sam healy

SAND – A Sleeper, Just Awake (2016)

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SAND – A Sleeper, Just Awake
Label: Vineland Music, 2016
Format: CD in Digipak
Links: Facebook, Künstler
Genre: Art-Rock

Sam Healy wird mit jeder Veröffentlichung stärker zu einer Vertrauensperson – einem Künstler, dem man durch alle Zeiten und Gefühlszustande blind folgt und dabei praktisch nie enttäuscht wird. Was der Mann mit der Gruppe North Atlantic Oscillation auf die Beine stellt, ist umwerfend schön und anders – unter dem Namen SAND erobert er die kunstvollen Gebiete des modernen Art-Rock. Und endlich gibt es mit „A Sleeper, Just Awake“ neues Material – wie nicht anders zu erwarten war, ist es erneut ein Meisterwerk geworden.

„Mayfly“ startet die CD auf bekannte Weise: Healy singt interessante Texte in angenehmen Melodien, das Klavier begleitet sanft – bis dann plötzlich das Schlagzeug hereinbricht und alles zu einem Orkan werden lässt. Ein Wechselspiel, das immer wieder in Perfektion ausgeführt wird und einen dem träumerischen Zustand kurz nach dem Aufwachen näher bringt. Kleine Harmonien treffen auf krachende Rhythmen, elektronische Kritzelein auf Soundwände voller Euphorie. SAND macht nicht Musik, er erzählt Geschichten und lässt uns mitfiebern.

Perlen wie das reduzierte „L.T.G.B.“ oder der epische Abschluss mit „Earth Mound Square“ müssen zwar zuerst heranwachsen, man will ihr Umfeld aber bald nie mehr verlassen. „A Sleeper, Just Awake“ ist ein modernes Werk der aktuellen Musikentwicklung, eine Schatztruhe voller Diamanten und Brillanten. Was zuerst wild durchgewürfelt erscheint, wird immer mehr zu einem unglaublich dicht ausgeführten Spiel mit Wahrnehmung und Struktur. Solange Sam Healy als SAND so ergreifende und geniale Musik erschafft, gibt es einen Sinn im Leben.

Anspieltipps:
L.T.G.B., Berceuse, Earth Mound Square

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North Atlantic Oscillation – The Third Day (2014)

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North Atlantic Oscillation – The Third Day
Label: KScope, 2014
Format: Vinyl mit Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, Shoegaze, Post-Prog

Was beim zweiten Album „Fog Electric“ überhand nahm, gilt weiterhin als vorherrschend. Das neblige, sphärische Wabern der elektrischen Klanghülle, transparent und transzendental. Solche Musik kann nicht von menschlicher Hand geschaffen worden sein, hat sie doch immer diese erhabene Aura. The Third Day ist ein weiterer Siegeszug vom hoch spannenden Label KScope.

Sam Healy, Frontmann und Songschreiber von NAO, hat letztes Jahr mit dem Art-Rock Meisterwerk SAND ein Album vorgelegt, dass auch diese Qualitäten aufweisen kann, aber noch einen Schritt weiter in Richtung Verkopftheit ging. Die dritte Platte von North Atlantic Oscillation ist – was auch nahe liegend und logisch ist – nun ein Destillat aus beidem. Gewisse Lieder sind klar NAO mit ihren doch eher songdienlichen Aufbau, klarer Instrumentalisierung und sowieso, Healys Gesang. Glücklicherweise wagt die Band aber auch gerne neue Experimente wie das auf Gesang und Flächen beschränkte „A Nice Little Place“. In solchen Momenten wird einem wieder schlagartig bewusst, wie grandios hier Harmonien und verschiedene Tonschöpfungen kombiniert werden und als Ganzes noch besser funktionieren. Emotionen wie Melancholie, Erschöpfung oder Zufriedenheit manifestieren sich im Kosmos und jeder Satellit schickt die Signale direkt in unsere Synapsen.

Oft ist unklar ob jetzt Gitarren zu keyboardartigen Melodien verzerrt werden oder Synthies so scharf spielen, dass es auch ein Saiteninstrument sein könnte. Interessanterweise ist Sam Healy als Sänger eher unvorteilhaft, seine Stimme krächzt oder überschlägt sich gerne mal. Oder treibt sich selber in unüberschaubare Höhen. Aber trotzdem stört dies nicht sondern gehört zur Musik der Band und passt perfekt zu der verrauschten Musik voller aus Pixel bestehendem Wasser, verdampfter Elektrizität und außerirdischen Menschen. Noch hat das Werk bei mir nicht so gezündet wie Fog Electric, aber qualitativ ist es auf jeden Fall eines der stärksten Alben in diesem Jahr. Art-Rock bleibt mehr als nur spannend, ist dank Bands wie NAO eines der innovativsten Genres.

Anspieltipps:
Great Plains II, A Nice Little Place, Penrose

SAND – Sand (2013)

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SAND – Sand
Label: KScope, 2013
Format: CD
Links: Band (mit Album Teaser)
Genre: Art-Rock, Electronica, Avantgarde

Du nimmst deine Kopfhörer hervor und legst sie an, drehst die Lautstärke auf und drückst auf Play. Augen geschlossen empfangen dich sanfte Klänge aus dem Synthesizer, „There’s Enough Weather For Us All“. Wie Insektenschwärme umkreisen dich die Töne und erheben dich sanft vom Sofa. Der Klangteppich breitet sich aus, die Stimme umgarnt dich. Deine Wohnung bleibt zurück, die Stadt wird mit ihren Lichter und Gebäuden kleiner. Mit klaren Gedanken beobachtest du die Welt und steigst weiter Richtung Sterne. Plötzlich wird es lauter, Gitarren und Schlagzeug verjagend die Insekten und drücken die Luft um dich zusammen, nur um gleich wieder von der Gravitation weggezogen zu werden. „Life’s too easy.“

Immer wenn du denkst, jetzt falle ich zurück auf den harten Boden, fangen dich Wände aus wuchtigen Melodien auf und schieben dich im Zick-Zack weiter. Die Sterne sind grösser, der Grund ist weit unter dir. Du lässt die Atmosphäre hinter dir und starrst auf das Meer der Lichter untermalt von einem King Crimson ähnlichen Mellotronspiel. Schwerelos begleitet dich der Gesang auf deinem Rundgang um die Erde. Frieden füllt dein Herz. „How Long, How Long Till You Throw Me On The Floor.“

Doch dann streift dich ein Satellit. „You Broke The Locks Off The Cages To Let The Trapped Animals Out.“ Die Anziehungskraft umschlingt dich und wild drehend stürzt du Richtung Meer. Luft füllt deine Lungen und es wird still, Wolken rundum, plötzlich Gewitter. Obwohl du dich fürchten solltest betrachtest du die Spiegelungen in den Regentropfen und vergisst die immer näher kommende Oberfläche. „We’re Allowed To Go Astray.“ Ein Muster formt sich in der Luft, du erkennst dein Leben und deine Liebsten. Trost und Glück breiten sich im Körper aus und du schliesst deine müden Augen. Ist all dies nur ein Traum? Oder ist es das Leben nach dem Tod? „His Requiem Sing We With Shout And Din.“

Nein, das kann nicht das Ende sein. „Hold The Door.“ Zu viele Fragen durchfluten dein Gehirn, habe ich..? Bin ich..? Soll ich..? Doch dann wie durch ein Wunder, sanft tragen dich die Insekten wieder zurück auf dein Sofa. Du hast den Raum nie verlassen. „Years Like Scales Falling Away But Always Just Too Late.“

Sam Healy, Frontmann der North Atlantic Oscillation hat mit dem Soloalbum SAND ein Meilenstein des New Art-Rock geschaffen. Unglaubliche Klangwelten, perfekte Produktion, interessante und poetische Texte. Das Album braucht eine grosse Anlaufzeit, offenbart allen mit genügend Ausdauer aber eine Tiefe die man in der heutigen Musik selten findet. Ein Meisterwerk!

Anspieltipps:
Life Is Too Easy, Meanwhile, A Pile To Keep The Plane From Crashing