Sacred Bones Records

Blanck Mass – The Great Confuso EP (2016)

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Blanck Mass – The Great Confuso EP
Label: Sacred Bones, 2016
Format: RSD Vinyl
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, Electronica, Minimal

Der Kauf einer Veröffentlichung von Blanck Mass bietet immer wieder Überraschungen. So war sein Debütalbum wunderschöner Ambient, der Nachfolger dann verstörender und gerne auch sehr harter Techno. Dazwischen erblickte mit „The Great Confuso“ eine EP das Licht der Welt, die beide Pole etwas näher zusammenführte. 2016 erhielt man dank dem Record Store Day nun die Gelegenheit, die Musik auf orangem Vinyl zu kaufen, farblich passend zum Cover.

Wie es der Name schon sagt, dreht sich hier alles um das 18 Minuten lange Stück „The Great Confuso“. Unterteilt in drei Abschnitte bietet der klangliche Erguss nicht nur die harten und queren Beats, ausgefallenen Sprachsamples und düsteren Melodien, sondern aus Frequenzüberlastungen und wunderbare Melodien. Blanck Mass zieht hier alle Register seines Könnens und formt die Musik zu einem immer stärker werdenden Strom, zu einer Reise, zu einem Ritt. Nie werden Ideen zu oft repetiert, immer fliessen alle Gegensätze als neue Farbkreation gemeinsam über den Rand des Malkastens. Aber Achtung: Hinter den lustigen Tönen lauern aggressive Sequencer.

Auf der B-Seite erhält man mit „The Great Confuso“ noch drei Remixe zu „Dead Format“, „No Lite“ und „Detritus“ – die Sammlung und Familie um Blanck Mass wächst also in bester Verfassung weiter. Und somit macht man auch mit dieser Scheibe nichts falsch, denn hier erwarten einen viele Minuten voller hartem Techno, träumerischem Electronica und sogar Ambient-Ausschweifungen. So genial wie bei Blanck Mass fügen sich diese farbigen Vögel selten zusammen.

Anspieltipps:
The Great Confuso (Parts I, II, and III), No Lite (Genesis Breyer P-Orridge Dreamachine Remix)

Blanck Mass – Dumb Flesh (2015)

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Blanck Mass – Dumb Flesh
Label: Sacred Bones Records, 2015
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Techno, Ambient

Moment mal, wo ist denn hier das ruhige Dahinfliessen von klaren Synthklängen? Die sanft pulsierenden Beats und klaren Melodien? „Dumb Flesh“ empfängt den Kenner von Blanck Mass verstörend und verwirrend, denn was einen hier erwartet, entspricht selten den Klangwelten vom Debütalbum. Blanck Mass, seines Zeichen die eine Hälfte von Fuck Buttons, lebt auf seinem neuen Album die wildesten und härtesten Techno-Fantasien aus, nur um am Schluss dann doch noch Versöhnung zu suchen.

War die erste Soloplatte eine wunderbare Ambientgeschichte, die dahin floss wie ein klarer Fluss, ist der Nachfolger nun das Gegenteil. Scharfkantiger Techno mit Beats, die in deine Wunden drücken und Eiter hervorschiessen lassen. „Dead Format“ prügelt Synths, Sequenzer und Stimmensamples in düsteren Tonlagen durch den Raum, zum Luftholen bleibt keine Zeit. Schon fast wünscht man sich den lavaartigen Beginn mit „Loam“ zurück, bei dem man noch dachte, die Scheibe läuft mit falscher Geschwindigkeit. Aber Benjamin John Power will nicht nur verstören, sondern versteckt die Schönheit der elektronischen Klänge gerne hinter solchen Ecken und Abgründen. Schon mit „No Lite“ kehren die bekannten Wände und Flächen zurück, werden aber mit tanzbaren Beats ergänzt. Die Musik von Blanck Mass erklimmt in schnellen Schritten ein neues Niveau und wird clubtauglich. Erstaunlich ist, wie viele Referenzen und Stilrichtungen der Künstler hier zu einem homogenen Sound mischen kann, ohne anzuecken. Egal ob er in den Wahnsinn absteigt und Freunde wie Amon Tobin grüsst, den IDM tangiert und Clark die Hand schüttelt, oder dem düsteren Techno frönt wie Dettmann und andere Gestalten aus dem Berghain, „Dumb Flesh“ bleibt immer unverkennbar und trägt eine sichere Handschrift. Sicherlich, das Album ist kein süsses Werk voller Hits, sondern ein Stachelschwein, das dir vor der Nase rumtanzt. Aber genau darin liegt auch der Reiz, in all dieser Antihaltung Schönheit und Sinn zu entdecken. Lange suchen muss man nicht, ein offener Geist wird dafür aber empfohlen.

Mit seinem zweiten Album hat Blanck Mass meine Erwartungen zwar erfüllt, aber gleichzeitig auch zertrümmert. Hier erwartet einen keine Traumwelt, sondern eine wilde Nacht voller dreckiger Getränke. Wer das Vinyl kauft erhält auf der vierten Seite eine 20-minütige Ambient-Suite, die Wunden und Kratzer wieder schliessen. Aber irgendwie will man dies fast nicht mehr, wenn mal einmal von der dunklen Technoseite gekostet hat. Grossartig kaputt!

Anspieltipps:
Dead Format, No Lite, Cruel Sport