Three Futures

Torres – Three Futures (2017)

Mit Torres ist es immer das Gleiche: Ihre Musik zeigt sich zuerst sperrig und schier unüberwindbar fremd, doch mit jeder vergangenen Minute wird die Faszination grösser und man entdeckt die Genialität hinter den Kompositionen. So geschah es bei mir auch mit ihrem dritten Studiowerk „Three Futures“ – der Anfang  war etwas holprig, nun aber steh ich vor einem Berg neuer Lieder, die mich berühren und faszinieren. Mackenzie Scott hat es erneut geschafft und ein düsteres Werk, irgendwo zwischen Industrial, Folk und depressivem Rock geschrieben.

Ganz so genial wie der Vorgänger „Sprinter“ ist die neue Scheibe der Engländerin zwar nicht, kratzt aber mit Songs wie „Skim“ erneut an der Erträglichkeit der lärmigen Liederkunst. Torres führt uns mit „Three Futures“ in eine Welt, in der viele Hoffnungen im Kern erstickt wurden und fesselt die Hörer mit extremer Dynamik, meisterlichem Umgang mit Verzerrung und schleppender Faszination. Lieder wie „Righteous Woman“ sind kleine Meisterwerke, wachsen schier unstoppbar in den Himmel und entziehen sich den meisten Vergleichen.

Es ist aber nicht alles der Verzweiflung nahe, Torres spielt neu auch mit dem Electro-Pop und streut ein paar Prisen Gothic in ihre Musik. Momente wie der Titelsong oder „Helen In The Woods“ sind somit wunderschön und schweissen sogar verbitterte Feinde wieder zusammen. Immerzu emotional, vereinnehmend und herrlich anders – „Three Futures“ ist erneut ein Tauchgang mit gewissem Risiko, belohnt aber alle Mutigen. Aber Vorsicht: Nicht immer bleiben die Songs zurückhaltend, Frau Scott weiss sich auch mit schneidenden Gitarrenriffs zu wehren.

Anspieltipps:
Skim, Righteous Woman, Helen In The Woods

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.