Dyonikal – Göschene Airolo (2015)

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Dyonikal – Göschene Airolo
Label: Echo, 2015
Format: Download
Links: Band, Facebook
Genre: Mundart-Rock, Funk

Wer kennt sie nicht, die ewigen Staumeldungen rund um den Gotthard – kaum ein Wochenende oder Feiertag vergeht, an dem nicht hunderte von Fahrzeugen traurig auf eine freie Bahn warten. Ausweg ist das Reisen mit dem Zug oder die Fahrt via Passstrasse. Wobei letzteres nicht nur für schöne Naturbilder sorgt, sondern auch ein stockendes Vorankommen. Und genau diese Eigenschaft hat sich die Zürcher Band auf ihrem neusten Album zu Eigen gemacht. „Göschene Airolo“ kann als musikalische Variante einer solchen Ausfahrt betrachtet werden und mischt Mundart mit Rock, Funk und flotten Sprüchen.

Die Gruppe existiert seit 2002, musste aber für drei Jahre den Kopf in den Sand stecken. Die Mitglieder benötigten eine Pause, fühlten sich aber 2012 umso bereiter, um unter dem Namen Dyonikal komplett neu zu beginnen. Weg mit dem Ska und wilden Funk, her mit der traditionellen Herangehensweise des Schweizer Mundart-Rock. Was Legenden wie Züri West jahrelang gefestigt haben, wird nun mit Saiten, Tasten und Fellen weitergeführt – natürlich auch hier in schweizerdeutschem Gesang. Lukas Bünger schlägt mit seiner Stimme zwar keine virtuosen Kapriolen, sitzt aber angenehm im Ohr und versucht sich an typischen Landeseigenheiten und Wortwitzen. Diese dürfen auch mal ungewohnt sein, erreichen in ihrer Frechheit aber nie die Messlatte von Stiller Has und Konsorten. Dyonikal klingen auch gesamtheitlich eher wie der nette Typ von nebenan, der gerne Mal auf seiner Gitarre ein Lied spielt. Die Welt wird an lauen Sommerabenden zwar gemütlicher, aber gerettet wird niemand. Vielleicht war es ein Fehler das Album „Göschene Airolo“ zu betiteln, denn genau wie beim Sprichwort rauschten mir hier die Lieder durch den Kopf, ohne wirklich hängen zu bleiben. Zwar wissen die Musiker ihre Stücke abwechslungsreich zu gestalten, spielen mal schnell und laut, dann wieder langsam und zart, neue Gebiete erforschen sie aber selten.

Dyonikal möchten wohl gerne mehr sein, als sie auf ihrem zweiten Album präsentieren. Die Ambitionen sind da, die Richtung stimmt auch – doch leider ist die Ampel vor dem Tunnel noch rot. Nach einer Pause zurückzukommen und mit neuem Stil durchzustarten ist nicht einfach – schön das es die Mannen gewagt haben. Für das nächste Album wünsche ich mir aber mehr Energie, Stilbrüche und Eigenheiten. Ansonsten geht auch dieses Gefährt viel zu schnell in der Blechlawine unter.

Anspieltipps:
Mister Detektiv, Gib emal Gas, Bänk & Stüehl

Das Album auf Soundcloud.

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