Marillion – Marbles (2004)

Marillion_Marbles_MBohli

Marillion – Marbles
Label: Madfish, 2004
Format: Doppelcd im Digibook
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, Pop, Rock

„The world’s gone mad / And I have lost touch / I shouldn’t admit it / But I have.“

Murmeln kullerten wohl bei jedem von uns in der Kindheit über die Tischplatten und Böden, in allen Farben und Mustern. Wenn diese Kugeln erzählen könnten, was würden sie wohl alles sagen? Was wenn darin Erinnerungen und Gefühle gespeichert wurden und man nun Zugang erhält und somit Situationen und Emotionen nochmals durchleben kann?  Es wäre eine Mischung die uns mitreisst, zum Denken anregt und gleichzeitig glücklich sowie melancholisch macht. Marillion zerbrachen die Murmeln und fanden darin Lieder über Schmerz, über Liebe, über grosse Momente im Leben und den Menschen als Daseinsform.

„And you can screw a man down / Until he takes to drinking / He’ll give you all of his money / You still won’t know what he’s thinking“

Als komplettes Album kannte ich „Marbles“ lange nicht, aber viele Songs gehören seit Jahren zu den Live-Klassikern der Band. Als expandierte und verlängerte Zwei-CD-Version konnte ich den Liedern endlich auch in der Studioform verfallen. Nach kurzer Zeit hat sich das Werk ganz weit nach oben gearbeitet und rangiert jetzt unter meinen liebsten Marillion-Platten. Dieses Doppelalbum hat alles, was die Band auszeichnet. h singt wie immer mit voller Wucht und durchleidet die Texte hörbar, Schmerz und Glück werden durch ihn direkt zum Hörer transportiert. Rotherys Gitarre schneidet dazu den Weg frei, Trewavas und Mosley bauen das Fundament und Kelly füllt alles mit wunderbaren Keyboardflächen.

„I have lost the stars and the sky / It was so that I could keep the earth / So now I’m found“

Zelebriert wird bei der Band bekannterweise vor allem die Dramaturgie mit all ihren Höhen und Tiefen, lauten Ausbrüchen und sanften Wogen. Aber „Marbles“ bietet mehr: Popsongs wie „The Damage“ oder „Fantastic Place“; epische Klangspielereien mit langem Aufbau wie bei „The Invisible Man“ oder das wohl beste Lied von Marillion: Der Kracher „Neverland“ mit seiner unendlich scheinenden Explosion.

„You can take all the boys and the girls in the world / I wouldn’t trade them this morning for my sweet Ocean Cloud“

Bestechend ist das grossartige Songwriting. Kein Lied ist falsch platziert, keines erscheint überflüssig. Neue Ideen und Einfälle finden sich zuhauf und alles wird von den kurzen „Marbles“-Skizzen zusammengehalten. Kein Wunder sind oben erwähnte Songs oder „Ocean Cloud“ sowie „You’re Gone“ fast bei jedem Konzert Pflicht. Auch die Texte wissen zu überzeugen, h hat sich für das Album vom typischen „Junge ist verliebt, hat Probleme“-Schema entfernt und weiss einiges zu erzählen. So manche Zeilen nisten sich im Kopf ein und wollen für immer bleiben.

„You’re gone. As suddenly as you came to me / Like nightfall followed dawn without a day between“

Marillion haben mit „Marbles“ somit ein extrem starkes Werk veröffentlicht, welches so leicht nicht zu übertreffen ist. In seiner Ausnahmesituation als Doppelalbum besser zu funktionieren als gekürtes Werk ist ebenso erstaunlich. All Killer, No Filler.

„Wendy / Darling / In the kitchen / With your dreams // Will you fly / again“

Anspieltipps:
The Invisible Man, Ocean Cloud, You’re Gone, Neverland

Das dazu passende Getränk:
Ein Glas guten Rotweins.

Advertisements

3 Kommentare

  1. in den letzten Tagen wieder öfters mal aufgelegt. Herbstmusik! Hast das neue Album, welches letzten Freitag rausgekommen ist, schon angehört? Das beste seit eben Marbles….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s