Live: The XX, St. Jakobshalle Basel, 17-02-18

The XX_Basel_MBohli

The XX
Support: Kelela
Samstag 18. Februar 2017
St. Jakobshalle, Basel

„Last night I came to a realization. And I hope you can take it.“ Wie ein Gebot schwebt diese Textzeile heute über meinem Kopf – und die richtigen Worte zu finden, ist nicht einfach. Manchmal ist es halt doch nicht so grossartig, wie es die Masse zu sagen pflegt. Sicher, man fühlt es und immer schwingt mit dem Bass alles mit – aber dann steht man doch alleine da. Die St. Jakobshalle in Basel war beim Auftritt von The XX zwar fast komplett gefüllt, doch die Musik wollte mich nicht erreichen.

Seit ihrem Debütalbum, welches 2009 erschien, ist das Trio aus London in aller Munde. Mit ihrer sehr minimalistischen und verhallten Version des modernen Indie-Dream Pop konnten sie die Massen begeistern und gehören in jede gute Plattensammlung. Mit dem Erscheinen ihres dritten Albums „I See You“ gab es nach längerer Pause nun endlich wieder die Gelegenheit, Jamie XX, Romy Croft und Oliver Sim live zu erleben. Ihr Halt in der Schweiz fand leider in der klanglich eher schwachen St. Jakobshalle statt, doch die Musik überlebte die Umgebung.

Allen voran begeisterte natürlich Klangtüftler und Knöpfchendreher Jamie XX, der mit seinem tausend Gerätschaften über allem thronte und dank dem Spiegeldesign der Bühne auch genau beim Musizieren beobachtet werden konnte. Typisch für The XX lebt ihre Musik von diesen einzelnen Gitarren- und Bassspuren, die mit Elektronik und Beats untermalt werden. In Basel wurde das Set aber oft von den langsamen und sanften Songs beherrscht, die Ausflüge in den Techno fehlten fast gänzlich. Und somit war auch „Loud Places“ der wuchtige Stern gegen Ende des Konzertes.

Trotz diesem Umstand war das Publikum begeistert und viele wurden mitgerissen – was ich auch nachvollziehen kann. Aber diese minimalistische Weise, Gefühle zu zeigen, berührt mich persönlich zu wenig. The XX sind bei weitem keine schlechte Band – aber mir fehlt bei ihnen der Druck, die Wucht, die Intensität. Ich will Echtheit und nicht diese gekünstelt wirkende Zurückhaltung, hinter der sich die heutige Generation versteckt und dadurch keine Konfrontation mehr zulässt. Sonst bleiben wir alle so flach wie die schummrigen Bilder auf den Instagram-Accounts.

Kelela als Support traf mit ihrer tollen Stimme und dem R&B schon eher die Wahrheit, überzeugte mich die Sängerin aus den USA mit ihrem kurzen Auftritt. Zwar nur von einem DJ begleitet, fühlte man sich doch freundlich begrüsst und aufgenommen – was die Zuschauer auch gleich mit einem grossen Applaus retournierten. Ein euphorischer Start in einen etwas zu nüchternen Abend.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Kelela_2017_Basel_MBohli

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