Stahlberger

Live: Stahlberger, Royal Baden, 17-12-22

Stahlberger
Support: Lord Kesseli & The Drums / Bit-Tuner
Freitag 22. Dezember 2017
Royal, Baden

Lord Stahlberger And The Drums, Lord Kesseli And The Guitar, Stahlberger And The Bass, Bit-Tuner And The Guitars, Stahlberger And The Cover-Band – was wie ein irrwitziger Versuch klingt, einen neuen Bandnamen zu finden, war der normale Wahnsinn eines Freitagabends in Baden. Die St. Galler High Society nahm das Royal in Beschlag und machte aus den vorweihnachtlichen Bandproben einen Konzertreigen, der nicht nur für urkomische Momente, sondern auch Liebeserklärungen an die Musik sorgte.

Stahlberger und seine Freunde fanden sich im Aargau ein, um dem Konzertlokal einen gebührenden Schlusspunkt zu bieten – doch „leider“ muss dieses nun gar nicht schliessen. Die Künstler aus der Ostschweiz nutzten die Nacht aber trotzdem für eine Darbietung, die alle Rahmen sprengte. Mundart-Dichter und lakonischer Songpoet Stahlberger startete alleine mit bissigen Texten und akustischer Gitarre und zeigte dem Aargau, dass Humor, Kritik und Wortspielerei sehr wohl zusammen in ein Lied passen.

Und als sich alle in diesem klanglichen Bett eingenistet hatten, wurde bereits zum ersten Mal alles anders. Stahlberger setzte sich hinter das Schlagzeug, proklamierte den Aufstand gegen die Wirtschaft und holte danach seine Mitmusiker auf die Bühne, welche sonst unter dem Banner Lord Kesseli And The Drums für Tanznächte sorgen. Auch in Baden boten ihre Gitarrenriffs, Schlagzeugdonner und Lichtkaskaden nun ein Abdriften in psychedelische Songs, die The Flaming Lips grüssten und stärker wirkten als gewisse Substanzen.

Erstaunlich, dass dieses Sonderprogramm nur innert weniger Tage erdacht worden war und im Zusammenschluss mit Bit-Tuner nicht nur für exzentrische Bassläufe, sondern auch düstere Techno-Beats stand. Bekannte und brandneue Lieder wurden umgebaut, erweitert, seziert und zu einem immerzu überraschenden Ereignis moduliert. Die Zeit verging wie im Flug und das prall gefüllte Royal feierte seine Gäste und die Musik. Kein Wunder also, wurde die abschliessende Party mit lauten Bässen und verführerischen Synthies plötzlich wieder von Stahlberger gekapert, um noch einmal mit kompletter Band Lieder anzustimmen.

Somit versank man endgültig in der Genialität des Schweizer Rock-Pop-Dance und wanderte mit Körper und Geist durch die Nebelschwaden im Kulturlokal. Viel zu selten darf man solche spontane und abwechslungsreiche Abende erleben, in denen sich Künstler an offene Experimente wagen und damit brillieren. Danke Stahlberger für dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk, besser kann es nicht mehr werden.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.