Warner Bros

The Wild Feathers – The Wild Feathers (2013)

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The Wild Feathers – The Wild Feathers
Label: Warner Bros. Records, 2013
Format: Vinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Country-Rock, Americana

Hätte mir jemand gesagt, dass ich dieses Jahr meine Country-Rock Sammlung eröffnen werde, da hätte ich ihn wohl merkwürdig angeschaut und gelacht. Aber tatsächlich, mit „The Wild Feathers“ ist die erste Scheibe aus diesem Gebiet in meinem Regal gelandet – eine gute Freundin war dabei ganz und gar nicht unschuldig. Empfehlungen höre ich mir immer gerne an, und hier hat mich der Song „The Ceiling“ gleich beim ersten Durchgang total weggeblasen. Ein wunderschönes Lied zwischen Country, Rock und Americana, mit einer schönen Steigerung, einem grossartigen Refrain und dem wunderbaren „We Should Be Easy“-Ausklang. Die Band hat sich hier echt ins Zeug gelegt und perfekt komponiert – die wechselnden Sänger sind nur eines der überzeugenden Elemente.

Dabei startet das Album eher konventionell, „Backwoods Company“ ist ein straighter Rocker und gefällt mit seiner simplen Struktur. Bereits „American“ zeigt aber, wieso ich die Band sofort ins Herz geschlossen habe: Grosse Melodien und ein Refrain der euphorisch und wunderbar gesungen daherkommt. Bei solchen Liedern bin ich schnell und gerne begeistert. Diese Wirkung kann das Album zwar nicht auf voller Länge erzeugen, gefällt aber auch sonst sehr gut. Die Musik ist locker und schnell gespielt, typische Instrumente wie Countrygitarren und rumpelndes Schlagzeug erhalten viel Raum. Spannend ist, dass die Band aus fünf Typen besteht und gerne mehrstimmigen Gesang und haufenweise Gitarrenspuren auffährt. Das Klangvolumen ist somit nicht klein und reduziert wie in einer staubigen Whiskeybar, sondern gross wie im Stall der nächstgelegenen Ranch. Dabei sind alle aus der Stadt zum tanzen eingeladen und die Sonne scheint goldgelb durch die Ritzen in der Wand. Gute Laune verbreitet die Musik ab der ersten Minute und verfällt nie in ein melancholisches Klagen – auch nicht bei den Balladen.

Sicherlich, wer mit den USA und den damit verbundenen Eigenheiten der Musik nichts anfangen kann, wird auch hier eher die Nase rümpfen. Allen anderen lege ich aber ans Herz, einmal in diese Scheibe reinzuhören. Die frisch klingende Mischung aus Rock’n’roll, Blues und Country lässt sich immer wieder gut anhören und bringt auch Licht in graue Wintertage. Dass gewisse Lieder wie „Tall Boots“ etwas zu klischeebeladen daherkommen, verzeihe ich der Gruppe dabei gerne.

Anspieltipps:
American, The Ceiling, Hard Times

Das dazu passende Getränke:
Ein Bourbon, direkt aus dem Heartland.

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Electric Würms – Musik Die Schwer Zu Twerk (2014)

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Electric Würms – Musik Die Schwer Zu Twerk
Label: Warner Bros., 2014
Format: Vinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Prog, Avantgarde, Krautrock

Der Wahnsinn greift um sich, jetzt sind alle reif für die Klapse! Nachdem die verrückte Gruppe von Musiker rund um die Band The Flaming Lips schon seit mehreren Jahren die Grenzen des Erträglichen auslotet, haben sie sich nun mit den Leuten von Linear Downfall zu einem kosmischen Wurm zusammen geschlossen der munter durch die Galaxien reist und dabei die geilsten Partys mit den übelsten Drogen sucht. Hinter ihm eine Spur von Rausch und Verwirrten die noch nicht komplett runter gekommen sind.

Was bei Flaming Lips gut ist soll hier nur recht sein. Auf dem Cover steht Prog, auf der geil Pink leuchtenden Platte ist ein undurchsichtiges Gebräu aus Acid, Krautrock und Horror. Wer das überlebt, der kann alles. Und wie gewohnt wird all das mit viel Verzerrung und Gitarre als Mahlzeit runtergewürgt, dabei war halt auch noch das flüssige LSD mit rein gekommen. Macht nichts, die Sterne sausen an uns vorbei und die Musik nimmt dich in den Trip oder die Hypnose mit rein. Der Sound wabert, alles fliesst zäh um die Ohren rum. Gewisse Songs könnten aus den Siebzigern stammen, andere weisen klar auf Referenzen der gesamten Musikgeschichte hin, natürlich vor allem auf die verrückte Seite.

Dank der kurzen Laufzeit ist alles gut aushaltbar und man gibt sich gerne dem Flash hin. Recht haben die Jungs auch beim Albumtitel, twerken kann man zu dieser Musik echt nicht und das Twerk-Publikum wird sich von diesem Album angewidert abwenden. Dafür werden Yes gecovert und dabei der Edelprog total zerfetzt und als Weltraumpop neu belebt. Ein etwas verstörendes Werk das keinesfalls auf dem Weg zum Mars zu hören ist. Hier auf der Erde aber umso mehr, mit seinen mäandern Passagen auch für Freunde der Deutschen Psychedelic geeignet.

Anspieltipps:
I Could Only See Clouds, Transform!!, Heart Of The Sunrise

LCD Soundsystem – The Long Goodbye (2014)

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LCD Soundsystem – The Long Goodbye Live At Madison Square Garden
Label: Warner Bros Records, 2014
Format: 5fach Vinyl in Schuber, mit Downloadcode, RSD
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Dance, Electronica, Punk

LCD Soundsytem fegten während 10 Jahren wie ein Wirbelsturm durch die Musikwelt. Das Kollektiv rund um den Gründer James Murphy veröffentlichte zwar „nur“ drei Alben und drei EPs während ihrer Karriere, schufen aber grandiose Musik die man so noch nie gehört hatte. Kritiker liebten ihre Werke, die Fans ebenso und während wenigen Jahren waren sie die beste Band aus dem Alternative-Underground in den USA. Nachdem 2010 das dritte Album „This Is Happening“ veröffentlicht wurde hiess es wenige Monate später: LCD Soundsystem werden sich im April 2011 auflösen. Schock! Die letzte Möglichkeit die Band noch live zu erleben war das Abschieskonzert im Madison Square Garden. Selbstverständlich wurde der Anlass für die Nachwelt festgehalten und nebst Stream-Übertragung auch auf DVD veröffentlicht. Jetzt drei Jahre später als Sonderpressung für den Record Store Day erschien das Konzert nun ungeschnitten als Vinyl-Boxset.

Das Konzert ist ein Monster: 28 Lieder in über drei Stunden, verteilt auf zehn Vinylseiten, ungeschnitten und extra für Vinyl gemastert. Die Verpackung ist wunderbar aufgemacht, die fünf Platten haben eigene Hüllen und Innenhüllen und können im edlen Schuber verstaut werden. Eine RSD-Veröffentlichung die auch wirklich exklusiv ist und sich lohnt ins Regal zu stellen, somit als mit der Musik mithalten kann. Klar werden für ein Abschlusskonzert die Perlen ausgepackt und auch Murphy liess sich nicht lumpen. Startet das Konzert schon grandios mit „Dance Yrself Clean“ und „Drunk Girls“ bietet es auch bald Hits wie „Daft Punk Is Playing At My House“ oder „Sound Of Silver“. Eigentlich ist jeder Song super, wir sprechen schliesslich über LCD Soundsystem. Musik wie von ihnen gespielt gab es zuvor und wird es nach ihnen nie mehr geben. Die sehr eigene Mischung aus Dance, Disco, Alternative, Electronica und Punk welche immer wabernd und blubbernd die Lieder aufbaut. Meistens dauert ein Stück etwa sechs bis zehn Minuten, die Band hat genügend Zeit Schichten um Schichten an Musik aufeinander zu legen und den Hörer in Trance zu versetzen.

Auch Medleys spielt die Band, so geht Freak Out direkt in Starry Eyes über oder die Band spielt Songs nahtlos. Allgemein fliessen die drei Stunden gleichförmig vorbei, keine Längen oder langweilige Stellen entstehen. Zwischendruch drückt der Punk stärker durch und zerschmettert die Electronica-Wellen in tausend Scherben, um zugleich wieder von Synthies weggedrängt zu werden. Teilweise sind auch Gäste auf der Bühne wie Arcade Fire. Das allerletzte Lied welches LCD Soundsystem je live gespielt haben ist natürlich „New York I Love You But You’re Bringing Me Down“, welchem eine sehr emitionale Ansage voransteht. Auch als Hörer der Platte hat man hier das Gefühl die Energie des Abends überträgt sich in den eigenen Körper als ob man dort im 2011 wäre, besonders wenn einem bewusst wird das jetzt nie mehr neue Musik von der Band erklingen wird. Sehr schade, aber ein würdiger Abschluss für die Kurze und intensive Karriere.

Das Konzert wird übrigens nie auf CD oder als Download angeboten werden, diese Zeiten seien vorbei. Somit bleibt die einzige Möglichkeit dieser Abschluss geniessen zu können auf Suche im Plattenladen zu gehen.

Anspieltipps:
I Can Change, Get Innocuous, North American Scum

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