Live: Moderat, X-Tra Zürich, 16-04-27

Moderat_Zürich16_1_Mbohli

Moderat
Support: Shed
Mittwoch 27. April 2016
X-Tra, Zürich
Bilder: Carla Stöckli

Es tut sehr weh, wenn man merkt, dass man sich langsam von einer bestimmten Band entfernt – einmal war es der schönste Moment diesen Musikern zuzuhören, doch irgendwo auf dem Weg gingen diese Gefühle verloren. Das ist nicht unbedingt die Schuld der Band, sondern wohl eher eine Beziehung, die sich verändert hat und neu verstanden werden muss. Somit war das das Konzert von Moderat im X-Tra in Zürich nicht mehr ein Rausch für mich, sondern eher ein leeres Schlucken und Schulterzucken.

Wobei der Abend wunderbar düster und komplex begann. Shed brachte ein Stück der düsteren Techno-Szene aus Berlin nach Zürich und faszinierte mit einem kurzen, aber wunderbar aufgebauten Set. Seine Tracks setzten auf Atmosphäre und langsame Steigerung, ohne je in langwierige Wiederholung zu verfallen. Die Bässe dröhnten dunkel und tief, die Synthmelodien krallten sich in den Betonmauern fest. Nicht immer war gleich klar, in welche Richtung sich ein Stück entwickeln wird, doch genau diese Unberechenbarkeit fasziniert mich bei der elektronischen Musik. Und genau dies ist Moderat leider in der Zwischenzeit etwas abhanden gekommen.

Sicherlich, das Trio versteht es wunderbar, live eine gute Show zu bieten. Nach drei Alben verfügt die Gruppe über viele Hits und Knaller, die Setlist mischte somit die Welten von „III“ mit bekannten und vermissten Stücken. „Rusty Nails“ überstrahlte wieder einmal alles und die Beats von „Versions“ gingen durch das Knochenmark. Doch immer genau in solchen Momenten wurden die neuen Lieder etwas ins schlechte Licht gerückt. Denn Moderat haben mit ihrer neusten Platten nicht einfach das Erfolgsrezept wiederholt, sondern sich auch in etwas sicherere (oder sogar seichtere?) Gefilde bewegt. Wenn dann live jeder Song genau gleich präsentiert wird und man nach einem Break den herrschenden Beat erneut viel lauter erklingen lässt, dann ist das eher eine müde Einfallslosigkeit als intelligente Gestaltung. Nein, Moderat sind noch nicht im Gebiet der Prolobeats abgekommen, verfügen aber leider langsam über deren Anzeichen. Dabei könnten sie es doch so viel besser, so viel spannender und verschachtelter.

Aus diesen Gründen konnte mich das Konzert leider nicht komplett mitreissen, wobei auch das Publikum manchmal etwas unbeteiligt zuhörte. Jedenfalls dann, wenn nicht gerade die Bässe durch den Saal pumpten. Wundervoll wiederum hingegen die visuelle Begleitung der Musik. Auch wenn Moderat hier aufgestockt haben und neu auch Laser und viele Scheinwerfer neben der Leinwand stehen haben, wussten die Farb- und Lichtkonstruktionen sehr zu gefallen. Auch die Filme und graphischen Zeichnungen passten perfekt in die Welt von „Reminder“ und Gleichgesinnten. Auf keinen Fall ein schlechter Abend also, aber irgendwie nicht mehr die geliebte Form. Man wird halt älter und wählt vielleicht einen Weg, der nicht mehr gemeinsam durch das Leben führt. Schade, aber es kann vorkommen.

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