RSD

U2 – Red Hill Mining Town 2017 Mix (2017)

U2 – Red Hill Mining Town 2017 Mix
Label: Island, 2017
Format: 12inch Vinyl
Links: Discogs, Band
Genre: Rock

Ein wenig verwundert war ich schon, als U2 zum diesjährigen Record Store Day angekündigt haben, „Red Hill Mining Town“ mit neuem Mix als Picture-Disc zu veröffentlichen. Dieses Lied wurde von der Band jahrzehntelang eher missachtet, viel mehr wurden auf die klassischen Hits von „The Joshua Tree“ gesetzt. Im Zeichen der 30-jährigen Jubiläumstournee wurde dem Album aber eine Frischzellenkur verpasst und auch „Red Hill Mining Town“ in die Gegenwart transportiert.

Und nachdem die „The Joshua Tree Tour“ nun in Europa beendet ist, erscheint auch diese Neuaufnahme in neuem Licht. Denn um dieses Stück live zu spielen, haben U2 nicht nur die Arrangements verändert, Bono hat seinen Gesang auch etwas angepasst. Die hohen Lagen waren nicht mehr ganz einfach zu erreichen – doch diese geerdete Stimmung tut dem Stück gut. Die neuen Bläser bieten die nötige Breite und im Refrain brechen alle Dämme.

Natürlich muss man hier noch anmerken, dass – wie für den RSD typisch – diese Veröffentlichung etwas zu teuer ist. Auf dem Vinyl ist nur zweimal derselbe Song enthalten, die Bilder auf der Platte gewinnen keinen Schönheitswettbewerb. Trotzdem, als Erweiterung zur Album-Neuauflage und auch als Erinnerungsstück an die Tour funktioniert die Scheibe bei uns Fans natürlich perfekt.

Anspieltipps:
Red Hill Mining Town 2017 Mix

Record Store Day 2017 – Die 10-jährige Ernüchterung?

Zehn Jahre Record Store Day, zehn Jahre die Liebe zum Vinyl und zum Plattenladen neu aufleben lassen – und die Luft ist schon draussen? Ein weiteres Mal habe ich mich an diesem ehrenwerten Samstag im April aufgemacht, meine Liebe zum schwarzen Gold und den Personen dahinter aufflammen zu lassen. Denn wie schon neun Jahre vorher gilt es an diesem Tag zu beweisen, dass Musik nicht nur eine Schallwelle ist, die auf die Ohren auftrifft. Viel mehr stehen dahinter nicht nur Musiker, Künstler und Labels, sondern vor allem Menschen mit Herzblut und einer grossen Liebe. Und das will der RSD zelebrieren – mit Aktionen, Sonderpressungen und der Bewusstseinsverstärkung.

Natürlich könnte man hier die gleichen Diskussionen anzetteln wie schon immer zuvor, wie dieser Tag verkommen ist, wie alles missbraucht wird und wie die aktuelle Generation Schallplatten sowieso falsch benutzt. Aber das wird langsam etwas müde, oder? So gab es für mich auch zu wenige Argumente, die gegen den Besuch von wunderbaren Plattenläden gesprochen hätten. Schliesslich geht es genau darum, bei seinen bekannten Händlern aufzukreuzen, über krude Themen zu fachsimpeln und dabei zu zeigen, doch: Ich kaufe lokal. Wunderbar auch, dass sich die Besitzer der Geschäfte dazu natürlich etwas einfallen lassen.

So durfte man im Dezibelle in Aarau seine liebsten Songs gleich vom DJ im Schaufenster spielen lassen – egal, was alle anderen Besucher dazu dachten – oder im Zero Zero leckeren Kuchen in der Sitzecke verspeisen. Immer wieder aber wurde der Blick von den Fächern oder gleich Regalen angezogen, in denen die Platten mit dem glänzenden Logo des Record Store Day lauerten. Denn darin fand man auch dieses Jahr wieder Neuauflagen in schicker Aufmachungen, Neupressungen oder gar gehobene Schätze. Bei mir Zuhause fanden zwar nur die neue 12inch von „Red Hill Mining Town“ von U2 sowie die EP „No Plan“ von David Bowie ein neues Heim, gerade aber Freunde altbekannter Gruppen und Künstler wähnten sich im Himmel.

Egal ob Prince, Leonard Cohen oder skurrile Acts aus irgendwelchen Szenen, die heute keiner mehr in Erinnerung hat, farbig und frisch aus dem Presswerk wollte alles angefasst werden. Klar, es ist schon etwas fragwürdig, wie wenig neue Musik und unabhängige Künstler an diesem Tag wirklich eine Plattform erhalten. Ebenso ist die Streuung der Veröffentlichungen immer noch komplett undurchschaubar – aber Vinyl zu kaufen ist einfach etwas Wunderbares. Und wenn dank diesem Tag jedes Jahr wieder neue und auch junge Menschen auf diesen Zug aufspringen, dann funktioniert das Ganze ja doch ziemlich gut.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Blanck Mass – The Great Confuso EP (2016)

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Blanck Mass – The Great Confuso EP
Label: Sacred Bones, 2016
Format: RSD Vinyl
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, Electronica, Minimal

Der Kauf einer Veröffentlichung von Blanck Mass bietet immer wieder Überraschungen. So war sein Debütalbum wunderschöner Ambient, der Nachfolger dann verstörender und gerne auch sehr harter Techno. Dazwischen erblickte mit „The Great Confuso“ eine EP das Licht der Welt, die beide Pole etwas näher zusammenführte. 2016 erhielt man dank dem Record Store Day nun die Gelegenheit, die Musik auf orangem Vinyl zu kaufen, farblich passend zum Cover.

Wie es der Name schon sagt, dreht sich hier alles um das 18 Minuten lange Stück „The Great Confuso“. Unterteilt in drei Abschnitte bietet der klangliche Erguss nicht nur die harten und queren Beats, ausgefallenen Sprachsamples und düsteren Melodien, sondern aus Frequenzüberlastungen und wunderbare Melodien. Blanck Mass zieht hier alle Register seines Könnens und formt die Musik zu einem immer stärker werdenden Strom, zu einer Reise, zu einem Ritt. Nie werden Ideen zu oft repetiert, immer fliessen alle Gegensätze als neue Farbkreation gemeinsam über den Rand des Malkastens. Aber Achtung: Hinter den lustigen Tönen lauern aggressive Sequencer.

Auf der B-Seite erhält man mit „The Great Confuso“ noch drei Remixe zu „Dead Format“, „No Lite“ und „Detritus“ – die Sammlung und Familie um Blanck Mass wächst also in bester Verfassung weiter. Und somit macht man auch mit dieser Scheibe nichts falsch, denn hier erwarten einen viele Minuten voller hartem Techno, träumerischem Electronica und sogar Ambient-Ausschweifungen. So genial wie bei Blanck Mass fügen sich diese farbigen Vögel selten zusammen.

Anspieltipps:
The Great Confuso (Parts I, II, and III), No Lite (Genesis Breyer P-Orridge Dreamachine Remix)

La Dispute – Tiny Dots (2016)

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La Dispute – Tiny Dots
Label: Big Scary Monsters, 2016
Format: Vinyl mit Download, RSD
Links: Discogs, Band
Genre: Soundtrack, Post-Hardcore, Folk

Was zuvor laut und bestürzend war, wird nun nachdenklich und leise – La Dispute vollziehen mit ihrem Dokumentarfilm „Tiny Dots“ einen weiteren Schritt in ihrer Verwandlung zu einer sanften Band. Vom schreienden Post-Hardcore spürt man auf dem Soundtrack zum Film nicht mehr viel, die Intensität blieb aber gleich. Dank dem Record Store Day erhielt man die Möglichkeit, alle neuen Facetten auf Vinyl zu erleben.

„Tiny Dots“ ist ein Versuch, ein Schritt in das Unbekannte. Man erlebt La Dispute hier verletzlich, ohne Mauer und Verstärkung. Die A-Seite widmet sich dabei wie ein Soundtrack den reduzierten Klangwelten und Ambient-Varianten von Liedern aus dem Kosmos der Post-Hardcore Band. Jordan Dreyer spricht darüber frühe Versionen von seinen Texten, welche hier wie schmerzhafte Erinnerungen an sein Leben klingen. Dahinter kratzen Finger über Gitarrenseiten, Klaviertöne erklingen und unter allem brodeln Synthflächen. La Dispute auf diese Stimmungswirkung zu reduzieren funktioniert prächtig, auch ohne bewegte Bilder.

Auf der B-Seite wird man in eine Konzertaufnahme befördert, in der sich die Band von neuen Richtungen an ihre Songs heranwagt. Aus wilden Breaks wird sanfter Folk-Rock, aus Geschrei wird betrübter Sprechgesang. Grossartige Stücke wie „Woman (In Mirror)“ oder „Objects In Space“ werden zu Betrachtungen, man vergisst beinahe das Atmen. Mit diesen Aufnahmen beweisen La Dispute einmal mehr, dass hinter ihren Stücken geniales Songwriting und viel Emotion steckt. Auch in reduzierten und zärtlichen Versionen, oder gar auf Klanggebilde begrenzt, leuchtet die Musik und nimmt mit. „Tiny Dots“ ist faszinierend und ergreifend.

Anspieltipps:
A, For Mayor In Splitsville, Objects In Space

Record Store Day 2016 – Berlin

Alle Jahre wieder, beschert uns der Record Store Day die Möglichkeit, viele limitierte Platten zu jagen und kaufen, Vinyl-Shops zu besuchen und neue Freunde zu finden. Meine Wenigkeit befand sich an diesem Tag ausnahmsweise nicht in der Schweiz, sondern nutzte einen Kurztrip nach Berlin um das Treiben im Dodo Beach zu betrachten.

Dodo Beach ist nicht nur ein besonders hübscher und grosser Plattenladen in der deutschen Hauptstadt, sondern auch einer der beliebtesten. Das liegt – nebst der grossartigen Auswahl und angenehmen Präsentation der Scheiben – vor allem am freundlichen Personal und der tolle Atmosphäre im Geschäft. Natürlich verstärkte sich dies am Record Store Day um ein vielfaches und zwischen den Regalen bewegten sich Scharen von Menschen. Immer wieder fand man Gelegenheit, mit anderen Besuchern zu sprechen und die eigene Leidenschaft zu Vinyl zu teilen.

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Matthias aus Bremen beispielsweise, nutzte seinen Kurztrip nach Berlin um durch die Plattenläden zu streifen. Da im Dodo Beach den gesamten Tag auch Livekonzerte veranstaltet wurden, war dieses Geschäft seine erste Anlaufstelle. Matthias informierte sich zwar etwas im Voraus online über die Veröffentlichungen, kauft aber auch nicht jede Scheibe. Wie auch in meinen Augen, sind für ihn viele RSD-Editionen überteuert und in der Sammlung nicht nötig. Besonders bei den Singles macht keinen Aufstand, und sein Plattenregal ist schon fast übervoll. Doch wer denkt bei Vinyl schon in vernünftigen Mengen?

Für die Geschäftsleiter ist dieses irrationale Verhalten natürlich ein Segen, und gerade an einem Tag wie dem Record Store Day steigen die Verkaufszahlen. Wobei die Leute bei Dodo Beach auch wissen, wie man sicher selber und das schwarze Gold feiert. Auf der Gasse befindet sich die Bühne und eine Bar, im Geschäft ein separates Regal mit RSD-Vinyl. So macht das suchen und kaufen gleich noch mehr Spass. Und wer Glück hatte, der wurde entweder vom RBB oder Musikexpress interviewt. Wie auch unser Autor.

Franzi, eine gebürtige Berlinerin und gute Freundin von mir, besuchte noch drei weitere Plattenläden und stellt uns hier ein paar Impressionen zur Verfügung. Glücklich endete ihre Jagd nach dem „Doctor Who Soundtrack“ übrigens im Dodo Beach. Besten Dank!

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The Flaming Lips – Zaireeka (1997)

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The Flaming Lips – Zaireeka
Label: Warner Bros. Records, 1997 / Record Store Day Neuauflage 2010
Format: 4-fach Vinyl im Schuber, mit Booklet
Links: Discogs, Band
Genre: Psychedelic Rock, Experimental, Noise

Diese Kritik wird eine der wenigen bleiben, in denen ich ein Album bespreche, ohne es korrekt gehört zu haben. 1997 hat unsere liebste und am meisten durchgeknallte Band The Flaming Lips ein Experiment veröffentlicht. Das Album „Zaireeka“ wurde auf vier CDs veröffentlicht, die alle gleichzeitig abgespielt werden müssen. Nur dann erhält man den korrekten Eindruck der Musik, hört alle Frequenzen und kann in eine quadrophonische Klangeruption eintauchen. 2010 wurde dieses verrückte Album für den Record Store Day als edle Vinyl-Box neu aufgelegt und fand nun endlich den Weg zu mir in die Sammlung. Was mir nun aber fehlt, sind drei Plattenspieler und Anlagen.

Dank dem weiten Internet gibt es aber eine Lösung zum kneifen: Wer nicht drei Freunde dazu zwingen kann, ihre Hi-Fi Schätze zu sich ins Wohnzimmer zu transportieren, der findet als MP3 einen Downmix mit allen Schichten übereinander. Sicherlich, das Album kann auch als normale LP gehört werden (schliesslich befindet sich auf allen vier Scheiben dieselbe Musik), doch der Klangeindruck wird dann etwas geschmälert. Und gerade bei der durchgeknallten Musik von The Flaming Lips war es schon immer wichtig, diese nervenden Töne, dieses laute Rauschen, diese überlagernde Rückkopplungen zu hören und im Gesamtbild einzufügen. Auch „Zaireeka“ bildet da keine Ausnahme, stammt das Album noch aus der fröhlichen und psychedelischen Phase der Truppe. Jedes Lied lebt von der verspielten Herangehensweise an den experimentellen Indie-Rock und versucht eine Million Ideen und Melodien in die wenigen Minuten zu drücken. Wayne Coyne singt mit seiner brüchigen und schiefen Stimme quer an der Band vorbei, die Instrumente stolpern und schubsen sich gegenseitig aus der Bahn. Wie damals bei den Beatles zwängt sich ein halbes Orchester zwischen die Leerräume und alle Schleusen öffnen sich. Genau so merkwürdig wie die Songnamen klingen die Stücke auch. Effekte und Samples vermischen sich mit verzerrten Spuren, Frequenzen werden bis zur Schmerzgrenze ausgelotet. Da fällt es schon fast nicht mehr auf, dass die Lieder eigentlich sehr simpel und einfach wären. „Zaireeka“ ist kein Album voller Hits oder komplex gestalteter Lieder, sondern auch in seinen einzelnen Teilen mehr Experiment als Album. Die Band wollte sich hier austoben, unterstellte alles der Doktrin des Versuches und legte den grössten Reiz auf die revolutionäre Form der Veröffentlichung. Soweit ist dies aber nicht schlimm, weiss die Musik doch immer zu unterhalten und die Platte bietet sich als kurzer Happen zwischen den Meisterwerken der Gruppe an.

The Flaming Lips wollten schon immer Grenzen ausloten und haben es mit dieser Veröffentlichung klar geschafft. „Zaireeka“ einmal korrekt zu hören und komplett in den wilden und bunten Songs zu verschwinden, das hat einen grossen Reiz. Dank der wunderbaren Neuauflage auf Vinyl kann man dies nun sogar mit Plattenspieler versuchen, dazu mit dem informativen Booklet die Albumgeschichte nachlesen. Für Fans der Band ein kurioses Sammlerstück, für „normale“ Musikhörer wohl unverständlich.

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Anspietipps:
Riding To Work In The Year 2025 (Your Invisible Now), A Machine In India, March Of The Rotten Vegetables

Amon Tobin – Dark Jovian (2015)

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Amon Tobin – Dark Jovian
Label: Ninja Tune, 2015
Format: 2 x 12inch Vinyl in Gummischeibe, Plastikgehäuse
Links: Discogs, Künstler
Genre: Electronica, Avantgarde

Der Ausnahmekünstler Amon Tobin liess lange nichts von sich hören. Seit der Veröffentlichung von „ISAM“ im Jahre 2011 wartet man auf neues Material. Nun aber hat dieses Ausharren endlich ein Ende, pünktlich zum Record Store Day kam die EP „Dark Jovian“ in die Läden. Und übertraf alleine mit ihrer Verpackung alle Erwartungen, um dann mit der Musik alle Versprechen einzulösen.

Die Musik versteckt sich auf zwei weissen 12inch Vinylscheiben, je einseitig bespielt. Auf der A-, respektive D-Seite findet man ein kunstvolles Etching, dass zugleich die Funktion des Covers übernimmt. Denn beide Platten bilden zusammen mit einer Scheibe aus Gummi ein Kunstobjekt, verpackt in einem Plastikgehäuse. Der Musiker kann nun also auch im Kunsthaus betrachtet werden, oder sollte es zumindest. Musikalisch gesehen macht er es dem Konsumenten schliesslich genau so schwierig, wie Kunst zumeist funktioniert. „Dark Jovian“ ist eine düstere und oftmals bedrückende Reise in die fernen Bereiche unserer Galaxis. Wie Filmmusik aus einem Horror-Sci-Fi Film anmutend, reitet man auf Synths durch kosmische Nebelfelder, wird von Gravitationszentren zerdrückt und landet im Herzen einer Sonne. Mit grandiosem Programming und extremen Einfallsreichtum verzückt und verstört Amon Tobin gleichzeitig. Die kurzen und prägnanten Tracks haben eine Dichte, die man selten im Bereich der elektronischen Musik wahrnimmt. Dass sich der Künstler dabei etwas von seinen abgehackten und stotternden Lieder entfernt, soll mir recht sein. Die Musik lässt sich so ohne Einschränkungen geniessen und auf sich wirken. Reisst der Anfang in einen pochenden Strudel, wiegt die Mitte in warmen Wellen, um am Ende komplett extraterrestrisch die Insektenzangen ins Ohr zu bohren.

Als Zugabe erhält man gleich noch vier Remixe von einzelnen Songs. Dass diese dabei eher der Struktur dienlich und stärker an das Format gebunden sind, stört nicht. Denn so abstrakt und von allen guten Geistern verlassen schreibt und produziert halt nur einer. „Dark Jovian“ ist eine meisterliche Mischung aus Klaustrophobie, HR Giger, Jean Michel Jarre, Frequenzstörungen und Experimentierfreude. Egal wie lange man auf diese Scheiben warten musste, jede Sekunde hat sich gelohnt.

Anspieltipps:
Dark Jovian, Encounter On IO

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RSD 15 Teil 2: Daughter / Warpaint, The Flaming Lips, Lamb

Hier endlich der zweite Teil meiner Reihe zum Record Store Day 2015.

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Daughter : Warpaint
Label: 4AD, 2015
Format: 12inch Vinyl
Links: Discogs, Daughter, Warpaint
Genre: Indie, Folk Rock, Remix

Eine Platte, die wohl so manchem Hipster die Tränen in die Augen treibt. Die aktuellen Szenenbands Daughter und Warpaint haben sich gegenseitig umarmt und je ein Lied neu gemixt. Die Songs wurden dabei nicht gross auseinander gerissen, viel mehr haben sich die Musiker daran gemacht, die Spuren neu zu mischen und die Seele der Lieder zu erhalten.

Von Daughter durfte „Winter“ dran glauben, aus dem die Frauenband Warpaint ein pochendes und rhythmisches Ding zauberten, dass nun sogar in der Indie-Disco gespielt werden kann. Mit Converse tanzt es sich sehr gut zu so viel Schlagzeug. Umgekehrt haben sich die Londoner Daughter den Warpaintsong „Feeling Alright“ vorgenommen, und dabei eigentlich genau das Gegenteil versucht. Aus dem dahintreibenden Lied wird nun ein sanfter Gedanke, der sich im Wind davon treiben lässt. Mit mehr Spuren, mehr Teppich und mehr Hall schliesst man automatisch die Augen. Als Zusatz erhält man zudem je noch den Originalsong, ein direkter Vergleich der Versionen ist also möglich. Eine hübsche Platte, wenn auch hier überteuert für den kleinen Inhalt.

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The Flaming Lips – Brainville // This Here Giraffe // Bad Days
Label: Warner Bros., 2015
Format: 3 x 10inch Vinyl
Links: Band
Genre: Psychedelic Rock, Noise

Bevor dieses Jahr die Aufarbeitung und erneute Veröffentlichung des Klassikers „Clouds Taste Metallic“ ansteht, bringt uns Warner Bros. als Einstimmung drei farbenprächtige 10inch Platten mit Material rund um das Album heraus. Der Fan darf dabei nicht nur neu abgemischte Stücke des Werkes anhören, sondern sich auch durch Liveversionen, Demos und primitive Mixe kämpfen. Wie von The Flaming Lips gewohnt, ist dabei manches eher mühsam und verliert sich in der Narrenfreiheit. Da „Clouds…“ noch zu der Mittelphase der Band gehört, wird hier aber noch viel Wert auf schrammeligen Sound gelegt. Ob nun Rock, Space oder Country, alles verliert sich im Lärmgewitter und kakophonischen Schauspiel der Musiker. Ich bin nun mehr als gespannt, wie das Re-Release aussehen wird.

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Lamb – Transfatty Acid
Label: Music On Vinyl, 2015
Format: 10inch Vinyl
Links: Discogs, Band
Genre: Trip-Hop, Electronica

Das wieder erstarkte Trip-Hop Duo darf sein neustes Album noch weiter würdigen, hier mit einer wunderbar roten 10inch Platte, mit tollen Etching auf der Rückseite. Legt man die Nadel auf die A-Seite, erhört man einen heftigen und wuchtigen Mix von „Transfatty Acid“, einem Lied, das es nicht aufs Album geschafft hatte. Nebst einem wunderbar groovenden Beat werden einem hier noch tonnenweise elektronische Drumpatterns an den Kopf geworfen. Intensiv! „SH09 Is Back“ gehört dann schon eher ins bekannte Territorium der Band, mit wunderbar zerschnittenem Gesang, knarzendem Synth und einem polternden Schlagzeug. Legt man gerne auf.

RSD 15 – Teil 1: Florence & The Machine, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Banks

Gerne möchte ich euch all meine Einkäufe vom diesjährigen Record Store Day kurz vorstellen.
Teil 1 mit folgenden Scheiben:

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Florence & The Machine – What Kind Of Man
Label: Island Records Group, 2015
Format: 12inch Vinyl
Links: Discogs, Band
Genre: Pop

Als Vorbote zum neuen Album von Florence And The Machine, erschien zum RSD die Single „What Kind Of Man“. Darauf findet man zwei Lieder, die auf der dritten Platte enthalten sein werden. Das Titelgebende Lied zeigt Florence von der hübsch, rockenden Seite. Mit Trommeln, Gitarren und wunderbarem Gesang zieht das Lied gleich an, und betört uns mit einer tollen Melodie. „As Far As I Could Get“ auf der B-Seite schlägt dann etwas ruhigere Töne an, aber in gewohnter Instrumentierung. Gitarren, Synths, Harfe und was weiss ich alles hört man raus, Bombast-Pop mit viel Gefühl.
Wenn das Album hält, was dieser Appetithappen verspricht, dann wird auch die dritte Platte der extrovertierten Dame ein voller Erfolg. Ich bin sehr gespannt und geniesse diese zwei Lieder schon mal in vollen Zügen.

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Noel Gallagher’s High Flying Birds – In The Heat Of The Moment Remixes
Label: Sour Mash, 2015
Format: 12inch Vinyl
Links: Discogs, Band
Genre: House, Rock

Beliebt ist die Tradition, am RSD Remix-Platten zu veröffentlichen. Auch Noel Gallagher und seine fliegenden Vögel bieten mit „In The Heat of The Moment – Remixes“ eine hübsche Single, die aus dem handgemachten Rock pochende Clubmusik macht. Das Lied wurde dazu von Andrew Weatherhall und Toydrum bearbeitet. Dabei haben beide den Gesang entfernt, aber charakteristische Elemente beibehalten. So durfen weiterhin die Glocken klingen, die Hauptmelodie schält sich aus dem Hintergrund, und ein Schlagzeug wird gespielt. Aber sonst entfernen sich die Variationen ziemlich weit von der Vorlage. Gerade Weatherhall macht aus dem hübschen Britrock, ein träger Hit für die dunkle Disco.

Toydrum bringt das Lied in die Gewässer des Dub, viel Getrommel und tiefe Klänge. Die perkussionslastige Version klingt dabei noch weniger nach dem Original, gefällt mir selber auch etwas weniger gut. Dafür schaut Noel hier auf ein paar Zeilen vorbei. Für Fans von Herr Gallagher ist diese 12inch eine nette Ergänzung ihrer Sammlung, besonders als Vorbereitung für lange Nächte in der Stadt.

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Banks – The Remixes Part 2
Label: Harvest, 2015
Format: 12inch Vinyl
Links: DiscogsKünstlerin
Genre: Electro, Pop

Frau Banks liess sich ebenfalls durch die Mangeln drehen, der zweite Teil ihrer Remix- Reihe auf 12inch erscheint als RSD Special. „Beggin For Thread“ durfte umgestaltet werden, es meldeten sich Aeroplane und KiNK. Von ihren Bearbeitungen gibts es sogar noch die Instrumental-Version obendrauf, wobei sich diese oft nicht sonderlich vom eigentlichen Remix Unterscheidet, ist der Gesang allgemein eher Nebensache.

Aeroplane lässt die Puppen tanzen und den Beat pochen, der Gesang wurde digital verändert und zusammengeschnitten. Die Struktur des Liedes bleibt aber stark beim Original, allerdings wurde die Zurückhaltung mit vielen Zutaten des Electro-Pop überschüttet. KiNK holt den Techno zurück und schneidet die hübsche Sängerin gleich komplett raus. Für meinen Geschmack ist dieser Remix zu weit vom Original weg, und dient eher als Track für die Strandbar.

Alles in allem angenehme Bearbeitungen, allerdings etwas enttäuschend als teures RSD-Release. Eine Remix-EP mit mehreren Liedern wäre spannender gewesen.

Record Store Day 2015

Alle Jahre wieder im April luden die Plattenläden zum intensiven Besuch ein. Was für andere Leute die Jadg nach den Osternästchen ist, bleibt bei uns Vinyl-Freaks die Suche nach limitierten Pressungen und Sonderauflagen am Record Store Day. Um die unabhängigen Geschäfte zu zelebrieren, und den Musikfans wieder mal zu zeigen, dass lokale Geschäfter den anonymen Onlinestores überlegen ist, wurde der „Record Store Day“ ins Leben gerufen. Nebst vielen Vinylschätzen, welche nur an diesem einen Samstag erhätlich sind, gibt es hier die Möglichkeit endlich mal tiefer mit den Besitzern, Sammlern und Stammkunden ins Gespräch zu kommen, ein Getränk im Laden zu verzehren und gemeinsam mit DJs über spezielle Single fachzusimpeln. Das Gefühl, die Vinylszene sei eine grosse Familie, wird nicht nur verstärkt, sondern auch klar gefördert. Plötzlich ist die Sucht und das Sammelfieber ein normaler Zustand und nichts zum schämen.

Ob der Tag für die Industrie und Gemeinde nun ein Fluch oder Segen darstellt ist schwierig zu beurteilen. Wie letztes Jahr beschrieben, bietet ein solcher Anlass Vor- und Nachteile, ich möchte mich hier aber nicht wiederholen. Im Grossen und Ganzen macht es halt doch Spass, an diesem speziellen Samstag die Läden abzuklappern, mit der Hoffnung, endlich doch die gewünschten Editionen zu finden, oder gar unerhoffte Glücksgriffe zu landen. Wobei dies nicht immer so einfach ist, geschieht der Verteilung der Platten doch ziemlich willkürlich. Trotzdem hab ich viel gewünschtes Gefunden, und meine Geldbörse geleert.

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Die erste Anlaufstelle im Why Not in Zofingen brachte die gewünschten Singles von hübschen Frauen und verrückten Amerikanern in meine Hände. The Flaming Lips feiern die angekündigte Neuauflage von „Clouds Taste Metallic“ mit drei 10inch-Singles voller Outtakes, alternativen Versionen und Albumtracks. Drei mal Farbe und drei Mal viel Psychedelic. Etwas zaghafter gehen da Florence + The Machine vor, bieten sie doch „nur“ zwei Lieder vom kommenden Album, dafür auf einer hübschen, golden verpackten 12inch. Banks lässt sich lieber gleich komplett durch den Wolf drehen, mit Remixe zu „Beggin For Thread“.

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Viel los war im Dezibelle in Aarau, fanden sich auch dieses Jahr hier wieder Plattenfreunde und Szenengänger ein, um ihre eigenen Musikwünsche vom DJ abspielen zu lassen, mit Dimi etwas zu trinken und natürlich Vinyl einzukaufen. Eine ausgelassene und tolle Stimmung, untermalt mit vielen guten Songs. Dies animierte mich, nicht nur die technoiden Remixe von Noel Gallagher, sondern auch unveröffentliche Songs von Lamb einzupacken. Die Single von Nick Cave stammt zwar vom letztjährigen Black Friday, fügt sich aber gut ein. Und „Jubilee Street“ als Live-Version muss einfach gehört werden. Gratis gab es obendrauf noch einen Sampler mit elektronischer Musik aus Finland.

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Als letzte Haltestelle beehrte ich den Zero Zero in Baden. Wie auch das reguläre Angebot, war die Auswahl an RSD-Titeln ziemlich gewaltig. Für meinen Geschmack tummelte sich zwar etwas viel im Bereich der wiederveröffentlichten Klassiker, aber dies wird sowieso immer ein Problem des Record Store Day bleiben. Die hübsche Picture Disc zum Jubiläum von „The Holy Bible“ der Waliser Manic Street Preachers hab ich aber auch eingepackt. Mit dem Cover lockend, haben mich dann Daughter und Warpaint rumgekriegt, die sich hier gleich mal gegenseitig neu abmischen. Das Highlight blieb aber eine Kartonschachtel, in der sich ein weisses Rad verbarg. Amon Tobin veröffentlichte seine neue EP in kunstvollerweise, und ich habe erst zu Hause begriffen wie man dieses Ding anhören kann. Mehr dazu aber an anderer Stelle.

Der RSD 2015 war für mich als Sammler und Plattenjäger wieder eine spassige Angelegenheit, für mich als Besucher von Plattenläden ein toller Tag um bekannte Gesichter zu treffen, und für mich als nun armer Mann mein Geld in Erdöl umzutauschen. Auch wenn ich gerne über die Politik und Praktiken dieses Tages fluche, es übt weiterhin grossen Reiz aus, gewisse Pressungen aufzusuchen und mitzunehmen. Nur schade, findet man die Auflagen aus den USA hier nicht. Oder besser so?