebung anhören muss und keine Angst vor kleinen Lautstärken haben darf. Denn Carl Michael von Hausswolff hat sich bei seinen Feldaufnahmen nicht beirren lassen und viele Stellen von dieser Komposition im Unmöglichen gelassen. Somit muss man wie ein Forscher in die Klüfte hinuntersteigen und Schicht um Schicht zwischen Umgebungsrauschen und Tinnitus freigelegen – kommt dabei aber einer Erlösung näher als sonst jemals.

Anspieltipps:
Still Life – Requiem I

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

thisquietarmy – Democracy of Dust (2017)

thisquietarmy – Democracy of Dust
Label: Midira Records, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Ambient, Drone

Neues auszuprobieren macht als Musiker Sinn – schliesslich will man mit seinen Liedern auch nicht ewig auf der Stelle treten. Oder zumindest tut man sich damit selber und seinen Hörern keine Freude. Grund genug für Künstler Eric Quach, seine elektronische Musik auf „Democracy Of Dust“ neu aufzubauen und damit neue Welten aus mehr als nur Staub zu erschaffen. Kenner seines Schaffens unter dem namen thisquietarmy werden merken, hier wurden neue Synthies verwendet und dazu mit Gitarren hantiert. Doch eignen sich die neuen Liedern noch zum Abschalten und über Wolkenkratzer fliegen?

Wenn das Album mit „Welcome To Mendacity“ eröffnet ist schnell klar: Dieser Ambient ist nie ganz angenehm, immer scheinen gewisse Frequenzen zu tief in das Ohr einzudringen und gewissen Töne zu stark verzerrt. thisquietarmy arbeitet immer mehrschichtig und baut in seinen Liedern somit Strukturen hinter den vorgründen Klangwänden auf. Ob man sich nun auf die klar daliegenden Flächen konzentriert oder den eher versteckten Schwinungen lauscht – Tracks wie „The Harbinger“ sind auf ihre eigene Weise aufwühlend und dröhnend. Der Künstler hütete sich auch davor, die Musik zu sauber klingen zu lassen.

Mit zusätzlich sanften Beats versehen, werden aus diesen flirrenden Momente immer grösser werdende Konstruktionen. Ob man sich bei „Post-Truth“ in einer Maschine wähnt oder bei „New Home Of Mind“ im Verstärker einer überdrehten Gitarre – thisquietarmy weiss, wie man aus Fantasien schier fassbare Musik formt. Die neue Herangehensweise an Instrumente und Kompositionen haben sich also bewährt und „Democracy Of Dust“ gefällt. Wäre der Film „Valerian“ ein Ambient-Album, er würde wohl gerne so klingen.

Anspieltipps:
Welcome To Mendacity, The Harbinger, A World Without Power

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Swamp Flower Rhyme / Aeronaut – Split (2017)

Swamp Flower Rhyme / Aeronaut – Split
Label: Cruel Bones, 2017
Format: Download
Links: Swamp Flower Rhyme, Aeronaut
Genre: Drone

Still, leise und unmerkbar werden Idee geschmiedet, Taten erledigt und Gedanken erfüllt. Was in dem scheinbar „neutralen“ Land Schweiz jeden Tag auf vielen Ebenen passiert, das findet nun auch musikalisch sein Gegenstück. Denn die Split von Swamp Flower Rhyme und Aeronaut bringt nicht nur Kontinente zusammen, sondern auch Regungen und Denkensweisen. Einzige Anforderung: Haltet eure Kanäle offen.

Denn wer bei drei Songs kurz wegdriftet, der braucht zu lange um sich wieder einzufinden. Da helfen auch etwa 40 Minuten Spielzeit nicht aus – auch wenn es so tief rumpelt, wie auf dieser geteilten Platte. Hier wird schleichender und immerzu brodelnder Drone mit Anleihen der experimentalen Musik zelebriert. Swamp Flower Rhyme aus Gams macht mit einer 20 minütigen Meditation über Folk und Gesellschaft den Anfang, Aeronaut schliesst brutal rauschend ab.

Diese Musik hier ist nicht dazu ausgelegt, um gleich vielen zu gefallen oder einen Sinn zu bieten. Vielmehr wollen diese Künstler die Hörer dazu anregen, sich in tiefen und rauschenden Klängen Gedanken zum System und dem Dasein zu machen. Somit werden simple Melodien auf dem Keyboard immer weiter zerstört und Stimmen-Samples verlieren sich im Lärm. Und auch wenn der eigentlich amerikanische Künstler Aeronaut dies mit einem Epilog noch verstärken will, das Chaos findet bereits auf der A-Seite bei Swamp Flower Rhyme statt – und ist auch gut so. Sehnsucht empfinden wir schliesslich alle – überall.

Anspieltipps:
Longing, American Gothic

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Phallus Dei – Black Dawn (2017)

Phallus Dei – Black Dawn
Label: Dark Vinyl Records, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Doom, Ambient

Wer sich nach 25 Jahren immer noch in der Dunkelheit versteckt, der muss diese lichtlose Umgebung eindeutig lieben. Phallus Dei, die Könige des unheimlichen Doom-Drone aus Deutschland, finden die Abgründe auch 2017 immer noch spannend. Und wenn man schon ein Vierteljahrhundert besteht, dann darf man sich selber auch etwas feiern. So findet man auf “Black Dawn” nicht nur fünf neue und gerne auch verstörende Kompositionen, sondern einige Gastauftritte, die tief unter den Haarwurzeln graben. Und auch wenn der Einstieg mit “Slewed” noch wunderbar konventionell passiert: Schnell ändert sich alles.

Denn Phallus Dei, welche sich damals nach einem Album von Amon Düül II benannt haben, mischen ihren industriellen Drone aus tief gestimmten Gitarren gerne mit minimalistischer Musik. Elektronische Elemente und Einsätze von Cello oder Blasintrumenten verleihen der Musik auf “Black Dawn” eine neue, apokalyptische Ebene und machen die Stücke noch hypnotischer. So nimmt sich “Starman” viel Zeit für den Aufbau, steigert sich aber mit jeder Minute zu einer immer grösseren Soundwand. Oder dann ist da “Zauberwald”, das sich mit Perkussion und Streichern zu einem Horror-Hörspiel entwickelt. Die Lieder bleiben immer interessant, sogar bei Laufzeiten von knapp 20 Minuten.

Je weiter man sich auf dieser Scheibe vorwagt, desto düsterer und gnadenloser erscheint einem die musikalische Umgebung – doch die erlösenden Akkorde des Ambient helfen. Merzbow nutzt diese Gelegenheit, um als Gast alles zu verzerren und die Musik noch epischer wirken zu lassen. Schönes Beispiel ist “Krieger” mit seinen Perkussions-Explosionen oder der Abschluss durch den Post-Punk-Drone “Stigmata”. Es ist somit also bewiesen, dass Phallus Dei weiterhin die dunklen Lords der bitterbösen Szene sind und wunderbar überraschen können.

Anspieltipps:
Starman, Zauberwald, Krieger

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Harvestman – Music For Megaliths (2017)

Harvestman – Music For Megaliths
Label: Neurot Recordings, 2017
Format: Download
Links: Bandcamp
Genre: Drone, Ambient, Folk

Wenn Steve Von Till mit seiner Hauptband Neurosis in der heissen Hölle hantiert, dann sind die Schauplätze beim Soloprojekt Harvestman die nebligen Wälder und menschenleeren Landschaften. Das bedeutet aber nicht, dass die Musik auf „Music For Megaliths“ weniger unheimlich klingt. Denn der Künstler hat hier nicht nur dahinfliessende Stücke erschaffen, die clever Drone und Folk mischen – sondern auch seine Instrumente so eingesetzt, dass man oft nicht den Ohren trauen darf. Sind dies echte Aufnahmen von merkwürdigen Ereignissen in der Natur, oder haben hier Aufnahme und Produktion zusammen gezaubert?

Entspannt und stetig verändernd geben sich Lieder wie „Oak Drone“ oder „Sundown“ und bilden bei genauer Betrachtung zusammen ein wunderbares Bild. Harvestman belebt mit alten Instrumenten wie Akkordeon, Drehleier und krummen Gitarren seine Waldlichtungen und vermengt die Klangspuren mit effektvollen Modulationen und Wiederholungen. Schnell fühlt man sich auf warmes Moos gebettet, schliesst die Augen und hört dem Gesang des wachsenden Holzes zu. „Music For Megaliths“ ist dabei immer wieder verwunderlich zart und zeigt einen Musiker, der von seinen sonstigen Tätigkeiten als Sänger und Gitarrist völlig abkehrt.

Das Projekt Harvestman war schon immer dazu da, die leisen Seiten von Steve Von Till darzustellen – und mit diesem neusten Album ist ihm das Unterfangen perfekt geglückt. Wer sich Lieder wie „The Forest Is Our Temple“ oder das abschliessende und erfüllende „White Horse“ anhört, der landet automatisch in einem entspannten Zustand. Dabei ist die Musik nicht nur eine spannende und organische Seite von Ambient, sondern auch eine Annäherung an unsere Umwelt und deren fragilen Zustand.

Anspieltipps:
The Forest Is Our Temple, Cromlech, Sundown

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Twinesuns – The Empire Never Ended (2017)

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Twinesuns – The Empire Never Ended
Label: Pelagic Records, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Bandcamp
Genre: Drone, Ambient

Nur weil nicht alles vorhanden ist, muss bei weitem nicht etwas fehlen. Dies dachten sich auch Thor Ohe, C. und Rento Tornado Escpecial – zusammen bildet das Trio die Ursuppe namens Twinesuns und musiziert auf seinem zweiten Album „The Empire Never Ended“ gleich komplett ohne Schlagzeug. Und wenn sich deutsche Künstler eine Eigenart in den Kopf gesetzt haben, dann wird dies auch zu Ende geführt. In den Proberäumen entstanden somit Klangmassen zwischen Drone und Dark Ambient, tiefschwarz und umgarnt mit kilometerweise Kabel der Effektgeräte. Hoffentlich sind die Kutten von Sunn O))) genügend dick, denn hier brummt es mächtig.

„The Empire Never Ended“ beginnt extrem nahe an den bekannten Grössen des Drone und Doom, es herrschen die lauten Gitarrenrückkopplungen vor, welche auch Betonbunker ohne Probleme sprengen. Man spürt, wie der Dreck auf dem Boden durch die Schallwellen in Bewegung gerät und sieht die Musiker förmlich zwischen ihren Instrumenten sitzen und Experimente durchführen. Langsam schleppen sich die Lieder voran, geben spärlich ihr wahres Gesicht preis und fletschen die Zähne. Mit der Ankunft des Moog kommt der Musik die Humanität langsam abhanden und das Album verlässt die Bahnen des rein irdischen Produktes. „Pneuma“ ist die Musik einer vernichteten „Twin Peaks“-Episode, das Titelstück entführt in das Herz des ausserirdischen Mutterschiffs.

Was Twinesuns hier zusammengebraut haben, ist ein schwerer Trunk, der nicht immer gleich sanft den Hals hinabfliesst. Praktisch ohne Stimmen und oft in fast unmerklichen Änderungen wird der Hörer unter viel Feedback begraben. Die Herren arbeiten aber nach den Gegebenheiten des Genres, und Kenner finden sich schnell in tollen Brocken wie „Die Zeit ist da“ zurecht. Dank der elektronischen Erweiterungen lässt sich vieles im Sound entdecken und „The Empire Never Ended“ wird somit bestimmt tausend Jahre bestehen.

Anspieltipps:
Die Zeit ist da, Pneuma, The Empire Never Ended

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.