Zero Zero

Zero Zero Baden – Tag der offenen Tür mit Jack Slamer

Tag der offenen Tür
Bands: Jack Slamer, Izamanya
Samstag 09. Dezember 2017
Zero Zero, Baden

Es ist immer wieder ein paradiesisches Gefühl, wenn man über die Schwelle in den grossen Verkaufsraum von Zero Zero in Baden tritt. Regale um Regale voller Vinyl, von brandneu bis alt und rar, als Boxsets, Singles oder schwere Pressungen auf bunten Scheiben – man muss weit reisen, um ein Geschäft zu finden, das mehr bietet. Aber wie auch in den meisten anderen Record Stores läuft es hier im Dachgeschoss des Merker-Areals nicht mehr so rund wie früher. Grund genug, mit einem Tag der offenen Tür alte Freunde, Stammkunden und neugierige Erstbesucher in die heiligen Hallen des gepressten Erdöls zu locken.

Pedro und Emma haben dazu nicht nur die neusten Veröffentlichungen ausgepackt, sondern boten gleich zwei Schweizer Bands zu einem Showcase auf. Und Izamanya nutzten dies gleich, um ihr erstes Album „Second Life“ vorzustellen. Zusammengesetzt aus Iza Loosli (Bluesaholics), Many Maurer (Ex-Krokus) und Chasper Wanner (Poltergeist) spielten die drei ein akustisches Set mit neuen Songs, die zwischen kernigem Rock und doppelten Gitarrenläufen die Leute zum Mitwippen animierten. Hier spürte man, dass diese Musiker viele Erfahrungen mitbringen und sich im Gebiet der langen Haare und kratzenden Stimmen gut auskennen.

Richtig laut und wild wurde es danach mit einem exklusiven kleinen Konzert von Jack Slamer. Die Band aus Winterthur steht sonst meist auf grossen Bühnen und vor vielen Menschen, hier im Zero Zero waren sie aber für einmal wieder auf dem Teppich und auf Augenhöhe mit den begeisterten Zuhörern. Ihr treibender und von den Siebzigern geprägter Rock durchdrang die Dachbalken und liess die Platten von Vorbildern wie Led Zeppelin freudig wackeln. Mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Stücken von beiden Alben „Noise From The Neighbourhood“ und „Jack Slamer“ wurden sie ihrem guten Ruf mehr als gerecht und bewiesen, dass der alte Rock auch heute frisch klingen kann.

Mit Häppchen, Getränken, lockeren Unterhaltungen und einer tollen Musikbeschallung durch den DJ genoss man nach den Auftritten noch den restlichen Nachmittag in fröhlicher Stimmung im Zero Zero. Und wieder einmal zeigte sich dabei, dass die Gemeinschaft eines Plattenladens einzigartig und unerreicht ist. Vergesst das digitale Shopping, fallt nicht auf die falschen Versprechen der Social Media rein – das wahre Leben und die echte Leidenschaft zum Vinyl findet man nur beim Händler des Vertrauens. Und Baden ist dafür die erste Adresse.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Record Store Day 2017 – Die 10-jährige Ernüchterung?

Zehn Jahre Record Store Day, zehn Jahre die Liebe zum Vinyl und zum Plattenladen neu aufleben lassen – und die Luft ist schon draussen? Ein weiteres Mal habe ich mich an diesem ehrenwerten Samstag im April aufgemacht, meine Liebe zum schwarzen Gold und den Personen dahinter aufflammen zu lassen. Denn wie schon neun Jahre vorher gilt es an diesem Tag zu beweisen, dass Musik nicht nur eine Schallwelle ist, die auf die Ohren auftrifft. Viel mehr stehen dahinter nicht nur Musiker, Künstler und Labels, sondern vor allem Menschen mit Herzblut und einer grossen Liebe. Und das will der RSD zelebrieren – mit Aktionen, Sonderpressungen und der Bewusstseinsverstärkung.

Natürlich könnte man hier die gleichen Diskussionen anzetteln wie schon immer zuvor, wie dieser Tag verkommen ist, wie alles missbraucht wird und wie die aktuelle Generation Schallplatten sowieso falsch benutzt. Aber das wird langsam etwas müde, oder? So gab es für mich auch zu wenige Argumente, die gegen den Besuch von wunderbaren Plattenläden gesprochen hätten. Schliesslich geht es genau darum, bei seinen bekannten Händlern aufzukreuzen, über krude Themen zu fachsimpeln und dabei zu zeigen, doch: Ich kaufe lokal. Wunderbar auch, dass sich die Besitzer der Geschäfte dazu natürlich etwas einfallen lassen.

So durfte man im Dezibelle in Aarau seine liebsten Songs gleich vom DJ im Schaufenster spielen lassen – egal, was alle anderen Besucher dazu dachten – oder im Zero Zero leckeren Kuchen in der Sitzecke verspeisen. Immer wieder aber wurde der Blick von den Fächern oder gleich Regalen angezogen, in denen die Platten mit dem glänzenden Logo des Record Store Day lauerten. Denn darin fand man auch dieses Jahr wieder Neuauflagen in schicker Aufmachungen, Neupressungen oder gar gehobene Schätze. Bei mir Zuhause fanden zwar nur die neue 12inch von „Red Hill Mining Town“ von U2 sowie die EP „No Plan“ von David Bowie ein neues Heim, gerade aber Freunde altbekannter Gruppen und Künstler wähnten sich im Himmel.

Egal ob Prince, Leonard Cohen oder skurrile Acts aus irgendwelchen Szenen, die heute keiner mehr in Erinnerung hat, farbig und frisch aus dem Presswerk wollte alles angefasst werden. Klar, es ist schon etwas fragwürdig, wie wenig neue Musik und unabhängige Künstler an diesem Tag wirklich eine Plattform erhalten. Ebenso ist die Streuung der Veröffentlichungen immer noch komplett undurchschaubar – aber Vinyl zu kaufen ist einfach etwas Wunderbares. Und wenn dank diesem Tag jedes Jahr wieder neue und auch junge Menschen auf diesen Zug aufspringen, dann funktioniert das Ganze ja doch ziemlich gut.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Zero Zero Baden – Tag der offenen Tür

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Tag der offenen Tür
Samstag 04. März 2017
Zero Zero, Baden

Früher war die Schlange vor der Kasse am Samstag immer so lange, sagt Pedro Wiederkehr, als er meine Platten einkassiert. Der Besitzer des Musikgeschäftes Zero Zero in Baden hat viele unterschiedliche Zeiten durchlebt, doch so einen grossen Andrang wie an diesem Tag der offenen Tür gab es schon lange nicht mehr. Die Leute kaufen immer weniger Musik, Streaming und Onlineshopping bestimmen den Alltag. Darum war das Team des Ladens auch gezwungen, nach vielen Jahren den Standort an der Stadtturmstrasse aufzugeben.

Doch glücklicherweise war dies nicht der endgültige Schlusspunkt einer langen und abenteuerlichen Geschichte, Zero Zero lebt nun Merker-Areal an der Bruggerstrasse 37 weiter. Und jeder Liebhaber von Musik sollte diesen neuen Ort nicht nur einmal besuchen. Denn den Konsumenten erwarten hier nicht nur unzählige Laufmeter an Vinyl und CDs, sondern auch eine grossartige Beratung, tonnenweise Boxsets, Occassionen, Raritäten und Kleidung. Es gibt wohl kein anderer Plattenladen in der Schweiz, der mit einem solch gewaltigen Angebot auftrumpfen kann.

Es war darum an der Zeit, das neue Lokal im Dachstock – welches stilgerecht direkt aus dem Lift betreten wird – einzuweihen. DJ Bernd Volk beschallte das Lokal mit wunderbar groovenden Tunes, die Leute genehmigten sich ein Getränk und fachsimpelten zwischen den Brötchen von hej hej und Kuchenstücken über Absurditäten der Musik. Highlight war der Auftritt der Hausband von Hendrix Ackle, Max Lässer, Roberto Haçaturyan und Nico Schulthess. Dies förderte nicht nur die Stimmung, sondern auch die Kaufbereitschaft.

Every Day Is Record Store Day – selten wurde dies so perfekt aufgezeigt wie an diesem Tag der offenen Tür.  Darum besucht bitte den Zero Zero regelmässig und unterstützt euer lokales Geschäft. Musik zu kaufen ist schliesslich immer dann am schönsten, wenn man dazu noch über neue Platten und alte Bands plaudern, in Kisten herumwühlen und Absurdes entdecken kann.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Record Store Day 2015

Alle Jahre wieder im April luden die Plattenläden zum intensiven Besuch ein. Was für andere Leute die Jadg nach den Osternästchen ist, bleibt bei uns Vinyl-Freaks die Suche nach limitierten Pressungen und Sonderauflagen am Record Store Day. Um die unabhängigen Geschäfte zu zelebrieren, und den Musikfans wieder mal zu zeigen, dass lokale Geschäfter den anonymen Onlinestores überlegen ist, wurde der „Record Store Day“ ins Leben gerufen. Nebst vielen Vinylschätzen, welche nur an diesem einen Samstag erhätlich sind, gibt es hier die Möglichkeit endlich mal tiefer mit den Besitzern, Sammlern und Stammkunden ins Gespräch zu kommen, ein Getränk im Laden zu verzehren und gemeinsam mit DJs über spezielle Single fachzusimpeln. Das Gefühl, die Vinylszene sei eine grosse Familie, wird nicht nur verstärkt, sondern auch klar gefördert. Plötzlich ist die Sucht und das Sammelfieber ein normaler Zustand und nichts zum schämen.

Ob der Tag für die Industrie und Gemeinde nun ein Fluch oder Segen darstellt ist schwierig zu beurteilen. Wie letztes Jahr beschrieben, bietet ein solcher Anlass Vor- und Nachteile, ich möchte mich hier aber nicht wiederholen. Im Grossen und Ganzen macht es halt doch Spass, an diesem speziellen Samstag die Läden abzuklappern, mit der Hoffnung, endlich doch die gewünschten Editionen zu finden, oder gar unerhoffte Glücksgriffe zu landen. Wobei dies nicht immer so einfach ist, geschieht der Verteilung der Platten doch ziemlich willkürlich. Trotzdem hab ich viel gewünschtes Gefunden, und meine Geldbörse geleert.

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Die erste Anlaufstelle im Why Not in Zofingen brachte die gewünschten Singles von hübschen Frauen und verrückten Amerikanern in meine Hände. The Flaming Lips feiern die angekündigte Neuauflage von „Clouds Taste Metallic“ mit drei 10inch-Singles voller Outtakes, alternativen Versionen und Albumtracks. Drei mal Farbe und drei Mal viel Psychedelic. Etwas zaghafter gehen da Florence + The Machine vor, bieten sie doch „nur“ zwei Lieder vom kommenden Album, dafür auf einer hübschen, golden verpackten 12inch. Banks lässt sich lieber gleich komplett durch den Wolf drehen, mit Remixe zu „Beggin For Thread“.

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Viel los war im Dezibelle in Aarau, fanden sich auch dieses Jahr hier wieder Plattenfreunde und Szenengänger ein, um ihre eigenen Musikwünsche vom DJ abspielen zu lassen, mit Dimi etwas zu trinken und natürlich Vinyl einzukaufen. Eine ausgelassene und tolle Stimmung, untermalt mit vielen guten Songs. Dies animierte mich, nicht nur die technoiden Remixe von Noel Gallagher, sondern auch unveröffentliche Songs von Lamb einzupacken. Die Single von Nick Cave stammt zwar vom letztjährigen Black Friday, fügt sich aber gut ein. Und „Jubilee Street“ als Live-Version muss einfach gehört werden. Gratis gab es obendrauf noch einen Sampler mit elektronischer Musik aus Finland.

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Als letzte Haltestelle beehrte ich den Zero Zero in Baden. Wie auch das reguläre Angebot, war die Auswahl an RSD-Titeln ziemlich gewaltig. Für meinen Geschmack tummelte sich zwar etwas viel im Bereich der wiederveröffentlichten Klassiker, aber dies wird sowieso immer ein Problem des Record Store Day bleiben. Die hübsche Picture Disc zum Jubiläum von „The Holy Bible“ der Waliser Manic Street Preachers hab ich aber auch eingepackt. Mit dem Cover lockend, haben mich dann Daughter und Warpaint rumgekriegt, die sich hier gleich mal gegenseitig neu abmischen. Das Highlight blieb aber eine Kartonschachtel, in der sich ein weisses Rad verbarg. Amon Tobin veröffentlichte seine neue EP in kunstvollerweise, und ich habe erst zu Hause begriffen wie man dieses Ding anhören kann. Mehr dazu aber an anderer Stelle.

Der RSD 2015 war für mich als Sammler und Plattenjäger wieder eine spassige Angelegenheit, für mich als Besucher von Plattenläden ein toller Tag um bekannte Gesichter zu treffen, und für mich als nun armer Mann mein Geld in Erdöl umzutauschen. Auch wenn ich gerne über die Politik und Praktiken dieses Tages fluche, es übt weiterhin grossen Reiz aus, gewisse Pressungen aufzusuchen und mitzunehmen. Nur schade, findet man die Auflagen aus den USA hier nicht. Oder besser so?