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Fantoche 2017 – Tag 3: Anders artig

Donnerstag 07. September 2017
Diverse Orte – Baden
Website: fantoche.ch

Der dritte Fantoche-Tag wartete nicht nur mit vielen weiteren Wettbewerben, Kurz- und Langfilmen auf, sondern ach diversen Attraktionen, bei denen man selber Hand anlegen konnte.

Wer einen Schritt in den dunklen Container am Theaterplatz wagt, wird mit dem Projection Mapping-Spiel „Space Game: Demonz“ belohnt. Hier versuchen kleine Figuren, nicht von den Bällen der Besucher getroffen zu werden. Doch bewerfen kann man auch alles andere auf dieser Wand – und damit Gewitter auslösen, Mäuse aus ihrem Versteck jagen und Scheiben zum Zerspringen bringen. Hier fühlt sich jeder wieder wie ein Kind.

Alternative Realitäten bietet dieses Mal auch wieder die Stanzerei: Wo vor wenigen Jahren noch Computerspiele vorherrschend waren, halten mittlerweile vor allem spannende und wunderbar gestaltete VR-Spiele Einzug. Ob man in der Luft Kunstwerke malen will oder durch einen luftleeren Raum ohne Boden schweben – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.



Haarig
Land / Jahr: Schweiz / 2017
Regie: Anka Schmid
Musik: Feed the Monkey, Roman Lerch, Thomi Christ, Dominik Blumer
Website: ankaschmid.ch

Auch das gibt es am Fantoche, Filme die inszenierte Aufnahmen mit Dokumentationsmaterial und Animation mischen. So bei der Weltpremiere von „Haarig„, dem neusten Werk von Anka Schmid. Die Schweizer Regisseurin realisiert schon seit über 30 Jahren verschiedenste Filme; vergangenes Jahr spielten unter anderem Sophie Taeuber-Arps Marionetten aus „König Hirsch“ eine Hauptrolle. Für ihren neusten, eigenen Streifen, hat sich die Künstlerin aber nicht nur am allgemeinen Thema Haare orientiert, sondern gleich drei Ebenen verbunden. Anhand erzählter Erinnerungen und Fotografien wird die private Geschichte erzählt und mit 41 Animationssequenzen an die biologische Geschichte des Menschen und sozialpolitische Rückschau der letzten Jahrzehnte geknüpft.

Dabei zeigt Schmid auf, dass sich Haare (egal wo am Körper) schon immer extrem in unsere Wahrnehmung eingeschlichen haben und nicht nur in der Hippie-Zeit als zentrales Motiv fungierten. „Haarig“ spielt frech und neugierig mit der Wechselwirkung zwischen Haarwuchs und Bedeutung und lässt im Zuschauer einige Fragen wachsen. Somit ist das beste an dieser eigenwilligen Dokumentation der Umstand, dass aus einer sehr persönlichen Geschichte so schnell etwas Universales werden kann – und vielleicht auch sollte.



Animated Musicvideo Darlings
21 Musikvideos aus aller Welt

Einen besonderen Ausklang des Abends bietet auch jedes Jahr die Sammlung „Animated Musicvideo Darlings„. Hier gibt mehr als 80 Minuten Musik aus allen Sparten – mit den schönsten, aufwendigsten und abgefahrensten Clips. Zusammengestellt wurden diese Kurzfilme vom Team des Fantoche-Festivals selber und zeigen wunderbar auf, dass sich abseits der millionenschweren Mainstream-Szene nicht nur klanglich, sondern auch optisch extrem spannendes in der Musikwelt abspielt. Vergesst also die Hochglanz-Clips der Superstars, hier gibt es Witziges und Verstörendes – mit wunderbar aufregender Musik.

Ob man nun durch das unheimlich anschwillende und mit knuffigen Holzfiguren animierte „Burn The Witch“ von Radiohead gleitet, bei „Flight Attendant“ von XXX langsam im Wahnsinn der Computergrafik versinkt oder dank One Sentence. Supervisor und ihrem treibenden „Scope Explosion (Shifting Baseline)“ dem Stil von Moebius huldigt – alles ist möglich. Es wird politisch korrekt bei Sookee („Queere Tiere“) und wavig vertraut bei Grauzone („Eisbär“), aber eines ganz sicher nie: Langweilig. Und vielleicht entdeckt man ja hier noch seine neue Lieblingsband.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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