The Wall

Roger Waters – The Wall (2015)

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Roger Waters – The Wall
Label: Columbia, 2015
Format: Doppel-CD in Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Rock, Bombast

Es ist schon erstaunlich, egal wie oft die wohl bekannteste Mauer auf der Welt niedergerissen wird, man findet immer wieder einen Weg, sie neu aufzubauen. Ob dieser Ansporn von den Managern, dem Label oder doch von dem Mann hinter der Musik kommt weiss ich nicht – Roger Waters erinnert uns aber trotzdem regelmässig daran, dass er mit „The Wall“ ein Rockopus sondergleichen erschaffen hat. 2015 hat der Künstler die Geschichte im Kino neu aufleben lassen, jetzt gibt es den Konzertfilm auch für das heimische Wohnzimmer. Lohnt sich diese Neuauflage als Album, oder geht es hier nur die Geldmacherei?

Zuerst muss sicherlich klargestellt werden, dass „The Wall“ eine zeitlose und bis heute wichtige Platte ist. Das Doppelalbum hat den Status der intelligenten Rocker von Pink Floyd bestärkt und zeigte die Band ein letztes Mal in ihrer Blüte. Begleitet vom grossartigen Spielfilm, einer Dimensionen sprengenden Tour und einem Livealbum wurde es schnell zu einem Kult. Bis zum heutigen Tag fungiert das Werk als Pfeiler in der Karriere von Roger Waters, auch da er mit diesem Konzept seine eigene Jugend verarbeitete. Doch will man diese Geschichte wirklich erneut ins Regal stellen? Spannend an „Roger Waters The Wall“ ist natürlich die Aufarbeitung im technologischen Fortschritt.

Konzerte sind nun multimediale Spektakel, ohrenbetäubende Klanggewitter und überlebensgross. Die abgebildete Stadiontour führte diesen Bombast in das Extrem, Show und Musik wurden grösser als je zuvor. Waters und seine Meuten von Helfern und Musikern übertreiben es oft, können aber die Lieder nicht zerstören. Diese sind immer noch grossartig und strahlen hell. Die Aussagen und Emotionen der Geschichte treffen weiterhin mitten ins Herz. Was dieser reinen Audio-Ausgabe fehlt, ist die optische Brillanz der Filmversion. Man hört zwar viele Geräusche, Effekte und Zuschauerreaktionen, gewisse Abstriche muss man aber machen. Denn gerade die aufgenommenen Shows lebten stark von ihrer visuellen Aufarbeitung.

Herr Waters weiss um die Qualität seines Werkes, wollte aber teilweise zu viel. „Bring The Boys Back Home“ wird zu einer Kakophonie aus Rockband, Orchester, Chor und Effekten – mehr ist nicht immer Qualität. Ebenso hoffe ich, dass diese Neuauflage von „The Wall“ nun die letzte sein wird. Denn wie oft will man das Schwein noch melken? Für Fans ist auch diese Variante eine tolle Erweiterung ihrer Sammlung, stellt sich als reine Audioversion aber nicht als zwingend heraus. Vielleicht greift man hier doch besser zur Bluray. Novizen werden aber ehrfürchtig erstarren, wie Kenner damals, vor vielen Jahren.

Anspieltipps:
Mother, Young Lust, Bring The Boys Back Home, Run Like Hell

Roger Waters The Wall (Film, 2015)

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Roger Waters The Wall
Film, 2015
Regie: Roger Waters, Sean Evans

Manche Werke in der Musikgeschichte sind zeitlos und werden für jede Generation neu erfunden. Die erzählte Geschichte verliert keine Aktualität und bleibt auch in der Zukunft wertvoll. „The Wall„, das opulente Doppelalbum von Pink Floyd fällt in diese Kategorie. Nach der ursprünglichen Veröffentlichung als Vinyl, erschien das Konzeptwerk neu interpretiert in den Kinos. Bob Geldof verkörperte Pink in seiner unnachahmlichen Weise und die Regie von Alan Parker formte ein, in seiner Aussage immer wechselndes Stück, Musik und Bild. 2010 brachte das Genie Roger Waters die Show wieder auf die Bühne und füllte die Stadien der ganzen Welt. Fünf Jahre später gibt es nun den Film zu diesen Konzerten, natürlich nicht ohne die Geschichte noch einmal in der Perspektive zu verändern.

Gefilmt wurden die Livesequenzen an mehreren Orten, und zeigen die gesamte Opulenz und den Grössenwahn in seiner voller Ausprägung. Eine unglaublich grosse Mauer wurde teilerbaut, welche als Projektionsfläche für die Videos und Botschaften dient, eine grossartige Band zusammengestellt und die Welt im Sturm erobert. Obschon die eigentliche Geschichte hinter „The Wall“ eine sehr persönliche ist, und gleichzeitig auch den Kampf gegen die eigenen Dämonen darstellt, funktioniert es auch als Gefäss für jeden Zuschauer und dessen Gedanken. Man fühlt sich angesprochen und verstanden, kann seine Wut gegen die Intoleranz und Ungerechtigkeit ablassen und merkt, es gibt Menschen die denken gleich und verstehen mich. „The Wall“ ist eine künstlerische Erschaffung, die bis heute relevant und wichtig ist. Sicherlich wird einigen die Gigantomanie von Waters aktueller Inszenierung sauer aufstossen, doch das wahre Genie steckt hinter dem Blendwerk. Egal wie viele monströse Puppen über die Bühne stapfen, welche Schweinsballone durch das Stadion schwirren und Feuerwerkskörper gezündet werden, in der Tiefe treffen Musik und Texte das Herz. Und dank der veränderten Präsentation bleibt die Botschaft aktuell und wichtig.

Sogar im eher sterilen Kinosaal konnte mich die Geschichte wieder total berühren. Gänsehaut, Tränen und Lacher: Man fühlt, leidet und denkt mit. Obwohl ich zu Beginn Bedenken hatte, stellte sich die Darstellung auf einer Leinwand als passend heraus und war zwar entfernt von den Live-Shows, und trotzdem dasselbe. Auch die Integration von Waters persönlichem Abschied und Reise zu dem Todesort seines Vaters und Grossvaters ergänzte den Film wunderbar. „The Wall“ wurde somit wieder persönlich und als neue Filmversion den perfekten Abschluss des Themas für seinen Erschaffer. Für alle welche Pink Floyd lieben, „The Wall“ live, als Kinofilm oder auf Platte vergöttern, für die ist diese gefilmte Liveperformance eine werksgetreue Fortsetzung der immer wandelnden Betrachtung eines unbeschreiblichen Stück Musik. Nach dem Film fühlte ich mich aufgewühlt aber gut, und würde mehr als gerne die Show noch einmal in echt erleben.

Top 10 Soundtracks

Na da habe ich den Salat. Sobald man stärker in den Blogkreisen verkehrt, wird man nominiert und genötigt, Listen zu erstellen. Danke hierbei an FriedlvonGrimm, ich werde mich noch revanchieren. Zuerst aber musste erschreckend feststellen, dass ich sehr selten und eher ungern Filmmusik höre. Klar, ich liebe Kino und die Symbiose von Musik und Bild. Aber eben, ohne Bilder empfinde ich den Soundtrack dann oft als zu fad oder wirkungslos. Trotzdem finden sich in meiner Sammlung einige Alben, die ich auch ohne dazugehörige Filmrolle nicht mehr missen möchte.

Was hierbei sicherlich auffällt, es tummeln sich wenig Klassiker darunter. Denn gerade die sinfonische Orchestermusik mag ich ohne die Bilder weniger. Bietet aber ein Film aufregende Elemente in der Musik (sei dies elektronische Einflüsse, tolle Lieder oder ähnliches), dann steht er bei mir meist hoch im Kurs. Gern gehört werden bei mir auch Songsammlungen mit viel Stil, aber lest selber. Viel Spass beim wundern und kopfschütteln.

Top Ten Soundtracks_MBohli

11. Passengers – Original Soundtracks Vol. 1
Eigentlich ein Kandidat für den ersten Platz, disqualifiziert sich das Album von den Passengers aber gleich selber. Denn die Musik wurde zu imaginären Filmen geschrieben, die sich die Musiker während den Sessions ausmalten. Die dabei entstandenen Songs sprühen förmlich vor Kreativität und Abenteuerlust. Klänge werden bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, Gesang experimentell eingesetzt. Synths und Keyboards erhalten viel Gewicht und unterstützen den grandiosen Aufbau der drei ersten Songs. Und dann wird klar: Hinter all dieser Musik verbergen sich U2 und Brian Eno! Wagen die Iren heute leider keine solchen Ausflüge in die Kunst mehr, erlebte immerhin „Your Blue Room“ eine wunderschöne Wiedergeburt auf der letzten Tour.

10. V.A. – Jackie Brown
Eigentlich könnte hier jeder Film von Tarantino in der Liste stehen, jedenfalls alle klassischen. Aber nur Jackie Brown hat es geschafft, mich für eine neue Musikrichtung zu begeistern. Wenn ein OST mit „Across 110th Street“ von Bobby Womack beginnt, kann er nur perfekt sein. Denn gibt es ein besseres Lied im Bereich Soul? Meiner Meinung nach nicht, und auch „Didn’t I (Blow Your Mind This Time)“ und „Street Life“ machen einfach Laune. Eingebettet zwischen Dialogzeilen und Raritäten aus den 70ern, bietet die Musik zum unterbewerteten Jackie Brown vor allem eines: Klasse.

9. Pink Floyd – The Wall
Ist das nun ein Soundtrack oder ist der Film ein Begleitwerk zur Musik; oder beides zusammen und doch anders? Wie auch immer, Pink Floyd haben mit „The Wall“ eine verstörende Geschichte vorgelegt, die als Album und Film funktioniert. Wirklich erst gezündet hat alles aber damals, als ich Roger Water’s The Wall live bestaunen durfte. Plötzlich machte es klick und die Lieder ergaben mehr Sinn und Tiefe. Sicherlich, den Film kannte ich auch schon zuvor, aber seit diesen Konzerten bin ich erst von „The Wall“ (die Musik) überzeugt.

8. Rick Smith & V.A. – Trance
Egal was es ist, sobald einer der beiden Herren von Underworld etwas Neues veröffentlicht, kaufe ich es blind. Soweit geht meine Liebe zu diesem Elektro-Duo aus England, und dabei mache ich auch vor Filmmusik nicht Halt – besonders, wenn der Soundtrack zu einem Film von Danny Boyle gehört, einer meiner liebsten Regisseure. Rick Smith hat für „Trance“ ein flirrendes, stampfendes und immerzu vorwärts treibendes Gefährt erschaffen, dass nicht nur den Mindfuck aushaltbar macht, sondern das Gehör beglückt. Und in der Mitte brechen plötzlich UNKLE durch den Boden und geben der Musik noch die Goldbeschichtung, wenn man nicht schon dank Emeli Sandé im Himmel schwebt.

7. Cliff Martinez & V.A. – Drive
„Drive“ von Nicolas Winding Refn ist ein Meisterwerk in Sachen Stil und Wirkung, immer unterkühlt und gnadenlos in seiner Inszenierung. Musikalisch bedient sich der Film in der Retro-80er Bewegung und lässt vor allem eines erklingen: Synths und Drums mit viel Hall. Das passt wie die Faust aufs Auge und gibt dem Film die letzte Coolness. Cliff Martinez ergänzt die Lieder mit pochender Elektronik und entspanntem Ambient.

6. V.A. – Sucker Punch
Ich gebe es zu, dieser Film führt meist zu Kopfschütteln und Unverständnis, aber ich finde Sucker Punch mit all seinen sexy Darstellerinnen, abgedrehten Welten und visuellen Ergüssen toll. Und wenn ein solcher Streifen schon wie ein Musikvideo beginnt – und dazu die Hauptdarstellerin Emily Browning eine grossartig düstere Coverversion von „Sweet Dreams (Are Made Of These)“ anstimmt – dann bin ich im Boot. Ein Remix von Björks „Army Of Me“, Emiliana Torrini singt ein Jefferson Airplane Cover von „White Rabbit“ und Emily bezirzt weiter mit „Where Is My Mind“. Hammergeil, Revue-Nummer am Schluss inklusive.

5. V.A. – The Boat That Rocked
Mein liebster Gute-Laune-Film spielt in den Sechzigern und handelt von den Piraten-Radiostationen. Woraus der Soundtrack besteht, sollte ja eigentlich auf der Hand liegen: Unzählige, perfekte und bis heute gern gehörte Klassiker aus Pop und Rock. „Elenore“, „Judy In Diguise“, „Crimson And Clover“, „My Generation“, „A Whiter Shade Of Pale“, „Let’s Dance“ und und und.

4. V.A. – I’m Not There
Bob Dylan ist eine faszinierende Persönlichkeit – dies spiegelt sich auch in der Unfassbarkeit seiner Musik wieder. Filmisch versuchte man ihm schon mehrmals auf die Schliche zu kommen, aber nur „I’m Not There“ aus dem Jahre 2007 hat dies aus meiner Sicht geschafft. Genau damit, dass Dylan nie vorkommt und er nie klar definiert wird. Seine Musik wird von einer ewig langen Liste wunderbarer Musiker und Bands interpretiert und neu erschaffen. Man muss es gehört haben, um es zu glauben.

3. Trent Reznor & Atticus Ross – The Social Network
Trent, NIN, Oscar, Ambient, Sternstunde. So einfach lässt sich die Musik zum Facebookfilm von David Fincher zusammenfassen. Trent Reznor, der Frontmann von Nine Inch Nails, und der Produzent Atticus Ross haben hier eine prämierte Zusammenarbeit veröffentlicht, die Ambient, Electronica und düstere Klangwelten mischt. Das passt nicht nur super zu den distanzierten Bildern, sondern legte auch den Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Seither haben die beiden Herren die Filmmusik zu „The Girl With The Dragon Tattoo“ und „Gone Girl“ geschrieben und dabei das Niveau konstant hoch gehalten. So gut wie hier wurden sie aber nicht mehr.

2. Underworld & John Murphy – Sunshine
Wie oben schon geschrieben, sind Underworld für mich eine der besten Bands auf dieser Erde. Ihre Kollaboration mit John Murphy führte zu einer kompositorischen Meisterleistung. Die Musik für „Sunshine“ von Danny Boyle versteht es nicht nur, kongenial die Bilder zu verstärken und zu untermalen, sondern funktioniert als komplett eigene Ebene und Erzählweise. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Gefühl und Liebe in den kurzen Stücken steckt. Und wenn dann Merkur zu den verzerrt gezupften Gitarrenklänge auftaucht, dann liebe ich denn Film noch tausend Mal mehr.

1. Peter Gabriel – Passion (Music for The Last Temptation of Christ)
Etwas absurd, aber der erste Platz belegt bei mir eine Filmmusik, deren dazugehörigen Streifen ich nie gesehen habe. Aber als Fan von Peter Gabriel musste ich mir alles in seiner Diskografie zulegen, darunter auch diesen Soundtrack zum kontroversen Film von Martin Scorsese. Und an der Musik ist einfach alles wunderbar: Die druckvolle Perkussion, der östliche Einfluss der Musik, die Duduk, die typischen gabrielesken Lautgesänge, das Gefühl durch Sand zu gehen, und die Bedrohlichkeit, die sich gegen Ende in Hoffnung und Liebe auflöst. Ein Meisterwerk seiner Karriere, ganz ohne Gesang. Spannend, dass ich nun so viele Dinge mit dieser Musik verbinde, dass ich fast Angst habe, denn Film anzuschauen. Zerstört es mir diese Erinnerungen?

Weitere Soundtracks von Peter Gabriel: Birdy, OVO, Long Walk Home

Was war der erste Soundtrack, der dich vollends begeistert hat?
Als junger Knabe war ich ein totaler Star Wars Fan, alles über die alte Trilogie habe ich verschlungen. Somit war auch die Filmmusik – besonders von Episode 6 – eine Reise in eine neue Welt. Dank der Doppel-CD zur Special Edition lerne ich auch Kuriositäten wie „Jedi Rocks“ oder die doch sehr kitschige Endzermonie lieben. John Williams war damals allgemein hoch im Kurs bei mir, auch dank einer Compilation mit vielen Theme Songs. Heute höre ich diese Musik interessanterweise gar nicht mehr.

Mit welchem Soundtrack bist du im Nachhinein auf die Nase gefallen, weil er doch nicht mehr so toll wirkte, wie noch im Film?
Hier gibt es viele Kandidaten, eine grosse Enttäuschung war aber „Tron: Legacy“ von Daft Punk. Im Film funktioniert die Mischung aus Orchester und Techno sehr gut, gerade weil die Musik es versteht, die grossartigen Bildern episch zu untermalen. Wenn man zu „The Grid“ durch die Stadt gleitet, oder zu „End Of Line“ den futuristischen Club betritt, ist das geil. Ohne Bilder aber irgendwie fahl und lasch. Die Musik plätschert vor sich hin und man fragt sich, wieso Daft Punk nicht mehr gewagt haben. Schade, denn das kurz danach erschienene Remix-Album macht vieles besser, mit wenig Mehraufwand.

Welchen Soundtrack hast du dir als letztes angehört/durchgehört?
Faszinierend fand ich die Musik in Birdman. Der komplette Soundtrack besteht nur aus einem virtuos gespielten Jazz-Schlagzeug und verbindet die endlosen Kamerafahrten mit wilder Musik und Polyrhythmik. Wenn dann plötzlich der Schlagzeuger sogar selber im Film auftaucht und die handelnden Figuren mit ihm interagieren, fügt sich dies dank der Meta-Ebene wunderbar in das verspielte Drehbuch ein. Grossartig anders, künstlerisch gewagt.
Zuletzt gekauft habe ich mir Gone Girl und Interstellar, dazu sind hier auf dem Blog die Kritiken zu finden. Beide empfand ich auf ihre eigene Art und Weise bewegend und mitreissend.

Weitermachen darf:
Autopict, Call Me Appetite, andiau