stoner rock

Muerte Espiral – Invocación (2017)

Hinab werden wir gesogen, in die Dunkelheit und den Tod, umgeben von tief brummenden Saiten und erbarmungsloser Rhythmik. Es gibt kein Aufprall, es gibt keine Erlösung – hier sind wir im steten Fall gefangen und müssen Leid wie Druck ertragen. Aber wer diesen Zustand so packend ausformuliert wie das Trio Muerte Espiral, dem folgen wir gerne in die pechschwarze Unendlichkeit. „Invocación“ (Bitte an eine höhere Person) begegnet uns nämlich nicht nur mit einer zähnefletschenden Fledermaus, sondern brachialem Stoner- und Doom-Rock.

Anfang 2017 vom chilenischen Gitarristen Jurel Sónico und der Zeal & Ardor-Bassistin Mia Moustache aus Basel gegründet, ist Muerte Espiral nicht nur ein frisches Kind im Umfeld der harten Rock-Musik, sondern auch eine Ursuppe an Talent und Spielfreude. Mit ihrer eigens aufgenommenen EP darf man noch einen sehr rauen Augenblick im Banddasein erleben und findet zwischen kratzenden Tonspuren, tief gestimmten Saiten und rauschenden Soundwänden herrliche Lieder wie „Mantenlo Real“ oder „Mámba Negra“. Virtuose Gitarrensolos laden den Grunge in zerfetzten Klamotten ein, Geschrei und Wut den Metal.

Man spürt schnell, dass bei Muerte Espiral nicht nur eine weitere Kombo der wilden Musik entstanden ist, sondern ein Projekt voller Leidenschaft und Lust. Ob einzelne Riffs nun psychedelisch nachhallen oder der Gesang wie bei Alice In Chains geschichtet wird (siehe „Cráneo“), „Invocación“ macht immer viel Spass und schon jetzt grosse Vorfreude auf das kommende Album. Die Scheibe soll in wenigen Wochen beim Basler Label Czar Of Crickets erscheinen und bestimmt in mancher Wohnung für schepperndes Mobiliar sorgen.

Anspieltipps:
Mamba Negra, Mantenlo Real, Zahori

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Fog Town Fest II, Schützi Olten, 17-12-08

Fog Town Fest II
Bands: 1000 Mods / Greenleaf / The Atomic Bitchwax / Steak / No Mute
Freitag 08. Dezember 2017
Schützi, Olten

Es dauerte nicht lange, und aus dem erstaunlich zurückhaltenden Nebel wurden grosse, schwere Flocken. Doch dies trübte weder die Stimmung, noch wurde es wirklich bemerkt – denn in der Schützi in Olten tobte ein wildes Fest, angetrieben durch heftigen Rock. Freunde von überall her und Bands aus aller Welt sorgten dafür, dass man den Winter- und Weihnachtsstress für einen Abend komplett vergass und es allen wieder einmal bewusst wurde: Die Macht der Gitarre wird nie versiegen. Das zweite Fog Town Fest holte sich die Stadt im Bahnzentrum im Sturm.

Auch klar, dass No Mute die Ehre galt, diesen Abend voller langer Haare und dunkler Klamotten zu eröffnen. Die Hard Rock-Gruppe aus Olten ist ein altbekannter Gast und bewies erneut, dass sie auch am frühen Abend bereits für gute Stimmung und lauten Jubel sorgen kann. Mit starkem Drumming und tollen Riffs floss somit schnell mehr als als ein Feierabendbier und die Verzerrungen der Verstärker füllten den Raum. Auch wenn ihre Lieder weniger Preise in Innovation gewinnen, war es doch der perfekte Einstieg in dieses Fest.

Das Steak wurde heiss und blutig serviert – fast noch roh. Die vier Herren aus London präsentierten fadengeraden Stoner ohne Schnickschnack – ein Hoch auf den die Erfindung des Drop-D-Tunings – tief und wummrig. Sie prügelten los und heizten der Schützi so richtig ein, die Köpfe des Publikums wippten im Gleichtakt. Das erste Bier wurde verschüttet, kein Stein blieb auf dem anderen und das Fest nahm Fahrt auf. Dieser harte und schnörkellose Sound war zu diesem Zeitpunkt des Abends genau richtig. Vielleicht etwas gar kritisch, und wahrscheinlich auch ihrem Setup mit nur einer Gitarre geschuldet: Ich hätte mir etwas mehr Überraschungen in ihren Songs gewünscht. Feinheiten, Harmonien, ein wenig mehr der Abdrifterei. Dass die Jungs dies durchaus können, zeigen sie auf ihren Platten. Trotz alldem: Das Steak hat sehr gut geschmeckt!

Wer sich einen Namen wie The Atomic Bitchwax zulegt, der schürt zu Recht die Erwartungen. Angereist aus Amerika sorgte das Trio dafür, dass Stoner Rock neu erfunden wurde. Mit weniger Musikern als die vorangegangenen Bands, aber dafür extremen Geschwindigkeiten, perfekter Härte und sogar zweistimmigem Gesang mischten die Künstler eine gehörige Portion Retro-Gefühl in die Instrumente. Irgendwo zwischen verschwitzten Haaren, herumgetragenen Konzertbesuchern und heftig vibrierenden Lautsprechern landete die Gruppe punktgenau mit Liedern von ihrem neuen Album „Force Field“. Unglaublich wie energetisch diese Mannen auch 25 Jahre nach ihrer Gründung noch unterwegs sind.

Vom ersten Takt weg zündete bei Greenleaf der Funke und sprang von der Bühne direkt ins in der Zwischenzeit schon gut angeheiterte Publikum. Nur schon die Band zu sehen, ihr Auftreten, ihre Freude auf der Bühne und ihr Lachen unterschied die vier Bären aus Schweden von dem sonst dem Musikstil des Abends geschuldeten eher grimmigen und düsteren Auftreten der anderen Bands. Damit gewannen sie definitiv den Sympathiepreis. Obwohl die Songs von Greenleaf stark vom Stoner Rock beeinflusst sind, stellte ihre Musik an diesem Fest etwas eigenständiges und weniger plakatives in diesem Genre dar. Ihr fuzziger Sound war in Feinheiten abgestimmt, detailliert, verspielt, ausschweifend, mit metallischen, progressiven und bluesigen Einflüssen, ohne an Wucht und Härte zu verlieren. Genau in der richtigen Dosis!

Was konnte nach all diesen Highlights noch folgen? Wie wäre es denn mit einer Stoner-Truppe aus Griechenland? 1000Mods beglücken die Welt seit etwas mehr als zehn Jahren mit ihrem schweren und voluminösen Rock, der sich auch in der Psychedelica gewisse Zutaten geklaut hat. Und somit sorgten sie auch in der Schützi für glückliche Gesichter, wilde Tanzeinlagen und viele Crowdsurfer. Gleich mit zwei Gitarren wurden die Licks und Riffs zu monstermässigen Wänden, die Lieder zu unberechenbaren Elementen und das Konzert zu einem hitzigen Ereignis. Das betörte nicht nur die „Desert Side Of Your Mind“, sondern war der verdient fulminante Schlusspunkt zu diesem grandiosen zweiten Fog Town Fest.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Hook, Line And Sinker – Chainsaw Backstab (2017)

Ihr wollt Lärm? Dann holt euch bloss nicht zu viele Musiker auf einmal ins Haus, denn bereits ein Duo kann euch die Bausubstanz so zerlegen, dass eine leichte Renovation bei weitem nicht mehr ausreicht. Bestes Beispiel ist hierzu die erste EP von Hook, Line And Sinker – denn auf „Chainsaw Backstab“ werden gleich die lautesten und wirkungsvollsten Tugenden des Stoner Rock ausgepackt und mit einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit versehen. Das Wunderbare dabei, es sind nur zwei Leute und die stammen aus Fribourg.

Die Devise bei Hook, Line And Sinker ist: Anlage laut aufdrehen und vergessen, dass Instrumente wie die Gitarre überhaupt existieren. Denn was die zwei Mannen aus dem Umfeld von Düdingen und Litzisdorf abliefern, das knallt euch auch mit reinem Schlagzeug- und Bass-Gewitter alle Scheiben aus der Fassade. Lasst euch mit „Black Heart“ bloss nicht vorgaukeln, diese erste EP sei genügsam. Denn schnell werden tiefe Riffs und Perkussionskasakden zur Tagesordnung.

Wer ein Song wie „Heavy Bullets“ übersteht, der stand auch schon einmal an einer berüchtigten Strassenecke einer gefährlichen Stadt – inmitten einer Schiesserei zwischen zwei Gangs. Da hilft es auch nicht, dass sich Hook, Line And Sinker bei gewissen Tracks kurz halten. Vielmehr regieren auf dieser Scheibe die grummelnden Licks und erbarmungslosen Klangüberfälle. Und genau diese Musik macht doch dann extrem Spass, wenn alles im Leben falsch abgebogen ist. Denn trotz Lärm, Halt gibt es hier immer.

Anspieltipps:
Black Heart, Heavy Bullets, Pray For Rain

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Giant Sleep – Move A Mountain (2017)

Giant Sleep – Move A Mountain
Label: Eucalypdisc, 2017
Format: Download
Links: Bandcamp, Band
Genre: Prog, Stoner Rock, Post-Rock

Merkwürdig, die Alpen stehen doch gar nicht zwischen Südwest-Deutschland und der Nordwest-Schweiz, trotzdem erwartet einem bei der Musik von Giant Sleep eine wahre Kette an Bergen zum erklimmen. Die fünf Herren stellen uns aber nicht nur Steigeisen zur Verfügung, sie zeigen mit ihrem zweiten Album „Move A Mountain“ auch gleich, dass solche Felsen nicht nur beweglich sind, sondern man diese auch nach eigenem Gutdünken formen kann. Schliesslich geschieht dies hier auch mit den Stilrichtungen – und etwas völlig eigenes und fesselndes entsteht.

Bereits bei „12 Monkeys“ ist schnell klar, Giant Sleep sind keine übergrosse Eintagsfliege – viel mehr ist ihr innovatives Gebräu aus hartem Stoner Rock, den wechselnden Ideenbögen des Prog und den Ausschweifungen des Post-Rock auch auf „Move A Mountain“ fordern und extrem mitreissend. Dies ist dem grossartigen Songwriting zu verdanken, dass aus schweren Riffs, ungeraden Takten und dem leidenschaftlichen Gesang von Thomas Rosenmerkel ein extrem mitreissendes Album formt. Alles hält sich perfekt in Waage, Blues und Metal schleichen sich zwischen die Strophen.

Mit dem Epos „Forever Under Ground“ und dem leidensfähigen Highlight „Love Your Damnation“ zeigen Giant Sleep nicht nur, dass man die Rockmusik immer noch komplett neu gestalten kann, sondern dass Leidenschaft und Intensität immer am besten funktioniert, wenn Musik und Texte komplett ehrlich daherkommen. „Move A Mountain“ ist somit eine dieser Platten, die man zwar stilmässig nirgends richtig einordnen, dafür für alle ihre Facetten inbrünstig liebt. Dieser Heavy Rock wird unser aller neuer Gott.

Anspieltipps:
12 Monkeys, Forever Under Ground, Love Your Damnation

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Ephedra – Can‘-Ka No Rey (2017)

ephedra-can-ka-no-rey

Ephedra – Can‘-Ka No Rey 
Label: Argonauta Records
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Stoner-Rock

2016 nahm ich die Herausforderung an und las mich durch den kompletten „The Dark Tower“-Zyklus von Stephen King, was leider in einer mittelgrossen Enttäuschung endete. Im Gegensatz zu dem literarischen Riesending ist das zweite Album der Zofinger Stoner-Rock Band Ephedra aber eine Angelegenheit voller positiver Erlebnisse. Auch wenn sich der Name „Can‘-Ka No Rey“ von der Geographie des dunklen Turms ableitet. Diese triste und oft zerstörte Welt passt aber auch perfekt zu den instrumental gehaltenen Songs der Gruppe, wirbeln diese doch gern Staub auf.

Drei Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt wagen sich Ephedra erneut an die lauten und schweisstreibenden Tracks des dreckigen und rifflastigen Rock. Und diese Form steht ihnen einfach unwiderstehlich gut – legen sie doch bereits mit dem ersten Lied „Vicious Circle“ eine Reise aus leisen und wilden Passagen vor, welche sich während sieben Minuten entfalten darf. Nicht immer bleiben den Mannen aber so verschachtelt, gerne wird auch ohne Kompromisse losgespielt. Lieder wie „Mother Stone“ oder „Happy Threesome“ schreien förmlich nach einem Konzert und Bier und schmeissen mit Gitarrenspuren nur so um sich. Dass Ephedra auch filigran ihr Gebiet erweitern, zeigt sich mit dem akustisch untermalten „Moonshiner“, mit zwei Gitarren und der druckvollen Rhythmusfraktion füllen sie auch dann die Luft mit wunderbaren Schwingungen.

Man spürt mit jedem Klang und jeder Note auf „Can‘-Ka No Rey“, dass sich Ephedra für unzählige Stunden in den Proberaum zurückgezogen und die Zeit seit der letzten Veröffentlichung mehr als gut genutzt haben. Mit dieser Scheibe steht jedem Freund der schmissigen und instrumental und auch etwas psychedelisch gehaltenen Rockmusik ein Prachtexemplar bereit. Ob man nun Männern in Schwarz nachjagt oder ewige Freundschaften schliesst, passende Songs bietet diese Platte immer.

Anspieltipps:
Mother Stone, Metamorphosis Calypso, Moonshiner

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Monkey3 – Astra Symmetry (2016)

Monkey3 - Astra Symmetry

Monkey3 – Astra Symmetry
Label: Napalm Records, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Psychedelic, Stoner-Rock

Was hatten wir nicht schon alles bei den Affen – tobende Schlachten zwischen fremden Planeten, brachiale Felssprengungen und Meditationsversuche auf LSD. Und wer dachte, nun kann man sich nur noch wiederholen, der hatte Unrecht. Denn jetzt findet die Gruppe neu den Weg nach Fernost und setzt auf komplett andere Tugenden – vergisst sich selber aber nie. Erstaunlich, denn mit einer gewissen Menge an Opium würde ein sattes Album wie „Astra Symmetry“ bestimmt noch verspielter funktionieren. Doch wir alle wissen ja, Musik ist die beste Droge und Monkey3 aus Lausanne liefern Stoff erster Güte.

Waren die letzten Alben von ihnen zwar wunderbar und toll ausgearbeitet, so fehlte mir persönlich das entscheidende Element, das man damals auf den ersten beiden Scheiben vorfand. Die Gruppe wurde zwar schwerer und brachialer, doch erst mit „Astra Symmetry“ gibt es nun wieder eine Scheibe, die gleichstark reizt und umgarnt. Aufgeteilt in die vier Elemente darf die Luft mit wahrlich schwebenden Klängen beginnen. „Abyss“ ist Meditation und gezielte Durchführung in einem. Egal ob man sich dabei nach Indien oder auf den Saturn versetzt fühlt, endlich fruchtet die Psychedelic wieder. Und diesen Aspekt ziehen Monkey3 kompetent durch das gesamte Album – über Wasser, Erde und Feuer.

Ob nun bedrohlich gesungen wird oder die Synths endlich wieder ihre stimmungsvollen Flächen unter die langgezogenen Gitarrenschreie legen dürfen – Monkey3 lassen ihre Musik auf „Astra Symmetry“ wie eine Mischung aus Weltalllava und Russbächen dahinziehen. Die Scheibe wird dabei mit der Zeit weder langweilig, noch vermisst man die wildesten Momente – denn in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft. Und davon offenbaren die Lausanner auf ihrem fünften Werk erneut eine Unmenge.

Anspieltipps:
Abyss, Dead Planet’s Eyes, Arch

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Interview mit Wolf Counsel – Eingeweide mit Emotionen

wolfcounselpicwebrgbMichael Bohli: Hei Ralf, besten Dank für die Interview-Möglichkeit. Zuerst möchte ich sagen, dass euer neustes Album „Ironclad“ echt toll geworden ist.
Ralf W. Garcia: Hallo auch. Vielen Dank, wir sind sehr überrascht, dass das Album offensichtlich so gut ankommt und interessierte Hörer erreicht. Das ist heutzutage bei der Flut an Veröffentlichungen absolut nicht selbstverständlich. Von daher: Merci vielmals.

Ralph / Ralf – nicht nur Namen von Bandmitgliedern, sondern im skandianvischen die Bedeutungsgeber von Wolf Counsel. Das kann ja kein Zufall sein oder?
Nein, das ist kein Zufall. Es ist aber erstaunlich, dass ihr die ersten seid, welche dieses Thema ansprechen. Bisher kam nie die Frage nach dem Bandname. Es ist ja bekanntlich relativ schwierig einen passenden Namen für eine Band zu finden, welcher noch nicht vergeben ist. Als wir einen Namen suchten war es naheliegend bei relativ persönlichen, simplen Dingen für Inspiration nachzuschauen. Ralf kommt u.A. vom altdeutschen Radulf, was „Rat des Wolfes“ bedeutet. Und somit hat sichdaraus Wolf Counsel ergeben. Die Tatsache, dass in dieser Band und den Songs sehr viel Herzblut liegt, macht den Namen zudem noch passender und persönlicher.

Gerade die nordischen Ländern bieten eine gute Heimat für düstere und krachende Bands. Ob es an der kalten Luft, den dunklen Tagen oder anderen Faktoren liegt sei dahingestellt. Wie lässt sich der oft oberflächliche Glanz in der Schweiz dazu anwenden, Doom zu spielen?
Alles im Leben und auf dieser Welt hat meiner Meinung nach zwei Seiten – ohne Licht kein Schatten und somit ist nichts reiner „Glanz“. Was die Band betrifft hat die Schweiz als solches aber keine Rolle gespielt. Die Inspiration und Ideen für die akustische und visuelle Umsetzung der kreativen Impulse kommen aus sehr alltäglichen Dingen und aus persönlichen Erfahrungen wie Krankheit, Schmerz, Verlust, Wandel oder Veränderung. Diese Dinge sind relativ unabhängig von einem Ort auf der Welt. Wie wir ja alle wissen ist ja auch die Schweiz, wie jedes Land, nicht nur schön – und wenn eher oberflächlich und oft nicht echt. Manchmal muss man sich die Mühe machen und genauer hinsehen, dann erkennt man das Verborgene. Das wiederum lässt sich dann auch für kreative Ideen brauchen.

Hat eine aktuelle politische und soziale Stimmung im Umfeld überhaupt Einfluss auf eine Stilrichtung wie Doom?
Ich kann nur für unsere Band sprechen und weiss nicht, wie dies bei anderen Doom-Bands ist. Stimmungen und Geschehnisse beeinflussen uns letztendlich alle auf eine Weise und nimmt somit bestimmt auch Einfluss auf die Musik. Doom ist für mich ein Ausdruck von Emotionen, von Erfahrungen jeglicher Art und von überhaupt menschlichen Themen – aber auch von Spirituellem, Okkultem und Dingen, welche nicht naturwissenschaftlich fassbar sind. Doom ist in dieser Hinsicht eine Konstante und sicherlich auch beeinflusst von politischen oder sozialen Veränderungen. Davon abgesehen gab es diese Veränderungen schon immer – auch schon damals vor 40 Jahren, als Black Sabbath ihre ersten Gehversuche unternahmen.

wolfcounsellogowhiteWolf Counsel existieren erst seit zwei Jahren, aber in der kurzen Zeit wart ihr extrem produktiv. Nach zwei Alben folgen nun vermehrt die Konzerte, 2017 ein weiteres Werk. Ist die Kreativität bei euch als Team immer sehr hoch, oder gibt es einzelne treibende Kräfte?
Ende 2013 war es für mich an der Zeit endlich den innigen Wunsch nach Doom in die Tat umzusetzen und so ergab sich das erste Album, welches im Januar 2014 erschien. Das neue Album „Ironclad“ entstand mehr oder weniger kurz danach. Ein kreativer Fluss von Ideen begleitet mich eigentlich ständig, wodurch einzelne Riffs, Textpassagen und anderes zusammenkommen. Sobald die instrumentalen Grundgerüste der Songs fertig sind, gebe ich dies dann Reto Crola (Schlagzeug) und er fügt seine Arrangements dazu. Dazu kommen Texte, Gesangslinien und Gitarrensoli – und oft steht ein Song dann bereits. Ab und zu feilen wir noch an einzelnen Details, aber im Grossen und Ganzen funktioniert es meistens so wie beschrieben mit Reto und mir als kreativer Kern.

Der Fokus bei euch hat sich von Projekt zu Hauptband gewandelt – wie schwierig ist es dabei, alle Mitglieder zusammen zu bringen und sich Zeit für Konzerte zu schaffen?
Die Organisation einer Band an und für sich ist eine Herausforderung. Letztendlich läuft es aus meiner Sicht immer darauf hinaus wie man seine Prioritäten setzt. Momentan planen wir Konzerte relativ weit voraus, von daher ist das etwas einfacher. Die Zukunft steht aber noch in den Sternen. Natürlich wäre es optimal, wenn wir möglichst viele Shows mit Wolf Counsel spielen könnten. Ich persönlich sehe da aktuell kein Problem, da wir uns laufend absprechen und regelmässig proben. Wolf Counsel hat ganz klar aktuell und bis auf weiteres Vorrang.

Ihr mischt in eurem Doom mehrere Spielarten des Metals, aber auch Genres wie Stoner-Rock bei. Gehe ich richtig in der Annahme, dass bei euch in der Freizeit nicht nur die dunklen Künste auf dem Plattenteller drehen?
So genau habe ich die Einflüsse selber noch gar nicht analysiert. Lieder bei Wolf Counsel kommen aus der Seele und den Eingeweiden – das ist nicht sehr rational geplant. Aber es ist schon richtig, dass wir alle zu Hause sehr unterschiedliche Musik hören und mögen – von klassischem Metal, hin zu Death/Grindcore, Punk, aber auch 70er Jahre Hardrock/Progrock und vieles mehr. Sehr vielfältig und breit. Natürlich auch sehr viel Doom in sämtlichen Formen und Stilen – alte Klassiker und sehr viele neue Bands.

Wie seht ihr die Zukunft als Metal-Band, ist es in ein paar Jahren überhaupt noch möglich mit solcher Musik das Leben zu bestreiten, oder wird sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung Aufopferung und Hobby verschieben?
Es gibt heute nur sehr wenige Musiker, welche hauptberuflich davon leben können. Im deutschsprachigen Raum und in Metalbands kann man diese vermutlich an wenigen Fingern abzählen. Selber kenne ein paar solche Künstler. Für mich ist es eine Lebenseinstellung, ein Lebensstil. Musiker sein und kreativ zu sein beginnt man irgendwann, sehr oft bleibt dies ein existentieller Bestandteil für das restliche Leben. Die Tatsache, dass man davon meistens seine Rechnungen nicht bezahlen kann ist natürlich schade. Aber wichtiger ist es aus meiner Sicht, das zu schätzen und zu zelebrieren was man erschaffen hat und versucht, sich ständig weiter zu entwickeln und nicht zu stagnieren. Das Leben kann man auf sehr viele unterschiedliche Arten bestreiten – und was zu Essen und ein Dach über dem Kopf wird es schon immer irgendwie geben.

Braucht es überhaupt noch Mitmusiker, oder wäre es nicht einfacher und schneller, neue Alben zu Hause aufzunehmen und via Internet zu verteilen?
Aus meiner Sicht benötigt es unbedingt mehrere Musiker und kreative Köpfe, zumindest im Kontext von Wolf Counsel. Musik ist etwas sehr menschliches. Natürlich könnte man auch alles alleine machen, aber die Wirkung live auf einer Bühne mit einer vollen Band zu spielen ist etwas, was man über das Internet nicht reproduzieren kann.

Was bedeutet für euch als Band denn der Kontakt zu den Fans und Konzertbesucher?
Das ist eine sehr wichtige Sache. Einerseits freut es uns natürlich, wenn jemand etwas schätzt was man erschaffen hat. Darüber hinaus ist es aber eine Ehre und Freude, wenn wir Leuten bei einem Konzert etwas mitgeben können. Musik und in unserem Fall Doom soll bewegen und berühren. Von daher ist der Kontakt zu Konzertbesuchern vor, während und nach einer Show absolut essentiell.

Gemeinsam mit vielen anderen harten Bands geniesst ihr die Heimat bei Czar Of Crickets (Unterlabel Czar Of Bullets). Das fühlt sich bestimmt etwas wie eine verrückte Patchwork-Familie an?
Ich kenne nicht alle Bands und Musiker persönliche bei unserem Label, aber es ist schon cool wenn man sich mit Anderen zufällig bei Konzerten trifft, sich austauscht oder feiert. Wir haben, was naheliegend ist, mit Zatokrev, Phased und Ashtar unregelmässig im Sinne des direkten Austausches zu tun. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass wir auch Konzerte zusammen spielen. Czar Of Crickets ist aber davon mal abgesehen für uns der perfekte Ort und das perfekte Zuhause für Wolf Counsel.

Gibt es bei einem solchen Label einen Austausch mit anderen Bands, oder bleibt die Zusammenarbeit auf das Übliche beschränkt? Wie kam es denn zu dem Signing?
Wie erwähnt, trifft man sich ab und zu mal zufällig bei Konzerten oder Festivals und tauscht sich aus. Manchmal gibt es auch gemeinsame Konzerte, aber ansonsten macht schon jeder sein Ding – der Kontakt ist durchwegs sehr kollegial. Bezüglich des Signing war es eigentlich so, dass Czar Of Crickets bzw. Fredy das erste Album gehört hatte und wir alle damals gerne bereits das Werk auf dem Label veröffentlicht hätte. Leider passte es zeitlich nicht, das neue Album wurde darum bereits 2015 vorbesprochen. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Besten Dank für das Interview.
Ebenfalls vielen Dank für die Fragen.

Dieses Interview erschien zuerst bei Artnoir.

Live: Monkey3, Oxil Zofingen, 15-09-12

Monkey3_Oxil_MBohli

Monkey3
Support: Drive-By Kiss
Samstag 12.09.2015
Oxil, Zofingen

Eigentlich ist es ja schon verrückt: Da existiert in Zofingen endlich wieder ein Kulturzentrum und somit die Möglichkeit, ohne weit zu reisen Konzerte zu geniessen. Aber genau dies geschah am Samstagabend, die Musik transportierte die Besucher in fremde Welten und durch das All. Die Lausanner Band Monkey3 schreibt sich nicht ohne Grund den Stilmix Stoner-Psychedelic-Rock auf die Fahne – genau diese brodelnde Mischung erhält man auch.

Bevor der Weg Richtung Sterne und Nebel eingeschlagen wurde, beehrte Olten den Aargau. Die junge Band Drive-By Kiss rockte das Oxil mit ihrem wuchtigen Sound. Die vier Mannen bearbeiteten gekonnt ihre zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und entlockten den Zuschauern schon bald Jubelrufe. Dank tollem Songwriting versanken die Songs nicht unbeachtet im Schweinrock-Sumpf, sondern zeichneten sich durch geschickte Taktwechsel und Schlenker aus. Gerne wechselte die Band von wilden Riffgewitter in leise dahintreibende Stellen, um nach einem Break wieder zu explodieren. Da hilft es den Kühen auch nicht, dass sie uns mit ihren Laserstrahlen erobern wollen. Mit solcher musikalischer Unterstützung gewinnt die Menschheit!

Da nun endlich die Lüftung arbeitete wie sie sollte, konnte man sich auch im Saal abkühlen und das Bier ohne Schweissausbrüche geniessen. Denn bei Monkey3 wird man sich schliesslich wieder genügend bewegen, vor allem die Köpfe und Oberkörper. Obwohl das neuste Album der Gruppe auch schon wieder zwei Jahre alt ist, begeistert ihre Musik immer wieder. Druckvoll, gewaltig gross und voller spannender Ideen. Dank einem reichen Schatz aus vier Studioalben kann die Band aus den Vollen schöpfen und zeigte sich auch im Oxil spielfreudig und exakt. Jeder Wechsel sass perfekt, jede Steigerung ergab Begeisterungsstürme. Das spürten auch die Musiker, und besonders der Gitarrist Boris liess sich zu einigen unterhaltsamen Einlagen hinreissen. Wer immer noch behauptet, instrumentale Musik sei ernst und trocken, der könnte falscher nicht liegen. Das beweisen aber auch die Lieder selber, freut man sich doch über eingebaute Zitate wie das Hendrix-Riff oder plötzlich schier fröhlich blubbernde Synths. Allgemein, die klangliche Untermalung der Tasten machen viel vom Gesamtbild der Band aus. Mit den abgefahrenen Effekten und Flächen wird die Musik kosmisch. Wobei jeder der vier Mannen glänzen konnte, egal ob mit wunderbaren Schlagzeugwirbel, wilden Bassläufen oder effektreichen Gitarrenschreien. Monkey3 bewiesen zum wiederholten Mal, dass der französische Teil der Schweiz über grossartige Bands verfügt, die sich auch international meistern können.  Es war laut, mitreissend und krachend. Harte Psychedelic für lange Haare, ein feiner Konzerteinstand für das Oxil.

Dieser Bericht erschien zuerst auf art-noir.

Drive-By-Kiss_Oxil_MBohli

Live: Monkey3, Böröm Pöm Pöm 14-04-12

Flyer: Böröm Pöm Pöm

Flyer: Böröm Pöm Pöm

Monkey3, Support: Castle
Samstag 12.04.2014
Böröm Pöm Pöm, Oberentfelden

Das Böröm in Oberentfelden ist ein kleiner Club in der Alten Bürsti in Oberentfelden. Seit 1994 bietet der Ort eine gemütliche Bar und Rückzugsmöglichkeit, seit neun Jahren regelmässig Live-Konzerte. Sehr gern gesehen sind Bands aus dem Post / Stoner / Hardrock Bereich, so gaben sich am Samstag 12. April die Lausanner Band Monkey3 wiederholt die Ehre. Begleitet wurden die vier Jungs von der Formation Castle aus den Staaten. Mit Frontfrau und Bassspielerin bot die Truppe eine spannende Mischung aus Hardrock, Stoner und Psychedelic. Gewisse Passagen stammen zwar direkt aus den 80er Jahre, NWOBHM, wurden aber gelungen von harten Riffs und treibenden Beats eingepackt. Durch den markanten Gesang der Bassistin erreicht die Band mit Google unfreundlichem Namen einen eigenen Sound und geht nicht zwischen gleich gesinnten Musikern und Bands unter. Toller harter Sound, mit leider zu übertriebenem Posing.

Monkey3 übernahmen die Bühne dann im Sturm. Die Band steht seit Jahren für ausgezeichneten heavy Stoner-Post-Rock mit trippigen Sounds. Seit vier Alben begeistern die Typen Kritiker, Publikum und Szenefans. Der starke Auftritt im Böröm bewies ihr Können einmal mehr. Schon ab dem ersten Song war der Raum gefüllt mit Klang und Sound, sofort wurden die Zuschauer in den Bann der instrumentalen Stücke gezogen. Wenn man sich vor Beginn noch einen guten Flug wünscht hat das bei Monkey3 schon seine Berechtigung. Auch ohne bewusstseinsverändernde Substanzen schafft es die Band die Leute zu packen und ins All zu schiessen. Da alle Lieder meist über acht Minuten dauern entsteht wie eine Trance, verstärkt wird diese Wahrnehmung durch die gewaltigen Soundwände, erzeugt mit krachender Gitarre, dröhnenden Bass, Synthieflächen und treibendem Schlagzeug. Solche Musik muss laut gespielt und gehört werden.

Die Formation ist momentan auf der Tour zu ihrem vierten Album The 5th Sun, liess es sich aber nicht nehmen auf alte Songs zu spielen. Dabei ist mir einmal mehr aufgefallen, wie unglaublich gut die Lieder vom Zweitwerk 39 Steps sind, eine Wucht. Der Zugabenblock wurde gewohnt mit Once Upon A Time In The West von Ennio Morricone gestartet. Wurde die Band schliesslich mit dem Song an einem Cover-Wettbewerb bekannt. Obwohl schon mehrfach live gehört fesselt ihre Interpretation immer noch. Nach 90 Minuten war dann Schluss und die Besucher landeten sanft wieder auf dem Boden des Clubs. Monkey3 haben wiederholt bewiesen, dass ausgezeichnete Instrumentalmusik sehr wohl aus der Schweiz stammen kann. Für Freunde des Genres ein Muss.