Live: Bergmal Festival, Dynamo Zürich, 16-10-22

Photo von Angela Michel

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Bermal Festival
Bands: 65daysofstatic, EF, Leech, Glaston, Besides, Jardin De La Croix, Arms And Sleepers, Rome In Reverse, Cataya, Flieder, Shriduna, Dirty Purple Turtle, Death Of A Cheerleader
Samstag 22. Oktober 2016
Dynamo, Zürich

Es war eine tierische Angelegenheit, diese Erstausgabe des Bergmal Festivals im Dynamo in Zürich. Komplett dem Post-Rock und seinen experimentellen Auswüchsen verschrieben, liessen die Veranstalter nicht nur viele Musiker auffahren, sondern verteilten Wale um das Gebäude und dessen Fassade, begrüssten Schildkröten als Tanzdompteure und bescherten wohl so manchem Besucher am darauffolgenden Tag einen Besuch des Katers. Und wer nicht flink wie ein Gepard zwischen den Bühnen und Stockwerken wechselte, der verpasste wohl einige Blutegel und Highlights.

Mit 13 Acts war das Bergmal schliesslich nicht zurückhaltend und deckte alle Geschmäcker von Metal über Electronica bis hin zu experimentellem Instrumental-Rock ab. Erstaunlich war dabei, dass der klassische Post-Rock mit seinen gitarrenbeladenen Laut-Leise-Liedern eher selten anzutreffen war. Neben der schwedischen Gruppe EF, welche mit grossen Posen und vielen klanglichen Steigerungen den Abend beendeten, waren vor allem Besides eine Band, welche die Konventionen selten brach. Wenn zuoberst auf dem Line-up aber 65daysofstatic stand, dann wusste man sehr früh: Hier werden Grenzen gesprengt.

Bevor aber die Engländer mit ihren wuchtigen, krachenden und frequenzverzerrenden Liedern das Fest für die Roof Stage schlossen, schwärmten die Leute wild umher. Jardin de la Croix eröffneten den wunderbaren Abend mit technisch wilden Songs, laut und kompromisslos auf der Cellar Stage. Meterhoch über ihnen sassen Shriduna auf ihren Stühlen und erzählten Geschichten mit langen Gitarrenmelodien auf der wunderbar ausgeleuchteten Bühne. Wer dann auch mal Knöpfchen und Tasten sehen wollte, der war bei Flieder wunderbar aufgehoben. Loops, Glockenspiel und hübsche Synthies – zurückhaltender als Dirty Purple Turtle, denn die brachten mit ihren Effektgeräten die vorhandene Anlage stark an ihre Grenzen.

Laut und wild – zwei Adjektive, die sich auf die meisten Auftritte am Bergmal Festival anwenden lassen. Cataya waren ein Höhepunkt mit ihrer cineastischen Soundwand, welche alles vor sich plattwalzte und vor Drone keine Angst zeigte. Belesen und mit Gesang tummelten sich auch Death Of A Cheerleader in Gebieten mit heftigen Ausbrüchen und nahe an Bands wie Crippled Black Phoenix. Rome In Reverse und Arms And Sleepers hielten sich mit Wutmomenten am DJ-Pult zurück und liessen die Beats und Hooks aus den Chaospads hofieren. Sehr sympathisch, und bei letzterem mit vielen netten Sprüchen inmitten der tanzenden Besucher. Schön, nebst all diesem Headbangen auch mal die Beine zappeln zu lassen.

Harte Riffs, geniale Strukturen und Akzente aus der Orgel brachten bei Leech schliesslich alle Köpfe in Bewegung. Die Gruppe aus Zofingen bewies erneut, mit ihrer Musik ganz klar auf internationalem Höchstniveau zu spielen. Zwar gab es einige Schnitzer, Songs wie „The Man With The Hammer“ sind live aber immer eine orgiastische Wucht. Auch Glaston meisterten ihr Heimspiel perfekt – erstaunlich, welche Leistungen ein Mensch erbringen kann. Denn in der Gruppe spielte ein Organisator selber mit und holte sich somit wenige Minuten der Entspannung. Mit viel Klavier und tollem Schlagzeugspiel geriet auch so mancher Zuhörer ins Träumen.

Und dann eben die Explosion bei 65daysofstatic – ein Erlebnis zwischen Musik, Licht, Körper und Technik. Die Band präsentierte am Bergmal nicht nur ihr neustes Album, sie liess auch in die Vergangenheit blicken. Mit vielen Liedern von „Wild Light “ und „The Fall Of Math“ war man im Himmel der Off-Beat-Rhythmen, Math-Rock Attacken und elektronischen Schwerthieben. Ein perfekter Auftritt an einem genialen Abend – das Bergmal Festival sorgte für viele Stunden voller Glück und Freude. Liebevoll veranstaltet, perfekt durchgeplant und herzensgut, ein strahlendes Licht für Freunde des Post-Rock und all seinen hübschen Verwandten. Als Besucher (und bestimmt auch als Musiker) kann man den Organisatoren nur danken und hoffen, dass es 2017 eine weitere Auflage geben wird. Die Meere der experimentierfreudigen Rockmusik sind schliesslich tief, und mit Walen schwimmt man immer wieder gerne.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Photo von Angela Michel.

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