Steve Hogarth

Isildurs Bane & Steve Hogarth – Colours Not Found In Nature (2017)

Isildurs Bane & Steve Hogarth – Colours Not Found In Nature
Label: Ataraxia, 2017
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock

Dass Isildurs Bane aus Schweden endlich wieder ein Album veröffentlicht haben, ist schon für sich eine kleine Sensation. Denn seit 2003 durfte man kein neues, vollwertiges Werk der wandelbaren Progressive Rock Band mehr entdecken – und jetzt ist die Gruppe, welche sich 1976 gegründet hatte, mit neuem Sänger zurück. Kein geringerer als Marillion-Frontmann Steve Hogarth hat sich für „Colours Not Found In Nature“ Texte ausgedacht und darf diese auch in seiner unvergleichlichen Art darbieten.

Das ist nicht nur ein Glücksfall für alle Fans von Marillion, sondern auch die perfekte Ergänzung der Musik von Isildurs Bane. Das Album pendelt zwischen modernem und vielschichtigem Art-Rock, Jazz-Passagen wie in den glorreichen Zeiten von Zappa und reduziertem Kammerspiel. Das Kollektiv jongliert mit Marimba, Streicher, Klarinette und der klassischen Rock-Besetzung – und zaubert damit emotionale Melodien, meisterhafte Arrangements und weite Kompositionen.

Herzstück ist der Longtrack „The Love And The Affair“, bei welchem die elegische Art von Steve Hogarth die Klangspiele zwischen düsteren Angriffen und versöhnlichen Öffnungen perfekt ergänzt. Seine Geschichten verleihen der Musik von Isildurs Bane eine neue Tiefe und etwas mehr Eingängigkeit. „Colours Not Found In Nature“ ist somit nicht nur für alte Begleiter der Schweden ein Muss, sondern auch eine der schönsten Prog-Scheiben in diesem Jahr.

Anspieltipps:
The Random Fires, The Love And The Affair, Incandescent

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Steve Hogarth With RanestRane ‎– Friends, Romans (2017)

Steve Hogarth With RanestRane ‎– Friends, Romans
Label: Poison Apple, 2017
Format: Doppel-CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Art-Rock

Es begab sich in Rom, im Jahre 2015 – ein einzelner Mann stellte sich auf die Bühne und bewirkte emotionale Regungen bei vielen Menschen. Ein einzelner Mann? Nein, vielmehr suchte sich der Herr bei weiteren Gesellen Unterstützung und zauberte somit ohne doppelten Boden oder falschen Erwartungen eine wunderbare Stimmung hervor. Doch wann ist dies jemals anders, wenn Steve Hogarth, Frontmann von Marillion eines seiner Solokonzerte gibt?

„Friends, Romans“ wurde auf seiner Solotour 2015 in Rom aufgenommen und bietet nun auch zwei Jahre später immer noch mehr Vergnügen ab Konserve, als jedes Festmal bei den Galliern jemals bewirkt hatte. Und der Künstler liess dabei nichts aussen vor, um seine Fans und Freunde zu bedienen. Denn während einem wunderbaren Abend erhielt man neue Interpretationen von geliebten Hits und vergessenen Kleinoden. Die Hälfte des Auftrittes bestritt h alleine mit Keyboard und Gerätschaften, vor sitzenden Menschen und geheilten Seelen.

Und auch wenn die zweite Hälfte mit der Band RanestRane bestritten wurde, Songs wie „Estonia“, „80 Days“ 0der „Runaway“ wirken immer noch genauso zerbrechlich, wie wenn sie Steve Hogarth als H Natural zelebriert. Genau bei diesen Passagen merkt man auch auf diesen CDs, dass das Wirken von Marillion einfach alle Dämme bricht. So freut man sich über „Cover My Eyes“, jubelt bei „Easter“ und verneigt sich vor „Hard As Love“. Denn egal mit wie vielen Musikern auch immer, dieses Material überstrahlt in seiner Intensität fast alles – und das Leben wird neu erfunden.

Anspieltipps:
Hard As Love, Afraid Of Sunlight, House, Estonia

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Steve Jansen & Richard Barbieri – Stone To Flesh (1995)

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Steve Jansen & Richard Barbieri – Stone To Flesh
Label: Medium Productions Limited, 1995 / Remaster Kscope, 2015
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Jansen, Barbieri
Genre: Art-Rock, Ambient, Jazz

Das Kscope-Label ist nicht nur die Heimat vieler interessanter und visionärer Künstler, sondern sorgt auch gerne dafür, dass diese Menschen zusammenfinden und ihre Ideen gemeinsam neu formen können. Und obwohl die Zusammenarbeit von Steve Jansen und Richard Barbieri in den 90ern woanders veröffentlicht wurde, blüht sie nun neu gemastert und erweitert wieder auf. „Stone To Flesh“ erforscht den Art-Rock aus allen Perspektiven und bleibt dabei immer ruhig und gesittet. Ein wunderbares Album für Klangsammler und Schatzsucher.

Steve Jansen wurde mit der Band Japan bekannt, in der auch sein Bruder David Sylvian mitspielte. Nicht viel später fand er mit Richard Barbieri (bestens bekannt als Keyboarder von Porcupine Tree) einen Bruder im Geiste und spielte mit diesem mehrere Alben ein. „Stone To Flesh“ war die dritte Kollaboration der nachdenklichen Musiker und gefällt mit seinen langen und sanft entfaltenden Songs. Die Struktur in den Liedern ist nicht immer gleich ersichtlich, bereits der Opener „Mother London“ verlangt Aufmerksamkeit und ein gutes Gedächtnis – denn alles bricht nach sechs Minuten in sich zusammen, um wieder frisch gestartet zu werden. Dieses Mittel setzt die Musik gerne ein, schichtet Lieder um und bricht die Strukturen auf. Oft prallen synthetische Momente auf analoge und verbinden sich zu einer grossen Welle, man reitet darauf oder geht unter. „Sleeper’s Awake“ setzt dabei auf einen grossen perkussiven Anteil und verzerrt die Rhythmen merkwürdig elektronisch. Nicht selten denkt man bei diesen Klängen an den Art-Rock-Meister Peter Gabriel, gewisse Tracks würden sich auch auf seinen Platten gut machen. Das zeigt sich auch bei den Stimmungen die hier entstehen, die Musik erzählt eine Geschichte und man fühlt sie, als würde man in einem kleinen Boot auf dem Meer treiben. Akzente setzen Gäste wie Steven Wilson oder h, die Harmonika darf einspringen. Der Gesang bleibt meist Nebensache und eher ein Flüstern, dies tut der Musik aber gut. Es gibt schliesslich viel zu entdecken und zu entwirren.

Mit dem Remaster darf „Stone To Flesh“ nun endlich so glänzen, wie es damals wollte. Jansen und Barbieris Ideen reizen und funktionieren immer noch, auch der neu aufgenommene Song „Map Of Falling“ fügt sich gut in das Werk ein. Somit ist diese Wiederentdeckung eine sehr spannende Kombination aus experimenteller Electronica, Ambient, Jazz und Art-Rock. Was halt kluge Köpfe alles so mit sich bringen, wenn sie gemeinsam hinter den Instrumenten stehen.

Anspieltipps:
Mother London, Sleeper’s Awake, Closer Than „I“