Them Fleurs

Them Fleurs – Run (2017)

Die Aussage, Them Fleurs bewegen sich zwischen Szenen und Zeitgeist ist nicht nur eine leere Worthülse um Kundschaft anzulocken, spätestens beim dritten Song „The End (Part One)“ erfährt man dies während zehn abwechslungsreichen und gefühlvollen Minuten. Die Band aus Bern hantiert hier nämlich zwischen nationalem Pop, alternativen Gitarrenmomenten und ausufernden Instrumentalpassagen. Und genau diese Bereitschaft, die Musik nicht immer im gewohnten Ort enden zu lassen macht aus dem neusten Werk „Run“ eine spannende Platte zwischen Radio und Kulturkeller.

Seit 2014 versuchen die Mannen um Sänger Samuel Schnydrig nicht nur bewährte Tugenden der leichteren Musik für sich zu nutzen, sondern dem Stil auch eine neue Färbung zu verpassen. Ob man Them Fleurs nun im Indie oder im Post-Irgendwas verankern will, so richtig passt keine Beschreibung zu diesen Songs. Und genau dies macht aus Ohrwürmern wie „Run“ oder langsam aufgebauten Rockern wie „Casino“ Lieder, die man sich gerne anhört und ohne grosse Anstrengungen geniessen kann. Keyboardtupfer und toll in sich verwobenen Gitarrenspuren geben der Musik einen variantenreichen Teppich und wirken immerzu bunt.

Schnell vergisst man somit auch, dass die englischen Texte manchmal etwas stark mit Akzent gesungen werden, schliesslich haben Them Fleurs auch in die Worte viel Eigenes gepackt. Ob persönlich und mehrfach überdacht oder dann doch aktuell und gesellschaftsbezogen, diese Platte passt sehr gut in dieses Jahrzehnt. Dazu kommen mit viel Raum und Dynamik vollgepackte Szenen wie „All I Need“ welche immer wieder zum gemütlichen Wippen einladen. Die Schweiz kann so entspannt und versiert klingend daherkommen.

Anspieltipps:
Run, The End (Part One), Casino

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.