Arms And Sleepers

Live: arms and sleepers, Dynamo Zürich, 17-06-01

arms and sleepers
Support: Silentbass
Donnerstag 01. Juni 2017
Werk21, Zürich

Du erreichst die Schweiz und was ist das erste was du tust? Endlich in den Burger King etwas essen gehen – eine logische Schlussfolgerung für Mirza Ramic, Verfechter des eher fettigen Essens. Aber trozt all diesen Ablenkungen und den hohen Temperaturen im Saal des Werk21 in Zürich war der Künstler mehr als bereit, ein treibendes Konzert mit arms and sleepers zu spielen – und bot zugleich eine der seltenen Chancen, seine Musik mit Band zu erleben. Denn oft zeigt sich Ramic mit Gerätschaften und Keyboards alleine, diesen Donnerstag wurde die packende Mischung aus Post-Rock und instrumentalem Trip-Hop aber mit Schlagzeuger und Organist dargeboten.

Und gleich nach wenigen Minuten war klar: Dieser klangliche Druck tut den neuen Lieder vom Album „Life Is Everywhere“ mehr als gut. Die Beats wurden zu wilden Anfeuerungen, die elektronischen Spielmittel zu umfassenden Wänden und sogar Gitarrenmelodien mischten sich unter die Basis. Schnell versank man in den Songs und bewegte sich im Takt wie ein Grashalm vor dem Subwoofer. Begleitet von tollen Animationsfilmen hüpften arms and sleepers von Stück zu Stück und zeigten, dass auch Liebhaber der Gitarrenmusik nicht vor Hip-Hop Angst haben müssen.

Einander die Furcht zu nehmen war allgemein ein grosses Thema an diesem Konzert – geht es fur Ramic doch nicht nur darum Musik zu spielen, sondern sich dem Publikum anzunähern. Als Solokünstler steht er inmitten der Besucher, mit seiner Band zwar auf der Bühne, aber doch immer zu einem Schwatz bereit. So durfte man auch in Zürich vor den Zugaben, welche auch den Post-Rock wieder in das Dynamo brachten, dem Künstler Fragen stellen und viel Witziges erfahren. arms and sleepers beweisen somit erneut, dass diese Gruppe zu den wohl sympathischsten Musikern überhaupt gehört – und weiss dies auch mit ihren Darbietungen zu unterstreichen.

Silentbass war da eher das pure Gegenteil, was aber kein Nachteil bedeutete. Denn gemäss seinem Namen gab es bei diesem Supporting-Auftritt keine grossen Reden, sondern effektvoll veränderte Bassläufe, modulierte Klänge und mit Loopgeräten geschichtete Lieder. Die Lieder flossen schier übergangslos ineinander und liessen bei vielen die Gedanken in die Ferne schweifen. Auch hier gab es wunderbare Animationsfilme, welche den Post-Rock des Duos perfekt untermalte und das Spiel an den Instrumenten war genau so träumerisch wie die Bilder. Normal war an diesen Konzerten wenig – und das muss auch nicht sein.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

Live: Bergmal Festival, Dynamo Zürich, 16-10-22

Photo von Angela Michel

Photo von Angela Michel

Bermal Festival
Bands: 65daysofstatic, EF, Leech, Glaston, Besides, Jardin De La Croix, Arms And Sleepers, Rome In Reverse, Cataya, Flieder, Shriduna, Dirty Purple Turtle, Death Of A Cheerleader
Samstag 22. Oktober 2016
Dynamo, Zürich

Es war eine tierische Angelegenheit, diese Erstausgabe des Bergmal Festivals im Dynamo in Zürich. Komplett dem Post-Rock und seinen experimentellen Auswüchsen verschrieben, liessen die Veranstalter nicht nur viele Musiker auffahren, sondern verteilten Wale um das Gebäude und dessen Fassade, begrüssten Schildkröten als Tanzdompteure und bescherten wohl so manchem Besucher am darauffolgenden Tag einen Besuch des Katers. Und wer nicht flink wie ein Gepard zwischen den Bühnen und Stockwerken wechselte, der verpasste wohl einige Blutegel und Highlights.

Mit 13 Acts war das Bergmal schliesslich nicht zurückhaltend und deckte alle Geschmäcker von Metal über Electronica bis hin zu experimentellem Instrumental-Rock ab. Erstaunlich war dabei, dass der klassische Post-Rock mit seinen gitarrenbeladenen Laut-Leise-Liedern eher selten anzutreffen war. Neben der schwedischen Gruppe EF, welche mit grossen Posen und vielen klanglichen Steigerungen den Abend beendeten, waren vor allem Besides eine Band, welche die Konventionen selten brach. Wenn zuoberst auf dem Line-up aber 65daysofstatic stand, dann wusste man sehr früh: Hier werden Grenzen gesprengt.

Bevor aber die Engländer mit ihren wuchtigen, krachenden und frequenzverzerrenden Liedern das Fest für die Roof Stage schlossen, schwärmten die Leute wild umher. Jardin de la Croix eröffneten den wunderbaren Abend mit technisch wilden Songs, laut und kompromisslos auf der Cellar Stage. Meterhoch über ihnen sassen Shriduna auf ihren Stühlen und erzählten Geschichten mit langen Gitarrenmelodien auf der wunderbar ausgeleuchteten Bühne. Wer dann auch mal Knöpfchen und Tasten sehen wollte, der war bei Flieder wunderbar aufgehoben. Loops, Glockenspiel und hübsche Synthies – zurückhaltender als Dirty Purple Turtle, denn die brachten mit ihren Effektgeräten die vorhandene Anlage stark an ihre Grenzen.

Laut und wild – zwei Adjektive, die sich auf die meisten Auftritte am Bergmal Festival anwenden lassen. Cataya waren ein Höhepunkt mit ihrer cineastischen Soundwand, welche alles vor sich plattwalzte und vor Drone keine Angst zeigte. Belesen und mit Gesang tummelten sich auch Death Of A Cheerleader in Gebieten mit heftigen Ausbrüchen und nahe an Bands wie Crippled Black Phoenix. Rome In Reverse und Arms And Sleepers hielten sich mit Wutmomenten am DJ-Pult zurück und liessen die Beats und Hooks aus den Chaospads hofieren. Sehr sympathisch, und bei letzterem mit vielen netten Sprüchen inmitten der tanzenden Besucher. Schön, nebst all diesem Headbangen auch mal die Beine zappeln zu lassen.

Harte Riffs, geniale Strukturen und Akzente aus der Orgel brachten bei Leech schliesslich alle Köpfe in Bewegung. Die Gruppe aus Zofingen bewies erneut, mit ihrer Musik ganz klar auf internationalem Höchstniveau zu spielen. Zwar gab es einige Schnitzer, Songs wie „The Man With The Hammer“ sind live aber immer eine orgiastische Wucht. Auch Glaston meisterten ihr Heimspiel perfekt – erstaunlich, welche Leistungen ein Mensch erbringen kann. Denn in der Gruppe spielte ein Organisator selber mit und holte sich somit wenige Minuten der Entspannung. Mit viel Klavier und tollem Schlagzeugspiel geriet auch so mancher Zuhörer ins Träumen.

Und dann eben die Explosion bei 65daysofstatic – ein Erlebnis zwischen Musik, Licht, Körper und Technik. Die Band präsentierte am Bergmal nicht nur ihr neustes Album, sie liess auch in die Vergangenheit blicken. Mit vielen Liedern von „Wild Light “ und „The Fall Of Math“ war man im Himmel der Off-Beat-Rhythmen, Math-Rock Attacken und elektronischen Schwerthieben. Ein perfekter Auftritt an einem genialen Abend – das Bergmal Festival sorgte für viele Stunden voller Glück und Freude. Liebevoll veranstaltet, perfekt durchgeplant und herzensgut, ein strahlendes Licht für Freunde des Post-Rock und all seinen hübschen Verwandten. Als Besucher (und bestimmt auch als Musiker) kann man den Organisatoren nur danken und hoffen, dass es 2017 eine weitere Auflage geben wird. Die Meere der experimentierfreudigen Rockmusik sind schliesslich tief, und mit Walen schwimmt man immer wieder gerne.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Photo von Angela Michel.

Photo von Angela Michel.