The National

The National – Sleep Well Beast (2017)

Band: The National
Album: Sleep Well Beast
Genre: Indie / Alternative Rock

Label/Vertrieb: 4AD
VÖ: 8. September 2017
Webseite: americanmary.com

Kurzer Zweifel und Verdacht auf Langeweile – diesen Eindruck und Moment gab es wohl bereits bei jedem Album von The National. Auch beim siebten Studiowerk „Sleep Well Beast“ überlegte ich mir beim ersten Durchgang kurz, ob diese Band ihren Status unter Kritikern und Fans wirklich verdient hat. „Nobody Else Will Be There“ startet nämlich extrem zaghaft und viele Melodien und Songs wollen sich zuerst nicht wirklich voneinander abheben. Aber dann plötzlich wird der Schalter umgelegt, bei jedem Lied schält sich eine weitere Komponente heraus und die Band zieht mit ihren unaufdringlichen, aber immer formvollendeten Liedern in ihren Bann.

Laut und wild werden The National auch auf dieser Platte sehr selten, so gibt es ein songtragendes Riff bei „Day I Die“ oder herrliches Chaos und den extrovertierten Refrain bei „Turtleneck“, die Amerikaner lassen ihren Alternative Rock aber lieber nachdenklich auftreten. Doch diese Ernsthaftigkeit passt perfekt zur Band und ihrem Album, wenn auch böse Zungen behaupten, hier handle es sich um Musik von Männern in ihrer Lebenskrise. Unerträglich und bemitleidenswert ist hier aber kein Song, „I’ll Still Destroy You“ oder „Walk It Back“ spielen viel eher mit tollen Ideen und deren hübschem Schmuck – allen voran das vielseitige Schlagzeugspiel von Bryan Devendorf.

Seit 1999 sind The National auf der ganzen Welt unterwegs und haben mit jedem Album mehr Freunde gefunden – das sollte sich auch mit „Sleep Well Beast“ nicht ändern. Mit der Zeit wachsen einem die Stücke wunderbar ans Herz und man verbringt wieder gerne viel Zeit mit Frontmann Matt Berninger und seinen Leuten. Denn bei diesem Indie-Rock klingen sogar Drohungen wie Freundschaftsanfragen und die Streicher schaffen es nie, die Songs mit zu viel Zucker zu überziehen. Durchdacht und erwachsen, und zum Glück ohne Anzugspflicht.

Anspieltipps:
Day I Die, Turtleneck, I’ll Still Destroy You

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.