Sucker Punch

10 perfekte Momente von Songs in Filmen

Wieder einmal ein neues Thema einer Blogroll, das mich auch im musikalischen Bereich tangiert. FriedlVonGrimm war so freundlich, mir das Thema der perfekte Momente von Liedern in Filmen aufzubrummen. Lange habe ich nun gebraucht, um genügend Beispiele zusammen zu tragen. Perfekte Momente von Liedern in Filmen, ein Thema, das für mich schwierig zu erfassen ist. Meist schaue ich mir Filme nur ein bis zwei Mal an, selten bleiben da solche Szene im Langzeitgedächtiniss. Trotzdem gibt es ein paar Bild-Ton Kombinationen, die mich begeistern.
Reihenfolge zufällig und ohne Rangliste.


Sunshine // „Mercury“ von Underworld & John Murphy
Ok, eigentlich ist es kein Song, sondern ein Lied vom Soundtrack selber, darum gilt es nur als 10.5. Doch die Verbindung der wunderbaren und andächtigen Bilder und der emotional gespielten Gitarre, ist und bleibt für mich einer der wundervollsten Momente in diesem grandiosen Film von Danny Boyle. Berührend und schön.


Back To The Future // „Power Of Love“ von Huey Lewis And The News
Über den Film muss ich hoffentlich keine Worte verlieren, zählt er doch weiterhin zu den allerbesten und schönsten Abenteuer, die mal vor der heimischen Glotze erleben darf. Einen grossen Anteil am Feel-Good Gefühl trägt der Soundtrack, dominiert von Huey Lewis And The News. Ihr Lied „Power Of Love“ ist nicht nur Teil der Szene, sondern definiert die Musik über weite Strecken des Films.


Watchmen // „99 Luftballons“ von Nena
Der Streifen ist in meinen Augen ein grossartiges Stück Comicverfilmung, wenn auch nicht ohne Überlänge. Nebst den beeindruckenden Bildern und der passend adaptierten Geschichte, bleiben vor allem die interessant eingeflochtenen Lieder hängen. So auch das Anti-Atomkrieg Lied von Nena, leider nur angespielt aber trotzdem einbrennend.


Southland Tales // „Memory Gospel“ von Moby
„Southland Tales“ ist ein überfrachtetes und wirres Abenteuer voller Szenen mit doppeltem Boden. So laut und überdreht der Film meist ist, so ruhig und sanft wird er am Schluss. Genial unterlegt mit einer B-Seite von Moby, tanzend in den Weltuntergang.


Donnie Darko // „Mad World“ von Gary Jules
Auch der Kultfilm über Zeitreisen, Familie und böse Hasen platzt fast vor Song-Szenen. Extrem mitreissend und tieftraurig ist aber der Schluss mit „Mad World“, hier in der Version von Gary Jules. Ich könnte jedes Mal weinen.


The Boat That Rocked // „A Whiter Shade Of Pale“ von Procol Harum
Wenn ein Film über die Musik funktioniert und wahrgenommen wird, dann „The Boat That Rocked“. Die Geschichte über die Piratenradiostation in England enthält so viele Klassiker aus den 60er, dass man sich fast nicht entscheiden kann, welche Szene nun die beste ist. Wirklich unter die Haut geht aber der Moment, in dem das Schiff sinkt, und alles verloren scheint. Und mit welch anderem Lied sollte man seinen Untergang sonst begleiten?


Children Of Men // „Court Of The Crimson King“ von King Crimson
King Crimson geben ihre Musik selten für Samples oder Filme frei, umso beeindruckender darum der Moment in „Children Of Men“. Die dystopische Geschichte passt zum Fanfarengeblase und hoch auftrumpfenden Lied des scharlachroten Königs. Und wer entdeckt den perfekten Pink Floyd Moment?


Sucker Punch // „Sweet Dreams (Are Made Of These)“ von Emily Browning
Man hasst den Film, oder liebt ihn. Ich liebe das Werk von Zack Snyder für all seinen Wahnsinn und Übertriebenheit, und die grossartigen Cover von bekannten Liedern. So startet der Film auch gleich wie ein Musikvideo, und Hauptdarstellerin Emily Browning singt sich durch den Klassiker von Eurythmics.


Iron Man 3 // „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65
Auch wenn dieser Hit aus den 90er nur kurz angespielt wird, er passt wie die Faust aufs Auge. Text, Stimmung, Aufbau, alles fügt sich wohlwollend in das bisher verrückteste Intro eines Marvel-Filmes. Tony wusste schon 1999 wie man feiert, und schliesslich war das Lied in der Schweiz damals auch wirklich ein Hit.


Into The Wild // „Big Hard Sun“ von Eddie Vedder
Was hatte mich der Film beschäftigt und geprägt, die Romantik des Entsagen, der Einsamkeit und Abenteuerlust. Und natürlich der umwerfende Soundtrack von Eddie Vedder. Mit dem Cover von „Big Hard Sun“ erreicht der Film einen frühen Höhepunkt und geht sofort tief unter die Haut. Eddie singt wie kein zweiter, egal ob Solo oder mit Band.


Spring Breakers // „Everytime“ von James Franco / Britney Spears
Der bunte und grelle Film über die heutige ausufernde Zustände der Selbstwahrnehmung und des Realitätsverlust bietet viel elektronische Partymusik, und eine erstaunlich introvertierte Szene. „Everytime“ von der jungen Britney Spears untermalt stumme Bilder voller Gewalt und Wahnsinn. Das Genie von Harmoni Korine zeigt sich hier endlich.

Nominieren darf sich jeder selber, ich bin sowieso wieder viel zu spät für diese Blogroll.

Top 10 Soundtracks

Na da habe ich den Salat. Sobald man stärker in den Blogkreisen verkehrt, wird man nominiert und genötigt, Listen zu erstellen. Danke hierbei an FriedlvonGrimm, ich werde mich noch revanchieren. Zuerst aber musste erschreckend feststellen, dass ich sehr selten und eher ungern Filmmusik höre. Klar, ich liebe Kino und die Symbiose von Musik und Bild. Aber eben, ohne Bilder empfinde ich den Soundtrack dann oft als zu fad oder wirkungslos. Trotzdem finden sich in meiner Sammlung einige Alben, die ich auch ohne dazugehörige Filmrolle nicht mehr missen möchte.

Was hierbei sicherlich auffällt, es tummeln sich wenig Klassiker darunter. Denn gerade die sinfonische Orchestermusik mag ich ohne die Bilder weniger. Bietet aber ein Film aufregende Elemente in der Musik (sei dies elektronische Einflüsse, tolle Lieder oder ähnliches), dann steht er bei mir meist hoch im Kurs. Gern gehört werden bei mir auch Songsammlungen mit viel Stil, aber lest selber. Viel Spass beim wundern und kopfschütteln.

Top Ten Soundtracks_MBohli

11. Passengers – Original Soundtracks Vol. 1
Eigentlich ein Kandidat für den ersten Platz, disqualifiziert sich das Album von den Passengers aber gleich selber. Denn die Musik wurde zu imaginären Filmen geschrieben, die sich die Musiker während den Sessions ausmalten. Die dabei entstandenen Songs sprühen förmlich vor Kreativität und Abenteuerlust. Klänge werden bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, Gesang experimentell eingesetzt. Synths und Keyboards erhalten viel Gewicht und unterstützen den grandiosen Aufbau der drei ersten Songs. Und dann wird klar: Hinter all dieser Musik verbergen sich U2 und Brian Eno! Wagen die Iren heute leider keine solchen Ausflüge in die Kunst mehr, erlebte immerhin „Your Blue Room“ eine wunderschöne Wiedergeburt auf der letzten Tour.

10. V.A. – Jackie Brown
Eigentlich könnte hier jeder Film von Tarantino in der Liste stehen, jedenfalls alle klassischen. Aber nur Jackie Brown hat es geschafft, mich für eine neue Musikrichtung zu begeistern. Wenn ein OST mit „Across 110th Street“ von Bobby Womack beginnt, kann er nur perfekt sein. Denn gibt es ein besseres Lied im Bereich Soul? Meiner Meinung nach nicht, und auch „Didn’t I (Blow Your Mind This Time)“ und „Street Life“ machen einfach Laune. Eingebettet zwischen Dialogzeilen und Raritäten aus den 70ern, bietet die Musik zum unterbewerteten Jackie Brown vor allem eines: Klasse.

9. Pink Floyd – The Wall
Ist das nun ein Soundtrack oder ist der Film ein Begleitwerk zur Musik; oder beides zusammen und doch anders? Wie auch immer, Pink Floyd haben mit „The Wall“ eine verstörende Geschichte vorgelegt, die als Album und Film funktioniert. Wirklich erst gezündet hat alles aber damals, als ich Roger Water’s The Wall live bestaunen durfte. Plötzlich machte es klick und die Lieder ergaben mehr Sinn und Tiefe. Sicherlich, den Film kannte ich auch schon zuvor, aber seit diesen Konzerten bin ich erst von „The Wall“ (die Musik) überzeugt.

8. Rick Smith & V.A. – Trance
Egal was es ist, sobald einer der beiden Herren von Underworld etwas Neues veröffentlicht, kaufe ich es blind. Soweit geht meine Liebe zu diesem Elektro-Duo aus England, und dabei mache ich auch vor Filmmusik nicht Halt – besonders, wenn der Soundtrack zu einem Film von Danny Boyle gehört, einer meiner liebsten Regisseure. Rick Smith hat für „Trance“ ein flirrendes, stampfendes und immerzu vorwärts treibendes Gefährt erschaffen, dass nicht nur den Mindfuck aushaltbar macht, sondern das Gehör beglückt. Und in der Mitte brechen plötzlich UNKLE durch den Boden und geben der Musik noch die Goldbeschichtung, wenn man nicht schon dank Emeli Sandé im Himmel schwebt.

7. Cliff Martinez & V.A. – Drive
„Drive“ von Nicolas Winding Refn ist ein Meisterwerk in Sachen Stil und Wirkung, immer unterkühlt und gnadenlos in seiner Inszenierung. Musikalisch bedient sich der Film in der Retro-80er Bewegung und lässt vor allem eines erklingen: Synths und Drums mit viel Hall. Das passt wie die Faust aufs Auge und gibt dem Film die letzte Coolness. Cliff Martinez ergänzt die Lieder mit pochender Elektronik und entspanntem Ambient.

6. V.A. – Sucker Punch
Ich gebe es zu, dieser Film führt meist zu Kopfschütteln und Unverständnis, aber ich finde Sucker Punch mit all seinen sexy Darstellerinnen, abgedrehten Welten und visuellen Ergüssen toll. Und wenn ein solcher Streifen schon wie ein Musikvideo beginnt – und dazu die Hauptdarstellerin Emily Browning eine grossartig düstere Coverversion von „Sweet Dreams (Are Made Of These)“ anstimmt – dann bin ich im Boot. Ein Remix von Björks „Army Of Me“, Emiliana Torrini singt ein Jefferson Airplane Cover von „White Rabbit“ und Emily bezirzt weiter mit „Where Is My Mind“. Hammergeil, Revue-Nummer am Schluss inklusive.

5. V.A. – The Boat That Rocked
Mein liebster Gute-Laune-Film spielt in den Sechzigern und handelt von den Piraten-Radiostationen. Woraus der Soundtrack besteht, sollte ja eigentlich auf der Hand liegen: Unzählige, perfekte und bis heute gern gehörte Klassiker aus Pop und Rock. „Elenore“, „Judy In Diguise“, „Crimson And Clover“, „My Generation“, „A Whiter Shade Of Pale“, „Let’s Dance“ und und und.

4. V.A. – I’m Not There
Bob Dylan ist eine faszinierende Persönlichkeit – dies spiegelt sich auch in der Unfassbarkeit seiner Musik wieder. Filmisch versuchte man ihm schon mehrmals auf die Schliche zu kommen, aber nur „I’m Not There“ aus dem Jahre 2007 hat dies aus meiner Sicht geschafft. Genau damit, dass Dylan nie vorkommt und er nie klar definiert wird. Seine Musik wird von einer ewig langen Liste wunderbarer Musiker und Bands interpretiert und neu erschaffen. Man muss es gehört haben, um es zu glauben.

3. Trent Reznor & Atticus Ross – The Social Network
Trent, NIN, Oscar, Ambient, Sternstunde. So einfach lässt sich die Musik zum Facebookfilm von David Fincher zusammenfassen. Trent Reznor, der Frontmann von Nine Inch Nails, und der Produzent Atticus Ross haben hier eine prämierte Zusammenarbeit veröffentlicht, die Ambient, Electronica und düstere Klangwelten mischt. Das passt nicht nur super zu den distanzierten Bildern, sondern legte auch den Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Seither haben die beiden Herren die Filmmusik zu „The Girl With The Dragon Tattoo“ und „Gone Girl“ geschrieben und dabei das Niveau konstant hoch gehalten. So gut wie hier wurden sie aber nicht mehr.

2. Underworld & John Murphy – Sunshine
Wie oben schon geschrieben, sind Underworld für mich eine der besten Bands auf dieser Erde. Ihre Kollaboration mit John Murphy führte zu einer kompositorischen Meisterleistung. Die Musik für „Sunshine“ von Danny Boyle versteht es nicht nur, kongenial die Bilder zu verstärken und zu untermalen, sondern funktioniert als komplett eigene Ebene und Erzählweise. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Gefühl und Liebe in den kurzen Stücken steckt. Und wenn dann Merkur zu den verzerrt gezupften Gitarrenklänge auftaucht, dann liebe ich denn Film noch tausend Mal mehr.

1. Peter Gabriel – Passion (Music for The Last Temptation of Christ)
Etwas absurd, aber der erste Platz belegt bei mir eine Filmmusik, deren dazugehörigen Streifen ich nie gesehen habe. Aber als Fan von Peter Gabriel musste ich mir alles in seiner Diskografie zulegen, darunter auch diesen Soundtrack zum kontroversen Film von Martin Scorsese. Und an der Musik ist einfach alles wunderbar: Die druckvolle Perkussion, der östliche Einfluss der Musik, die Duduk, die typischen gabrielesken Lautgesänge, das Gefühl durch Sand zu gehen, und die Bedrohlichkeit, die sich gegen Ende in Hoffnung und Liebe auflöst. Ein Meisterwerk seiner Karriere, ganz ohne Gesang. Spannend, dass ich nun so viele Dinge mit dieser Musik verbinde, dass ich fast Angst habe, denn Film anzuschauen. Zerstört es mir diese Erinnerungen?

Weitere Soundtracks von Peter Gabriel: Birdy, OVO, Long Walk Home

Was war der erste Soundtrack, der dich vollends begeistert hat?
Als junger Knabe war ich ein totaler Star Wars Fan, alles über die alte Trilogie habe ich verschlungen. Somit war auch die Filmmusik – besonders von Episode 6 – eine Reise in eine neue Welt. Dank der Doppel-CD zur Special Edition lerne ich auch Kuriositäten wie „Jedi Rocks“ oder die doch sehr kitschige Endzermonie lieben. John Williams war damals allgemein hoch im Kurs bei mir, auch dank einer Compilation mit vielen Theme Songs. Heute höre ich diese Musik interessanterweise gar nicht mehr.

Mit welchem Soundtrack bist du im Nachhinein auf die Nase gefallen, weil er doch nicht mehr so toll wirkte, wie noch im Film?
Hier gibt es viele Kandidaten, eine grosse Enttäuschung war aber „Tron: Legacy“ von Daft Punk. Im Film funktioniert die Mischung aus Orchester und Techno sehr gut, gerade weil die Musik es versteht, die grossartigen Bildern episch zu untermalen. Wenn man zu „The Grid“ durch die Stadt gleitet, oder zu „End Of Line“ den futuristischen Club betritt, ist das geil. Ohne Bilder aber irgendwie fahl und lasch. Die Musik plätschert vor sich hin und man fragt sich, wieso Daft Punk nicht mehr gewagt haben. Schade, denn das kurz danach erschienene Remix-Album macht vieles besser, mit wenig Mehraufwand.

Welchen Soundtrack hast du dir als letztes angehört/durchgehört?
Faszinierend fand ich die Musik in Birdman. Der komplette Soundtrack besteht nur aus einem virtuos gespielten Jazz-Schlagzeug und verbindet die endlosen Kamerafahrten mit wilder Musik und Polyrhythmik. Wenn dann plötzlich der Schlagzeuger sogar selber im Film auftaucht und die handelnden Figuren mit ihm interagieren, fügt sich dies dank der Meta-Ebene wunderbar in das verspielte Drehbuch ein. Grossartig anders, künstlerisch gewagt.
Zuletzt gekauft habe ich mir Gone Girl und Interstellar, dazu sind hier auf dem Blog die Kritiken zu finden. Beide empfand ich auf ihre eigene Art und Weise bewegend und mitreissend.

Weitermachen darf:
Autopict, Call Me Appetite, andiau