Samsoelacroix

Live: OXIL Eröffnungsabend, Zofingen, 15-09-11

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OXIL Eröffnungsband
Freitag 11.09.2015
Oxil, Zofingen

Endlich ist es soweit, Zofingen erhält wieder einen Kulturort für Konzerte, die Jugend und tolle Abende. Diesen Freitag fand nach einem hektischen und arbeitsintensiven halben Jahr die Eröffnung im grossen Stil statt. Anstelle einer landbekannten Band haben sich die Oxil-Mitarbeiter entschieden, gleich den halben Zofinger Musiknachwuchs einzuladen und auf zwei Bühnen spielen zu lassen. Eine wunderbare Entscheidung, die Eröffnung wurde ein grosser Erfolg.

Nach einer Ansprache und Danksagung hiess es aber zuerst einmal die Räumlichkeiten zu begutachten. Nebst dem hübschen Bistro mit grossen Fenstern und kleiner Bar, ist natürlich der Konzertsaal Zentrum aller glücklichen Momente. Der Raum wurde komplett renoviert, eine grosse Bar eingebaut und sogar mit einem Fumoir ausgestattet. Endlich kann man seiner Sucht fröhnen, ohne die Augen von der Bühne zu nehmen. Das wurde auch ausgiebig genutzt, nur der Zigarettenautomat fand es uncool im Rauch zu stehen und gab den Geist auf. Aber die wahren Wunder geschahen sowieso auf und vor der Bühne, sowie zeitweise in der Gasse vor dem Oxil. Der Besucherandrang war so gross, dass das Lokal komplett voll war und man die Leute nur noch tröpfchenweise in den Saal lassen konnte. Ein wahrer Erfolg, damit hat wohl niemand gerechnet – erste Abende in einem neuen Ort sind immer eine schwierige Angelegenheit. Man traf alte Freunde, machte neue, führte laute und witzige Gespräche und feierte das Leben.

Wer nicht nur trinken und lachen wollte, konnte dazwischen die Musiker bejubeln. Oskar Lewyn startete alleine mit seiner akustischen Gitarre im Bistro und transportierte den Raum nach Amerika. Härter wurde es bei Ephedra, ihr Stoner-Rock driftet gegen Metal und liess die Leute headbangen. Leider ist das Oxil scheinbar etwas schwierig abzumischen und der Klang war nicht immer perfekt. So auch bei Sorepoint, aber dieser Umstand konnte das Bier auch nicht trüben. Und krachen muss es auch nicht immer, das bewiesen Moscow Mule mit einem akustischen Set. Ihre Musik konnte aus neuer Kraft glänzen und die Lieder bewiesen ihre innere Stärke. Leider konnte die Gruppe am Ende des Konzertes keine Zugabe spielen, all ihre umgedachten Songs waren aufgebraucht. Grosser Jubel gab es trotzdem. Den erhielt auch Samsoelacroix mit seiner tollen Rap-Einlage und die wunderbaren Bell Baronets mit ihrer genialen Gitarrenmusik.

Den krönenden Abschluss durften Manook aus Deutschland bieten, ihr wilder Electro-Swing liess das Oxil beben. Hier stimmte die Abmischung, die Band und die Lieder. Endlich wurde dieses repetitive Genre durchgeschüttelt und frisch präsentiert. Vor allem der Drummer war mitreissend! Somit torkelten alle müde und zufrieden grinsend um drei Uhr morgens aus dem Saal und nahmen den Weg in die Stadt auf sich. Ich weiss nicht wie hoch die Messlatte für einen perfekten Eröffnungsabend liegt, aber das Oxil hat diese eindeutig übertrumpft und gezeigt, dass Zofingen nicht nur Kultur braucht, sondern auch viel Tolles vorzuweisen hat. Gratulation und Dank an alle Helfer, Künstler, Initianten und Besucher. Weiter so!

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Starkus Meiner – Time For Little Pieces And Catchy Melodies (2014)

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Starkus Meiner – Time For Little Pieces And Catchy Melodies
Label: Selbstveröffentlichung, 2014
Format: CD
Links: Künstler, CD-Online
Genre: Singer-Songwriter, Pop

Oft wird gesagt, die heutige Jugend kümmert sich nicht; es werde nicht nachgedacht und nicht vorausschauend gehandelt sondern nur in den Tag hinein gelebt und blind folgend konsumiert. Gottlob stimmt das überhaupt nicht und noch besser gibt es immer wieder Menschen die Antreten um das Gegenteil zu beweisen. Das Album „Time For Little Pieces And Catchy Melodies“ von Starkus Meiner ist ein solcher Beleg für die interessierten Jugendlichen auf der Welt. Mit seinem ersten Album hat der junge Musiker aus Zofingen ein spannendes Werk vorgelegt das musikalisch zwischen Singer-Songwriter und Pop pendelt, dabei auch oft kurz den Rap streift. Die Texte werden in seiner eigenen Art von Sprechgesang mit viel Melodie dargeboten.

Für seine Musik sind die Texte sehr wichtig, die Inhalte bleiben dabei sehr persönlich. Sei es ein wunderschönes und tieftrauriges Lied an seine verstorbene Mutter oder Gedankengänge zu eigenen Wünsche und Verlangen, man leidet, lacht, fühlt, kämpft mit dem Künstler. Die Sätze und Reime sind knackig formuliert und erinnern mit ihrem Aufbau teilweise an Poetry Slam, auch wegen der gekonnten Verwendung von wenigen englischen Wörter. Aktuelle politische und soziale Brennpunkte interessieren ihn ebenfalls, das Leben ist schliesslich nicht nur Sommerabende auf dem Heitereplatz. Für mich als Zofinger ist es natürlich sehr schön werden aktuelle Missstände in der kleinen Aargauer Stadt angeprangert. Das Vernichten der Kultur; „Fegg de Limiter“ oder das Beschränken des Raumes für Jugendliche; „För mini Lüüt ond mini Generation“. Dabei ist Starkus nie belehrend oder überheblich, sondern zeigt Probleme auf und spricht Themen direkt ohne ein Blatt vor dem Mund an. Klar braucht es dazu gewisse Agressivität aber gerade das Lärmproblem ist ein Umstand der immer mehr Kopfzerbrechen macht, Lösungen zu finden liegt dabei nicht in der Aufgabe von Musiker sondern Politiker.

Starkus muss aber nicht alleine kämpfen wird er doch von vielen Freunden als Gäste unterstützt. Ein paar von ihnen stehen ebenfalls am Start einer Karriere und klingen vielversprechend. Das bringt noch mehr Abwechslung in die Songs welche immer locker und leicht bleiben. Wunderbare Gitarrenmelodien und -Akkorde treffen auf sanfte Pianoklänge oder Schlagzeugrhythmen ohne auch nur einmal überladend oder überproduziert zu sein. Ganz klar hat es den Liedern gut getan über Jahre zu reifen und mehrere Stadien bis zu ihrer endgültigen(?) Form durchzulaufen. Starkus Meiner hat mit seinem Debüt ein sehr reifes und tiefgründiges Album veröffentlicht welches ein Schlusspunkt an seine erste musikalische Phase setzt. Nur schade finden sich auf der CD keine Credits, wäre es doch spannend zu sehen wer hier was gemacht hat.

Anspieltipps:
Flüüge Devoo, Father And Son, To My Mother (Mo Ty Other)