Vier

Perfect Beings – Vier (2018)

Die alten Helden sind bereits so verstaub und langweilig, dass man ihre neuen Platten lieber als Untersetzer für die fliegende Teekanne benutzt? Die einst geliebten Namen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und würde sogar auf Tour besser schweigen? Kein Problem, denn die Musikwelt bietet mit jedem Jahr bessere Alternativen zum bekannten Programm – so auch Perfect Beings aus Los Angeles. Die Band steht seit 2012 dafür, den klassischen Klang des Progressive Rock perfekt zu inszenieren und zu wissen, auf was es bei Komposition und Emotion ankommt. Mit ihrer neusten Scheibe „Vier“ greifen sie gar nach den Sternen.

Aufgeteilt in vier lange Tracks – daher auch der Albumtitel – bietet das Werk eine fantastische Dynamik, ausgeklügelte Instrumentalpassagen und sogar mehrstimmigen Satzgesang. Ob sich Mannen nun in Richtung The Flower Kings bewegen und mit Flöten und Keyboards die Romantik des Canterbury antasten, oder dann wieder verkopft und moderner leicht am Fusion schnuppern – Perfect Beings vereinen alle Elemente in fesselnden Stücken. „Guedra“ gleitet so von treibenden Abschnitten zu elegischen Harmonien, „Anunnaki“ bringt Effekte und Elektronik in den Vordergrund.

Über ein Jahr haben Perfect Beings benötigt, um diese langen Werke auf „Vier“ aufzunehmen und zum Ziel zu kommen. Schön ist, dass ihnen dabei weder die Einfälle noch die Energie ausgegangen sind und sich alles auf diesem Album spannend und packend anhört. Mit „Vibrational“ wird zwar für eine Viertelstunde etwas entspannter musiziert, aber auch hier findet man viele Gründe diese Band zu mögen. Wunderbar also, haben die Künstler ihre Besetzungswechsel erstarkt überstanden und mit der dritten Platte ihren Klang vergrössert. Sag also Yes zu den Amerikanern und wage dich an dieses felsenfeste Doppelalbum.

Anspieltipps:
Guedra, The Golden Arc, Anunnaki

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.