Book Challenge 2016 – Endresultat

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Wir schreiben April, das sind vier Monate im Jahr 2016 und meine Book Challenge ist bereits abgeschlossen. Hoppla, das ging aber schnell. In einem Vierteljahr habe ich meinen Vorsatz erledigt, vielleicht gibt es noch eine Ehrenrunde. Lesen wird sowieso nie langweilig und in meinem Regal stehen noch einige Kandidaten, die sich seit Jahren vor mir verstecken.

Joseph von Eichendorff – Aus dem Leben eines Taugenichts
Hach ja, die Romantik. Man entdeckte die Natur neu, ordnete das Wertesystem um und schwelgte in blumigen Beschreibungen. Eichendorff sprach mich mit seinen Gedichten oft an, Jahre später weiss sein Roman „Aus dem Leben eines Taugenichts“ meinem Leben aber keine Offenbarungen hinzuzufügen.
Das Buch ist locker und vogelfrei, gibt sich der prosaischen Kunst hin und stellt ein Gegenbild zur damalig vorherrschenden Arbeitsmoral und dem Gesellschaftsbild. Trotzdem, viel Mehrwert holte ich nicht heraus.
3 von 5

Johann Wolfgang Goethe – Faust I
„Das war also des Pudels Kern.“ – Eine unscheinbare aber doch fantastische Zeile, die hier stellvertretend für „Faust I“ steht. Der Klassiker von Goethe ist wohl jedem ein Begriff, das Buch auch wirklich zu lesen eine zweite Sache. Bei mir hat es 28 Jahre gedauert, doch jetzt endlich wagte ich mich an dieses Meisterwerk.
Die Dichtung um den Alchemisten Faust und seine Verführung durch Mephistopheles ist sprachlich absolut einzigartig. Goethe bewies einen Umgang mit der deutschen Sprache, die ihresgleichen sucht. Die Reime sind nicht nur fliessend zu lesen, sondern fesseln und überraschen immer wieder. Dabei gelang es dem Autor die Geschichte humorvoll und locker zu gestalten. Obwohl der Inhalt nicht immer komplett überzeugen kann ist „Faust I“ zu Recht das beste Buch aus Deutschland – man muss es selber entdeckt haben.
5 von 5

Hermann Hesse – Der Steppenwolf
Noch selten habe ich ein Buch gelesen, das es so präzise vermag das Leben und das menschliche (auf)Begehren zu sezieren und unsere Alltagslüge zu entlarven.
Hermann Hesse hat mit diesem Roman nicht nur sich selber komplett bloss gestellt und die Lügen der modernen Gesellschaft offen gelegt, sondern ertappt auch den Leser in seinem Unvermögen. Mit sprachlicher Abenteuerlust und grenzenloser Fantasie ist „Der Steppenwolf“ eine Geschichte, die ihresgleichen sucht. Unglaublich faszinierend und ein Muss für jedes Bewusstsein.
5 von 5

Bastian Sick – Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Was Bastian Sick mit seiner Zwiebelfisch-Kolumne ausgelöst hat, ist auf jeden Fall beachtlich. Plötzlich las man wieder Sachbücher über die korrekte Anwendung der deutschen Sprache, wunderte sich über Regeln und Ausnahmen, und musste sich selber rügen.
Grund des Erfolges ist bestimmt die tolle und leichte Schreibweise des Autors und die faszinierende Tiefe des Konstrukts Sprache. Die Kolumnen sind bunt gemischt und behandeln viele Themenfelder – und genau darum ist das Buch teilweise etwas zu oberflächlich oder regionalbezogen. Obwohl man vieles lernen kann, ist diese Textsammlung doch mehr Unterhaltung als nachhaltige Beschäftigung. Für zwischendurch aber ganz witzig.
3 von 5

Bill Flanagan – U2 At The End Of The World
Als Fan einer Band über genau diese Menschen ein Buch zu lesen, das hat immer etwas Spezielles. Gerade bei U2 ist für mich jede Info und jede kleine Geschichte interessant, besonders wenn sich die Texte über ihr kreatives Schaffen und die Arbeitsprozesse drehen. Das Buch „U2 At The End Of The World“ ist aber mehr als das, es ist eine der besten Rock-Biografien aller Zeiten.
Bill Flanagan zeichnet nicht nur eine intime Momentaufnahme zur Zeit von „Achtung Baby“, „Zoo-TV“ und „Zooropa“, sondern hinterfragt die Ansichten, Stellungen und Entscheide der Band. Sei dies nun in ihren Texten, Videos oder Treffen mit berühmten Persönlichkeiten – alles erhält genügend Raum um Analysen zuzulassen und auch Skeptiker aufzuzeigen, dass hinter den Tätigkeiten von U2 doch viel mehr lauert, als so manche vermuten.
Man begleitet die Band durch Aufnahmestudios, über Konzertbühnen, in Clubs und Bars – erlebt Streit und Schmerz, Jubel und Erfolg, sowie immerwährende Skepsis. All dies vermengt sich zu einem faszinierenden und packenden Buch und macht mit jeder Seite Lust, U2 ab Platte, DVD und Bühne zu geniessen. Bravo Herr Flanagan!
Mehr dazu hier.
5 von 5

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7 Kommentare

  1. Du Freak! Ich hinke bei mir stark hinterher, musste ja auch unbedingt spontan mit „Unendlicher Spaß“ anfangen. Schön, dass du auch „Faust“ magst, Sick gehört für mich zur klassischen Klolektüre, die da einfach für Gäste bereit halten kannst und mit Hesse muss ich mich auch dringend beschäftigen.

    1. Dank dem Zivildienst fand ich viel Zeit für die Bücher, somit war es ein Leichtes, die Vorgaben zu erreichen. 😉
      Hesse lohnt sich sehr, ist aber meist sehr düster und depressiv.

  2. Das ist, öhm, beeindruckend, mit welchem Tempo du das durchgezogen hast. Mein Respekt gebührt voll und ganz dieser Leistung!
    (Ich muss ja jetzt schon mächtig schummeln und schwitzen…!) ;D

    „Faust I“ war in der Schule auch eine meiner liebsten Lektüren. Anspruch und Witz, in ganz fantastischer Sprache. Mochte ich sehr und hat mich immer dazu angestachelt auch „Faust II“ in Angriff zu nehmen. Leider wäre ich mit den zahlreichen Querverweisen mittlerweile wohl wahllos überfordert… na vielleicht in 28 Jahren mal.

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