Richard Barbieri

Richard Barbieri – Planets + Persona (2017)

 

Richard Barbieri – Planets + Persona
Label: Kscope, 2017
Format: Doppelvinyl im Gatefold
Links: Discogs, Künstler
Genre: Experimental, Art-Rock

Der Herr an den Tasten wurde zwar durch seine wichtige Mitarbeit bei Japan und Porcupine Tree weltberühmt, sein wahres Talent wurde aber immer durch Zeremonienmeister wie Brian Eno oder Steven Wilson überstrahlt. Umso besser, dass man nun endlich wieder ein Soloalbum von Richard Barbieri geniessen darf – und Zurücklehnen empfiehlt sich hier. Denn mit „Planets + Persona“ zeigt sich der Musiker von einer ruhigen und experimentellen Seite, ohne den Art-Rock oder gar den Jazz zu vergessen.

Richard Barbieri schafft es immer wieder, seine zarten und sich langsam entfaltenden Stücke so zu gestalten, dass die Musik wie ewig und vorhanden wirkt. Als ob man sie bloss entdeckt und nicht extra komponiert und aufgenommen hätte; ein Vermächtnis vergangener Zivilisationen und Kulturen. So sind auch Stücke wie „Solar Sea“ oder „Night Of The Hunter“ filigrane Kristallgewächse, welche mit Leerstellen wie auch wundersamen Synthieflächen gleichwohl begeistern. Barbieri spielt frech mit Klängen, Rhythmen und Effekten – seine Instrumente werden mit neu gezeichneten Schaltplänen verändert.

Ob man „Planets + Persona“ nun eher im Ambient-Jazz oder im meditativen Kunst-Rock verordnen will, die Lieder scheinen sich jedem Gefäss anzupassen und doch komplett anders zu sein. Die instrumentalen Stücke werden somit zu Entdeckungsreisen und bringen einem auch Trompete, Vibrafon oder die Fender Rhodes näher, ohne aufdringlich zu wirken. Vielmehr darf man hier in klare Seen eintauchen und scheinbar selber die Musik umformen und vollenden. Ein wirklich spannendes und vielseitiges Werk hat uns Richard Barbieri hier geschenkt.

Anspieltipps:
Solar Sea, Night Of The Hunter, Unholy

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Steve Jansen & Richard Barbieri – Stone To Flesh (1995)

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Steve Jansen & Richard Barbieri – Stone To Flesh
Label: Medium Productions Limited, 1995 / Remaster Kscope, 2015
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Jansen, Barbieri
Genre: Art-Rock, Ambient, Jazz

Das Kscope-Label ist nicht nur die Heimat vieler interessanter und visionärer Künstler, sondern sorgt auch gerne dafür, dass diese Menschen zusammenfinden und ihre Ideen gemeinsam neu formen können. Und obwohl die Zusammenarbeit von Steve Jansen und Richard Barbieri in den 90ern woanders veröffentlicht wurde, blüht sie nun neu gemastert und erweitert wieder auf. „Stone To Flesh“ erforscht den Art-Rock aus allen Perspektiven und bleibt dabei immer ruhig und gesittet. Ein wunderbares Album für Klangsammler und Schatzsucher.

Steve Jansen wurde mit der Band Japan bekannt, in der auch sein Bruder David Sylvian mitspielte. Nicht viel später fand er mit Richard Barbieri (bestens bekannt als Keyboarder von Porcupine Tree) einen Bruder im Geiste und spielte mit diesem mehrere Alben ein. „Stone To Flesh“ war die dritte Kollaboration der nachdenklichen Musiker und gefällt mit seinen langen und sanft entfaltenden Songs. Die Struktur in den Liedern ist nicht immer gleich ersichtlich, bereits der Opener „Mother London“ verlangt Aufmerksamkeit und ein gutes Gedächtnis – denn alles bricht nach sechs Minuten in sich zusammen, um wieder frisch gestartet zu werden. Dieses Mittel setzt die Musik gerne ein, schichtet Lieder um und bricht die Strukturen auf. Oft prallen synthetische Momente auf analoge und verbinden sich zu einer grossen Welle, man reitet darauf oder geht unter. „Sleeper’s Awake“ setzt dabei auf einen grossen perkussiven Anteil und verzerrt die Rhythmen merkwürdig elektronisch. Nicht selten denkt man bei diesen Klängen an den Art-Rock-Meister Peter Gabriel, gewisse Tracks würden sich auch auf seinen Platten gut machen. Das zeigt sich auch bei den Stimmungen die hier entstehen, die Musik erzählt eine Geschichte und man fühlt sie, als würde man in einem kleinen Boot auf dem Meer treiben. Akzente setzen Gäste wie Steven Wilson oder h, die Harmonika darf einspringen. Der Gesang bleibt meist Nebensache und eher ein Flüstern, dies tut der Musik aber gut. Es gibt schliesslich viel zu entdecken und zu entwirren.

Mit dem Remaster darf „Stone To Flesh“ nun endlich so glänzen, wie es damals wollte. Jansen und Barbieris Ideen reizen und funktionieren immer noch, auch der neu aufgenommene Song „Map Of Falling“ fügt sich gut in das Werk ein. Somit ist diese Wiederentdeckung eine sehr spannende Kombination aus experimenteller Electronica, Ambient, Jazz und Art-Rock. Was halt kluge Köpfe alles so mit sich bringen, wenn sie gemeinsam hinter den Instrumenten stehen.

Anspieltipps:
Mother London, Sleeper’s Awake, Closer Than „I“