The Pineapple Thief

The Pineapple Thief – Where We Stood (2017)

The Pineapple Thief – Where We Stood
Label: Kscope, 2017
Format: Doppelvinyl im Gatefold
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, Prog

Der Dieb hat einen Lauf – seit Jahren schon, und je länger dieser andauert, desto besser wird das Diebesgut. Das Schöne an Bruce Soord ist ja, dass er uns alle an diesem Reichtum teilhaben lässt. Und nach den wundervollen Studioalben „All The Wars“, „Magnolia“ und „Your Wilderness“ gibt es nun das herrliche Destillat dieses Dreiecks als Livealbum. The Pineapple Thief präsentieren mit „Where We Stood“ nicht nur eine Momentaufnahme ihrer immer noch andauernden Tour, sondern auch die erste Konzert-Konserve aus Bild und Ton ihrer Karriere. Ein guter Grund, das Wohnzimmer in einen Saal zu verwandeln und klatschend die Lieder zu begrüssen.

Momente zum Feiern liefern uns die Mannen mit Perlen wie „Reaching Out“, „The Final Thing On My Mind“ oder „In Exile“ schliesslich zur Genüge. The Pineapple Thief präsentieren sich hier als versierte und gut eingespielte Liveband, wechseln geschickt zwischen knackig-kurzen Tracks und längeren Songs mit instrumental fordernden Parts. Dank Schlagzeuger Gavin Harrison erhalten viele Stellen eine weitere Tiefe, sein Spiel passt perfekt zu dieser Musik. Kein Wunder, erinnert „Where We Stood“ darum nicht nur mit dem Bandnamen auf dem Cover an Porcupine Tree.

Eine Prise harte Gitarren, wundervolle Melodien und ein Wechselspiel zwischen Saiten und Tasten – The Pineapple Thief haben ihre eigene Mischung aus schönem Art-Rock und Modern Prog perfektioniert und sich hier auf einem Höhepunkt festgehalten. Da stört es auch nicht, dass Bruce Soord manchmal an seine stimmlichen Grenzen stösst. Denn zu jeder Sekunde ist die Lust und Freude hinter der Musik und dem Auftritt zu spüren und die Platte (oder die DVD) reiht sich gelungen in die Sammlung.

Anspieltipps:
No Man’s Land, In Exile, Snowdrops

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: The Pineapple Thief, Dynamo Zürich, 17-09-11

The Pineapple Thief
Support: Godsticks
Montag 11. September 2017
Dynamo, Zürich
Bilder: Kathrin Hirzel

Dass an diesem Montag plötzlich in ganz Zürich scheinbar keine Ananas mehr zu finden war tun wir jetzt einfach als Gerücht ab – wie auch das Getuschel um plötzlich auftauchende Früchtchen im Backstage des Kulturhauses Dynamo. Was wir aber mit grosser Sicherheit vermelden können: Der Auftritt der Englischen Progressive Rock-Gruppe The Pineapple Thief war ein voller Erfolg. Und dies war auch nötig, war es schliesslich der erste Besuch in Zürich von Bruce Soord und seinen Mannen und ein heiss erwartetes Konzert. Besonders nach dem 2016 veröffentlichten Album „Your Wilderness“ ist die Band nämlich in die höchsten Sphären des modernen Art-Rock vorgedrungen und begeistert Leute auf aller Welt.

Somit gab es auch im Dynamo vor allem Lieder von der neusten Scheibe zu hören, druckvoll und energetisch dargeboten. Ob das elegische „In Exile“, welches auch für mich das Konzertvergnügen nach einem etwas zaghaften Beginn so richtig startete, oder das beschwörerische „Take Your Shot“ – die Atmosphäre der Scheibe konnte perfekt in den Saal übertragen werden. Womit auch gleich widerlegt wurde, dass The Pineapple Thief live nicht so überzeugen wie auf Platte. Aber mit Schlagzeuger Gavin Harrison (Ex-Porcupine Tree) als rhythmischer Zauberer, Jon Sykes als bewegungsfreudiger Bassist, Steve Kitch als ruhiger Keyboard-Pol und Darran Charles als wandelbaren und verschmitzen Gitarristen konnte nichts mehr schief gehen.

Charles zeigte auch gleich mit seiner eigenen Band Godsticks als Support, dass er den Prog in- und auswendig kennt. Die, seit 2006 aus Wales aktive Truppe, besticht in ihren Liedern weniger mit emotionalen Melodien, sondern mit komplizierten Songstrukturen und einem harten Klang. Hier gibt es verzerrte Gitarrenspuren, maschinell wirkende Drums und immer wieder dem Jazz angelehnte Harmonien. Während Darran Charles als Sänger zwar limitiert ist, tat diese Abwechslung in die dunklen Maschinenräume des Progressive Rock ganz gut. King Crimson war nicht der einzige Name, der einem während dem Auftritt durch den Kopf schwirrte. Und wenn die Herren bei „Exit Stage Right“ gleich alle Sicherheiten über Bord warfen, dann war dies ein wirklich aufregender Einstieg in den Abend.

The Pineapple Thief hatten keine Probleme, diese Energie weiterzutragen, was auch an dem wunderbar aufgelegten Publikum war. Die Zuschauer bejubelten nicht nur neue Tracks wie „The Final Thing On My Mind“, sondern auch selten vernommene Stücke wie „3000 Days“ oder „Shoot First“ und die herausragenden Einzelgänge der Musiker. Somit gab es gegen Ende des Abends immer mehr Interaktionen zwischen Bühne und Publikum und zufriedene Gesicht in jeder Ecke. Toll, dass sich die Diebe mit ihrer doch eigenen Art des Modern Prog auch in der grösseren Masse langsam etablieren. Konzerte wie dieses helfen dabei natürlich extrem.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

The Pineapple Thief – Your Wilderness (2016)

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The Pineapple Thief – Your Wilderness
Label: Kscope, 2016
Format: 2 CDs + DVD in Mediabook
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, New Prog

Willkommen zurück – denn auch wenn ihr unersättlichen Diebe aller schönen Ananasfrüchte nie ganz weg wart, mit diesem Werk erreicht ihr wieder die Spitze und bietet Vergessenes wie auch Neues. Natürlich bleibt ihr dabei unscheinbar und gebt euch auch von aussen in bekannten Gewändern – denn das bereits elfte Studioalbum wurde mit Bildern von Carl Glover geschmückt. Und damit ist man bei Kscope nie alleine; mit grossartiger Musik im Umfeld des New Prog und Art-Rock aber auch nicht. The Pineapple Thief spielen mit „Your Wilderness“ wieder ganz weit oben mit.

Gleich mit „In Exile“ steigt man in die Vollen. Das wunderschöne und melancholische Stück bietet den wandelbaren Gesang von Bruce Soord, harte Riffs und fliegende Synthflächen. Dahinter lauert neu das treibende Schlagzeugspiel von Gavin Harrison – und genau dies bringt den progressiven Rock wieder zurück zu The Pineapple Thief. Wie damals bei Porcupine Tree trommelt der Mann mit seinen spannenden Mustern und Techniken in einer anderen Welt. Dies stachelte nicht nur Soord an, seine Musik noch einfallsreicher zu gestalten, sondern verleiht dem Album eine neue Ebene voller Druck und Kraft. Dagegen stellen sich gefühlvolle und perfekt ausgearbeitete Spielereien der Elektronik, eine fantastische Produktion und die neu lieben gelernte Sanftheit. Bereits auf seinem Soloalbum fand Bruce Soord die Ruhe und Nachdenklichkeit, dies fliesst nun direkt in „Your Wilderness“ ein.

Ob sich The Pineapple Thief nun also in Eskapaden wie „The Final Thing On My Mind“ stürzen oder sanft sinnieren wie bei „No Man’s Land“ – alles fügt sich zu einem schier unfassbar ergiebigen und fesselnden Werk zusammen. Die Musiker sind auf der Höhe ihres Schaffens, die Lieder sind kurze Reisen und Geschichten, die mit jedem Kontakt noch vielfältiger werden. Hier findet man kein Lieblingslied, hier kann man sich nicht entscheiden. „Your Wilderness“ ist wie eine Reise mit seinen besten Freunden, wie frisch Verliebtsein, wie ein emotional mitreissender Film – es ist ein perfektes Art-Rock-Album für das 21. Jahrhundert. Und mit der Buch-Edition erhält man sogar noch 40 weitere Minuten Musik zwischen Rock und Ambient!

Anspieltipps:
In Exile, That Shore, The Final Thing On My Mind

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Bruce Soord – Bruce Soord (2015)

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Bruce Soord – Bruce Soord
Label: Kscope, 2015
Format: CD in Digipak
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Pop, Rock

Gewisse Künstler veröffentlichen rastlos Album um Album, zieren sich jedoch lange, ein Solowerk in die Regale zu stellen. So auch Bruce Soord, den die meisten wohl als federführenden Kopf hinter The Pineapple Thief kennen. Nebst vielen Kollaborationen und der Platte mit Jonas Renske gibt es nun endlich sein erstes Album unter dem Namen „Bruce Soord“. Damit entfernt sich der Herr aber aus bekannten Kreisen und zeigt sich von der besonders zerbrechlichen Seite.

Art-Pop mit viel Gefühl, reduziert und alleine wie eine Blume in Schneefeldern. Soord hat seine Metalausbrüche beim letzten Album der Ananasdiebe ausgelebt und will niemandem mehr brutal in den Weg stehen. Ist es denn noch Singer-Songwriter, wenn die Lieder üppig produziert werden und voller Elektronik in tausend Farben schimmern? Wie auch immer, der kleine Bruder des kunstvollen Rock steht Bruce sehr gut. „Buried Here“ schwelgt in melancholischen Akkorden und Arrangements, ohne Effekte aus dem Synth zu vergessen. Der Künstler ist ein begabter Musiker und Songschreiber, dies wird einem auch bei diesem Album bewusst. Er weiss genau wie die Instrumente zu klingen haben und wie man in der Produktion damit umgeht. So wird in „The Odds“ die Beatwirkung aus Schlagzeug und Bass lauter, man hüpft von Strophe zu Strophe. Obwohl die Lieder sanft sind, erreichen sie eine extreme Dichte und Wucht. Mit Tonartwechseln und mehrspurigen Aufbauten steigern sich die Lieder fast unmerklich, genial passiert dies beim abschliessenden „Leaves Leave Me“. Hier will man sich gleichzeitig unter der beschützenden Decke verkriechen und mit offenen Armen durch die Strassen gehen.

Das selbstbenannte Album von Bruce Soord ist somit unscheinbar, aber voller Empathie und Sonnenlicht. Die Lieder sind sympathisch und zierlich, wirken aber nie betrübt. Obwohl sich der Mann nun stark von seinen sonstigen Veröffentlichungen entfernt hat, bleibt er seiner Klangsprache und dem Ausdruck treu. An „Bruce Soord“ werden Progfans wohl weniger den Gefallen finden, umso mehr aber alle Leute mit Interesse an intelligenter Popmusik.

Anspieltipps:
Buried Here, The Odds, Leaves Leave Me

The Pineapple Thief – Live 2014 (2015)

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The Pineapple Thief – Live 2014
Label: Burning Shed, 2015
Format: Download, mit PDF
Links: Discogs, Band
Genre: New Prog, Art-Rock

Prog ist live immer eine etwas andere Geschichte als ab Konserve. Viele Platten aus dem komplexen Genre weisen massig Spuren auf, werden mit Effekten und Technik aufgewertet, und sind mit schwierigen Tonabfolgen vollgestopft. Dies live in gleicher Form nachzuspielen ist oft nicht möglich, und genau hier liegt das Problem. Denn wie oft liebt man ein Lied genau wegen dieser filligranen Bearbeitung oder der kleinen Details, die auf der Bühne nicht reproduziert werden können? The Pineapple Thief kämpfen aus meiner Sicht manchmal mit diesen Problemen, so konnte mich auch das vorliegende Live-Album nicht immer überzeugen.

Die Gruppe aus England kreist mit ihrer Musik um den harten Rock, den New-Prog. Das heisst, viel Gitarre und wenig Grössenwahn. Die Liveaufnahme aus dem De Boederij in Holland, gibt es nun als Download bei Burning Shed zu kaufen und zeigt die Band in guter Form auf der letzten Tour. Unterwegs mit einer Setlist voller Songs der grossartigen Platten „All The Wars“ und „Magnolia“, wissen sie die Perlen herauszupicken und die Hits aufzuführen, sowie auch etwas tiefer in ihrer Vergangenheit zu graben. Obwohl der neuste Abschnitt ihrer Karriere während den 18 Liedern im Fokus liegt, kommen auch ältere Fans auf ihre Kosten. Die Gruppe spielt stark auf und zeigt, dass nicht nur Bruce Soord für den Sound verantwortlich ist. Obwohl der Künstler alle Lieder schreibt, werden sie erst durch die Bandaufführung voll und satt. Womit wir aber wieder beim Problem angelangt sind. Die wilden und lauten Stücke verlieren hier etwas von ihrer Tiefe. Ob es nur an der Aufnahmequalität oder allgemeinen Spielart eines Konzertes der Band liegt, kann ich nicht sagen. The Pineapple Thief konnte ich live noch nie bewundern, bei „Live 2014“ entsteht aber das Gefühl, dass viele kleine Details in den Songs bei einem Auftritt untergehen. Ruhigere Stücke wie „Magnolia“, oder epische Wechselspiele wie „Reaching Out“ verstecken diese Makel. Brechen aber die Gitarren aus, verschwimmt alles hinter einer Wand und klingt etwas unprofessionell. Der Gesang von Bruce Soord kann auch nicht immer überzeugen, stösst er doch schnell an seine Grenzen.

Trotzdem, The Pineapple Thief zeugen auch hier von ihrem Verständnis für Modernität und Fortschritt im Prog. Ihre Lieder packen, lassen die Beine zappeln und nehmen Gefangen. „Live 2014“ ist eine gute Möglichkeit, die Gruppe ausserhalb des Studios zu erleben, besonders wenn man die Band nur ab Platte kennt. Schade, dass das Album nur als Download erhältlich ist, wenigstens kriegt man ein PDF-Booklet mit Liedtexten und Bilder dazu. Dank dem tiefen Preis blickt man auch gerne über die Mängel hinweg. Für mich bleibt der Ananasdieb aber eine Studioband.

Anspieltipps:
Alone At Sea, Magnolia, Reaching Out

The Pineapple Thief – All The Wars (2012)

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The Pineapple Thief – All The Wars
Label: KScope, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock, Art-Rock

Am Schluss steht das Epos. „Reaching Out“ fügt endlich alle alten Teile und neuen Elemente von The Pineapple Thief zu einem fast zehn Minuten dauernden Ritt durch den New-Prog. „I Adore You“, sanft aber bedrohlich startet das Lied. Unter der Oberfläche brodelt es und nach knappen vier Minuten wird aus dem Popsong plötzlich eine stille Suite, die genüsslich den Hörer auf die Folter spannt, den Refrain mit Geigen und viel Emotion wiederholt, das Orchester immer mehr einbindet und dich plötzlich anspringt und mit einem harten Takt und Chorgesang zum Höhepunkt steuert. Einen solch guten Aufbau fand man bis zu dieser Stelle an keinem Punkt des Albums, und der Schlusspunkt ist grandios gesetzt. The Pineapple Thief erreichen einen neuen Level.

Obwohl – das Spiel mit den Harmonien, die Wechselwirkung von leisen Stellen mit Keyboard und Geige gegen die Ausbrüche mit voller Band im Bereich des Art-Rock und Prog, das beherrscht die Band wahrlich grossartig. Bruce Soord steht als Bandleader nicht nur am Mikrofon, sondern schreibt auch alle Songs der Ananasdiebe. Mit „All The Wars“ führt er dabei die harte und Stakkatogitarre ein, die Riffs kräftig anspielt, aber sogleich auch wieder verstummen lässt. Dieses Element zieht sich durch fast alle Songs, weiss aber genügend variiert zu werden, um nicht zu langweilen. „Burning Pieces“ steht damit am Anfang auch gleich als erstes Highlight. Unglaublich gross wird es meiner Meinung nach dann mit „Last Man Standing“. Eine wabernde Gitarre und der tolle Gesang von Soord leiten das Thema ein, der Refrain wird sanft dargeboten und mit Keyboards untermalt – „Why Did You Leave Me Standing?“ Doch die Verwunderung wird Wut, die Gitarre drücken hart an die Magenwand und wollen Antworten. Der freche Umgang mit Pausen und der Stille verleit dem Song eine unglaubliche Dynamik, so dass der eigentliche Ausbruch brutaler klingt als er eigentlich ist. Dass danach mit dem Titellied bedächtige 3 Minuten folgen, ist komplett richtig und gibt der Dramaturgie des Albums noch mehr Kraft.

„All The Wars“ wird wohl nicht jedem Begünstiger der Band gefallen, weiss aber Einflüsse wie Porcupine Tree oder Muse gut in den Stil der Band einfliessen zu lassen. Das Album ist mit seinen eher an Rocksongs orientierten Stücken knackig und wuchtig. Obwohl es seine Zeit braucht und sich erst nach und nach erschliesst, gefällt mir das Album nun unglaublich gut. Es macht Spass die Songs zu hören, man kriegt Lust Luftgitarre zu spielen und geniesst den New-Prog der zeigt, dass es nicht immer unzählige Tempiwechsel braucht, um spannend zu bleiben. The Pineapple Thief befinden sich auf dem richtigen Weg.

Anspieltipps:
Last Man Standing, All The Wars, Reaching Out

Das dazu passende Getränk:
Ananassaft, gestohlen, nicht gekauft.

Die besten Alben 2014

Weihnachtszeit ist Listenzeit. Schon als Kind schrib man in süsser Krackelschrift ein Zettel mit all diesen tollen Spielsachen voll, in der Hoffnung, zumindest die Hälfte davon unter dem Baum vorzufinden. Nachdem man diese beschützte Zeit hinter sich gelassen hat, kauft man sich Lego und Playmobil nun einfach selber – schliesslich arbeitet man ja nicht ohne Grund. Aber ohne Listen will ich weiterhin nicht auskommen, gerade als Ordnungsmensch. Naheliegend und für diesen Blog interessant: Die 10 besten Alben 2014, die besten Konzerte, die besten Songs, die besten Musikvideos, die besten Filme. Es gibt viel zu ordnen, aufzuschreiben und zu bewerten, gerne geschieht dies auch unter Freunden zu einem gesunden Glas Hopfensaft.

2014 war musikalisch gesehen ein gutes Jahr, viele Veröffentlichungen waren von hoher Qualität und lohnten sich gegen Goldmünzen in die Wohnung zu schleppen. Was allerdings fehlte, war ein Ausreisser. Keine Platte überstrahlte alle anderen, keine Band erschuf ein Meisterwerk für alle Zeiten. Somit hatte ich echt Probleme, eine Top Ten zu erstellen und die richtige Reihenfolge zu eruieren. Wie immer gilt hier natürlich: Die Wertungen sind komplett subjektiv und werden von keinem zweiten Menschen so gesehen. Sehr wahrscheinlich habe ich auch genau die Platte verpasst, die euch am besten gefällt. Hier seid ihr gefragt, schreibt und diskutiert mit. Denn wie gesagt, 2014 hat so einiges Bermerkenswertes auf die Plattenteller serviert.

Top 10-2014_MBohli

Gewonnen hat dieses Jahr:
Anathema – Distant Satellites
Die wunderschön traurige Mischung aus Art-Rock, sphärischen Klängen und Melancholie blieb bei mir am stärksten haften. Das Songwriting der Band wird auf dieser Platte perfektioniert und führt den Weg der Vorgänger konsequent weiter. Mit neuen Ideen, wie der stärkeren Einbringung von elektronischen Beats, und Besinnung auf alte Tugenden, ist ein träumerisches Werk voller Sehnsucht, Liebe und Leben entstanden.

Auf dem zweiten Platz hat sich in letzter Sekunde noch ein unbekanntes Gesicht eingeschlichen. Das unbetitelte Debüt von Antemasque ist ein spassiges Kind von zwei bekannten Musikern: Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler spielen nach „At The Drive-In“ und „The Mars Volta“ wieder zusammen. Songs voller Freude, auf einem festen Fundament voller Gitarren und Gesang.

Die Bronzemedaille holen sich Archive mit ihrem Film-Musik Projekt Axiom. Ihr Konzeptwerk der monochromen Ambient-Electronica funktioniert sowohl mit den utopischen Bildern, als auch ohne. Grandioser Aufbau, wundervolle Wände. Zum träumen und fürchten.

Zu allen weiteren Alben in der Bestenliste finden sich die Reviews ebenfalls auf diesem Blog, gesammelt im Review-Index. Viel Spass beim nachlesen, nachhören und beurteilen. Dass fast alle Cover vor allem Schwarz in den Vordergrund stellen, sagt übrigens nichts über mein Jahr aus. 😉

Und hier noch mehr tolle Musik, die es aber knapp nicht auf das obere Bild geschafft hat. Auch hier gilt: Alle Platten wurden auf diesem Blog vorgestellt und besprochen.
Das beste Werk aus der Schweiz war für mich die EP von Moscow Mule.

Weitere Alben-2014_Mbohli

The Pineapple Thief – Magnolia (2014)

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The Pineapple Thief – Magnolia
Label: KScope, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Prog, New Artrock

Stehen wir an der Schwelle zum neuen Prog Zeitalter? Nachdem diese Musikart in den Siebzigern zu der vorherrschenden Richtung wurde, stürzte sie auch gleich so schnell wieder in die Versenkung. Durch den New-Artrock und Neoprog wiederbelebt erfreut sich Prog seit den Nullerjahre einer wachsenden Fangemeinschaft welche nun in eine weitere Phase eintritt. Bands wie Porcupine Tree oder Muse habe einem grossen Publikum aufgezeigt, das Prog nicht nur für Nerds und Althippies ist, sondern alles bedeuten kann was man will. The Pineapple Thief stehen nun an der Spitze einer neuen solchen Gruppe und bringen frischen Wind in das Genre.

Denn obwohl die Band – oder besser gesagt Bruce Soord und seine Mitmusiker – schon seit einigen Alben dabei sind, starten sie erst jetzt richtig durch. Der Vorgänger „All The Wars“ gab die Marschrichtung vor: eingängige und knackige Songs mit guten Riffs und spannenden Harmonien. Das grossartige Werk „Magnolia“ führt dies nun konsequent weiter. Soord hat seine Musik weiter komprimiert (was hier aber nichts mit Kompromiss zu tun hat) und heraus gekommen sind zwölf Lieder unter fünf Minuten, kein epischer Longtrack, kein unnötiges Gewurstel. Dabei blieben die typischen Ananasdieb-Merkmale erhalten, wie die stakkatoartigen Gitarren und der melodische Gesang von Soord. Wie gut es der Musik aber getan hat zusammengestrichen zu werden zeigt sich gleich beim Eröffnungslied: Harte Gitarren, tolle Drums, sanfter Zwischenteil und wuchtiges Finale. Oder beim Titelsong der wie ein Popsong startet und mit dem leisen Gesang beeindruckt. Dann der verhaltene Refrain mit verzerrten Stimmen und wunderbar hallenden Akkorden. Und gegen Ende des Albums werden in „Sense Of Fear“ nicht nur Muse sondern auch Porcupine Tree zitiert aber ohne zu kopieren. Grandios!

Dabei vergisst Soord nie das Herz und Gefühl in den Songs, lässt die Lieder von Streicher und tollen Synthies begleiten, verbindet Harmoniebögen und rockt dann hart davon. Mit Magnolia ist die Band nun ein grosser Schritt weiter gekommen und hat das Potential dazu, als Speerspitze einer neuen Proggeneration dazustehen und die Musik ideenreich in die Zukunft zu führen. Gerne laufe ich mit.

Anspieltipps:
Simple As That, Magnolia, Sense Of Fear