Ziltoid

Devin Townsend Project – Ziltoid Live at the Royal Albert Hall (2015)

Devin Townsend Project - Ziltoid live

Devin Townsend Project – Ziltoid Live at the Royal Albert Hall
Label: InsideOut, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Metal, Symphonic Rock

Guten Tag und willkommen ihr kleinen Wichte. Da befinden wir uns nun also in der altehrwürdigen Royal Albert Hall, und ihr Nichtsnutze glaubt immer noch, das war eine gute Entscheidung? Pha, in den nächsten Stunden werde ich euch schon zeigen, wie Ziltoid auf der Erde eine Party feiert. Als Vorbild für diesen musikalischen Orgasmus dient mein heroisches Abenteuer namens „Z2: Dark Matters“, welches ich letztes Jahr auf diesem wundersamen blauen Planeten erleben durfte. Aber macht euch keine falschen Hoffnungen, ich blieb eh nur wegen dem göttlichen Getränk namens Kaffee. Ihr Würmer könnt mir gestohlen bleiben.

Um euch alle in diesen Saal zu locken, habe ich meinen Sklaven Devin Townsend und seinen verrückten Haufen aus ihrem Konzert-Hiatus herausgeholt. Während mehr als zwei Stunden werden diese Handlanger und Marionetten euch die Ohren zumüllen mit viel Lärm und Krach. Die Augen werden euch platzen vor lauter farbigen Bildern und Lichtflecken, und vor allem wegen meines wunderschönen Anblicks. Egal ob auf LED, Kostüm oder Gemälde, ich bin eine Pracht! Wisst ihr übrigens, dass ich meine Kleidung nur trage, weil alle Erdenfrauen mir sonst… Wie? Das interessiert euch alles nicht? Pha, ungehobelte Frechlinge! Warum veranstalte ich ein solches Spektakel und ihr jubelt dann nicht einmal eurem liebsten Ausserirdischen zu? Dass die zweite Hälfte des Konzertes nach euren Songwünschen gestaltet wurde ist auch selbstverständlich? Und jetzt ist die Überraschung raus, super. Es erwarten euch nämlich nicht nur aktuelle Stücke wie „Universal Flame“, sondern auch geile und selten gespielte Wuchtbrummen. „Kingdom“ knallen wir euch vor den Latz, „Heatwave“ lässt eure Füsse tanzen, „The Death Of Music“ befriedigt alle Ambient-Träumer. Egal ob Devin dabei aus Country, Metal oder Prog-Rock klaut, für euch klastern wir alles mit einer enormen Wand an Keyboards und Gitarren zu. Symphonische Breitwandmusik mögen ja viele Leute auf diesem Planeten – hier geben wir euch 24 Gründe, diesen Stil zu vergöttern. Also uns. Da ich aber leider in der zweiten Konzerthälfte hinter den Kulissen verschwinden muss – und ja, ich bleibe dann auch ruhig –  wird euch Herr Townsend mit seinem Humor und grosser Spielfreude in den Wahnsinn hinein begleiten. Das macht sogar euch Schnarchnasen Spass! Wer sich nach diesem Auftritt noch auf den Beinen halten kann oder mit einer Puppe wedelt, der ist ein Lügner!

Haltet also an eurem erbärmlichen Dasein fest und geniesst für einen Abend ein Leben, das euch für immer verwehrt bleiben wird. Voller Helden, Schlachten, Gitarren, Explosionen und harten Männern die wissen, was eine Meute will. Befürchtet nicht, dass es ein Blendwerk voller überflüssiger Hörspiele wird. Denn obwohl wir gerne übertreiben, Seelen haben diese Sklaven immer noch. Da kann ich sie noch so lange unterjochen und nach meiner Pfeife tanzen lassen. Und jetzt bringt mir eine Tasse heissen Kaffee und schweigt für immer. Die Show beginnt, Ha!

Anspieltipps:
War Princess, Earth Day, Heatwave, The Death Of Music

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Devin Townsend Project – Z2 (2014)

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Devin Townsend Project – Z2
Label: Inside Out, 2014
Format: 2 x Doppelvinyl im Gatefold, mit CDs
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Metal, Heavy Rock, Symphonic

Devin Townsend ist ein Wahnsinniger, eine unaufhaltbare Energiequelle im harten Rock. Seine Kreativität und sein Output kennen praktisch keine Grenzen, ohne Pausen schreibt, spielt und produziert er neue Musik. Um sein Herzensprojekt Ziltoid aber weiterführen zu dürfen, musste sich sogar dieser Tausendsassa dem Label fügen und einen Kompromiss eingehen. Das Album darf veröffentlicht werden, mit einem begleitenden Werk des Devin Townsend Project. Gesagt getan, dem Hörer liegen nun vier Vinylscheiben voller epischem Metal vor.

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Devin Townsend Project – Sky Blue
„Sky Blue“ ist dabei der normale Zwilling, obwohl auch dies eher relativ zu betrachten ist. In 12 neuen Songs seiner Hauptband erforscht Townsend weiterhin den symphonisch überbordenden Heavy Rock, angesiedelt im Grenzgebiet des Progressive Metal. Sein Stil ist seit jeher unverändert, eingängige Stücke voller Gitarrenriffs, Synthflächen und Chorgesang, die direkt aus dem nahen All zu stammen scheinen. Was teilweise an Gruppen wie Nightwish oder ähnliche Zuckergebäcke erinnert, ist für mich aber eine grossartige Weise, Musik völlig überladen geniessbar zu halten. Nie wird es still, immer bauen sich Mauern aus Klang auf und werden dann durch harte Drumbeats und schneidende Gitarren zerbrochen. Devin Townsends Stimme schreit und flüstert sich gemeinsam mit vielen anderen durch die Asteriodenfelder aus Musik.

Besonders toll an „Sky Blue“ ist nicht nur die Lautstärke und das Übermass, sondern auch die Art, wie alle Lieder ein organisches Gesamtwerk ergeben. Egal ob wild im Metal geprügelt oder sanft im Ambient geruht wird, dank perfekter Produktion und einem einheitlichen Soundbild fühlt man sich während der gesamten Stunde am richtigen Ort. Auch wenn Ausdauer und starke Ohren benötigt werden, „Sky Blue“ ist voller emotionaler und berührender Momente, vollgepackt mit Melodie, Kitsch und Epik. Anlage laut aufdrehen, Wohnzimmer im Schall versenken und die intergalaktische Rüstung anziehen.

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Ziltoid – Dark Matters
Wer jetzt bereit ist, sich vollends dem Wahnsinn hinzugeben, der legt das zweite Album der Ziltoid-Reihe auf. Aber seid gewarnt Würmer: Die Geschichte um den galaktischen Krieg zwischen Ziltoid und der War Princess ist nichts für schwache Nerven. Es geht um den Fortbestand der Menschheit, Familienstolz und allen Kaffee der Erde. Dabei kämpfen kleine Poozers gegen die Armee, und werden alle vom Planetenzerstörer vernichtet. Oder doch nicht?

„Dark Matters“ ist dabei weniger ein Album voller Musik in tausenden, übereinander liegenden Schichten, sondern ein Hörspiel für Erwachsene. Effekte, Einspielungen und verschiedene Sprecher hauchen den abgefahrenen Figuren Leben ein. Verbunden werden diese Passagen durch genau so verrückte Musik, wie bei „Sky Blue“. Prog, Industrial, Experimental und New Age, wie ein vollgepackter Milchshake, mit so viel Zucker und Energie, dass man fast platzt. Am Ende darf sogar der grösste Chor der Musikgeschichte den Rahmen komplett sprengen. Ob die Geschichte um das Alien gefällt, hängt von der Humorgrenze des Hörers ab. Fäkalien sind dabei noch das Heiligste, Fans von Devin Townsend und seinem kranken Gehirn kommen aber voll auf ihre Kosten. Ich selber fühle mich nach diesem Album aber leicht ausgelaugt und überladen. Oft hört man diesen Brocken nicht an, aber Spass macht es auf verrückte Art.

Anspieltipps:
Fallout, Warrior, Rain City // From Sleep Awake, Earth, Dimension Z