Robert Forster

Robert Forster – Grant & Ich (2017)

 

Robert Forster – Grant & Ich
Verlag: Heyne Encore, 2017
Autor: Robert Forster
Seiten: 368, Hardcover
ISBN: 978-3-453-27133-3
Link: Goodreads

Es war nie einfach für die australische Band The Go-Betweens, ihre Karriere funktionierte wie ihr Name: Irgendwie zwischendurch und nie als aufsteigende Kurve, wie bei so vielen anderen Gruppen. Heute gilt das Duo Robert Forster und Grant McLennan zwar als geschichtlich wichtig und einer der stärksten Exporte Australiens, zu Zeiten ihres Bestandes schwammen die Musiker aber nie in grossen Seen voller Ruhm und Reichtum. Ihre Kreativität und schlichte Art brachte sie aber immer wieder zusammen und trieb die Maschine hinter der Band an. Egal ob zu zweit, im Verbund mit weiteren Musikern oder als Solokünstler – Songs wie „Lee Remick“, „Streets Of Your Town“ oder „Cattle And Cane“ verloren bis heute in keinster Weise ihre Strahlkraft.

Wobei es immer unsicher war, ob diese Kleinode des alternativen Pop-Rock überhaupt das Licht der Welt erblicken können. Nachdem sich die Band 1978 gegründet hatte, folgten Jahre von mühsamer Arbeit zwischen Labelwechsel, Musikerrotationen und kleinen Tourneen. 1989 wurde für The Go-Betweens dann alles etwas zuviel, die Leute gingen getrennte Wege – zumindest bist Forster und McLennan die Band 2000 reaktivierten. Mit vollem Elan und grosser Kreativität starteten die beiden den zweiten Frühling, durch den plötzlichen Tod von Grant McLennan wurde diese Phase aber zu schnell und brutal beendet. Was bleibt sind neun Studioalben voller Musik, die nicht nur Down Under verändert haben und der Beweis, dass Songwriter-Duos immer etwas magisches anhaftet.

Diese unkonventionelle Geschichte darf man aus den Augen von Robert Forster selber erleben, der literarische Songwriter hat mit „Grand & Ich“ seine Memoiren aufgezeichnet. In leichten Worten verfolgt er chronologisch die Begegnungen und Momente, welche aus jugendlichen Träumern wichtige Komponisten machte und lässt den Leser an vielen Geschehnissen teilnehmen. Forsters Art verhindert dabei, dass man zu lange bei den unschönen Punkten hängen bleibt und die Geschichte wirkt immer wieder mystisch. Im eigentlichen Sinne ist dieses Buch auch keine tiefgehende Biografie einer Band, sondern die Erzählung einer Freundschaft.

Und so müssen, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern über Bands, hier auch keine Skandale ausgeschlachtet werden, sondern es darf die Kreativität zweier Menschen und deren Blüten genossen werden. Das geschriebene Wort schwingt dabei so locker wie auch viele Songs von The Go-Betweens, manchmal fehlt aber etwas die direkte Hinterfragung und Konfrontation. Das Leben in dieser Band war bestimmt nicht immer einfach, dies spürt man aber wenig bei „Grant & Ich“. Für alle Freunde der etwas andersartigen Popmusik wird hier dennoch viel Unterhaltung geboten – da zeigte sich Nick Cave zu Recht begeistert.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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