Unknown Pleasures

Antipole – Northern Flux (2017)

Antipole existiert seit 2013 und ist eigentlich nur ein Mann: Karl Morten Dahl, seine Instrumente und seine Vision. Tief in den Grundlagen des Wave und Post-Punk der Achtziger verankert, ist seine Musik eine Reanimation alter Tugenden und eine weitere Schicht an Fortführungstraditionen und Schliessung des Kreises. Mit dem ersten Album „Northern Flux“ erhält man nun eine 14 Lieder lange Möglichkeit, diese Ideen aufleben zu lassen.

Nach zwei digitalen EPs hat es Antipole nun geschafft, seine kreativen Ergüsse zu bündeln und auf eine CD zu packen. Auffällig ist dabei, dass seine Musik immer brav auf den Pfaden des Cold Wave und geglätteten Punk bleibt. Jedes Lied zieht den linearen Rhythmus weiter, immer stehen die hallende Gitarre und der pochende Bass im Vordergrund. Stimmen und Schlagzeug umgarnen diese Machtstellung, wollen aber gar nicht dagegen ankämpfen. Das lässt Lieder wie „Shadow Lover“ leicht in ihrer Melancholie und Dunkelheit erscheinen.

Kein Wunder also, wird „Northern Flux“ vom Joy Division Cover „Insight“ abgeschlossen – Antipole zielt mit seinen Stücken nämlich in die genau gleiche Richtung. Was hier aber klar wichtiger ist als Verzweiflung, das ist die Eleganz. Mit weiblichem Begleitgesang und lockeren Melodien ist dieser Wave nie endzeitlich und überlebt sogar stoische acht Minuten („Narcissus“) und gönnt sich herrliche Synthiemomente („Dans l’entrée“). Zeitmaschine an!

Anspieltipps:
Shadow Lover, Summer Never Ends, Narcissus

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.