The Southern Oracle

The Green Flamingos – The Southern Oracle (2017)

Der werte Herr Dali hätte seine wahre Freude am Covermotiv von „The Southern Oracle“, ist das Bild doch eine Zeichnung zwischen surrealistischen Fantasien und optischen Farbtäuschungen. Und genau in dieser Mischmenge versucht sich auch das erste Album der Genfer Gruppe The Green Flamingos zu platzieren. Die Band um Sängerin Yoanna Claquin hat sich für den Langspieler nämlich vom Blues entfernt und viel Beat und Psychedelica in ihre Musik geschüttet.

Toll ist dabei, dass sich The Green Flamingos für Songs wie „Up And Away“ oder „Beware“ nicht auf eine Armada von Effektgeräten und Nachbearbeitungen verlassen, sondern ihre Musik handgemacht und wunderbar rau im Raum stehen lassen. Wer benötigt schon Overdubs und Klangwände, wenn einzeln gespielte Spuren effektiver sind?  „The Southern Oracle“ lebt somit von einem Gefühl, das sich die Attraktivität aus den Sechzigern holt und den damaligen Elan auf heutigen Psychedelic Pop überträgt. Das darf kratzen („Rome Is Burning“) oder romantisch schwingen („The Last Sinner“), ungemütlich wird es nie.

Schade ist dabei nur, dass sich The Green Flamingos somit etwas zu sanft durch die tiefen Wasser der bewusstseinsveränderten Musik bewegen. Zwar sind Keyboard und Bass immer wieder für herrliche Momente zuständig, als Ganzes wirkt „The Southern Oracle“ aber oft etwas zahm. Klar, hier geht es eher um die zärtlichen und eingängigen Momenten als den Krawall, zu oft verschwindet die Platte aber etwas im Hintergrund. Für ein Debüt ist der Gruppe hier aber bereits eine gut tanz- und träumbare Scheibe gelungen.

Anspieltipps:
Up And Away, The Rush Kicks In, The Last Sinner

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.