USA

Chris Pureka – Back In The Ring (2016)

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Chris Pureka – Back In The Ring
Label: Haldern Pop Recordings, 2016
Format: CD
Links: DiscogsKünstlerin
Genre: Country, Pop

Nicht aufzugeben ist eines der wichtigsten Dinge, die man im Leben lernen muss. Egal was passiert, weiterzukämpfen lohnt sich bestimmt – und genau darum heisst das neuste und sechste Album von Chris Pureka auch „Back In The Ring“. Die Singer-Songwriterin aus den USA war schon immer dafür bekannt, ihre Musik ehrlich zu gestalten und auch vor komplexen Themen nicht zurückzuweichen. Sechs Jahre nach dem letzten vollen Werk bietet die Künstlerin erneut Country gemischt mit Folk-Pop.

Chris Pureka bietet hier wiederum oft sehr eingängige Passagen und tolle Melodien – das beginnt bereits beim eröffnenden Titeltrack. Leider bleibt „Back In The Ring“ über seine gesamte Spielzeit auch etwas überraschungsarm. Sicher machen andere Musiker wie Bruce Springsteen eigentlich nichts anders, doch der Americana-Rock, welcher hier zwischen akustischen Sinnierungen und verzerrten Aussagen wechselt, konnte mich nie komplett überzeugen. Für einen entspannten Abend auf dem Sofa, versorgt mit Kuscheldecke und Tee eignet sich das Album aber super.

Ehrliche Texte, Offenheit und überzeugendes Songwriting machen das neue Lebenszeichen von Chris Pureka zu einem wunderbar produzierten Album. „Back In The Ring“ bietet Einblicke in die traditionelle Kultur in Amerika und findet somit schnell Anklang bei Freunden dieser Lebensweise. Doch vielleicht wären direkte Lieder über die Wahrheiten in Purekas Leben ansprechender gewesen als Betrachtungen über das allgemeine Zusammenleben.

Anspieltipps:
Back In The Ring, Blind Man’s Waltz, Cabin Fever

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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Gov’t Mule – The Tel-Star Sessions (2016)

Gov t Mule - The Tel-Star Sessions

Gov’t Mule – The Tel-Star Sessions
Label: Evil Teen Records, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Jam-Rock, Blues

Alles zurück auf Anfang. Denn nach all diesen Verwirrungen in den Stilrichtungen, den vielen Konzerten mit krachenden Aufnahmen und der geerdeten Tributzollung an Pink Floyd ist es für Gov’t Mule an der Zeit, ihren Jam-Rock neu entstehen zu lassen. „The Tel-Star Sessions“ ist aber kein neuer Versuch einer Vergangenheitsbeschwörung, sondern die Ausgrabung der ersten Aufnahmen aus den Proberäumen von 1994. Und keine Angst, das Alter merkt man der Musik nicht an, denn die Lieder sind weder billig aufgenommen noch voller Missgriffe.

Und überhaupt, eine bestimmte Epoche lässt sich aus den Stücken nicht heraushören. Die Gitarren schrummen, die Stimmen leben und leiden, die Bassläufe grooven. Man sieht die Musiker von Gov’t Mule plötzlich in verrauchten Kellerlokalen auf kleinen Bühnen, alle die Sonnenbrille vor den Augen und dem Zahnstocher im Mundwinkel. Es wird freudig und leidenschaftlich gerockt und nach allen Regeln der Kunst die Jamsessions in treibenden Songs neu aufgebaut. Viel Spass bereitet der Umstand, hier dem orignalen Trio von Gov’t Mule wieder einmal beim Arbeiten zuhören zu können.

Ob die Geister von Creedence Clearwater Revival um die Ecke gucken oder ZZ Top mit „Just Got Piad“ gleich gecovert werden – hier trifft man die Grundsteine einer Bluesrock-Legende. Die staubigen Felder der Südstaaten treffen auf Whiskeystimmen, Floridas Palmenstimmung trifft auf dreckige Harmonien und Rhythmen. „The Tel-Star Sessions“ wurde damals als Debütalbum zwar verworfen, lebt aber nun endlich in neu gemischter Frische auf. Für alle Hardrocker und Bluestypen ein gefundenes Fressen.

Anspieltipps:
Monkey Hill, Mother Earth, World Of Difference

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Neil Young – Earth (2016)

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Neil Young + Promise Of The Real – Earth
Label: Reprise Records, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Rock

Da lachen ja die Hühner! Wer ausser der Rock- und Protest-Legende Neil Young dachte sich wohl, dass ein Livealbum nach der Beigabe von Tiergeräuschen besser sein soll? Ein solcher Musiker hat es eigentlich nicht nötig, seine Aufzeichnungen von tollem Psychedelic-Folk-Rock mit diesen Einspielungen zu verwässern. Dazu kommt, dass auf „Earth“ auch bei der Musik und dem Gesang Hand angelegt wurde. Wahrlich live ist dies nicht mehr, zwar energisch und kämpferisch, aber auch immer gefährlich nahe an der Selbstparodie.

Zwar bleibt Neil Young mit seiner Musik, seinen textlichen Angriffen auf Weltkonzerne, Politiker und Umweltverschmutzer immer noch relevant – hier spürte er sich aber selber etwas zu wenig. Die Welttournee zu „The Monsanto Years“ führte alte und neue Protestsongs zusammen, man findet auf „Earth“ somit Klassiker und neue, ohrenbetäubende Jams. Leider teilweise in etwas fragwürdiger Qualität präsentiert und wie oben gesagt, immer wieder garniert mit schnatternden Gänsen, summenden Bienen oder dem Rauschen des Windes in den Bäumen. Das bringt den Hörer nicht mit Gaia in Einigkeit, sondern raubt ihm eher die Nerven.

Schade ist dieser Umstand, da Protest von Neil Young immer interessant ist. Mit diesem Experiment hat er sich aber selber ein kleines Ei gelegt und ein krudes Mittelding zwischen schlechtem Album und besserem Liveauftritt erschaffen. „Earth“ ist eine dieser Scheiben, die man sich wohl einmal anhört und dann unter dem Berg aus stärkeren Neil Young-Alben vergisst. Schade, denn gerade die letzte, fast 30 Minuten lange Nummer „Love And Only Love“ zeigt sein Genie.

Anspieltipps:
Mother Earth, Hippie Dream, Love And Only Love

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Moby – Hotel : Ambient (2015)

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Moby – Hotel : Ambient
Label: Little Idiot, 2015
Format: 2 CDs im Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Ambient, Electronica

Ein Hotelzimmer ist immer eine merkwürdige Parallelwelt, ein schier steriler Ort, an dem alle Ruhe suchen, aber oft nur aufreibende Minuten erfahren. Moby erlebte als reisender Musiker zwischen Konzerten und Partys die Wirkung dieser Zimmer auch selber immer wieder und liess diese Inspiration zu einem ganzen Album heranwachsen. „Hotel“ vermengte die Attitüde des Punk, fantastische Melodien, einfühlsame Texte und spielerische Electronica. Nur die Ruhe kehrte selten ein, darum fand man damals bei der Deluxe Edition noch eine zweite CD mit Ambient-Stücken beiliegend.

Jahre später erhalten alle mit „Hotel : Ambient“ noch einmal die Gelegenheit, diese schönen Klangreisen genauer zu erforschen. Jetzt stellt Moby gleich zwei CDs voller Lieder zur Verfügung, die mit nur wenigen Synth-Spuren Tiefen erschaffen, die oft in anderer Musik fehlen. Wunderbare Momente wie „Homeward Angel“ oder „Live Forever“ gibt es endlich in der erweiterten Version zu hören, für kurze Stopps im gemieteten Zimmer gibt es Aufblitzer wie „Snowball“. Dabei lässt Moby die Musik zwischen meditativen Übungen und melodienverzierten Songgerüsten pendeln.

Er geht mit diesem Album noch nicht so weit wie mit späteren Tonkonstruktionen, die schon fast bei Eno oder Glass stehen, trotzdem beweist der ehemalige Stern des wilden Techno hier viel Gefühl für Stimmung und Atmosphäre. „Hotel : Ambient“ ist mehr als nur schön, sondern eine wichtige Ergänzung im Schaffen von Moby und der Beweis, dass digital kreierte Musik keineswegs kühl daherkommen muss. Zum Träumen vor Fenstern, die fremde Menschen und Städte zeigen.

Anspieltipps:
Homeward Angel, Overlands, Live Forever

Swans – The Glowing Man (2016)

Swans – The Glowing Man
Label: Young God, 2016
Format: 3 x Vinyl im Gatefold, mit Poster, Download
Links: Discogs, Band
Genre: Noise-Rock, Avantgarde

Versöhnung – ein Zustand, den man vor der Reinkarnation der Swans selten vernommen hat. Auf ihren Alben herrschte meist ein lauter und krachender Tenor. Doch mit „The Glowing Man“ bringt Michael Gira sein Kollektiv nicht nur ins vorläufige Ziel, sondern lässt die Trilogie, welche mit „The Seer“ und „To Be Kind“ begann, schon fast angenehm enden. In den zwei Stunden neuer Musik wurden alle Erfahrungen kumuliert und alle angestauten Gefühle losgelassen. Dabei entstand ein erneutes Grosswerk der experimentellen Gitarrenmusik – und vielleicht das Ende.

Die Zukunft der Swans steht noch in den Sternen, zu welchen uns die Gruppe immer wieder geführt hat. Wie genau und mit welchen Musikern man weiterhin die weiten Landschaften des Noise erobern wird, zeigen die kommenden Monate. Aber wer will schon an Zukünftiges denken, wenn man mit „The Glowing Man“ erneut ein Werk erhalten hat, welches nicht nur die Bestandteile der heimischen Stereoanlage, sondern auch die Fundamente der alltäglichen Musik erschüttert. Dabei ist „The Glowing Man“ gemächlich und steigt nicht mehr so brutal ein wie gewohnt. Die Swans wirken nicht mehr so verärgert wie auch schon, allerdings gelingt mit den zaghaften Steigerungen und den extremen, repetitiven Aufbauten der Songs eine noch viel stärkere Wirkung.

In ihrer Form haben die Swans mit diesem Album eine Perfektion aus Noise-Rock, Avantgarde und Experimental gefunden, die man sofort als Kunstwerk ins MoMA stellen sollte. Mit heulenden Gitarren, scheinbar drogenbeeinflussten Mantra-Gesängen, akustischen Gewittern und perkussiven Beschwörungen wird man durch Lieder wie „The World Looks Red“ oder dem Titelstück aus seinem Alltag gerissen und wacht in fernen Gebieten wieder auf. Es nagt an den Gehörmuscheln, es kitzelt im Magen und wird mit der Zeit so unwiderstehlich, dass man für den Rest des Jahres kein weiteres Album mehr benötigt. „When Will I Return?“ fragt Michael Gira. Sehr bald, flehen wir.

Anspieltipps:
Cloud Of Forgetting, The World Looks Red, The Glowing Man

Patti Smith – Just Kids (2010)

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Patti Smith – Just Kids
Verlag: Bloomsbury, 2010
Autorin: Patti Smith
Seiten: 306, Softcover
ISBN: 9780747568766
Link: Goodreads

Romantik – ein Zustand und eine Vorstellung, die so manche Erlebnisse, Wünsche und Jahre schöner erscheinen lässt als sie wirklich waren / sind. Trotzdem, wenn Patti Smith in „Just Kids“ von ihrer Jugend, ihren künstlerischen Gehversuchen und ihrer nicht immer einfachen Beziehung zu Robert Mapplethorpe schreibt, dann wünscht man sich mehrmals in das New York City der vergangenen Jahrzehnte zurück. Man möchte die Poesie der Armut spüren – wie man sich mit wenigen Cents und Dollars über Wasser hält, man möchte von der Abenteuerlust gepackt werden und mit wenigen Mitteln Kunst erschaffen. Man möchte Patti als beste Freundin in der Gruppe halten und die Welt umgestalten.

Es ist viel dem grossen Talent von Patti Smith zu verdanken, dass diese Biographie nicht zu einer Selbstlobhudelei und verklärten Sichtweise auf alte Zeiten verkommt. Die Künstlerin nimmt eine neue Position als Schriftstellerin ein und betrachtet ihre Beziehung zu Robert aus einer Perspektive, die man so sonst nur bei Romanen antrifft. „Just Kids“ ist keine lose Kette aus Erinnerungen, es ist ein wunderschönes Buch über die menschliche Sehnsucht nach kreativer Befreiung, Loslösung von den Zwängen und dem schwierigsten Zustand der Welt – gegenseitiges Vertrauen und Liebe. Mit genialer Sprache, perfekt gezeichneten Momenten und vielen alten Fotografien lebt die Vergangenheit neu auf.

Primär geht es bei „Just Kids“ nicht darum, wie Patti Smith eine weltbekannte und prägende Musikerin wurde. Es geht um ihre tief reichende Beziehung zum Fotografen Robert Mapplethorpe, um ihre Ängste und Probleme, um das Leben wie es früher war. Man kommt mit diesem Buch Patti extrem nahe und fühlt sich stark mit ihr verbunden. „Just Kids“ ist ein wunderschönes, mitreissendes und perfekt geschriebenes Buch. Romantik hin oder her, hier verschmelzen alle Lebenspunkte zu einem wichtigen und wunderbaren Erlebnis. Auch Schmerz und Tod sind wichtige Bestandteile, doch alles ist aushaltbar, da Patti am Ende die Versöhnung findet. Hoffentlich geht es uns allen auch so.

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Kim Gordon – Girl In A Band (2015)

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Kim Gordon – Girl In A Band
Verlag: Dey Street Books, 2015
Autor: Kim Gordon
Seiten: 273, Hardcover
ISBN: 9780062295897
Link: Goodreads

“The only really good performance is the one where you make yourself vulnerable, while pushing beyond your familiar comfort zone.”

Tja, eigentlich hat Kim Gordon damit ja sehr wohl Recht – doch leider nahm sie sich die Worte für ihre Biografie zu wenig zu Herzen. Denn „Girl In A Band“ ist kein „Just Kids“ oder „Porcelain“, sondern eher eine etwas wirre Kette aus einzelnen Situationen und Gedanken. Die ehemalige Bassistin von Sonic Youth nimmt mit diesem Buch die Gelegenheit wahr, ihre Geschichte und ihre Sicht der Dinge in der Band, als Frau von Thurston Moore und Künstlerin in Amerika aufzuzeigen. Zu Beginn gelingt dies ganz gut, doch leider verliert das Buch immer mehr die Kohärenz und somit die Berechtigung.

Denn obwohl Kim Gordon viele Worte über ihre Kindheit, ihr Umfeld und ihre ersten Versuche als Musikerin verliert, weiss sie der späteren Phasen in ihrem Leben um so weniger beizufügen. Sicherlich wurde schon mehr als genug Papier mit Texten über die Noise-Rocker Sonic Youth bedruckt, doch eine direkte Einsicht ist immer spannender als der Blick von aussen. Kim beschränkt sich aber darauf, einzelne Lieder und Momente anzuschneiden. Was dabei etwas sauer aufstösst, sind die konstanten Angriffe und Hiebe gegen Kolleginnen und Kollegen, ihren Ex-Mann und alle Personen, die ihr vor das Gesicht laufen. Wenn ich missmutige Sprüche über andere Menschen hören will, dann lästere ich selber. So etwas brauche ich nicht in einem Buch.

Dieser Umstand wirft leider etwas viel Schatten auf die Seiten von „Girl In A Band“, somit legt man das Buch am Ende mit stark gemischten Gefühlen zur Seite. Irgendwie wäre die Lust da, noch mehr zu dieser vielseitigen und talentierten Person zu erfahren – leider hegt man nun aber auch eine gewisse Abneigung gegen Kim Gordon. Immerhin ist die Frau ehrlich und verstellt sich nicht, doch eine runde Biografie ist dies auf keinen Fall geworden. Das Ende ist zu schnell da, die Lücken zwischen den Kapiteln zu gross. Man lässt hier besser die Musik sprechen, und davon gibt es ja genügend unter der Mitwirkung von Frau Gordon.

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Drawn Together – Cartoonmuseum Basel

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Drawn Together / Aline Kominsky-Crumb & Robert Crumb
Cartoonmuseum, Basel
02. Juli – 13. November 2016

„Aline Kominsky-Crumb und Robert Crumb sind ein ungleiches Paar – im Leben und in der Kunst. Die Pionierin des autobiografischen Comics und der gefeierte Undergroundzeichner und Schöpfer von Charakteren wie Fritz the Cat und Mr. Natural bringen diese Spannung in wahnwitzigen, gemeinsam gezeichneten Geschichten zu Papier. (…) Zum ersten Mal steht die Kooperation dieser beiden impulsgebenden Künstlerpersönlichkeiten im Zentrum einer umfassenden Ausstellung von Originalzeichnungen.“

Drawn Together_Bohli_3Was in der Beschreibung des Museums schon sehr interessant klang, war auch an der Vernissage am Freitag, 1. Juli in Basel nicht minder spannend. Die erste grosse Ausstellung zum gemeinsamen Werk von Herrn und Frau Crumb ist ein Gewinn und macht viel Freude. Passenderweise wurde die Vernissage von der Jug-Band „Notty’s Jug Serenaders“ eingeleitet, ein Trio, das perfekt den Südstaatenflair vor den Zeichnungen platzierte. Jug-Blues ist eine einfache Musik, die sich vor allem durch das Spiel einer Flasche oder eines Gefässes auszeichnet. Gewürzt mit witzigen Texten und den wunderbaren Solis einer Gitarre oder dem Banjo fand man schnell Gefallen an dieser nicht alltäglichen Musik.

Nach einer kurzen Einführung gab es standesgemäss einen leckeren Apéro und man konnte sogar ein paar Worte mit den Künstlern persönlich wechseln. Umso interessanter war es aber, die Ausstellung zu durchstreifen und zu merken, dass nebst den grossartigen und mit spitzer Feder gezeichneten Comics Robert Crumb auch viel Musik in sein Schaffen einfliessen liess. Da er selber ein begnadeter Sammler von 78er-Schellackplatten und Musiker ist liegt es nahe, dass der Zeichner auch unzählige Plattencover gestaltet hat. In Basel ist ebenso eine Auswahl dieses Wirkens ausgestellt – der Besuch lohnt sich somit auch für Musikfanatiker.

Übrigens erscheint im August eine interessante Publikation zur Ausstellung. Wer also keine Reise nach Basel unternehmen kann, findet hier einen kleinen Trost. Allen anderen ist die Betrachtung einer Kuriosität des Underground-Comics auf jeden Fall ans Herz zu legen.

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Night Moves – Pennied Days (2016)

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Night Moves – Pennied Days
Label: Domino Records, 2016
Format: Download
Links: Band, Facebook
Genre: Alternative, Folk-Pop

Der Blick in die Zukunft ist kein einfacher – trotzdem verbringen wir viel Zeit damit, uns über kommende Tage und Jahre den Kopf zu zerbrechen. Auch John Pelant von Night Moves lebt gerne seiner Zeit voraus und hofft, im Jetzt Antworten für zukünftige Veränderungen zu finden. Diese Überlegungen greifen auf dem zweiten Album des Duos stark in die Musik ein, gestalten die Grundstimmung und klanglichen Kombinationen. Future-Pop ist der neuste Versuch einer verwirrenden Schublade, doch eigentlich gräbt man besser in der Vergangenheit der amerikanischen Musiktradition.

Country, Soul und Americana – wer in den Staaten Musik macht, wird automatisch mit den Wurzeln und Meistern der Szene konfrontiert. Somit machen die Lieder von „Pennied Days“ oft einen Schritt nach hinten, um dann gestärkt nach vorne zu schreiten. Schnell geistern einem Namen wie My Morning Jacket, The Wild Feathers oder gar Sly Stone durch den Kopf. Was Night Moves hier abliefern, ist genau so bunt wie vielschichtig. Man hört Gitarrenriffs aus den 70ern, Orgelwolken und effektvoll veränderte Synths. Der Folk-Rock wird von der Band in die Boulevardpresse gebracht, macht dort Pop-Affären durch und landet dann mit Americana-Sehnsucht am Wüstenrand. Letzte Halluzinationen der Drogen verändern den Sonnenuntergang, MGMT fahren mit einem VW-Bus am Horizont vorbei. Trotz all dieser Ideen und Einflüsse ist „Pennied Days“ immer schlüssig, die längere Entstehungszeit hat dem Album gut getan. Dass sich die Musik dabei nicht zu viele Bürden auflädt und die Themen eher luftig zu Ende denkt, ist keine Schande; nicht jede Mahlzeit muss den Magen strapazieren.

Mit Eingängigkeit und harmonischem Feingefühl musizieren sich Night Moves durch neun fröhliche Lieder. Dass sich die Band dabei überall etwas bedient hat, ist zwar nicht immer fortschrittlich, „Pennied Days“ ist aber ein Indie-Traum. Man darf schwelgen, man darf tanzen und man darf sich Farbpigmente ins Gesicht schmieren. Ein musikalischer Ausflug in die zurückliegende Zukunft in Amerika, voller Lust und jugendlicher Hoffnung – gelegentliches Augenzwinkern inklusive.

Anspieltipps:
Carl Sagan, Border On Border, Staurolite Stroll

Heidemann – Detectives (2016)

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Heidemann – Detectives
Label: Fabrique Records, 2016
Format: CD
Links: Bandcamp, Facebook
Genre: Electronica

Monika Heidemann hatte es mir letzten Sommer in Luzern persönlich gesagt, die neue EP sei in Arbeit und werde bald erscheinen. Es musste leider doch April 2016 werden um neue Musik von der Künstlerin zu vernehmen, doch die Wartezeit hat sich gelohnt. Wie schon bei ihrer ersten Veröffentlichung darf man sich bei „Detectives“ wieder auf fünf tanzbare und effektreiche Lieder zwischen Retro-Synth und Electronica-Pop freuen.

Wahrlich toll an den neuen Liedern – und dem alten Bekannten „Well Well“, der hier erneuet auftreten darf – ist die ungezwungene Art. Heidemann schreibt, spielt und produziert ihre Musik nicht nur selber, sie lässt sich auch von nichts beirren. Egal wie altbacken gewissen Sequenzer klingen, egal wie unecht das Drummuster nun klingt – „Detectives“ gehört zu dieser interessanten Parallelwelt in der die Vergangenheit dann morgen erst die Gegenwart wird. Mit Nancy Whang findet man auf dem abwechslungsreichen „I’m So In Love“ einen Gast, „Last Chance“ erhält man noch als Remix obendrauf. Ob man New York City nun aus der Musik heraushört ist nicht klar zu sagen, der frische Mix aus Minimal, Pop und Electro klingt aber nach wenig Schlaf und vielen Perspektiven aus aller Welt.

Mit „Detectives“ durfte Monika Heidemann ihre Musik endlich über ein offizielles Label verbreiten und wählte dazu hitverdächtige Songs aus. „My Pet“ zertrümmert den süssen Gesang mit krummen Beats, „Well Well“ überholt sogar das Lightcycle aus Tron. Egal ob man in Jeans und T-Shirt im Club landet oder mit Glitzer und Neonfarben verziert: Hier findet man wunderbar unterhaltsam Musik aus analogen Geräten. Nur live ist die Dame noch besser.

Anspieltipps:
Last Chance, Well Well, My Pet