XI

Granular – XI (2017)

Progressive Pop, was soll dies eigentlich sein? In Luzern steht der Begriff seit neustem für eingängige Lieder, die von vier Herren aufgeführt wird und sich den Pop mit etwas Elektronik, etwas Wave und etwas Laszivität verziert. „I Need You“ legt sich dahin, wo auch Gruppen wie Jeans For Jesus oder Panda Lux in gewissen Teilen gesehen wurden, geniesst die Aerodynamik aber etwas stärker. Das kann man Granular, die sich mit diesem Debütalbum nun von ihrer Vergangenheit als Augustine’s Suspenders endgültig abtrennen, aber auf keinen Fall vorwerfen.

Denn obwohl gewisse Lieder auf dieser Scheibe bereits seit Jahren in Arbeit sind und lange auf ihre Veröffentlichung warten mussten, atmet „XI“ alle aktuellen Gerüche und Reize im elektronischen Indie. Granular geben sich so zahm mit sanftem Gesang, stechen aber immer im richtigen Moment mit einzelnen Gitarren, übersteuernden Synthies oder groovigen Schlagzeugmuster zu. „Something In Between“ zieht das Album somit wunderbar voran, „Hypnotized“ macht mit Hall und Gestik alles überlebensgross.

Granular werden mit diesem Album also keine Probleme haben, überall in der Schweiz neue Freunde zu finden. Denn die Musik findet den angenehmen Weg zwischen Radiotauglichkeit und neuen Einfällen, spielt zwinkernd mit dem Kitsch und schnappt sich am Ende doch die tollsten Mädels. Kein Wunder, endet das Album schliesslich mit einem Aufblitzen von Future-Soul („All Again“) und tröstet schnell über manche Leerläufe hinweg.

Anspieltipps:
I Need You, Something In Between, All Again

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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