Record Store Day 2017 – Die 10-jährige Ernüchterung?

Zehn Jahre Record Store Day, zehn Jahre die Liebe zum Vinyl und zum Plattenladen neu aufleben lassen – und die Luft ist schon draussen? Ein weiteres Mal habe ich mich an diesem ehrenwerten Samstag im April aufgemacht, meine Liebe zum schwarzen Gold und den Personen dahinter aufflammen zu lassen. Denn wie schon neun Jahre vorher gilt es an diesem Tag zu beweisen, dass Musik nicht nur eine Schallwelle ist, die auf die Ohren auftrifft. Viel mehr stehen dahinter nicht nur Musiker, Künstler und Labels, sondern vor allem Menschen mit Herzblut und einer grossen Liebe. Und das will der RSD zelebrieren – mit Aktionen, Sonderpressungen und der Bewusstseinsverstärkung.

Natürlich könnte man hier die gleichen Diskussionen anzetteln wie schon immer zuvor, wie dieser Tag verkommen ist, wie alles missbraucht wird und wie die aktuelle Generation Schallplatten sowieso falsch benutzt. Aber das wird langsam etwas müde, oder? So gab es für mich auch zu wenige Argumente, die gegen den Besuch von wunderbaren Plattenläden gesprochen hätten. Schliesslich geht es genau darum, bei seinen bekannten Händlern aufzukreuzen, über krude Themen zu fachsimpeln und dabei zu zeigen, doch: Ich kaufe lokal. Wunderbar auch, dass sich die Besitzer der Geschäfte dazu natürlich etwas einfallen lassen.

So durfte man im Dezibelle in Aarau seine liebsten Songs gleich vom DJ im Schaufenster spielen lassen – egal, was alle anderen Besucher dazu dachten – oder im Zero Zero leckeren Kuchen in der Sitzecke verspeisen. Immer wieder aber wurde der Blick von den Fächern oder gleich Regalen angezogen, in denen die Platten mit dem glänzenden Logo des Record Store Day lauerten. Denn darin fand man auch dieses Jahr wieder Neuauflagen in schicker Aufmachungen, Neupressungen oder gar gehobene Schätze. Bei mir Zuhause fanden zwar nur die neue 12inch von „Red Hill Mining Town“ von U2 sowie die EP „No Plan“ von David Bowie ein neues Heim, gerade aber Freunde altbekannter Gruppen und Künstler wähnten sich im Himmel.

Egal ob Prince, Leonard Cohen oder skurrile Acts aus irgendwelchen Szenen, die heute keiner mehr in Erinnerung hat, farbig und frisch aus dem Presswerk wollte alles angefasst werden. Klar, es ist schon etwas fragwürdig, wie wenig neue Musik und unabhängige Künstler an diesem Tag wirklich eine Plattform erhalten. Ebenso ist die Streuung der Veröffentlichungen immer noch komplett undurchschaubar – aber Vinyl zu kaufen ist einfach etwas Wunderbares. Und wenn dank diesem Tag jedes Jahr wieder neue und auch junge Menschen auf diesen Zug aufspringen, dann funktioniert das Ganze ja doch ziemlich gut.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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